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__________Mit wöchentlicher Kralis-Aeilage „Illukrirtes AnlertjaltnugsSlatt".__________
Nr. 94. Donnerstag den 8. Anglist 1889.
Unser Kaiser in England.
Die auf Sonnabend den 3. August anberaumte große Besichtigung derengltschen Flotte mußte wegen Sturm und Regen auf Montag verschobt werden. Der Kaiser blieb in seinem Zimmer, arbeitete viel und hatte eine lange Unterredung mit Lord Salisbury, ebenso fanden längere Besprechungen zwischen den Grafen Bismarck und dem deutschen Botschafter Grafen Hatzfeldt mit Lord Salisbury statt. Am Nachmittag, als das Wetter günstiger geworden, stattete der Kaiser dem Prinzen und der Prinzessin von Wales auf ihrer Jacht „Osborne" einen Besuch ab, später fand bet der Königin Galatafel statt. Am Sonntag, 4 August wohnte der Kaiser mit der Königlichen Familie dem Gottesdienst in der Kapelle der Königin bet und empfing dann eine Abordnung der Deutschen in England, welche eine Ergebenheitsadresse überreichten. Nach dem Frühmahl besuchte der Kaiser in der Juterimsuniform eM britischen Admirals die. englische Flotte und besichtigte einige Schiffe, welche die besonderen Typen des Schiffbaues darstellen, eingehend. Zu den deutschen Schiffen hatten sich außer dem Kadetten-Schulschiff „Niobe" auch noch das Schiffsjungen Schiff „Nixe" gesellt, welches auf Befehl des Kaisers gleichfalls bet dem Geschwader bleiben soll. Die deutschen Matrosen waren zahlreich an Land beurlaubt und zeichneten sich durch ihr vorzügliches Benehmen aus. Auch wundern sich die Engländer, daß die meisten deutschen Matrosen englisch sprechen.
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Zum Eh ren-A d mi r al derbritischen M»^^ ™ uu^u ^^...-^^ ^nv^u vH™r Fl otte ist Kaiser Wilhelm nach seiner Ankunft tigt zu werden, — umfaßt 112 Schiffe der ver- in Osborne von der Königin ernannt worden, schiedensten Klassen und Altersstufen. Es sind Es ist dies die höchste Auszeichnung, welche die. alle Gattungen von Kriegsschiffen und selbst die Königin von England zu vergeben hat und schließt Postdampfer vertreten, deren Einrichtung ge- zugleich eine Anerkennung ein für die lebhafte stattet, sie zur Kriegszeit in Kreuzerschiffe umzu-
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Mit der Fluth.
Novelle von Zoe von Reuß,
(Fortsetzung.) _
Die weitere. Intime Unterhaltung zwischen Mutter und Sohn ward durch Atm^e's Eintritt unterbrochen. Wie ein herrliches van Dyck'sches Bild stand die Lichtgestalt plötzlich in dem dunklen Rahmen der Flügelthür, leicht wie eine Fee schwebte sie heran. Die herbe, knospenirische Frühlings- luft hatte ihre zarten Wangen sanft gcrölhet, die sanften, dunkeln Augen strahlten als zwei Sterne. Selbst den jungen Baron nahm der Eindruck gefangen.
»Man könnte es beklagen, daß Sie als Baronin Cavignac die dunkle Klosterkleidung ablegen werden, meine süße Cousine," sagte er schmachtend, indem er anstatt der Fingerspitzen das weiße Handgelenk feiner Braut küßte. „S'e sind zu schön darin l"
Atmöe empiand die Zärtlichkeit des KusseS fast wie einen Schlangenbiß und ergriff das bereits von sich gelegte Andachtsbuch wieder, um sich edi« zu entfernen. Aber die Baronin hielt sie zurück, indem sie sagte:
„Wir werden auch einige Toiletten in dunkleren Farben wählen — nicht war, meine Liebe? Vielleicht königsblau und burgunderiarben?..... Apropos, wir haben noch immer nicht den Tag unserer Abreise nach Paris festgesetzt. Wirst Du d e Güte haben, mir Deine Wünsche zu sagen, DMk Siebe!'
Thätigkeit, welche der Kaiser der Hebung der deutschen Seemacht mit voller Kenntniß des seemännischen Dienstes zuwendet. Außer dem Kaiser ist nur der englische Thronfolger, Prinz von Wales, Ehren-Admiral der Flotte. Der Kaiser hat diese Ernennung der deutschen Marine durch das „Marine-Verordnungsblatt" bekannt geben lassen, und hat seinerseits die Königin von England zum Chef des 1. Garde-Dragoner- Regimentsund denH erzog vonCambridge, Oberbefehlshaber der englischen Armee, zum Chef des 2. rheinischen Infanterie-Regiments No. 28, dessen Chef ehemals der Herzog von Wellington war, ernannt. Die Commandeure sowie Officiersdeputationen der beiden Regimenter sind telegraphisch nach Osborne befohlen worden. — Die Königin von England hat ferner dem Prinzen Heinrich den Hosenbandorden und der Kaiser dem ältesten Sohne des Prinzen von Wales, Prinzen Albert Victor, geboren 1864, den Schwarzen Adlerorden verliehen. Wie die Ernennung des Kaisers zum „Admiral der Flotte" eine einzig dastehende Auszeichnung ist, so ist es auch die Ernennung der Königin zum Chef eines preußischen Garde-Cavallerie-Regiments. Noch nieinals ist ein fremder oder ein deutscher Fürst, oder auch nur ein preußischer Prinz Chef eines Garde-Cavallerie-Regiments gewesen.
