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Hersfeliitl Kreisbllitt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illuffrirtes Anterhaktungsölatt".__________
Nr. 78. Diciiftag den 2. Juli 1889,
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Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage
^Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" ^ro III. Quartal werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Berlin, den 25. Mai 1889.
Bezüglich der Stempelpflichtigkeit der von Ortspolizetbehörden beziehungsweise Gemeindebehörden ausgestellten Zeugnisse über den Ursprung zur Ausfuhr gelangender einheimischer Waaren ist neuerdings von dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe im Einverständnisse mit dem mitunterzeichneten Finanzminister in dem folgenden Sinne Entscheidung getroffen.
Die bezeichneten Zeugnisse unterliegen als amtliche Atteste in Pnoalsachen einem Stempel von 1,50 Mk., insoweit nicht auf sie die im § 3 lit. a des Stempelsteuergesetzes vom 7. März 1822 und der Stempelsteuerveroronungen vom 19. Juli und 7. August 1867 wegen des Werthes des Gegenstandes vorgesehene Stempelfreiheit Anwendung findet. Dieselben sind demgemäß nicht allein in solchen Fällen stempelfret, in welchen der Werth der Sendung weniger als 150 Mk. beträgt, sondern dem Interesse der Exporteure entsprechend auch dann, wenn der Unterschied im Zoll, welcher auf der Waare im Lande der Bestimmung ruht, je nachdem dieselbe von einem Ursprungszeugnisse begleitet ist oder nicht, sich aus weniger als 150 Mk. beläuft.
Vorausgesetzt ist hierbei, daß aus dem Inhalte I des Zeugnisses hervorgeht, daß dasselbe zum Zwecke der Versendung der Waare nach einem bestimmten Lande und behufs Erlangung eines niedrigeren Zollsatzes im Lande der Bestimmung ausgestellt ist, und daß die betreffenden Behörden eventuell von den Betheiligten in den Stand gesetzt werden, die Höhe des Zollunterschiedes, um den es sich handelt, in zuverlässiger Weise feststellen zu können.
Ew Hochwohlgeboren ersuchen wir ergebenst, die betheiligten Behörden von dieser Entscheidung gefälligst in Kenntniß setzen zu lassen.
Der Finanz-Minister. Der Minister des Im Auftrage. Innern.
gez. Groß. gez. H e r r f u r t h.
An den Königlichen Regierungspräsidenten, Hern Rothe, Hochwohlgeboren zu Cassel. F. M. 111. 8222. M. d. I. II 4869.
Cassel.^den 19. Juni 1889.
Abschrift erhalten Ew- Hochwohlgeboren 2C. zur gefälligen Nachachtung und entsprechenden Bescheidung der Ortspolizeibehörden.
Der Regierungspräsident. Rothe.
An sämmtliche Königliche Landräthe des Bezirks und den Herrn Polizei-Director hier. A. 11.4819
* * *
Hersfeld, den 28. Juni 1889.
Wird den Ortspolizetbehörden des hiesigen Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mit» getheilt.
5792. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n t tz.
Hersfeld, den 24. Juni 1889.
Der von dem ständischen Lauamte dahier aufgestellte Landwegebau-Etat für den > Kreis Hersfeld pro 1890 liegt vom 13. Juli v. I. ab vierzehn Tage lang
zur Einsicht der Ortsvorstände des Kreises offen und zwar:
1. für die zum ersten Aufsichtsbezirke gehörigen Gemeinden 2c. Aua, Allmershausen, Biede- bach, Friedlos, Etchhof, Gittersdorf, Heenes, Hersfeld, Meckbach, Mecklar, Metsebach, Obergeis, Reilos, Rohrbach, Tann und Untergeis imGeschäftslocale des Königlichen Landrathsamtes,
2. für die zum zweiten Aufstchtsbezirk gehörigen Gemeinden rc. Allendorf, Asvach, Beiers- hansen, Engelbach, Gersdors, Gershausen, Goßmannsrode, Hattenbach, Hilperhaufen, Holzheim, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirch- heim, Kleba, Kohlhausen, Kruspis, MengS- Hausen, Niederaula, Reckerode, Reimboldshausen, Roßbach, Rotterterode, Solms, Stärklos und Willingshain im Bürger- meistereilocale zu Niederaula.
3. für die zum dritten Aufsichtsbezirke gehörigen Gemeinden ?c. P^ersberg, Wilhelmshof, Oberrode, Sorga, Kathus, Wippershain, Bingartes, UnterhauN, Rotensee, Oberhaun, Sieglos, Eitra, Malkomes, Dünkelrode, Schenksolz, Lampertsfeld, Schenklengsfeld, Conrode, Landershausen und Wüstfeld i m Bürgermeistereilocale zu Wippershain,
4. für die zum vierten Aufsichtsbezirke gehörigen Gemeinden 2C. Friedewald, HUmes, Hillarts- hausen, Kleinensee, Lauleahausen, Motzfeld, Oberlengsfeld, Unterwetsenborn und Wehrshausen im Bürgermeistereilocale zu Friedewald,
5. für die zum fünften Aufsichtsbezirke gehörigen Gemeinden 2c. Ausbach, Bengendorf, Getyse- mane, Harnrode, Hetmboldsyausen, Heringen, Herfa, Leimbach, Lengers, Röhrigshof mit Nippe, Philippsthal, Ransbach, Unterneurode, Wölfershausen und Widdershausen tm
Wakdschmetterling.
