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Htlsstl-kl Kreisbllltt.

Mit wöchentlicher Kratis-AsilageIlluKrirtes NuterhaltungsbtaLL".

Nr. 75.

Dienstag den 25. Juni

1889.

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Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 20. Juni 1889.

Dem am 6. Februar 1867 zu Hattenbach ge­borenen Maurer Georg Manns genannt Schüler ist seitens der Königlichen Regierung unterm 15. d. Mts. gestattet worden, fortan den Fa­miliennamenSchüler" zu führen.

5693. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Braun, Kreisdeputirter.

Ais aus schlimme Ziel.

Eriminsi-Novelle von Ä. R«ichner.

(Schluß.)

Die Gerechtigkeit ward um ihr Op'er betrogen. Als der Tag sich seinem Ende zuneigle, fand mau Gertrud Rank als Leiche in ihrem Zimmer.

Der Rest des Morphiums hatte seine Schuldig­keit gethan.

Ein Bekenntniß ihrer Schuld, in wenig Zeilen hinterlassen, hcllle das Räthsel auf, das über der dunklen That geschwebt, indessen die Schatten, die auf dem Namen Dorwall lagerten, vermochte die Aufklärung nicht gänzlich zu zerstreuen. Die Heimath war kein Platz wehr für die Dorwalls; fte mußten, sobald es möglich war, an anderer, ferner Stätte, wo die bösen Genien der Schuld und der Verleumdung nicht h ndrangen, ein neues Leben sich zu gründen trachten. Das Geschäft wurde aufgelöst. Der alte Dorwall zog sich ganz davon zurück und überließ es denjungen Leuten", die neue FirmaHellbach & Dorwall" zu Ehren

Ungern Er selbst sonnt sich in dem Glück Ernsts und Lillys, das so ungetrübt und sonnenhell als möglich ist, und die kleine Marie und der kleine Robert sind seines Alters Stolz und Freude. Der große Robert - der Pathe des kleinen - weilt zwar meist auf ferner Woge, doch wenn er heimkehrt, jubeln die Kleinen demOnkel Robert" entgegen, der stets so schöne Dinge aus den srewden für sie mitbringt, und auch das ganze

Paus theilt diese ßreube, denn Robert Dorwall

Nach einem Jahre schwerster und schmerzlichster Trauer stehen unserm Königshause in der nächsten Zeit zwei Hochzeitsfeiern bevor: am 24. Juni die Vermählung des Prinzen Friedrich Leopold, einzigen Sohnes des verstorbenen General-Feldmarschalls Prinzen Friedrich Carl, geboren am 14. November 1865, Rittmeister im Regiment Gardes du Corps, mit der Prinzessin Luise Sophie zu Schleswig-Hol­stein, geboren zu Kiel am 8. April 1866, einer Schwester unserer Kaiserin; im Oktober die Ver­mählung der Prinzessin Sophie von Preußen, zweiten Tochter Kaiser Friedrichs, mit dem Kronprinzen von Griechenland. Beiden fürstlichen Brautpaaren ist die herzliche Sympathie und freudige Theilnahme des ganzen Landes zugewendet. Durch die schweren Schick­salsschläge, welche das Königshaus betroffen, sowie durch die Pflichten, welche ihm zugefallen, war unser Hof fast vereinsamt. Prinz Heinrich, des Kaisers einziger Bruder, weilt in Folge des Dienstes auf der Marine in Kiel, Prinz Albrecht als Regent in Braunschweig, und so lasteten denn auf dem Kaiserpaare allein alle die Pflichten der Repräsentation, welche einem großen Hofe obliegen und bisher ungeachtet der Trauer- zeit recht erhebliche Dimensionen angenommen halten. Dieselben werden nach Aufhören des Trauerjahres voraussichtlich nicht unwesentlich anwachsen, um so erwünschter ist es, daß dem Kaiserlichen'Haushalt noch ein zweiter fürstlicher Hofhalt in der Residenz zur Seite tritt.

Die Wahl, welche Prinz Friedrich Leopold getroffen, entspricht den innigen Beziehungen, in denen er zu den Kaiserlichen Majestäten steht, sowie dem traulichen Familienleben des Kaiser­paares, dessen Zeugin Prinzeß Luise Sophie in den letzten Jahren vielfach gewesen ist. Ward

hat die Stunden der Noth und Trübsal nicht um­sonst durchlebt, er ist ein ernster Mann geworden, und wenn das Blut noch hin und wieder in ihm auischäumt, so ist die wilde See der beste Ort für ihn er bleibt nie lange aus dem Lande das ist die einzige Betrübniß, die er noch den Seinen macht. Hetralhen wird er n^, Ob er Gertrud nicht vergessen kann? Fast scheint es so gesagt hat er es keinem.

Traurige Nemesis! Der Mann, den sie ver­rathen, liebte sie am treuesten und wahrsten!

