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Itrsftlhn Kreisbisttt.
_______ Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Mukrirtes Anterha üuugsölatt".
Nr. 92. Sonnabend den 3. August 1889.
Aöonnemeuts-Ginladung.
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Herafelder Kreisdlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage „Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate August und September werden, von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrlefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlich«.
Hersfeld, den 29. Juli 1889.
Einer Regierungsverfügung zufolge sind Klagen darüber laut geworden, daß die Gemeinde- Waisenräthe ihr Amt, welches vor allem in der Aufsicht über das persönliche Wohl und die Erziehung der Mündel bestehen soll und deshalb für die Gemeinden von großer Wichtigkeit ist, in unzureichender Weise ausüben. Die Waisen- räthe beschränkten sich meistens nur daraus, auf Aufforderung des Vormundschaftsgerichts Per- fönen für das Amt des Vormunds in Vorschlag zu bringen, was zum Theile daran liege, daß sie die Pflichten ihres Amtes nicht genügend kennen; es erscheine daher nothwendig, dieselben auf ihre Obliegenheiten durch förmliche Verpflichtung hinzuweisen.
Seitens des Herrn Regierungs-Präsidenten bin ich daher ersucht worden, die schon fungiren- den Waisenräthe des hiesigen Kreises baldigst zu verpflichten und sie dabei zugleich auf die einschlägigen Bestimmungen der Vormundschaftsordnung vom 5. Juli 1875 hinzuweisen.
Damit ich diesem Ersuchen entsprechen kann, fordere ich die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises hierdurch auf, mir die jetzt im Amte
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Mit der Flilth.
Novelle von Zo« von Reuß.
(Fortsetzung.)
„Eurer Verlobung folgt dann schnell die Hochzeit, die aus Anlaß der Gefangenschaft Deines Vaters gleichfalls in der Stille gefeiert werden kann. Eine Entfaltung des Glanzes, den Euer beiderseitiger Warne verlangt, mag später erfolgen. Im Augenblick genügt, daß Du schnell Baronin Cavignac wirst, um Deinen Zweck zu erreichen!*
Atmöe wirbelte der Kopf. Die Klarheit, mit der die Tante ihr ihre Pläne enthüllte, zeigte am besten, wie lauge und wohlüberlegt dieselben waren. Was sollte sie auch entgegnen, wie sie von sich weisen, ohne die einzige Verwandte zu erzürnen und die Hoffnung, die sie in sich trug, zu vernichten? Schon im Kloster hatte ste in dem Gedanken gelebt, nach ihrem Eintritt tu die Welt nichts unversucht zu lasten, um die Befreiung des Vaters zu erwirken.
.Die Oberhosmeisterin der Oesterreicherin, Marquise Brach, hat mir ihre Fürsprache und Ver- Mittelung versprochen, bet der Wiedererlangung von Marie Antontelte's Gunst," fuhr Baronin Cavignac fort. Eine Begegnung in Trtanou, bei Gelegenheit eines Gartenfestes, wird von ihr eingeleitet werden, nachdem sie vorher versucht haben wird, die Königin für Dich zu stimmen, theuere Aimöe. Die Rolle, die Dir selbst dabei zufallen wird, dürste nicht schwer durchzuführen sein, vielleicht ein Fußfall oder etwas Ähnliches.....Die Hauptsache
befindlichen Waisenräthe in ihrer Gemeinde b i s spätestens zum 8. August cr. namhaft zu machen.
I. Nr. 6680. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 30. Juli 1889.
Der Gastwirth Conrad Steinberg zu Reimboldshausen ist als Bürgermeister dieser Gemeinde auf 8 Jahre gewählt und heute eidlich verpflichtet worden.
7102. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 1. August 1889.
Nach einer Mittheilung des Herrn Bauaufsehers und Baumschul-Verwalters Walter dahier wird der von ihm beabsichtigte Cursus in der ständischen Baumschule erst am 12. August c. beginnen und bis zum 15. desselben Monats dauern, wovon ich die Herrn Bürgermeister des Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 15. v. W. Nr. 6163 Meisblatt Nr. 84) in Kenntniß setze mit dem Bemerken, daß die ein- treffenden bezüglichen Leute bei dem Gastwirth Ritz zu Petersberg mit geringen Kosten logiren können.
7158. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
Die Kühe des Geschäftsführers Karl Otto, wohnhaft bei Wirth Justus Sunkel dahier, sind mit Maut- und Klauenseuche behaftet, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
Hersfeld, am 1. August 1889.
Der Bürgermeister
Braun.
bleibt, daß Du Dich ihrer Person nicht als Mademoiselle de Merville, sondern als Baronin Cavignac näherst. Der Name ist ihr wohlbekannt —dieCavignac's standen jederzeit am Hofe in Gunst."
