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tlsse!i>cl Kreishliitt.
Mit wöchentticher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Nnterhaktuugsklatt".
M. 90.
Dienstag den 30. Juli
1889.
Aöonnements-Gintadung.
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Aersfet^er Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Bionate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
SW
HerSfeld, den 29. Juli 1889.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 8. Januar 1886 Nr. 60 (Kreisblatt Nr. 6), die zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Rückstände an directen Commimat-, Kreis- und Provinzial-Steuern betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. August d. I erinnert.
6890. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Gefunden: auf dem Wege von Reckerode nach Hersfeld eine Strickjacke. Meldung des Eigen- tyümers bet dem Ortsvorstand zu Reckerode.
»Die „Schwindelwahlen" von 1887.
In der freisinnigen Presse gilt es als ausgemachte Sache, daß der ihrer Partei so ungünstige und verhängnißvolle Ausfall der Wahlen vom 21. Februar 1887 nur durch falsche Vorspiegelungen seitens der regierungsfreundlichen Partelen „erschwindelt" worden sei. Alles was die deutschen Wähler in damaliger Zeit so ernst bewegte und
Waldschmetterling.
Erzählung von 8. Waldow.
(Fortsetzung und Schluß.)
Zu stummer, freudiger Verwirrung wie ein Kind vor dem man unvermuthet langersehnte Schätze auSgebreitet, begegnet Margarethens Blick dem seinen; er aber läßt ihr keine Zeit zu innerer Sammlung, sondern drängt in froher Ungeduld zur Antwort, und während er die Frage dringender noch wiederholt, wird Margarethens leichte, bebende Gestalt von seinem Arm umschlungen und an seme Brust gedrückt. Willig läßt sie es geschehen. Ihr lft eS, als umgaukle sie ein wunder- süßer Traum; sie kann n'cht iassm, daß das Glück, das wie eine Himmelsborschait über sie gekommen, in die Wirklichkeit gehört. Erst, alS sie Salselds L'ppen aus den ihren fühlt, wird sie sich der Situation bewußt, und nun umschlingt sie, ihre Schüchternheit bekämpfend, seinen Hals und im Jubeltou klingt die gewünschte Antwort über ihre L'ppen:
„Lieb habe ich dich aus Herzensgrund, und diese Liebe gibt dem armen Waldschmetterling den Muth, dem stolzen Aar zu folgen, der sicherlich das kleine Ding barmherzig aus seine Flügel nimmt, wenn's einmal nicht recht gehen will."
Der Bedeutung dieses Augenblicks nach seiner Weise Rechnung tragend, hält Salield bewegt sein Lieb tm Arm; fein unbeschreiblich glückliches Gesicht, der Stimme Klang verräth des Herzens tzreundltjrelt,
sie an die Wahlurne trieb, um für das Septennat etnzutreten, wird als künstliches Machwerk bezeichnet: mit Hohn spricht jene Presse von den damals in den Blättern verbreiteten Nachrichten über neue militärische Maßregeln, Anschaffungen und Einrichtungen Frankreichs und insbesondere werden stets die „Melinitbomben," die „Pikrin säure," das Barackenlager an der Grenze 2c. als nur in der Phantasie der sogenannten officiösen Presse existirende Schreckgespenster ausgegeben. Nach Auffassung der Freisinnigen dachte damals in Frankreich kein Mensch an Krieg, selbst der damalige Kriegsminister Boulanger war ein ganz unschuldiges Lamm, und nur die regierungsfreundlichen Parteien hätten den Wählern Kriegsgespenster vorgezaubert, um bet den Wahlen über diejenigen zu siegen welche sich kurz vorher der angemessenen Verstärkung der deutschen Wehrkraft widersetzt hatten. Seit zwei Jahren wird Tag für Tag in der frei- sinnigen Presse diese Mähr verbreitet zu dem Zwecke, ihre Anhänger zu trösten, ihnen Muth für die Zukunft einzuflößen und sie davon zu überzeugen, daß es ihnen ein leichtes sein werde, bei kommenden Wahlen das „Angstprodukt," wie sie schmählicher Weise den gegenwärtigen Reichstag nennen, hinwegzufegen und einer ähnlichen Wirkung abermaliger Kriegsvorspiegelungen vor- zubeugen.
Wie werden die Leser der freisinnigen Presse erstaunt sein, nunmehr im „Berliner Tageblatt" eine ganz andere Auffassung von der damaligen Lage der Dinge zu finden. Das Blatt bringt einen Leitartikel über Boulanger auf der Anklagebank und entwirft von dem damaligen Kriegsminister und seiner rastlosen auf den Krieg hindrängenden Thätigkeit ein Bild, welches ganz und gar nicht mit der — von der freisinnigen Presse nur in politischem Interesse künstlich geschaffenen — Unterlage der angeblichen „Schwin-
Lange Zeit bleibt übrigens den be.den Liebenden für heute nicht, sich ihres Glückes ungestört zu freuen, denn bald erscheint mit höchst verwundertem Gesicht der Oberförster an* der Schwelle, gefolgt von seiner sehr vergnügt dreiuschauenden Ehehälfte und dem mit Frack und weißer Weste auSstaificten Tbalberg, von dem die alte Kathi wie ein Opferlämmlein nachgezogen wird, indem er ihr nicht einmal Zeit läßt, die in Unordnung gerathene Haube ordentlich zurechtzusetzen.
„Ich gestatte mir," wendet sich der letztere zu seinen Begleitern, „Ihnen Fräulein von Felsek und Doctor Arno Salield als Verlobte vorzu- stellen. Oder seit ihr noch nicht fertig, Kinder? DaS wäre allerdings fatal."