Erzählung von 8. Waldow, (Fortsetzung.)
Die Trennung von dem Orte, der sein Liebstes barg, ward ihm unsagbar schwer; die Pflicht jedoch ist eine sehr energische Gebieterin, die auch ihn mit dem, was ihm das Glück noch gelassen, nach kurzer Frist zurücknes ins verwaiste Heim.
Die beiden alten Leute sahen ihn sammt seinem Töchterchen mit stiller Resignation von bannen ziehen, sich damit tröstend, daß ihnen ja die Welt nicht allzu lange mehr als Heimstatt dienen werde. Und wirklich wurde nach kaum einem Jahr auf's neue binnen kurzem Zw.schenraum die Familiengruft geöffnet, denn die greisen Schloßvewohner hatten von dem tiefen Schmerz um den Berlust des einzigen Kindes nur durch den Tod Erlösung finden können.
Es war schon lange her, bald vierzehn Jahr, seit dies geschehen und doch war die Erinnerung daran in »arh-S Seele wach geblieben. Un« ouihaltsam rannen ihr die Thränen an den braunen Wangen Nieder und doch konnte sie sich absolut nicht trennen von den Bildern der Bergaugenhett, mußte vielmehr weiter träumen und so zogen ihre Gedanken dem ernsten, traurigen Manne nach, der em Jahr um das andere der Erinnerung an dte einstige Gefährtin seines Lebens treu geblieben war.
Dann aber hatte er aus Fürsorge für sein gc- lieble« Kind demselben eine zweite Mutter geben wollen und zwar traf seine Wahl die Wittwe
i gleicht, und gleichsam als Bestätigung ihres Ge- I dankenganges hört sie jetzt dicht an ihrem Ohr dieselbe Stimme, die sie vor langen Jahren oft entzückt.
Sie wacht aus ihren Träumen auf und schaut dtrect in Margarethens liebliches Gesicht, fühlt ihre schwielige Rechte von zwei kleinen, weichen Händen fest umschlossen. Ist das denn wirklich auch kein Traum? So wie dies Mäbcheutnld hat oftmals auch die Margarethe aus dem allerihüm- loten Schloß vor ihr gestanden und mit den blauen Kinderaugen herzgewinnend zu ihr aufgeblickt.
,34 möchte Ihnen danken, Kathi, daß Sie mit dem hübschen Kranz in meinem Stübcheu mich willkommen hießen," sagte das junge Mädchen ireudcstrahlenden Auges. »Sie machten mir Damit viel Freude; ich habe Blumen so uneudlich gern.*
.Ganz so, wie Ihre selige Mama, eutgegaet die Alte.
«Wie meine selige Mama, kannten Sie dieselbe?* fragt Margarethe freudig überrascht.
Und schon wieder stehlen sich tu Kathis Augen Thränen, indessen sie in bebendem Ton erwidert: ,3a, ich kannte sie und verehre sie noch heute. Noch ganz genau entsinne ich mich aus ihren Hochzeitstag; es war ein prächtig schöner Tag, der damalige achtzehnte August, Mein Vater stand zu jener Zeit als Gärtner bei Ihrem Großpapa in Dienst und so lam's, daß meine Hände Ihrem Mütterchen den Brautkranz winden Dursten."
.Deu Brautkranz," entgegnete Margarethe träumerisch und ihre feinen Finger drücken wieder, ; holt der Alten schwielige Hände.
seines Freundes, welcher sterbend ihm die Setnigen aus Herz gelegt. Er hatte es ja nicht geahnt, | daß das stolze, hochmüthige Geschöpf so wenig ihrer Pflicht genügen und seiner Margarethe die tobte Mutter nicht tm mindesten ersetzen werde. Es war das eine schwere, sorgenvolle Zeck gewesen, die er durch seine zweite Wahl herausbeschworen. Dann war der deutsch-iranzöiische Krieg gekommen, zu dem auch ihm des Königs Ruf gegolten und war er zur Betrübniß seines Kindes mit ins Feld ge zogen, um niemals wieder heimzukehren. Wenige Tage nach der Schlacht bei Sedan, deren Ergebniß mit Flammenschrist ins Buch der Weltgeschichte eingezeichnet ist, war in das stille Haus am WalbeS- rand ein schwarz geränderter Stier gekommen, in dem des Overförsters Schwester dem letzteren an» gezeigt, daß ihr Mann den Heldentod fürs Vaterland gestorben und sie zum zweiten Male Wittwe sei.
Im letztvergangenen Herbst hatte sie dann selbst den Bruder einmal ausgesucht und zwar in Gesellschaft ihrer Tochter Lucie, der Mutter gleich, ein schönes, aber hochmüthiges Geschöpf. Das Stiefkind hatte sie mcht mitgebracht und doch hätte »athi gar so gern gewußt, ob die kleine Margarethe, Die damals mit den neug erigen Kinderaugen durch die Gitterlhür der Gruft geblickt, wohl ebenso gut und ebenso schön geworden sei, wie ihre längst verstorbene Mama es war.
Und nun heute endlich hatte sie das Glück gehabt, aus diese Frage eine Antwort zu erhalten, die sie so sehr befriedigte, wie sie es nur je gewünscht. Sie weiß es nun, daß Margarethe ihrer Mutter