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Hersscliier Kreisblätt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illugrirtes Nuterhaktuugsötatt".__________
Nr. 80. Sonnabend den 6. Juli 1889.
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Amtliches.
Cassel, den 26. Juni 1889.
Die Königliche Regierungs-Hauptkasse hier ist heute angewiesen worden, den Standesbeamten die seitens des Königlichen Preußischen Statistischen Büreaus festgestellten Kopialienentschä- dtgungen für die im Etatsjahr 1888/89 aufgestellten und eingeretchten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterkesälle gegen Quittung zu zahlen.
Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich daher er« gebenst. die Standesbeamten hiervon mit dem Bemerken in Kenntniß setzen zu wollen, daß, sofern die Abhebung nicht binnen 4 Wochen erfolgt, die Zustellung des zur Anweisung gelangten Betrages durch die Post portofrei statt - finden wird.
Der Regierungs-Präsident.
I. A.: A l t h a u s.
An die Königlichen Landräthe des Bezirks und Herrn Oberbürgermeister hier und zu Hanau. J. A. I. 6599.
* * *
Hersfeld, den 3. Juli 1889.
Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Kenntnißnahme mitgetheilt.
5934. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Waldschmetterling.
Erzählung von B. W a l d o w.
(Fortsetzung.)
»Ah — richtig, Margarethe —• wirst die erstere ein. »Befindet sie sich noch in Schlefien im stillen HauS Ihres Bruders? Das war damals übrigens ein ganz gelungener Einfall Ihrerseits, den W'ld- fang aus der Pension direct dorthin zu schicken. Ich fürchte nur/ und dabei droht sie lachend mit dem Finger, »Sie haben nicht das beste Theil erwählt und werden mit dem kleinen Unband nun erst recht nicht fertig werden, da solche Schmetter- UngSnatur sich unbedingt in ländlicher Ungezwungenheit erst recht entwickeln muß."
»DaS wohl, wenn diese Ungezwungenheit gemißbraucht werden darf, allein ich weiß bestimmt, daß Margarethe von gedachter Speztes nicht viel genießen wird. Mein Bruder, sowie dessen Frau sind alte Leute, die Margarethens lautes, übermüthiges Wesen wohl kaum billigen, ihrer Keckheit vielmehr in rechter Art begegnen werben/
„Baut Jnstruction der gestrengen Frau Worin/ schaltet die Regierungsräthin ein.
Die erstere zuckt die Achseln. .ES wäre ja entsetzlich, wenu's kein einziges Mittel gäbe, daS Mädchen endl'ch zahm zu machen."
»O, denken Sie nicht weiter daran, liebe Felsek!" beschwichtigt die Negierungsräthin. »Doch von anderen Dingen zu sprechen, drängt M mir die W-e auf, ob wir uns morgen in der musikalischen
« Zehn Zähre ÄMlplilitik.
I.
Den Ausgangspunkt unserer Sozialpolitik bildet das Jahr 1878. Die sozialistische Bewegung hatte damals so weit um sich gegriffen, hatte einen so hohen Grad erreicht, daß die preußische Regierung sich zu gesetzgeberischen Maßnahmen gegen den gemeingefährlichen Charakter dieser Bestrebungen genöthigt sah. Bei den hierauf gerichteten Erwägungen brach sich zugleich die Erkenntniß Bahn, daß die Repression allein keine genügende Abhülfe darstellen könne, sondern daß die letztere vorzugsweise auf dem Gebiete positiven Schaffens zu suchen sei. Die Mordversuche gegen den hochseligen Kaiser Wilhelm bezeichneten den Höhepunkt jener Bewegung. Sie öffneten der Ration die Augen und ließen sie in den Abgrund blicken, an dessen Rand man gelangt war. Ward daher einerseits das Verlangen allgemein, die bedrohte Gesellschaftsordnung mit hinreichendem Schutz gegen die ihr nahenden Gefahren umgeben zu sehen, so gewann andererseits die Ueberzeugung mehr und mehr Boden, daß eine Aussöhnung der entstandenen Gegensätze angestrebt werden und auf eine Ausfüllung der Kluft Bedacht genommen werden müsse, die zwischen Besitzenden und Besitzlosen, zwischen Arbeitern und Arbeitgebern sich geöffnet hatte Dies konnte nur dadurch bewirkt werden, daß eine Hauptquelle der Armuth und Verarmung, die Erwerbslosigkeit, verstopft wurde. In dem Maße, in welchem den arbeitenden Klassen Sicherheit gegen Erwerbslosigkeit geboten werden konnte, wurde der auf Erregung und Ausbeutung von Unzufriedenheit gerichteten Agitation der Boden entzogen, auf welchem die letztere bisher ihre kräftigsten Wurzeln getrieben hatte.
Einen Anlauf in dieser Richtung hatte die Gesetzgebung bereits genommen durch das Haftpflichtgesetz, welches die Arbeiter vor den Folgen
i Soiree bet Frau Baronin Arnau sehen werden."
»Gewiß", entgegnet Frau von Felsek, „ßucie | versprach, einige lieber dort zu singen wie eine Sonate mit Frau von Bach zu spielen."
