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Htlsstl-er Kreisbllilt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Itnterhaltnngsölatt".

Nr. 95.

Sonnabend den 10. August

1889.

Amtliches.

In Gemäßheit der Vorschrift des §. 6 des Gesetzes vom 27. Juli 1885 über die Communal- besteuerung ist der bei der Veranlagung der Ge­meindeabgaben von fiskalischen Domänen und Forstgrundstücken für das laufende Steuerjahr der Gemeinden zum Grunde zu legende Ueber- schuß der Einnahmen über die Ausgaben durch Resolut des Herrn Ministers für Landwirth­schaft, Domänen und Forsten vom Uten Juli 1889 in der Provinz Hessen-Nassau auf 78,3 Prozent des Grundsteuer-Reinertrags festgestellt.

Cassel am 25. Juli 1889.

Königliche Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domainen und ___ Formen.____________

Auf Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und auf Grund des §. 107 des Zuständigkeits- gesetzes vom 1. August 1883 wird hierdurch bestimmt, daß die Jagd auf Rebhühner am 26, August d. I., die Jagd auf Hasen am 14. Sep­tember d. J. ihren Anfang nimmt.

Cassel am 3. August 1889.

Namens des Bezirks-Ausschusses: Der Vorsitzende.

Hersfeld, den 8. August 1889.

Der am 4. September 1866 zu Schenklengs- feld geborene Tagelöhner Johann Conrad Höfer hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Aus­wanderung nach Amerika nachgesucht.

7311. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Unser Kaiser in England.

Im Laufe des Dienstag Vormittags hatte sich

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Mit der Fluth.

Novelle von Zoe von Reuß.

(Fortsetzung.)

Gras Breteuil verbeugte sich tief und stumm, während der junge deutsche Edelmann einen Blick nach Stimme hinüberwarf, in welchem neben un- getheilter Bewunderung ein leises Bedauern zu lesen war. Dazu sprach er ohne jeden Accent: Die Jugend neben der ernsten Kleidung hätten mich beinahe verführt, die Bicomtesse sür ein Kloster- fräulein zu halten.....*

Ich war es bis vor wenig Wochen," stammelte Aimäe, indem ste ihre dunkeln Augen voll aus Graf Hohenstein richtete. In der Schön­heit und Ritterlichkeit seiner Erscheinung, in der Feinheit seines Benehmens, erschien ihr dieser Deutsche plötzlich wie ihr Ideal, daS Fleisch und Blut gewonnen hatte. Wenn Bayard blond ge­wesen wäre so und nicht anders hätte er sicherlich auSgesehen.

Welches Glück sür uns, daß uns Enten und LapinS bis jetzt gesesselt hatten, aus dem Schlosse unseres gemeinsamen Freundes, des BaronS d'Hiver," sagte Gras Breteuil.Der glücklichste aller Sterne hat uns hierher geführt! Gefällt es der Frau Baronin einzusteigen?" fuhr er, den Arm bietend, gegen die Dame gewandt, fort, um sie an den Traasessel zu begleiten.

Inzwischen hatte Graf Hohenstein bereits das Pferd seines Dieners bestiegen, u« Halhpso der

Se. Majestät der Kaiser mit dem Prinzen von Wales an Bord derOsborne" nach der Sandown-Bai begeben, um die zu den Manövern auslaufende englische Flotte vorbeipassiren zu lassen und gleichzeitig der alljährlich stattfindenden großen Wettfahrt des Iachtgeschwaders beizu- wohnen. Auf der Rückfahrt von dort wurde in der Osborne-Bai dieIrene" besucht und eine Rundfahrt um das deutsche Ge­schwader gemacht. Abends erschien Se. Majestät mit dem Prinzen Heinrich bei dem Banket des Königlichen Iachtgeschwader- klubs. Der Kaiser saß zwischen dem Prinzen von Wales, welcher als Kommodore des Jacht- geschwaders den Vorsitz führte, und dem Prinzen Albert Victor. Zahlreiche disttnguirte Persön­lichkeiten nahmen an dem Banket Theil. Se. Majestät der Kaiser brächte den Toast auf die Königin Victoria aus, während der Prinz von Wales auf das Wohl Sr. Majestät des Kaisers trank. Nach dem Banket begab sich der Kaiser an Bord derHohenzollern", um dort die Nacht zu verbleiben. Am .Mittwoch früh ging die JachtHohenzollern" zeitig nach Portsmouth ab, von wo sich Se. Majestät der Kaiser per Bahn nach Alderfhot begab, um der dort stattfindenden Truppenschau beizuwohnen. Nachmittags sollte die Rückkehr nach Osborne, Abends bei der Königin Viktoria ein Banket stattfinden. Wie verlautet, hat Se. Majestät der Kaiser seinen Besuch um einen Tag verlängert und wird die Rückreise erst am Freitag früh antreten.

* * *

Aldershot, 7. August. Die Revue, an der ungefähr 30000 Mann aller Waffengattungen Theil nahmen, verlief sehr glänzend. Das Wetter war prachtvoll. Se. Majestät der Kaiser trug die Uniform der Gardes du Corps, Se. K. H. Prinz Heinrich deutsche Marineuniform. Die Truppen defilirten in vorzüglicher Haltung.

jungen Bicomtesse anbieten zu können. Sie nahm eS an. allerdings etwas zögernd, indem sie ent­schuldigend sagte:

Ich bin eine schlechte Reiterin eS ist lange her, daß ich meinen Vater begleiten durfte. Im sacr6 coeur empfangen die jungen Damen keinen Reitunterricht."

