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Hersskliler Kreisbllitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Zlnterhaltuugsölatt".
Nr. 82.
Donnerstag den 11. Juli
1889.
Abounements-Kintadung.
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Amtliches.
Hersfeld, den 9. Juli 1889.
Für den am 13. März 1870 geborenen Otto Valentin Schwarz zu Niederjossa ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
6287, Der Königliche Landrath Freiherr von Schle initz
t Kapitalanlagen in russischen Werthpapieren.
Die im vergangenen Jahre gegen deutsche Kapitalanlagen in russischen Werthen ergangenen Warnungen waren erfreulicher Weise nicht ohne Erfolg geblieben. Aus den Berichten verschiedener Handelskammern ist ersichtlich, daß unser deutsches Publikum sich seines Besitzstandes an russischen Papieren in recht erheblichem Umfange entäußert hat und weiteren Neuanlagen gegenüber sehr zurückhaltend geblieben ist. Der seit dem Sommer v. I. erheblich gesteigerte und seitdem auf seiner Höhe künstlich erhaltene Rubelcours scheint jedoch hie und da die Meinung hervorgerufen zu haben, daß die früheren
Waldschmetterlmg.
SrzSHIung von B. W a l d o w.
(Fortsetzung.)
.In der That, das Schicksal hat uns grausam mttgefptelt,' klagt träumerisch die stolze Frau. «Wäre Felsck gesund aus Frankreich wieder heim- gekehrt, dann hätte ich sicher nicht geruht, bis er ein Testament gemacht zu deinen Gunsten, damit du wenigstens im Beutel eine Erinnerung daran gehabt, daß er dein zweiter Vater war. Die Lebensstellung, welche Margarethe zu befriedigen im Stande ist, bedingt durchaus nicht ein Vermögen, wie'S ihr die Götter in den Schooß ge- worsen, und hätte sie davon schon einen Theil entbehren können.*
.Geben wir unS nicht mit Dingen ab, Mama, M wwt zu ändern find,' erklärt gelangweilt Lucie. .Du Hattest übrigens doch heute vor, an Onkel Kraft zu schreiben! Ich wüßte gar zu gern, wie sich Margarethe bet den alten Leuten, für welche ich nun einmal keine Sympathie empfinden konnte, eingerichtet hat. Willst du sie noch lange Zeit im Forsthaus lassen?'
.So lange, als mein Bruder sie behält, was, wie ich hoffe, wenigstens bis zu dem Zeitpunkte fein mag, an welchem deine Verlobung mit dem Doctor Salfeld Faktum ist.'
.Und warum das, Mama?'
„.»Nun einfach, weil ich Margarethe hier für überflüssig halte.»
fürchtest du, daß ihre Gegenwart mir in
Gründe für die Abstoßung russischer Werthe I nicht mehr oder doch nicht mehr im früheren Umfange beständen, zumal aus Börsenkreisen die verschiedensten Mittel aufgeboten werden, um das Publikum zu verhindern, den jetzigen unberechtigt hohen Rubelcours zur Entäußerung des noch vorhandenen Besitzes an russischen Papieren zu benutzen.
Es kann nicht dringend genug davor gewarnt werden, sich durch die Operationen der Börse nicht von Neuem in eine Vertrauensseligkeit einlullen zu lassen, welche russischen Papieren gegenüber nicht mehr gerechtfertigt ist. Soeben sind einige größere Bankinstitute damit beschäftigt, russische Prioritäten, wecke bisher 5 Procent Zinsen trugen, in vierprocentige zu verwandeln (zu „convertiren", wie der technische Ausdruck der Börse lautet). Die betreffenden russischen Eisenbahn-Gesellschaften haben diese ihre fünfpro- centigen Prioritäten gekündigt und deren Ein- lösung mittelst Baarzahlnng des Nominalbetrages angeboren, gleichzeitig aber neue vierprocentige Obligationen zum Eintausch gegen die bisherigen fünfprocentigen dem deutschen Publikum anbieten laffen.
Es steht zu hoffen, daß die deutschen Kapitalisten auf dieses letztere Anerbieten um so weniger eingeben, als bei dem jetzigen sowohl wie bei dem künftig zu gewäctigenden Coursstande dieser Obligationen eine Verzinsung von 4 Procent für ein fremdes, bedeutenden Schwankungen und der Unsicherheit der Verzin sung in Kriegszeiten ausgesetztes Papier nicht mehr als genügend angesehen werden kann. Es ist im deutschen Interesse dringend geboten, soviel deutsches Kapital als möglich ausRußlandherauszuziehen. Deutsche Besitzer russischer Obligationen aller Art werden daher in ihrem eigensten Interesse sich sowohl1 jetzt als auch bei allen künftigen Con -!
Betreff aus Salfeld schaden könnte?' fragt Lucie mit selbstbewußtem Lächeln, ihr Bild in dem ihr gegenüber angebrachten Spiegel betrachtend.