»Ich begreife nicht," entgegnet die andere, .wie die Baronin diese Bach so sehr begünstigen kann. Wenn Doctor Salield nur nicht wäre, dann —'
»Doctor Salield?' unterbricht sie die Majorin hastig »WaS ist's mit diesem?"
»Sollten Sie es wirklich noch nicht wissen, meine Liebe," entgegnet die Räthin ganz verwundert, »daß Doctor Salfeld sich für die junge, schöne Wittwe seines Freundes intereffirt und daß nur seinetwegen die Baronin, die ihn seiner großen Kenntnisse wegen hochachtet und schätzt, Frau von Bach den Eintritt in ihren Kreis bcreitwlligst ge- stattet? So wenigstens erzählt man sich."
Und während sie baS sagte, waren die lebhaften, grauen Augen fest auf das Antlitz ihrer Nachbarin geheftet, die jetzt, als sie aufS neue sich erhebt, nicht weiter bittet, daß sie noch länger bleiben möge.
»Habe ich denn recht gehört?" stößt Frau von Felsek auS gepreßter Brust hervor, nachdem die Thür sich hinter der Regierungsräthin schloß. »Doctor Salfeld ein Verhältniß mit Frau von Bach? Das wäre unerhört, abscheulich! Mein Gott, waS Lucie nur dazu sagen wird! Ich hoffte täglich, er werde sich erklären und nun--Doch nein, es kann ja gar nicht sein! Die Brunn ist eine Schlange, die gewiß nur probireu wollte, wie diese Nachricht auf mich wirken werde. Er zeichnete
der Betriebsunfälle sichern oder doch die Schwere dieser Folgen für sie mildern sollte. Man hatte sich indeß von dem Haftpflichtgesetz ungleich mehr versprochen, als es zu halten vermochte. Der Rechtsweg, auf welcher es verwies, war nicht selten eine Quelle endlos sich hinziehender, verbitternder Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern geworden und hatte in gar manchen Fällen eher zu einer Verschärfung und Verbitterung der Gegensätze als zu ihrer Versöhnung gedient, dennoch bezeichnete das Gesetz immerhin, namentlich durch die weiteste Ausdehnung, welche das Reichs-Oberhandelsgericht und das Reichsgericht ihm gegeben, einen sehr bedeutenden Fortschritt gegen die früheren Verhältnisse. Um nun die Erwerbslosigkeit thunlichst einzuschränken, war es naheliegend, bei der Erwerbslosigkeit in Folge von Betriebsunfällen den Anfang zu machen. Es fehlte daher in den beiden folgenden Jahren nicht an Versuchen, dieses Ziel durch weitere Ausgestaltung des Hasipflichtgese^ lu -rrc^en und die fehlerhaften Bestimmungen des letzteren, namentlich bezüglich der Beweislast, zu beseitigen. Aber diese Anläufe erwiesen sich bald als aussichtslos. Auf dem gewöhnlichen Rechtswege war eine so große Aufgabe wie die, welcher Staat und Gesellschaft sich gegenübergestellt sahen, nicht zu lösen: es war vielmehr ein neues soziales Recht zu schaffen, welches einen allgemeinen Verstche- rungszwang begründete und das Prinzip der öffentlich rechtlichen Versicherung als wirksamstes Vorbeugungsmittel gegen die Erwerbslosigkeit einführte. Es ward damit ein neuer Kreis von Rechten und Pflichten eröffnet, der die gesummten arbeitenden Klassen der Ration in seinen Rahmen einschloß.
Im März 1881 gelangte die erste derartige Vorlage an den Reichstag, welche den Wohlfahrtszweck des Staates den bisherigen Staatszwecken einreihte und auf den ihm ge-
ja Lucie stets aus — — erst bei dem letzten P'cknick---Thorheit! Die Geschichte mit der Bach ist eine Fabel, die uns nichts kümmern darf. — Und doch — wenu's keine Fabel wäre? --Mir schwirrt mein Kopf bet dem Gedanken. — O, meine Pläne, meine schönen Pläne!"
Wie ermattet sinkt sie in den Dtvan und preßt die Hände auf die brennend heiße Stirn.
„Bon jour, Mama!" ruft wenige Augenblicke später eine heitere Stimme, die eines äußerst elegant gekleideten jungen Mädchens, das leicht und graziös soeben den Salon betritt.
Frau von Felsek fährt empor. »Ah, du bist'S, Lucie! Das ist mir lieb/ Sie versucht zu lächeln, was ihr jedoch nicht recht gelingen will, wie auch der gedrückte Ton der stimme nicht mit dem Sinn der Worte harmonirt."
»Du bist verstimmt, Mama, ich seh' dir's an; was fehlt dir?" fragte Lucie, näher tretend.
»Du irrst, mein Kind, ich--"
»Ich möchte wissen, was Dir ist," drängt Lucie. Dabei wirft sie achtlos ihren Hut auf ein mit reizenden RippeS fast überfüllteS Tischchen und sich selbst in einen Schaukelstuhl.
»Du sollst's erfahren, doch erst antworte mir auf eine Frage. Lucie, liebst du Doctor Salfeld so sehr, daß du mit Freuden seine Gattin werden möchtest?"
Lächelnd blickt das junge Mädchen zum Plafond empor.
«LlebenS - Je nun, Mama, du sagtest mir,