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Hersfeliier Kreisliliitt.
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Nr. 88. Donnerstag den 25. Juli 1889.
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Amtliches.
Hersfeld, den 23. Juli 1889.
Nach der im Amtsblatt der Königlichen Regie- rung zu Cassel (Nr. 10 pro 1889 Seite 41 u. ff.) zum Abdruck gelangten ministeriellen Anweisung für die Hebammen zur Verhütung des Kindbettfiebers vom 22. November 1888 soll jede Hebamme die im 8. 4 daselbst vorgeschriebenen Geräthschaften stets mit sich führen.
Zur Zahlung der durch die Anschaffung dieser Geräthschaften entstehenden Kosten sind nach §. 8 Abs. 4 pos. 5 der allgemeinen Verfügung vom 6. August 1883 (Amtsblatt Seite 197 u. ff.) die Bezirks-Gemeinden verpflichtet, während die frei- praktizirenden Hebammen diese Kosten aus eigenen Mitteln zu decken haben.
Die Herren Bürgermeister der Hebammen- Bezirks-Gemeinden mache ich zugleich mit Rücksicht auf eine Regierungsverfügung hierauf aufmerksam und spreche die bestimmte Erwartung aus, daß den Bezirks-Hebammen bet Beschaffung der fraglichen Gegenstände in keiner Weise Schwierigkeiten verursacht und die dadurch entstehenden Kosten aus der Gemeindekasse ohne Verzug bewilligt werden.
6725. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Waldschmetterling.
Erzählung von B. W a l d o w.
(Fortsetzung.)
Wohl war's Salfeld oft vorgekommen, wenn Margarethe zu ihm gesprochen, als klinge ihre Stimme weicher wie bei dem Scherzen mit dem wilden Thalberg. Und gestern hatte er stch etogeredet, daß ihre Finger in den seinen gebebt und ihr „Behüt' Sie Gott" so weich und einschmeichelnd sein Ohr berührt, daß eS noch lange darin nachgeklungen habe. Stets aber war aufs neue mit Macht der Zweifel über ihn gekommen, besonders, wenn er Margarethe in des Freundes Nähe wußte, dem es, wie er nur allzuwohl bemerkt, mit seinem unverwüstlichen Humor sehr leicht gelang, sie sich geneigt zu machen. Mochte er sie denn besitzen — er wollte sie dem Freunde gönnen, nur glücklich, glücklich sollte er ste mache» l —
So vertieft er sich immer mehr in quälende Gedanken, bis die Thür sich plötzlich öffnet und Oberförster Kraft inS Zimmer tritt.
„Da finde ich mich wieder ein, mein lieber junger Freund!" ruit er dem Doctor munter zu. „Ließ Sie ein wenig lange warten, wurde jedoch von einem Boten aufgehalten, der mir aus Remberg einen Brief zu überbringen hatte. Der wackere Bursch war Invalide, trug mit Stolz daS eiserne Kreuz aus seiner Joppe und erzählte mir auf Meine Frage, daß es der Tag von Sedan ihm
t Landwirthschaft in Südrnßlaud.
Die von deutschen Zeitungen kürzlich auf Grund zuverlässigen Materials über die in Aussicht stehende Mißernte in Rußland gegebenen Darstellungen, werden nunmehr von den russischen Zeitungen selbst bestätigt. Die St. Petersburger Zeitung berichtet, daß von der einen Seite die Vernichtung der gesammten Heuernte, von einer anderen der V e r l u st der Roggenernte, von einer dritten Seite gemeldet wird, daß wegen drohenden Miß- wachses die Einberufung der Landschaftsversammlungen in Aussicht genommen sei. Die genannte Zeitung fügt hinzu, daß die eine dieser Nachrichten nicht besser als die andere sei, denn für Charkow und die angrenzenden Gouvernements sei der Verlust der Heuernte eine fast schwerere Kalamität als eine totale Mißernte im Getreide, weil vom Heu die Existenz der dort vorhandenen gewaltigen Viehheerden abhängig sei und Heu für das Vieh sich viel schwerer als Getreide für die Menschen beschaffen laste. Trete mithin nicht ein vollständiger Umschlag der Witterung ein, so müsse man sich auf eine bedeutende Reduktion des südrus- sischen Viehstandes gefaßt machen, der nur dann die frühere Höhe wieder erreichen könne, wenn nicht weitere ungünstige Jahre folgen, welche die Sache noch schlimmer machen würden. Zudem habe in Folge der abnormen Witterung im Mai — anhaltende Hitze neben bedeutender Trockenheit — auch der russische Norden einen ganz bedeutenden Ausfall in seiner Ernte zu gewärtigen, was sich sehr schnell in allen Verhältnissen der Städte äußern werde. Auch im Norden werde mit geringer Ausnahme die Heuernte sowie die des Sommergetreides ein wenig mehr als mittelmäßige werden, und wenn der Norden bet der hereinbrechenden Kalamität auch nicht so schwer daran sein werde, wie der Süden
gebracht, der ihm gleichzeitig aber auch den rechten Arm genommen. Er kämpfte — dies interessierte mich besonders — unter dem Commando meines Schwagers, des Majors von Felsek, der leider in der Schlacht bei Sedan fiel, und war sogar in dessen Nähe, als letzterer von feindlicher Kugel in die Brust getroffen, auf seinem Thier zusammen- brach. Ein junger Officier — erzählte er — habe den sinkenden Major in seinen Armen au^e- fangen; was weiter dann mit ihm geschehen, wußte er selbst nicht anzugeben, da im nächsten Augenblick ihn selbst das fränkische Blei getroffen und seine Sinne ihm verdunkelt habe. Jedoch, was tst's mit Ihnen, junger Freund? Haben meine Worte Sie so sehr bewegt?"
