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Beilage zur Nr. 95 des Kreisblatts.
Hersfeld, den 10. August 1889.
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Wotitische Nachrichten.
(Deutschland.) Ihre Majestät die Kaiserin und Königin traf am Donnerstag Morgen 7 Uhr 12 Min. auf Station Wildpark ein und fuhr sofort nach dem Neuen Palais. — Kurze Zeit darauf, 7 Uhr 40 Min., kam Ihre Majestät die K a i s e r i n A u g u st a in Potsdam an und begab sich zu Wagen nach Schloß Babelsberg.
Dem Vorstände des Süd-Thüringischen Krieger- bundes ist vom Meiningschen Hof Marschall Amt offiziell mitgetheilt, daß der Kaiser am 19. d. Vormittags von Bayreuth in Jmmelborn ankommen und von da zu Wagen nach Ltebenstein fahren werde.
Fürst Bismarck wird voraussichtlich schon am 10. August aus Varzin in Berlin eintreffen. Unmittelbar nach der Abreise des Kaisers von Oesterreich gedenkt sich Fürst Bismarck nach Kissingen zu begeben.
Betreffs der Nachricht von dem Aus- bruch der Rinderpest in Russisch-Polen schreibt der Reichsanzeiger": Die an Ort und Stelle angestellten amtlichen Ermittelungen haben ergeben, daß die mehrfach gebrachte Nachricht, in Russisch-Polen sei nahe der preußischen Grenze (bei Peisern) die Rinderpest ausgebrochen unrichtig ist. Es haben in dem bezeichneten russischen Kreise mehrere tödtlich verlaufene Milzbrandfälle (Anthrax) stattgefunden — allein diese nicht umfangreiche Epidemie ist bereits erloschen. Zudem ist die preußische Grenze seit Jahren gegen den Import von russischen Wiederkäuern streng gesperrt, so daß in keinem Fall die Einschleppung der einen oder anderen Seuche zu befürchten ist. Auch der Schmuggel von Vieh hat dank der energischen Grenzbewachung seit längerer Zeit völlig aufgehört.
Wie aus Preßburg gemeldet wird, hat eine Württembergische Militär-Deputation dem 6. Husaren »Regiment König von Württemberg, welches anläßlich des Jubiläums des Königs Karl eine Deputation nach Stuttgart gesandt hatte, einen Gegenbesuch abgestattet. In An Wesenheit des Officierkorps des genannten Regiments fand dabei ein Verbrüderungsfest statt, bei welchem begeisterte Toaste auf beide Reiche und deren Herrscher ausgebracht wurden.
Zur Aufbringung der Volksschul- lehrerpensionen kommt bekanntlich außer den gesetzlichen Staatsbeiträgen bis zur Höhe von jährlich 600 Mark, noch die Verpflichtung der Schulverbände zur Leistung von Beiträgen in Betracht. Nach einer Verfügung des Ministers der geistlichen rc. Angelegenheiten ist grundsätz lich daran festgehalten, daß die Schulverbände ihren Antheil an der gedachten Pension aus eigenen Mitteln zu decken haben. Wenn aber in einzelnen Fällen ein Schulverband erweislich durch Ausbringung seines Antheils an der Lehrerpension unfähig werden sollte, die Besoldung des im Amte stehenden Lehrers zu sichern, so soll der Staat zu diesem Zwecke helfend ein- treten, oder wenn ungeachtet der Erleichterung, welche einem Schulverbände in Folge der Gesetze vom 14. Juni v. I. und 31. März d. I zu Theil wird, die Lehrerbesoldung ohnehin schon ganz mittelst einer Staatsbeihülfe hat gesichert werden müssen, so ist unter Darlegung des Sach- verhaltcs und Begründung des Bedürfnisses die ministerielle Genehmigung behufs Gewährung einer Beihilfe zur Bestreitung der Schulunter- Haltungskosten nachzusuchen. ■
Das Prisengericht in Sansibar hat den von den Engländern beschlagnahmten Petersschen Dampfer „Neära" wieder freigegeben; derselbe wird jetzt bekanntlich vom Hauptmann Wißmann benutzt.