Aim«e versuchte keine Einwendungen mehr — das Netz, mit dem man ste umsponnen hatte, schien ihr unzerreißbar. Was war es auch, das über sie verhängt war? Die meisten Klosterschülerinnen pflegten unmittelbar nach ihrem Austritt in die Ehe Überzugehen und die wenigsten beklagten sich über ihr Schicksal. Der Eintritt in die Ehe war zugleich der Eintritt in die Freuden der Welt! Nur der allergeringste Theil pflegte den ihr be- stimmten Gatten zu kennen. Bet Aimöe war auch dies anders, günstiger und ungünstiger zugleich. Sie kannte ihren Vetter Alphons de Cavignac seit ihren Kinderzeiten. Er war ein schöner Mann und galt für einen untabelhasten Cavalier. Aber er war ihr trotzdem verhaßt durch seine Eitelkeit, seinen Hochmuth und die Falschheit, die ste freilich mehr ahnte, als kannte. Wie wett war er entfernt von dem Ideal, das sie in sich trug! Die meisten der Klosterschülerinnen würden ihr Schicksal gepriesen haben, wenn es ihnen einen Gatten wie AlphonS de Cavignac zugeführt hätte, A-m6e dachte anders. Sie hatte jahrelang fast einzig und allein im Umgang des Vaters gelebt und sich ihren Gatten diesem ähnlich gedacht.
Die Baronin hatte die kleine diamantenbesetzte Uhr hervorgezogen und sprach: „Es wird bald Thee- stunde sein, ich erwarte ein paar Nachbarn zum
Hersfeld, den 1. August 1889.
Für die Gemeinden Frielingen, Gersdorf, Heddersdorf, Willingshain, Kirchheim, Allendorf, Gershausen, Goßmannsrode, Reckerode und Rotterterode findet die Steuererhebung in den Monaten August Dienstag den 6. und November Dienstag den 5. d. I. und zwar für die 4 erstgenannten Gemeinden von 9 bis 12 Uhr Vormittags und für die 6 letztgenannten Gemeinden von 2 bis 4 Uhr Nachmittags statt, was den Herren Ortsvorständen der oben genannten Gemeinden behufs Bekanntmachung in denselben hierdurch mitgetheilt wird.
Königliche Steuerkasse. Hecker.
# Das VII. deutsche Turnfest tu München.
In München ist in den letzten Tagen des Monats Juli das siebente deutsche Turnfest begangen worden in Anwesenheit von über zwanzig- tausend Turnern aus .T.u Theilen Deutschlands und von Abordnungen aus Oesterreich, der Schweiz, England, Italien, Rumänien u. s. w. Die deutschen Turnfeste sind in der Zeit begonnen worden, da Deutschland aus seiner staatlichen Zerrissenheit sich zur Einheit einporzuringen suchte, ohne den Weg zu ahnen, welchen zu gehen die Vorsehung ihm bestimmt hatte. Im Jahre 1860 ward das erste deutsche Turnfest in Coburg, 1861 das zweite in Berlin abgehalten. Die Turn-, Schützen- und Sängerfeste jener Zeit waren der Ausdruck jenes dunkeln Dranges, des Sehnens und Ringens zur Einheit und Größe, welches im deutschen Volke lebte, ohne daß dieses sich Rechenschaft über die Formen zu geben vermochte, in welchen der Traum ganzer Geschlechter zu verwirklichen war.
Es ist über jene Feste, mehr vielleicht über gg!^?!!!»«"™1—■——*«■ Whist, bei dem der Curö der Vierte sein wird. Beim Souper sehen wir uns wieder!"
Aimse stand auf, um der Tante die Hand zu küssen. Dann eilte sie in den Park hinab.
II.
Nach einem längeren Spaziergange, auf welchem sie vergeblich Ruhe und Klarheit zu gewinnen versucht hatte, stand sie an der einstigen Gärtnerwohnung. Es war ein kleines, reizendes epheu- umsponnenes Haus, das der Vicomte Aim^'s früherer Amme als Wohnsitz eingeräumt hatte. Selten war ehemals ein Tag vergangen, ohne daß die junge Bicomtesse die einstige Ernährerin ausgesucht hätte, und schien sie diese Gewohnheit auch nach ihrer Rückkehr aus dem Kloster beibehalten zu wollen.
Heute traf sie daselbst einen Gast, dessen Anwesenheit ihr aufrichtige Freude bereitete. Der einzige Sohn Madeleine's, der Milchbruder Almöe's, war gegen Abend mit der Diligence aus Paris angekommen. Er war ein hübscher, hochgewachsener, neunzehnjähriger Bursche m-t dunklen. durch keinen Puderftaub verunstalteten Locken und beinahe vornehmen Manieren. Da er auch beim Unterricht des Curö eine außerordentliche Faffuugsgabe verrathen, hatte Herr von Merville einst den Plan gehabt, ihn nach Paris au^ College zu senden. Der philosophische Gefft des Vicomte wollte damit gewissermaßen eine Probe machen, als practlsche Erläuterung zu den Rouffeau'ichea Theorien. Seine plötzliche Gefangennahme vor vier Jahre«