SalieldS Augen starrten in der That den Sprecher mit eigenthümlichen Ausdruck an, indes er mit nervöser Hast die Frage stellt:
„Verstand ich recht, Herr Oberförster — Major von Felsek, der in der Schlacht bet Sedan fiel, war Ihr Verwandter?"
„Allerdings, mein Schwager, lieber Doctor! Meine Schwester, die Wittwe des ProsessorS Sander, ward seine zweite Frau. Sie kannten den Verstorbenen, wie ich vermuthe?"
„Ja, Herr Oberförster," gibt Salfeld in bewegtem Ton zurück, „ich kannte ihn und verehre ihn noch heute. Er war mein Vorgesetzter und galt dem ganzen Regiment als Vorbild edlen, »»erschrockene» MaoneömuthS."
mit seinen vollständigen Mißernten, so würden doch besondere Maßregeln für die Volksverpflegung im kommenden Jahre unerläßlich sein. Sehr viel Gutes verspräche die nächste Zukunft mithin nicht.
Die genannte russische Zeitung benutzt diesen Anlaß, um in eindringlicher Weise vor einer Ueberschätzung der russischen Ernteverhältnisse und der Ertragfähigkeit des russischen Bodens zu warnen. Gerade diejenigen Gegenden Rußlands, die im Allgemeinen als die Kornkammern des Reiches gelten, die Schwarzerdegebiete, würden auch von den häufigsten und schwersten Mißernten betroffen. Dort folge einer überreichen Ernte fast regelmäßig eine totale Mißernte, wie der Norden Rußlands sie niemals kennen lernen könne, ganz abgesehen davon, daß eine überreiche Ernte in anderer Beziehung wieder für die auf fremde Arbeitskraft angewiesenen Grundbesitzer häufig ebenso verderblich werde, wie vollständiger Mißwachs. Die klimatischen Gegensätze treten meist am schärfsten in den Steppengouvernemeuts zn Tage, wo die Trockenheit und Dürre nach einer reichen Ernte oft einen Grad erreicht, daß nicht einmal während der Sommermonate das erforderliche Futter für die Heerden vorhandenist. Die „Petersburger Zeitung" schildert einen derartigen trostlosen Sommer in seiner ganzen erschrecklichen Tragweite folgendermaßen:
„Schwarz und kahl, wie eine endlose Fläche pulveristrter Kohle, liegt die ganze Steppe, deren zu Staub verwandelter Boden, bei jedem Schritt der Menschen oder der nach Nahrung suchenden Thiere, in mächtigen Wolken empor gewirbelt wird und die ganze Luft erfüllt, so daß die Sonne in dem Staubnebel fortwährend wie eine rothglühende Kugel erscheint und selbst das Athmen erschwert wird. Wirkt eine derartige Beschaffenheit der äußeren Natur schon auf den Menschen lähmend, so blutet dem Landwirth das Herz in solchen Jahren, wenn er die unglücklichen Thiere
„Da sprechen Sie mir aus der Seele I" ruft erfreut der Oberförster. „Sie waren also auch Soldat und Felseks Kamerad? DaS freut mich, freut mich recht von Herzen!" Und der brave Weidmann schüttelte seinem Gast tu biederer Art die Rechte. „Sie wissen dann am Ende auch, wer jener junge Officier gewesen, der--wie? Deute ich mir Ihre Bewegung recht — Sie — Sie selbst--"
„Ja, ich bin stolz darauf, engeguet der Gefragte, daß ich dem wackeren Manne den letzten Liebesdienst erweisen durfte, eS mir vergönnt war ihm zum ewigen Schlaf die Augen zuzudrücken, die letzten Grüße an die Seinen in Empfang zu nehmen."
„Das lohne Ihnen Gott!" Und wieder drückte der Oberförster ihm bewegt die Hand. „Doch nun lassen Sie mich hören, wie sein Ende war. Hat er lange kämpfen wüsten, bevor die edle Seele aus dem Hünenkörper floh?"
Salfeld schüttelte ernst den Kopf.
„Nicht lauge; — der Tod hatte seiner Beute sich zu fest versichert. Zum Glück gelang eS mir, den Verwundeten aus dem Getümmel fortzubringen, damit er ruhig sterben könne, wofür ein mir unvergeßlich bleibender DankeSblick aus seinen halb- gebrochenen Augen mich belohnte. Mit Aufbietung der letzten Kräfte trug er mir dann Grüße auf an seine Lieben, und daS letzte Wort, das er noch mühsam über die zuckenden Lippe» bracht«, war.