So darf ich Ihr Cavalier sein?"

Aimäe bejahte leicht und saß bald im Sattel. Graf Hohenstein ritt dicht neben ihr her, um Calypso anfangs an die Vetne zu nehmen. Später ließ er sie allein reiten, blieb aber dessen ungeachtet an ihrer Seite. Bald war man in lebhaftestem Gespräch. Er erzählte, daß er aus Sachsen stamme und sich auf der gebräuchlichen Cavaliertour des deutschen Edelmannes befinde. Zuerst habe er Schweden besucht, das ihm durch die Köutgsmarck's schon ein wenig bekannt gewesen sei; später sei er an den Hof von St. James gegangen. Paris, als daS beste, habe er für zuletzt aufgespart. Auch sei ihm die Zeit im Fluge vergangen im Genuß der französischen Gastfreundschaft.....Aimäe hingegen sprach vom sacrö coeur, von Schloß Merville, zuletzt mit thränenden Augen von der Gefangenschaft des Vaters. Nur ihres Verlobten erwähnte sie nicht.

Graf Hohenstein war ganz Ohr; besonders interessirte ihn alles, was Aim4e von dem Bicomte berichtete.Wahrlich, ich liebe ihn schon, fast ebenso stark, als Sie selbst ihn lieben, Bicomtesse!" rief er mit Feuer.Welcher Mann muß er sein, um solche Tochter zu haben!"

Der Kaiser beglückwünschte den Herzog von Cambridge und den Commandanten von Alderfhot, General Wood, zu dem guten Aussehen und der guten Haltung der Truppen.

Alderfhot, 7. August, Abends. Bei seiner Ankunft im Lager wurde Se. Majestät der Kaiser von dem Herzog von Cambridge, mit einer glänzenden Suite, unter welcher sich Gene­ral Wolseley, die Söhne des Prinzen Christian von Schleswig-Holstein und des Herzogs Tock befanden, empfangen. Se. Majestät reichte der Prinzessin von Wales die Hand und geleitete sie zum Wagen, worauf Allerhöchstderselbe zu Pferde stieg und nach dem Manöverterrain galoppirte. Gleich nach der Ankunft des Kaisers gaben zwei Kanonenschüsse das Zeichen zum Beginn der Ma­növer, welche mit großem Elan ausgeführt wur­den und etwa 3-/2 Stunden dauerten. , Die Operationen endeten mit der gänzlichen Nieder­lage der den Feind bildenden Truppenabthei- langen. Kurz darauf nahmen Se. Majestät das Dejeuner in einem großen Zelte im Lager ein, unterdessen machten sich die Truppen zum Parade­marsch bereit. Der Letztere begann um 4/a2 Uhr und dauerte bis */+3 Uhr. Der General Sir Evelye Wood ritt an der Spitze der defilirenden Truppen, unter welchen sich außer der Cavallerie, Infanterie und Feldartillerie auch das Ponton­regiment, das Telegraphenbataillon, die Ballon- abtheilung und das Pflegecorps befanden. Nach­dem sich der Kaiser vom Herzog von Cambridge mit herzlichem Händedruck verabschiedet hatte, erfolgte die Abfahrt nach dem Bahnhöfe und von da aus mittelst Extrazuges die Rückreise nach Portsmouth. Bon Portsmouth wird Se. Majestät zu Schiff nach Osborne zurückkehren.

* *

Der glänzendeVerlauf d er Truppen- schau in Aldersoht wird allerseits bestätigt. Auf den bei dem Frühstück im Lagerzelte von

AiwSe erröthete tief und trieb Calypso etwa» an, um ihr Erröthen zu verbergen. Aber der deutsche Graf war bald wieder dicht neben ihr, um das Gespräch fortzusetzen. So gelangte man schnell ins Dorf und an dieDiligence", woselbst Madame Gervaise schon in der Thür bereit stand, um die Gäste zu empfangen. Auch war an paffenden Vor­bereitungen drinnen im Gastzimmer, wie im ganzen Hause, eilig geschehen, was möglich war. Der ge­deckte Tisch war mit Svvres Porzellan besetzt, neben zwei goldköpfizen Flaschen standen Bouquets von Frühlingsblumen. Selbst das kleine Madonnen- bild hinter dem Betschemel hatte mau mit frischen Veilchen überstreut. Dazu brodelten draußen in der Küche ein paar junge Hühner, denen man schnell den Garaus gemacht hatte, und daneben schmorten einige Fische aus dem Schloßweiher. Als die Baronin mit dem ihr zur Seite reitenden Breteuil anlangte, konnte sie nicht umhin, einige Anerkennung ,ür Madame Gervaise zu haben.

Während des gemeinsamen Mahles hatte Pierre durch den Dorsschmied Hülfe geschafft. Der Schaden ward in ein paar Stunden kurat, ein neues Rad an die Stelle des Alten gesetzt. Man konnte PariS noch immer vor Anbruch der Nacht erreichen.

Nach dem Diner pflegte die Baronin meist ihre Patience zu legen und dabei die Mittagsruhe zu halten, und da Pierre alle die nothwendigen Be­quemlichkeiten vorgesehen, blieb sie dieser Gewohnheit treu. Graf Breteuil, der sich der Baronin bt» jetzt gewidmet hatte, mit aller Galanterie des alt» srgnzöfisihen Edelmannes, entschädigte sich nun,