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Hersfeliier Kreisb!«!!.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Zilnkrirtes Ztuiertzaltungsölatt".
Nr. 93. Lirnstag den 6. Aligust 1889.
Aöonnements-Ginladung.
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Hersfelder Kreisdlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage ^JUuftrivtes Unterhattungsblatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher.
Hersfeld, den 5. August 1889.
Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eines Brandunglücks um so größer ist, je mehr Nahrung dem ausgebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, thunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach beendeter Ernte, die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüllt sind, soweit möglich ein Jeder seine Vorräthe gegen Feuersgefahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine thunlichst erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattfinden möge.
Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober- Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. Kreisblatt Nr. 20) die Abhaltung von H a u s c o l - lecten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand ebensowenig wie bet Hagelschlag genehmigt werden wird.
Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Aufbewahrung der Streichzündhölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon oft
(Unbefugter Nachdruck verboten,)
Mit der Fluth.
Novelle von Zoo von Reuß.
(Fortsetzung)
Etienne hörte jetzt täglich von der «neuen Zeit' in Paris reden, und er hatte sich auch selbst schon ein gewisses, eigenes Urtheil über die Verhältnisse gebildet. Jetzt aber beschäftigte ihn nur Aimöe's Leid. Nie war sie ihm so schön erschienen als jetzt, wo sie, den blaffen Kops gegen das Polster des LehnstuhleS gedrückt, ganz in Schmerz versunken schien. Zudem hing er selbst an dem Vicomte, der das Beste für ihn im Sinne gehabt hatte. Dabei ergriff ihn ein Gedanke.
«Sie sagen, der König sei gut und gerecht, meinte er, «und daß das Brod so theuer geworden, sei nicht seine Schuld. Ob sie recht haben, Mademoiselle? Wer kann eS wissen? Ich meine aber doch, man sollte eS versuchen, seine Gnade anzurusen!'
«Wer vermöchte zu ihm zu gelangen?' frug Madeleine hoffnungslos.
«Der Weg ist wett und hart!' glitt eS von Aimöe's Lippen, indem sie an ihre bevorstehende Vermählung mit Alphons von Cavignac dachte.
«Aber — vielleicht giebt eS einen Seitenweg, Mademoiselle?' sagte Etienne überlegend. «Mir kommt ein Gedanke!'
«Welcher? Was?' _
«Der König ist ein ziemlich geschickter Drechsler und hat sich kürzlich an meinen Herrn gewandt,
geschehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren Ortsvorstände wollen für thunlichste Bekanntwer- dung des Gesagten Sorge tragen, und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder einzuwirken. 7281. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Uoltzei-Uerordnung.
Auf Grund des §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867 ist für den Bereich der.Gemeinde Kalkobes mit Zustimmung der Gemeinde - Verwaltung folgende Verordnung erlassen:
Der Fußweg durch die Besitzungen der Kupfermühle dem Fezies entlang ist bei Strafe verboten.
Kalkobes, den 1. August 1889.
Die Ortspolizei-Verwaltung: Heyer.
Kaiserreise nach England.
Bei prächtigem Wetter, unter stürmischem Jubel einer ungeheuren Volksmenge auf unzähligen Dampfern, Jachten, Booten, sowie auf allen Punkten des Gestades, welche Aussicht auf das majestätische Schauspiel gewährten, erreichte Se. Majestät der Kaiser mit dem Kriegsgeschwader am Freitag die Gestade Englands. Zum Empfange des Monarchen hatte sich der Prinz von Wales, begleitet von seiner Gemahlin und seinen beiden Söhnen, sowie dem Herzog von Cambridge, nach Portsmouth begeben. Dort legte der Thronfolger große Admirals Uniform an und schiffte sich an Bord der reichbeflaggten Königlichen Jacht „Osborne" ein, welche, begleitet von den Jachten „Galatea" und „Fire Queen" nach dem Nab-Leuchtschiffe abging, wo die Begeg nung mit dem Kaiser und dessen Geschwader
um einen Lehrer in dieser Kunst. Er besitzt nämlich ein Schachspiel aus unserer Werkstatt dessen Figuren meinen Händen entstammen und deren Schönheit er anerkennt. Ich glaube, wenn ich Herrn Bernard bitten werde, wird er mich als Lehrer des Königs aufs Schloß senden . . . .'
«O, Etienne, den Gedanken hat Dir die Madonna selbst eingegeben!* rief Madeleine entzückt.
«Zwar weiß ich noch nicht, wie ich weiter handeln werde,' fuhr Etienne fort, «aber ich hoffe, daß mir der Zufall günstig sein w-rd. Es ist immerhin ein Weg gesunden, sich der Person des Königs zu nähern.'