(O e st e r r e i ch - U n g a r n.) Kaiser Franz Joseph ist am Mittwoch aus Jschl in Wien eingetroffen. Am 10. d. eröffnet der Kaiser das neue naturgeschichtliche Museum; am Sonntag Abends erfolgt die Reise nach Berlin. Am 18. d. fährt der Kaiser nach Jschl zurück, wo er seinen Geburtstag im stillen Familienkreise feiert und am 24. d. empfängt der Kaiser tu Wien den zum Besuch kommenden Schah von Persien. — Wie der „Köln. Ztg." aus Pest gemeldet wird, hat A n d r a s s y eine gefahrvolle Operation glücklich überstanden, so daß Hoffnung auf Besserung vorhanden ist.
(Fran kretch.) Der Sengt hat am Donnerstag
als S t a a t s g e r i ch t s h o s die Verhandlungen gegen den General Boulanger begonnen. Die erste Sitzung war öffentlich. Da gegen den Angeklagten im Contumaciam verfahren wird, fällt wie das Verhör des Angeklagten auch die mündliche Zeugenvernehmung fort, so daß die Protokolle über die früheren Zeugenaussagen einfach vorgelegt werden. Nachdem die öffentlichen Sitzungen beendet sind, wird sich der Staatsgerichtshof als Rathskammer constituiren. Trotzdem werden mindestens vier Schungen erforderlich sein, so daß der Senat auch am Sonntag zu diesem Zwecke zusammen sein w rd. — D'e Marschälle Mac Mahon und Canrobert, sowie General Gallifet haben sich geweigert, an dem Kriegsgericht über Boulanger theil- zunehmen. — Diejenigen Pariser Biätter, welche nicht unmittelbare Parteiorgane sind, sprechen die Ansicht aus, daß die Vertheidigung des Generals Boulanger gegen die Anklageschrift des Ober-Staatsanwalts Beaurepatre als eine sehr geschickte bezeichnet werden müsse. Jedenfalls erhellt aus den Angaben des Generals, daß er nicht leichtsinnig mit dem Geld umgegangen ist, sondern im Gegentheil einer äußerst genauen Beobachtung des rechnungsmäßigen Theiles seiner Amtsobliegenheiten sich beflissen hat.
(Rußland.) Am Mittwoch fand im Großen PalaiS zu Peterhof die kirchliche Trauung des Großfürsten Peter Nicolajewitsch mit der Prinzess in Militza von Montenegro nach dem dafür ausgestellten Programm statt. — Zugleich wird nun auch die jüngere Schwester der Prinzessin Militza bald unter die Haube kommen. Bei dem Hojdiner in Peterhof proclamirte nämlich der Zar die Verlobung deS Prinzen Georg von Leuchtenberg mit der Prinzessin Bnastasia von Montenegro. — Das Wiener „Extrablatt" will wissen, daß Herr v. GierS, der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Rußlands, Mitte dieses MonatS nach Wien und Berlin reisen werde. Eine Bestätigung dieser Nachricht, welche früher schon einmal auf- getaucht war. bleibt abzuwarten.
(B a l ka n st aat e n.) In den griechischen Regierungs. kreisen hält man noch immer an der Annahme fest, daß ei möglich wäre, den bedrohlichen Zuständen aus Kreta ein Ende zu bereiten, wenn die Pforte sich zu ausgiebigen Zugeständnissen. besonders aus finanziellem Gebiete entschließen und zugestehen würde, daß die Einkünfte der Insel, abgesehen von der Zahlung der Tributes, für die eigenen Bedürfnisse derselben verwendet werden sollen. Allerdings wäre eS nothwendig, daß die Zugeständnisse der Pforte in kürzester Zeit ersolgen. — Ein Gerücht, daß die g r i e ch i sch e Regierung zu Gunsten der Aufständischen auf Kreta eine N o t e a n d i e M 8 ch t e gerichtet habe, erhält sich und tritt mit vermehrter Bestimmtheit aus.