„Onkel — Tante — ich — er — denkt euch, er will es mit mir wagen, ich soll Frau Salield werden!" stürmt Margarethe den Genannten zu.
Mlt einem Segenswunsch ließ die Matrone ihren Liebling in die Arme, indes der Oberförster in komisch murrendem Tone sagt: „Dachte mir's doch gleich, daß es nur ein Scheinveriprechen wäre, uns durch ihre Nähe die kommenden Tage zu erheitern. Was doch die Jugend heutzutage weise ist! Stürzt da, ohne bet den Alten erst um Rath zu fragen, von der Schulbank stracks dem Ehestände zu, als ob zwischen beiden nicht eine rechtschaffene Pause sich gehörte! Werden an mich denken, junger Freund, und Ihre liebe Noth mit unserem Wildfang haben. Im übrigen gratuliere ich von ganzem Herzen, die Versicherung gebend, daß ich Ihnen unseren Liebling freudig anvertraue.
delwahlen" übereinstimmt. Es wird ausgeführt, wie Boulanger von Anfang an ein politischer General war, der vor Allem darauf bedacht war, den Boden der Regierung zu unterwühlen, um dann mit Hülfe des Pariser Straßenpöbels Pro- nunciamentos für den „Prätendenten" Boulanger zu veranlassen: wie er Alles that, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
„Auch »ie Industrie mußte gewonnen werden. E« kam
— so schreibt da« genannte Blatt — die Melinit- wuth; um die Kammern zu bethören, lud der brav" general sie zu den Versuchen mit den neuen Geschützen und Geschaffen ein, und um die«rmee in kriegslustige Stimmung zu versetzen, begann der Deroulsde.
Patrioten-Schwindel womit Hand in Hand die stärkere Grenzbelegung, der Lokomotivenbau und Magazinbau im Osten gingen; dann war dem brav" general klar, daß er sein Protektorat am besten durch eine „petite guerre“ einleiten könne. Indem er sich Rußland» «undetgenossen. schaft zu sichern gedachte, glaubte die „Welt", vor allen Dingen ober die französische Armee, der Tag der Rache sei gekommen, und Boulanger war thatsächlich eine Zeit lang — der Röntg der Armee! Man weiß heute, w, e nahe w ir dam - i « einem Kriege waren. Boulanger wollte den Krieg. Er hatte zu dem
Zwecke an der Ostgrenze entlang eine Barackenwelt geschaffen, er hatte alle Festungen, besonder» die großen Plätze Berdun, Belsort. Toul, auf Jahre hinau« mit Proviant und Munition versehen, er speiste die Privatinduftrien mit Aufträgen von vielen Millionen, sein Geheimfonds für da» Spionirwesen soll i886/b7 mehrere Millionen Franc» betragen haben, er erhielt einen außerordentlichen Kredit sür Baracken-, Magazinbau, für Herrichtungen an den E-senbahnen u. s. w., für Beschaffungen von KriegSgeräth, Uniformen, Waffen von vielen Millionen. Leben doch die Besatzungen in den Ostfestungen noch heute von den «rteg»- vorräthen Boulanger» au« dem Winter 1886/871 Und kann man doch in französischen Journalen lesen, daß die Mannschaft da« Brod und die Pferde den Hafer nicht nehmen wollen, welcher 1887 al« Magazinnahrung für die Feldarmee dienen sollten und von Boulanger in Rassen angekauft wurden. Daß Boulanger seinen Krieg nicht fand, war dir Ursache seine« Falle» und feine» moralischen Bankerott». Hätte er diesen Krieg gesunden, so würde kein Hahn nach diesen Millionen gekräht haben, so wenig wie nach den fehlenden Millionen unter GawbrUa, und
■■■agassasBSESBBBBSse^esBsasEsesM» Schade nur, daß Felsek das nicht mit erlebt."
Die beiden Männer schütteln sich die Hände, wobei der Oberförster eS nicht unterlassen kann, auf Thalberg einen Seitenblick zu werfen, den er — wenngleich nur aus dem Grunde, seiner Gattin gegenüber recht zu haben — in diesem Augenblicke an Sal'elds Stelle wünscht. Und da kommt auch in der That schon seine Alte mit triumphtrender Miene zu ihm hingetr'ppelt.
„Nun. Väterchen, wer hat denn recht behalten? - War's Liebe oder bloß Respect, was Margarethe für den Doctor fühlte?"
„Nun, mache dich nur nicht erst breit, daß deine Prophezeihung eingelroffen. Bei diesen beide» konnte es freilich nur dein Falkenblick erspähen, daß sie aus dem Wege waren, die Welt mit einer Verlobung zu beglücken," murrte der Oberförster.
„O, die hätten sich im Leben nicht zurecht ge- funden, wenn ich mich ihrer nicht erbarmt l" mischte sich der luftige Thalberg ein.
„Und ich habe Hundert gegen Eins gewettet, daß gerade Sie's aus unseren Liebling abgesehen," sagt der Weidmann.
„Ah," läßt sich der glückliche Bräutigam vernehmen, „so war ich also nicht allein in diesem Wahn besangen l" , ~
„Geben ist seliger, denn nehmen," sagt Thalberg salbungsvoll, „und darum übte ich dem Freunde gegenüber Christenpflicht."
Ein allseitiges Lachen folgt seinen Worten.
„Ist das der Dank sür meine Liebe?" ruft er
in komischem Unmuts aus. ,Wenn ich den Freund