.Wenn selbstredend auch nicht dadurch schaden, daß die schlichte Knospe die herrlich aufgeblühte Blume zu überstrahlen fähig wäre, doch schaden vielleicht dadurch, daß Salfeld, von Margarethens übermüthigem Naturell belustigt, dir doch zuweilen seine Aufmerksamkeit entziehen und seine Erklärung willenlos verschieben könnte. In jedem Falle kommt's zurecht, wenn er eS später erst erfährt, daß du das Glück hast, eine Schwester zu besitzen,' ist Frau von Felieks Antwort.
.Nun, mir ist's gleich! Ich fühle mich in Margarethens Nähe ohnedies stets unbehaglich und habe immer das Gefühl, als werde sie mit ihren so plebejischen Manieren nie befähigt sein, sich auf der Höhe deS gesellschaitlichen LebenS einen Platz zu sichern, vielmehr eines schönen TageS uns die außerordentliche Freude gönnen, einen ehrsamen Handwerksmann als ihren Allserwählten zu begrüßen,' klingt'S spöttisch über Luciens Lippen.
.DaS wäre in der That eine schreckliche Ueber- raschung, für welche Fräulein von Felsek, deren Mutter .Eine aus dem Geschlecht der HunoldfteinS', nothwendig eine Kaiserliche Auszeichnung gebührte,' ist Frau von Felseks Antwort.
Am nächsten Abend, als Doctor Salfeld mit seinem Freunde die Residenz längst hinter sich, sitzt Lucie mit Frau von Bach in dem Salon der Frau Baronin Arnau einträchtig am Piano und die Ohren der versammelten Gäste tauschen einer
vertirungen russischer Papiere von diesen fern halten und den angebotenen baaren Nominalbetrag annehmen, zumal sie dabei zum Theil ein gutes Geschäft machen.
Für Kundige unterliegt es kaum einem Zweifel, daß in nicht ferner Zeit die russischen Werthe abermals einen beträchtlichen Rückgang erleiden werden. Abgesehen davon, daß die künstlichen Mittel, mit denen die Börse arbeitet, auf die Dauer nicht aufrecht zu erhalten sind, so sind es namentlich die russischen Ernteaus» sichten, welche hierbei bestimmend platzgreifen. Rußland steht angesichts der Dürre dieses Sommers vor einer Mißernte und eine ungünstige Aenderung seiner Handelsbilanz ist mehr als wahrscheinlich. Um so ernster tritt an die deutschen Besitzer russischer Papiere die Mahnung, den jetzigen noch unverhältnißmäßig hohen Coursstand zum Verkauf der letzteren zu benutzen. Die Gelegenheit dürfte sich schwerlich so bald und so günstig wieder darbieten. ,
Aokitische Nachrichten.
(Deutschland.) Aus B e r g e n, 8. Juli, Abends, wird gemeldet: Se. M a j e st ä t d e r Kaiser Wilhelm ist Nachmittags 4 Uhr hier eingetroffen, bis jetzt aber an Bord der „Hohenzollern" verblieben. Dem Vernehmen nach würde Se. Majestät morgen früh 8 Uhr die Reise nach Gudwangen fortsetzen.
Unser Kaiser gedenkt nach den bisherigen Bestimmungen am 29. Juli Mittags in Wilhelms- Haven wieder einzutreffen, wo am folgenden Tage die Weihe und feierliche Uebergabe der Fahne an das neuformirte 2. Seebataillon stattfinden und Tags darauf die Reise nach England angetreten werden soll. Die Manöverflotte, bestehend aus dem Uebungsgeschwader und dem Manövergeschwader, ist bei Wilhelmshaven versammelt,
schönen Beethoven'schen Sonate, welche beide Damen meisterhaft zum Bortrag bringen.
ES ist etwa drei Wochen nach jener mastkalischen Soiree. In dem behaglichen Wohngemach deS uns bekannten Forsthauses am WaldeSrand sitzt spät am Abend in Gesellschaft ihres Lieblings Margarethe die alte Kathi an dem großen eichenen T sch, auf das eifrigste bemüht, ihren Schützling möglichst gut zu unterhalten, wie sie das den braven OberiörsterSleuten, welche erst am nächsten Tage von einem Besuch bei Verwandten zurückerwartet werden, beim Abschied feierlich gelobt. Sie hat die Lampe auf dem Tisch zurückgeschoben und breitet sehr bedächtig ein Spiel Karten vor sich aus, während Margarethe dieser Beschäftigung nur die Hüllte ihrer Aufmerksamkeit widmend, zuweilen ihren Kopf zur Seite wendet, um auf das eintönige Geräusch des niederströmenden Regens und das Brausen des heute ganz ungeheuerlich sein Wesen treibenden Sturmes zu horchen.
„Der Tausend, Kind, daS nenne ich eine Karte!' ruft Kathi plötzlich sehr erfreut. .JuS HauS kommt große Freude, sehen Sie nur her. Dies hier sind Sie und ganz in Ihrer Nähe da der Herzenskönig; das ist doch wirklich kapitales Glück! Nun bin neugierig, was es für ein Lands- wann sein wird, der über kurz oder lang hierher gepilgert kommt, um in der rechten Apotheke sich für sein sehnsuchtskrankeS Herz Genesung zu verschaffen. Darf »av'S vielleicht im voran- schon