«Ach, wenn Sie wüßten, Etienne, wie mich diese AuSsicht mit Hoffnung erfüllt,' sagte Aim^e dankbar, indem sie dem Milchbruder die weiße Hand entgegenstreckte, ganz wie früher, wenn er ihr die ersten Frühlingsblumen gebracht hatte. «Wann glauben Sie, daß ihr kluger Plan zur Ausführung gebracht werden könnte?*
«Sicher bald!'
Aimöe schien wie erlöst. Die Thräneuspuren aus den Augen wischend stand sie auf, um ins Schloß zurückzukehren. Die Tante durfte sie nicht beim Souper vermissen. Daß sich Etienne ihr anschloß, um sie durch den Park zu begleiten, schien ihr nur angenehm, wenn sie seinen Arm auch unter einem Vorwande zurückwies. Dafür folgte sie ihm aber willig auf den Umwegen, die er einschlug, und ließ sich immer von neuem die Pläne darlegen, mit denen der junge Handwerker sich trug, sie betrafen in diesem Augenblick nur die Befreiung des
erfolgen sollte. Die Ankunft des Kaisers am Nab sollte programmmäßig um 3 Uhr Nachmittags stattfinden, aber das Geschwader kam erst um 4 Uhr in Sicht.
Die deutschen Kriegsschiffe näherten sich lang* sam in einer einzigen langen Linie, die Jacht „Hohenzollern* voran, auf deren Brücke der Kaiser in Admiralsuniform stand, umgeben von dem Grafen Bismarck, dem Grafen Hatzfeldt und den übrigen Personen des Gefolges, alle in großer Uniform. Der Prinz von Wales begab ich nicht an Bord der „Hohenzollern', die gegen- eitige Begrüßung erfolgte vielmehr durch Signale. „Hohenzollern* hißte die britische Flagge am Fockmast, die deutsche Reichsstandarte am Hauptmast; die „Osborne" hißte die deutsche Flagge am Fockmast, die britische Flagge am Hauptmast. Als sich beide Jachten einander näherten, feuerten die deutschen Kriegsschiffe auf ein vom Kaiser selber gegebenes Signal 21 Salutschüsse ab. Kanonendampf verhüllte eine Zeit lang die Jachten und die Kriegsschiffe, nur die Mastspitzen und Flaggen waren sichtbar. Allmählich wurde durch ein Spalier von Vergnügungsdampfern, deren Insassen den Kaiser unaufhörlich mit Hurrahs und Schwenken der Hüte und Tücher begrüßten, Spithead erreicht, wo die britische Armada in drei langen Linien für die heutige Schau aufgestellt war. Als die „Hohenzollern" das Warner Leuchtschiff passirte, somit in die Gewässer der Rhede einlief, donnerten die Kanonen des östlichen Flügels der britischen Flotte dem Kaiser ihren Gruß entgegen; der westliche Flügel folgte. Das Schauspiel war großartig. Auf den Breitseiten der Schiffe waren die Raaen, auf den Thurmschiffen, die Thürme bemannt mit Blaujacken in weißen Beinkleidern und Strohhüten, während „ die deutschen Matrosen weiße Jacken, weiße Mützen und blaue Beinkleider trugen. Gleichzeitig mit
Vicomte, zu deren Erwirkung die Lieblingsneigung des Königs ausgenutzt werden sollte. Dann vertiefte man sich miteinander in Kindheitserinnerungen.
«Hier ist der Rasenplatz, wo wir miteinander die ersten Veilchen pflückten, und dort bet den Kaskaden spielten wir Federball. Wissen Sie noch, theure Aimäe, wie ihr Federball einst der schöpfenden Hebe gerade auf die Nase fiel und später an dem Gewände hängen blieb? Ich kletterte hinauf, und warf ihn Ihnen zu. Dort in dem Weiher, der noch immer Ihren Muschelkahn trägt, durfte ich Sie im Mondeuschein gondeln. An dem Bache, dort wo die Weiden stehen, befindet sich noch immer die Schaukel, die ich durch niedergebogene Weiden- zweige für unS Leide fertigen durfte. Wir saßen darin, glücklich wie zwei Vögel im Neste. Hier in dieser Laube lasen wir miteinander Paul und B rg'nie!'
Aiwsr bewunderte im Stillen Etienne's Gedächtniß. Wenn sie sich auch des geschwisterlichen Umgangs mit ihm mit Vergnügen entsann, waren die Einzelheiten ihrem Gedächtniß doch als werthloS entfallen.
«O, wer noch einmal leben dürste — als Paul und Birginiel* fuhr Etienne mit Entzücken fort. «Glückliches Dasein!*
Aim^e strebte jetzt energisch dem Schlosse zu. An den steisgeschnittenen Taxusheckea entlang wandelnd, gelangten sie aus den Seitenwegen bald auf die gradlinige, mit Sandstetugöttern geschmückte tzauptallee des Parks, die im Vestibül mündete, Am Schlosse angekommen, entlieh sie Etienne, »1$