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ersscl-tl Kleisblitt

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Nutertjaltungsölatt"._________

Nr. 79.

Donnerstag den 4. Juli

1889.

Aöonnements-Kintadung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisvlalt

mit der wSchetttlichen Gratis Beilage

^UuftrirteS Unterhattungsblatt" pro III. Quartal werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief­trägern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Bei der Postagentur in Mecklar wird am 3. Juli eine Telegraphenanstalt mit Morsebetrieb eröffnet.

Gaffel, den 27. Juni 1889.

Der Kaiserliche c. Ober-Postdirector. 31 e l d e.

» Die Solidarität der dcatschc« Fürsten.

Am 12. Juni 1882 sprach Fürst Bismarck vor versammeltem Reichstage folgende Worte aus: Ich habe, als unsere Berfassung geschaffen wurde, unter dem Eindruck gehandelt, die Gefahr für den nationalen Gedanken, für unsere Einheit liege in den Dynastien, der Anker der Rettung und der Kitt für unsere Einheit liege im Reichs­tage, . . . aber mein Vertrauen darauf, daß unsere Einheit auch in Zukunft gesichert sei, beruht heutzutage auf den Dynastien. Die deutschen Dynastien sind heutzutage national gesinnt, sie haben das Bedürfniß, Rücken an Rücken zusammenzustehen gegenüber allen aus­

Waldschmetterting.

Erzählung von B. W a l d o w.

(Fortsetzung.)

Das wR ich glauben!" spaltet hier der Ober- förster ein.Nun, und was begingst du weiter?"

Hätte Margarethe ausgeblickt und in sein, mit Wohlgefallen auf ihr ruhendes Gesicht geschaut, sie hätte ohne Zweifel blitzschnell ihre Befangenheit quittirt. So aber fuhr sie zaghaft fort:Daß man unbarmherziger mit mir verfuhr, als mit den anderen, das kränkte mich mit jedem Tage tuehr und regte mich zu immer tolleren Streichen an, da man sich nachgerade so wie so daran ge­wöhnt, mich auch für die Fehler anderer verant­wortlich zu machen und dafür abzustrasen. So ging ein Monat nach dem andern hin, während welcher Zeit ich oft Mama beschwor, mich auS der Anstalt sortzunehmen. Sie aber blieb dabei, daß ich eigentlich unter noch viel strengere Zucht gehöre und würdigte in Folge der über mich ge- führten Klagen mich schließlich keines einzigen Briefes mehr, ihre Ermahnungen nur durch die Jnstitutsvorftehertn an mich gelangen lassend. Bei Gott, ich hatte oft den festen Vorsatz, mich zu bessern; die Rücksichtslosigkeit jedoch, mit der man wir begegnete, ließ den Dämon, der in meiner Brust sein Wesen trieb, nie lange schlummern. So kam der Tag, an welchem* Margarethe ringt nach Athem.

An welchem eS zu einem Generalverbrechen seinerseits tzekopveo, wie?" ergänzte der Ober*

förster, mühsam einen barschen Ton anschlagend, um seine Belustigung dahinter zu verbergen.

Die schöne Sünderin nickt und preßt secundenlang die frischen Lippen auseinander, um dann mit noch immer gesenktem Kopf hervorzustoßen:Es war unrecht, daß ich's that, ich fühle und bereue es; aber es geschah ja nur aus jugendlichem Uebermuth und gew ß mcht aus dem Grunde, den man mir zum Vorwurf machte!"

So hm nun, laß doch hören, weshalb du von der Anstalt relegirt," sagte der Waidmanv, den bittenden Bl'ck der Gattin völlig ignorireud.

Ich hatte," fährt Margarethe fort,abscheuliche Karikaturen angefertigt, die den Zweck hatten, den Zeichenlehrer, den ich ganz besonders haßte, lächerlich zu machen. Er fand eines dieser Blätter, zu meinem Schreck, in meiner Mappe, und die Folge davon war, daß ich acht Tage lang das Speisezimmer nicht betreten bur te, sondern wäh­rend der Mahlzeit auf meinem Stäbchen bleibend, mich mit sehr schmaler Kost begnügen mußte. Es war der letzte Tag in jener Woche, als eine der Colleainnen Besuch von ihrem Vater und einem jungen Better, welche beide Herren über Tisch im Institut verweilten Die Mädchen stürmten nach der Mahlzeit auf mein Zimmer und schwärmien von dem hübschen jungen Mann, der unsagbar amüsant und unterhaltend sei und bedauerten, daß mir das Glück verloren gehe, ibn zu sehen. Darauf wettete ich mit ihnen im Uebermuth, es trotz meines Z'mmerarreües ermöglichen zu wollen, thu wir gleichfalls anzu chauen und bewältigte wich

wärtigen Gefahren, aber auch ihre monarchischen I Rechte, soweit wie sie verfassungsmäßig bestehen, I nicht untergraben zu lassen; ich habe zu den deutschen Dynastien das Zutrauen, daß sie den nationalen Gedanken stets hochhalten, daß sie ihrerseits die politische und militärische Einheit des Reichs unverbrüchlich bewahren und jeder Versuchung Fremder widerstehen werden."