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Die englische Flotte, welche am Montag vom Kaiser besichtigt wurde, — es war ausdrücklich eine „Besichtigung" und nicht eine
„Parade" angesagt mit der Maßgabe, daß jedes Schiff in der Verfassung sein müsse, von Sr. Majestät in allen seinen Theilen eingehend best dp
Aimöe, welche durch Margot erfahren hatte, daß Etienne Marchand, als Lerserttger eines wundervollen, elfenbeinernen Schachspiels, w rklich von seinem Meister bestimmt worden war, demnächst dem Könige Unterweisung in der Ausübung von dessen L'eblingsbeschäMgung zu geben, hatte gegen eine baldige Abreise durchaus feine Einwendung mehr zu machen. Die Gegenwart des Vetters mußte sie hier wie dort ertragen, ja, es war zu hoffen, daß er sie in Paris we't weniger belästigen werde, als hier in der Einsamkeit und Traulichkeit des Landlebens, Sie sagte darum zustimmend:
„Die Frau Baronin von Cavignac wird am besten selbst den Tag der Abreise bestimmen Ich werde ihre Wünsche jederzeit zu respectiren wssen!"
„Wohl mein Kind!" sagte diese anerkennend. Dann setzte ste überlegend hinzu: „Es w;rd am besten sein, daß Aiphons bereits morgen reisen wrd, um unsere Ankunft im Hotel Cavignac zu melden und die nöthigen Vorbereitungen zu unserm Empfang zu veranlassen. Paßt Dir das Arrangement, mein Sohn?"
Der junge Baron verbeugte sich stumm.
„Gut, die Sache ist also erledigt! Den heutigen Tag aber, den letzten in der E nsamkeit des Landlebens, überlasse ich Euch beide Euch selbst — o, Ihr werdet Euch sehnen, ihn auszukosten! Jst's nicht so? .... Wollt Ihr miteinander promentreu, reiten, gondeln? Um Euch durchaus nicht zu stören, werde ich den 6m6 aus'S Schloß befehlen lassen, um 6oart$ zu spielen,"
wandeln. Die Flotte ist in drei Linien aufgestellt und so vertheilt, daß auf die Mittellinie, von 10 km Länge 27, auf die südliche 20 und auf die nördliche 26 Schiffe entfallen, im Ganzen 24 km Front. Die übrigen Fahrzeuge sind Torpedo- und Kanonenboote und außerhalb der drei Treffen aufgestellt. Uebrigens ist dieser Anblick dem Kaiser, der von Jugend auf englische Kriegsschiffe gesehen hat, nichts Neues. Die große Flottenrevue bei Spithead, welche am 27 Juli 1887 die Festlichkeiten zu Ehren des Jubiläums der Königin Victoria abschloß und welcher der Kaiser als Prinz Wilhelm beiwohnte, umfaßte sogar 130 Schiffe. — Ueber den Verlauf derBesichtigung am Montag wird gemeldet: Bei ziemlicher Brise aber doch schönem Wetter nahm die Flottenschau bet Spithead heute Nachmittag den glänzendsten Verlauf. Als die Königin sich vom Kaiser vor dessen Abfahrt verabschiedete, trug dieselbe auf der Schulter eine Schleife Mit bei. Farben ihres preußischen Garde-Dragonerregiments und aus der Brust den Hohenzollernschen Hausorden. Der Kaiser trug die volleUniform eines britischen Admirals und wurde darin auf die Bitte der Königin photographirt. Der Kaiser fuhr mit dem Prinzen von Wales, dem Prinzen Heinrich von Preußen und den andern Fürstlichkeiten in vierspännigen Wagen nach dem Quai; in anderen Wagen folgten der Staatssecretär Graf Herbert Bismarck, der deutsche Botschafter Graf Hatzfeldt und der englische Premierminister Lord Salisbury. Der Kaiser und die anderen Herrschaften schifften sich zuerst auf der „Alberta" ein und begaben sich von da an Bord der Königlichen Jacht „Viktoria and Albert", welche sofort zur Revue abdampfe. Um 3 Uhr 35 Minuten meldeten die Salven des deutschen Geschwaders die Annäherung des Kaisers; die englische Flotte nahm den Salut mit betäubendem
Aiw^e schien wieder die fügsame Klosterschülerin geworden zu sein, gleichmüthig fast demüthig ließ sie alles über sich ergehen. So verging der Tag wirklich unter den Vergnügungen, die die Baronin für „die Liebenden" vorgesehen hatte. AlS der Abend kam, 'anden sich beide ermüdet.
Während Baron Alphons in seinen ApartementS zur Erholung im Cagliostro las und Champagner trank, schlüpite Aiwse, trotz ihrer Ermüdung, noch einmal in'S Gärtnerhäuschen zu Margot, um mit ihr zu plaudern.
IV.
Die „Diligence" galt für eines der besten Gasthäuser in der Umgebung von Paris. Zur Mittagszeit pflegten sich Posten der verschiedensten Gattung daselbst zusammen zu finden, Paffagiere von allerlei Art verkehrten mit Wohlbehagen bet Madame Gervaise, selbst auS PariS durfte ste zuweilen Gäste erwarten.
Im Gastzimmer hatte man zum Diner gedeckt. Au dem Tische daneben standen sauber «»gerichtet und wohlgeordnet b'e Speisen, daneben die hübsche Wirthin im großblumigen Pompadourkleide, auf dem Kopfe das kokette, hutähnliche Häubchen der Par ser Bürgerinnen. Noch wenige Minuten und der Postllongruß klang zu den geöffneten Fenstern herein. Gleich daraus traten die Passagiere in'S Z'mmer, um sich auszurnhen, und es sich eine Stunde lang bet saftig gebratenen Hawmelkoteletteu, Poularden und rothem Laubwetu wohl fein zu lassen.
Auch auS dem Dorfe hatte» sich allerlei Gast«