Edgar gilt für ein kaufmännisches ®en;e vom reinsten Wasser. Er geht ganz auf in seinem Beruf und scheint sich wohl dabei zu fühlen. Die Schatten auf seiner Stirn, die seit einem gewissen Tage daraus lagern, haben die Begebenheiten jener finsteren Zeit wohl zu fest daraus emgegraben, als daß sie ganz verschwinden könnten, und wenn sein Haar sich vor der Zeit lichtet und sich mit ver­einzelten Hellen Fäden schon leicht durchzieht, so mögen das auch Folgen jener Stunden sein, die sich nicht verwischen lassen. Edgar Dorwall hatte sogar im Sinn, eine standesgemäße Partie zu schließen, um, weil Robert nicht hecrathet, den Namen Dorwall nicht aussterben zu lassen. Seine Auserwählte ist reich, aus gutem Hause, nicht be- sonders hübsch und nicht besonders klug dafür wird er auch niemals zu befürchten haben, daß sie zu hm jene übermäßig große Liebe hegt wie jene Un­glückliche, deren Name nie mehr genannt wird und deren Bild nur noch zuweilen in den nächtlichen Träumen Edgar Dorwalls austancht, wie sie bleich,

I dereinst bei der Vermählung des Prinzen Wilhelm im Jahre 1881 der Liebesbund freudig begrüßt.

welcher fortan die Häuser Preußen und Schles­wig-Holstein vereinigt, so berührt die nunmehrige Verdoppelung dieses Bundes namentlich in Schleswig-Holstein selbst überall auf das freudigste. Denn Prinzeß Luise nennt Schleswig-Holstein, an dessen meerumrauschter Küste ihre Wiege ge­standen, ihr Geburtsland. Noch war die Ver­einigung des Landes mit Preußen nicht vollzogen, aber der große geschichtliche Wendepunkt nahte mit schnellen Schritten heran, schon kreiste der preußische Adler ob der Kieler Bucht und der Frühlingshauch, welcher dort das junge Fürsten- ktnd grüßte, schwellte auch die weißen Flaggen der preußischen Kriegsschiffe.

Dem Sohne des Befreiers ihres Geburtslandes reicht jetzt die Prinzessin die Hand zum Liebes­bunde. Prinz Leopold konnte dem Andenken seines Vaters kaum eine schönere Erinnerung widmen, als durch seine Vermählung mit einer Tochter des wackeren schleswig-holsteinischen Stammes, welchen Priuz Friedrich Carl einst­mals für Deutschland zurückgewonnen, für welchen Preußens Ehre verpfändet war und die er glänzend eingelöst hatte. Von der Schlei bis hoch hinauf zur Nordspitze von Jütland hatte Prinz Friedrich Carl das Preußenbanner ge­tragen, er hatte dem Volke und dem Heere Ver­trauen und Selbstbewußtsein zurückgegeben, von

Düppel und Alsen her stieg das Morgenroth einer neuen Zeit herauf. In dieses Morgenroth fielen die Geburtsstunden der beiden Fürstenkinder, welche am 24. Juni im Schlöffe zu Berlin für das Leben verbunden werden; möge es ihnen Beiden ein glückverheißendes Zeichen sein.

Unwillkürlich erinnert die Vermählung an die Doppelheirath, welche einstmals kurz hinter­einander den verewigten Prinzen Carl, den Großvater des Bräutigams, und dann seinen

im HochzeitSkletde, in dem man sie nach ihrem letzten Wunsch auch begraben, vor ihm kniete und ihn um das eine, einzige Wort anflehte, um den einen Blick, den er verweigert.

Jetzt ist es zu spät. Die Trauerweiden rauschen nicht nur über dem weißen Marmordenkmal Maria Dorwalls es senkt wohl auch eine vou einem Nachbargrabe m tleidig ihre Zweige auf das öde Grab dort an der Mauer, wo im HochzeitSkletde die schlummert, deren Namen und Gedächtniß nichts kündet, als das kleine Kreuz mit den Buchstaben: G. R. sie, die so viel verbrochen, gesündigt, ge­litten und geliebt bis anS schlimme Ziel.

(Unbeteiligter Nachdruck verboten.)

Waldschmetterling.

Erzählung von B. W a l d o w.

Drüben über dem Hügel geht soeben die Sonne zu Rüste und grüßt mit ihren letzten Strahlen die Fenster deS freundlichen Forsthauses, die reden- geschmückt in die herrliche Landschaft hineinblitzen. Die Rückseite des Hauses deckt der prächtige Wald, dem voraus, gleich treuen Wächtern, einzelne Baumriesen, in unmittelbare Nähe des ersteren postirt, des Hauses Giebel weithin überragen. Auch eine alte Linde übt hier treu ihr Wächeramt und breitet schirmend ihre Aeste, in denen eben jetzt ein Vogelheer sein Abendlied zum besten giebt, über einen sauberen Kiesplatz aus, der mit seinem, mit einer bunten Stickerei und einem schlichten Frauen- Hut belegten Tisch und den um letzteren gruppirten