Und ein halbes Jahr vorher, am 23. November 1881, sagte der Reichskanzler gleichfalls im Reichstage:

Heutzutage muß ich die Regierungen als die stärkeren Bürgschaften für die Erhaltung und Förderung der deutschen Einheit im Vergleich mit dem Parlament, mit dem Reichstage be­trachten. In der Durchführung der nationalen Einheit sehe ich mich durch die Regierungen gefördert, aber durch den Reichstag gehindert."

Der Reichstag, zu welchem damals diese Worte gesprochen wurden, wurde bekanntlich von der Majorität Richter Wmdhorst - Liebknecht beherrscht. Auf seine gegenwärtige Zusammen­setzung passen glücklicherweise des Kanzlers Worte nicht mehr; um so mehr finden sie aber in Be­ziehung auf das. was damals von der nationalen Gesinnung der Dynastien gesagt wurde, heute ihre Bestätigung. Die Wettiner und Stutt­garter Festtage, die Anwesenheit des Kaisers in Dres­den und Stuttgart, sowie die Verleihung des höchsten preußischen Ordens vom Schwarzen Adler an die Ministerpläsioenten von Bayern und Württemberg das hat uns Allen zu lebendigem Bewußtsein ge­bracht, was damals der Kanzler vielen Politikern als neu verkündete und was auch von Manchen ungläubig ausgenommen wurde. Alle jene Er­eignisse haben die Beziehungen des Reichs zu den Bundesfürsten und umgekehrt in die hellste Be leuchtung gesetzt: nicht als ob sich in diesen Tagen erst ein' Wandel vollzogen hätte, nein, die Verhältnisse lägen schon im Jahre 1881 und 1882

so, wie sie damals der Kanzler charakterisirte, aber jetzt erst stehen sie für Jedermann unver- kennbar als eine der schönsten Früchte achtzehn­jähriger politischer Arbeit im neuen deutschen Reiche da, nachdem sie sich in jenen Ereignissen für alle Welt offenbart haben.

Die Einigkeit der Fürsten und ihre nationale Gesinnung, ihr festes Zusammenhalten auf dem Boden des Reichs steht heute außer Frage. Die alten Kämpfe im deutschen Bundestage sind nicht wieder aufgelebt, in Eintracht stehen die Fürsten zusammen in der Förderung der Reichsinteressen, welche in München, Stuttgart und Dresden die­selbe Pflege wie in Berlin erhalten haben. Die deutschen Fürsten haben sich in ihren Staaten zu Hauptvertretern des nationalen Gedankens ge­macht und deshalb in allen großen Fragen der Reichsgesetzgebung, in der Justizeinheit, in der Steuer und Wirthschaftspolitik, in der Stärkung der Wehrkraft wie in der Anbahnung einer socialen Reform ohne Zögern auf den Stand­punkt des nationale' Interesses gestellt. Auf der anderen Seite hat die Reichsregierung sich die Pflege der Eintracht angelegen sein lassen und stets Alles vermieden, was den centrifu- galen Bestrebungen irgend welchen Vorschub hätte leisten können, eine Politik, welche dem alten Bande fern lag, aber aus den praktischen Er­fahrungen desselben sich mit zwingender Noth­wendigkeit als eine gute Lehre für die Zukunft ergab.' So ist zwischen den Gliedern ein Ver­trauen und ein Einvernehmen entstanden, welches die stärkste Gewähr voller und wahrer Einheit und Einigkeit ist.

Des Kaisers Reise nach Dresden und Stutt­gart war das Zeichen des Dankes und der Genugthuung für die Förderung, welche die nationale Sache durch diese hervorragenden Bundesgenossen allzeit gefunden, die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an die Minister-

zu diesem Zwecke des Schlüssels, der das Aus- gangSthor des Gartens schloß, durch welches die Vorsteherin gewöhnlich ihre Gäste den Rückzug nehmen ließ, um ein Lob über ihren hübschen Garten einzuheiwsen. Wir wurden in solchen Augenblicken, wenn es nicht gerade in die Zeit des Unterrichts tra*, stets von einer Lehrerin auf dem Krocketplatz festgehallev, von welchem aus ein Blick auf die in der besagten Weise Scheidenden uns nicht vergönnt war. Auch an jenem Tage wurden wir auf jenen Platz beordert und nur die Stimmen der sich Entfernenden drangen hell au unser Ohr, einen triumphirenden Blick meiner Kolleginnen zur Folge habend, den ich jedoch Grund hatte in gleicher Weise zu erwidern, denn bald kam die Vorsteherin in lebhaftem Gespräch mit den genannten Herren zurück, denen gegenüber sie, sich entschuldigend, aufs eifrigste versicherte, daß der Schlüssel zu besagtem Thor zum ersten Mal, seit sie das Institut besitze, nicht am Platze gewesen sei. Daraus folgten ein paar munter gesprochene, beruhigende Worte und wenige Augen­blicke später kamen die Zurückgekehrtcn, wie ich mir's gedacht, dicht au unserem Platz vorüber, um die andere Pforte zu gewinnen. Ein verstäub- n sinniger Blick der Mädchen traf mein lachendes Gesicht und Anna Weffel, welcher der Besuch der Herren gegolten hatte, trat rasch an mich heran, schlang ihren Arm um meinen Hals und raunte mir ins Ohr:DaS hast du wieder einmal brav gemacht!"

.Der jüngere der Herren lenkte, uns gewahrend,