(A m e r i k a.) Wie auS Washington berichtet wird, hat das Congreh-Comitee sür die auswärtigen Angelegenheiten bereits die Bill ausgearbeitet, welche die Erhebung der vier nordamerilanischen Gesandtschaften in Berlin, London, PariS und Petersburg zum Range von Botschaften verfügt, und wird diese Vorlage an deren Annahme nicht gezweifelt wird, dem Congresse gleich nach s-inem Wiederzusammentrittt zugehen.
(Afrika) Die Dinge in Abessinien haben nach dem Tode des bisherigen Regus verhältnißmäßig schnelle Regelung gesunden. Der den Italienern besreundete König Menelik von Schoa empfing mehrere Häuptlinge, die ihm ihre Unterwerfung anzeigten. Ganz Abessinien, mit Ausnahme von Tigreh, ist ohne Schwertstreich besetzt. König Menelik beabsichtigt, die Regenzeit in Antoto zu- zubringen und sich im September als Negu» krönen zu lassen.___________ ___
Aus Provinz und Nachbargebiet.
H e r s f e k d, den 9. August 1889.
* (Zehn Jagd-Gebote.) 1) es soll nur aus solche Distanzen gischossen werden, wo eine rasche Streckung (Erlegung) unt Sicherheit zu erwarten steht; 2) es soll stets das zur Streckung geeignete Geschoß verwandt werden (Kugel, Posten, Schrote); unsichere Schüsse sind thunllchst zu vermeiden; 3) es soll gestrecktes Wild auf möglichst schmerzlose Weise getödtel werden; 4) es soll angeschossenen Thieren eifrigst nachgesucht, und für rasche Tödtung derselben gesorgt werden; 5) Hunde, die angeschossenes oder abgefangenes Wild anschneiden (andeißen), find für immer von der Jagd auszuschließen; 6) am allerwenigsten dürfen wetd- wundgeschossene oder gestreckte Thiere jungen Hunden behufs deren Dressur überlassen werden, damit ste dieselben zerren, beuteln und demnächst todtbeitzen; 7) bei der Hundedressur find durchgängig alle Roheiten und Grausamkeiten ernstlich zu vermeiden; 8) auch dem Raubzeug soll nicht aus martervolle Art Abbruch gethan, und 9) nur aus nutzbares oder schädliches Gethter geschossen werden; 10) alle entgegenstehenden Vornahmen oder Zulassungen sind als grausame Tierquälerei zu betrachten, und es ist gegen Betreffende behufs Bestrafung möglichst vorzugehen.
* (I m E r n t e m o n d.) In diesem an Witte- rungsabgormitäten so reichen Jahre trifft die
Bezeichnung „Erntemonat" sür den August nicht mehr im ganzen Umfange zu, da wohl überall im deutschen Vaterlande die Getreideernte meist beendet ist. Doch bringt der August dafür die F r u ch t e r n t e und deckt so den Tisch für alles, was da kriecht und fliegt. Die verschiedenen Beerenarten, die Melonen und Kürbisse, sowie die Pflaumen, Birnen und Aepfel und später die Nüsse und Weintrauben gehen in diesem Monat ihrer völligen Reife entgegen, um des Menschen Herz zu erfreuen. Diese Zeit der reifenden Früchte ist die schönste Zeit für die Vogelwelt, welche eine außerordentliche Rührigkeit entfaltet. Noch sind die Sperlinge z. B. in der zweiten oder dritten Brut begriffen, während die meisten anderen Vögel, sich in dem Vorgänge der Mauser oder in dem Wechsel ihres Gefieders befinden. Sobald diese Periode vorbei ist, nimmt eine andere Bewegung in der gefiederten Welt ihren Anfang, nämlich der Vogelzug. Der Kukuk, die Schwalben, die Störche u. a. verlassen unsere Gegenden, um zum Süden zu ziehen, auch die Strichvögel beginnen sich in großen Schaaren zu sammeln und umher- zuschweifen. Wie die Vögel, sind auch die Säuge- thiere einer Erneuerung ihres Kleides unterworfen, namentlich verlieren die Raubthiere ihre Sommerhaare und ziehen das dichte Winterkleid an. In der Blumenwelt macht sich ein Rückgang bemerklich, da immer weniger ihre Kelche erschließen und die bunten Blüthen der anderen in der Hitze und dem Staube absterben und verwelken. So naht leise und allmälig der Herbst.
* Der Diskette Anfang der diesjährigen Leipziger Michaeltsmesse fällt auf den 30. Septbr. Dieselbe endigt mit dem 19. October. Die Meßbörse für Lederindustrie findet am 24. September statt.
»(Stellen für Militär-A nw ärter i m B e z t r k d e s 11. A r m e e c o r p 8.) Cassel. Briefträger per 1. Novbr., 800 Mk. Gehalt und 180 Mk. Wohnungsgeldzuschutz. Dillenburg, Schullehrer-Seminar, Schulbiener, 600 Mk. Gehalt und freie Wohnung« Die Stelle eignet sich besonders für einen Schneider oder Schuhmacher. Hanau, Postamt, Briefträger 800 Mk. Gehalt, 144 Mk. Wohnungsgeldzuschutz. Höchst, Bürgermeisteramt, Polizeisergeant, 1000 Mk. Gehalt.
Sanvershausen, 6. August. Bor einigen Tagen stürzte der Bürgermeister H. in seiner Scheune aus dem Dachspetcher herab und wurde sehr schwer verletzt.
Homberg, 6. August. In dem zum hiesigen Kreise gehörigen Dorfe Leuderode ist gestern auf dcm Hofe eines Landwirths ein Mädchen von 9 Jahren beim Spielen in einen Ziehbrunnen gestürzt und ertrunken, da Hülfe Erwachsener, die sich zur Zeit grötztemheils bet der Ernte befinden, nicht rasch genug zur Stelle sein konnte.
Frankfurt a. M., 4. August. Eine Frau, deren Ehemann vor einiger Zeit durchging, hatte gegen Diesen die Scheidungsklage eingeretcht. Da Die Frau den Ausenthalsort des Beklagten nicht kannte, so war eine öffentliche Ladung ergangen, aber noch vor dem Termin traf ein Schreiben aus Constantinopel ein, worin der Ehemann mittheilte, (r sei Muhamedaner geworden, und ersuche die Adressatin, zu ihm zu kommen, um als „erste" Frau se oem Hauswesen vorzustehen. Da dem Briefe 600 Mark Reisegeld beilagen, so besann sich die Frau rucht lange, ste lietz den für die nächsten Tage anstehenden Verhandlungstermin auslallen und reiste nach der türkischen Hauptstadt ab.
Sann. Münden, 6. August. Aus DranS- seid wurde heute Nachmittag ein Mann in daS h'esige Geiängnitz eingebracht, der seinen 18jährigen Sohn erstochen haben soll. ___
Vermischtes.
— Mainz, 5. August. Gestern Abend ist hier die Tochter eines Geschäftsmannes in Folge eigener Unvorsichtigkeit verunglückt. DaS Mädchen hatte sich den Kopf mit Spiritus gewaschen und zündete unterdessen ein Licht an, wobei es mit den Spiritus getränkten Haaren dem Licht zu nahe kam; das Haar fing Feuer und das arme Mädchen wurde schrecklich verbrannt.
— Eine „s ch n e t d t g e" A n z e i g e stand dieser Tage in einem rheinischen Blatte zu lesen: „Herr- scha tlicher Kutscher gesucht, Kerl, der nicht mit Glacehandschuhen angesaßt zu werden braucht. -
— Mannheim, 6. August. Zwei seit einigen 1 Tagen vermißte Gymnasiasten Namens Sammtt