Beilage zur Nr. 74 -es Kreisblatts.
Aus Heffen-Nafsau.
Hersfeld, 21. Juni. Durch Erlaß an die Königlichen Eisenbahn-Dreetionen und Betriebs- ämter hat der Mwtster der öffentlichen Arbeiten die genaueste Beachtung der zur Abkühlung der Personenwagen und Perrons während der heißen Jahreszeit gegebenen Vorschriften in Erinnerung gebracht.
Hersfeld, 21, Juni. Tie Fahrgeschwindigkeit der Personenzüge hat neuerdings wieder eine Steigerung eriahren. Am 1. April d. I. war seitens des Ministers der öffentlichen Arbeiten angeordnet worden, daß die Personenzüge, welche nicht mit durchgehenden, d. h. vom Lokomolivsührerstande aus zu bedienenden Bremsen ausgerüstet sind, in keinem Rolle schneller als 60 Kilometer in der Stunde fahren dürften. Diese Bestimmung ist vorläufig wieder aufgehoben worden, indem von jetzt ab bis zum 1. April 1891 bet diesen Zügen die Ueberschreitung der Fahrgeschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stunde bis zur erlaubten Grenze zum Zweck der Erreichung von Anschlüssen bei Zugverspätungen genehmigt worden ist. Während die Zugverspätung bisher nur durch Abkürzung der Aufenthalte aus den Stationen vermindert werden konnte, kann dieselbe von jetzt ab auch durch Steigerung der Fahrgeschwindigkeit abgekürzt werden.
Hersfeld, 21. Juni. Tages'Ordnung für den
1 1. Abgeordnetentag des Hessischen Krieger-VerbandeS am Sonnabend den
6. Juli 1 889, Nach mittags 5 Uhr in dem Gasthofzum„HessischenHos"inSchlüchtern.
1) Nachmittags 5 Uhr Begrüßung der erschienenen Herren Abgeordneten durch den Vorsitzenden des Verbandes und Eröffnung der Sitzung. 2) Prüfung der Vollmachten und Ausstellung der Präsenzliste. 3) Verlesung der Verhandlung der 10. Abgeordneten,Versammlung vom 1. Juli 1888 durch den Kameraden Schriftführer. 4) Bericht des Kameraden Schriftführers über die Thätigkeit des geschästs- führenden Vorstandes im abgelaufenen Jahre nebst Anzeige der Ausnahme der Kriegervereine Elm, Heinzell, HerSfeld (Kampfgenossen), Vollmerz und Lieber durch denselben in den Verband. 5) Kassenbericht deS Verbands-Kassirers und Wahl der Kassen-Revisoren. 6) Referat der Herrn BerbandS-Vorsitzenden über den 18. Bundes-Abgeordneten- tag zu Wiesbaden. 7)Mntrag der KriegervereinS Fulda, die Gründung von Unterstützungskassen betreffend. 8) Decharge- Ertheilung für den VerbandS-Kassirer. 9) Beschickung deS Abgeordnetentages des deutschen Kriegerbundes pro 1890 zu Dortmund. 10) Wahl des Ortes für die nächstjährige regelmäßige Abgeordnetenversammlung. 11) Neuwahl der Vorstandes. 12) Parole-Angelegenheiten. 13) Erledigung etwa weiter gestellt werdender Anträge.
Hersfeld, 20. Juni. Dem Generall'euienant und Commandeur der 22. Division v. P a s s o w ist die nachgesuchteD enstentlassung von Sr. Majestät dem Kaiser bew-ll-pt worden.
Hersfeld, 20. Juni. Aus den Beschlüssen des letzten deutschen Kriegertages n Wiesbaden ist noch hervorzuheben, daß künftig auch Halbwaisen in das Kriegelwaisenhaus zu Römhild aufzunehmen find, wenn Gefahr vorhanden, daß solche außerdem moralisch verderben.
Hersfeld, 21. Juni. (Zur Warnung.) Ein Arzt in Bonn wurde kürzlich zu einem zwei- jährigen Mädchen geholt, welches durch plötzlich eingetretene Krämpfe, Erbrechen und Gliederschmerzen die Eltern in Besorgniß setzte. Der Arzt stellte sogleich Vergiftungs-Erscheinungen fest und blieb bei dieser Erklärung auch, als die Angehörigen bestimmt behaupteten, das Kind könnte unmöglich etwas ihm Schädliches genossen haben. Man rief schließlich das ältere Schwesterchen der Kleinen herbei, und nun ergab sich, daß dieses dem Kinde etliche Pflaumenkerne aufgeknackt und zum Essen gegeben hatte. Die Pflaumenkerne enthalten bekanntlich Spuren der so äußerst giftigen Blausäure. Durch schnell eingegebene Gegenmittel wurde die Gefahr beseitigt. Das Kind wäre aber, nach der Erklärung des Arztes verloren gewesen, wenn Die Hülfe nur eine Stunde später gekommen wäre.
Hersfeld, 21. Juni. Ein für die deutschen D r o g u t st e n wichtiger Bescheid ist kürzlich von dem Provlnzial-Medicmalcollegium in Caffel ge- fällt worden. Darnach steht der Verkauf von Sublimat-Verbandsstoffen, Jodoform - Verbandsstoffen, 5proc. Karbolwasser und Cachons Pillen den Droguisten int, da die erwähnten Präparate nicht als Arzneimittel im Sinne des Gesetzes zu betrachten sind.
Hersfeld, 21. Juni Dem Vernehmen der »N P. Zig." zufolge ist der Generalmajor Prinz Friedrich von Hohen zoll crn, äInsulte der Armee mit der Führung der 22. Division (Caffel) beauf. tragt worden.
Hersfeld, 17. Juni. Gestern Nachmittag fand das bereits früher erwähnte Kirchenconcert des hiesigen Musllvereins zum Besten des Baues der evangelischen Kirche in Fulda statt. Ein zahl- reiches Publikum hatte sich eiligesunden, um den
Ausführungen des mit hervorragenden Kräften versehenen Vereins zu folgen. Zur Eröffnung durchbrausten tue we hevollen Klänge des alten Lutherliedes w@*ne ^ste Burg u. s. m.* zu Gehör gebracht von einem ca. 32 Mann zählenden Orchester mit Metallinstrumenten, b'e ehrwürdigen Kirchen- räume und versetzten die Zuhörer in eine feierliche Stimmung. Das Programm bot in seinem weiteren Verlauf reiche Abwechselung. Zwei Arien aus »Paulus" von Mendelssohn, für Sopran bezw. Bariton, fünfilcr4<6 vollendet vorgetragen, ernteten reichen Beifall, ebenso die Sätze des gemischten Chores mit ihren Solls, unter anderen der 95. Psalm von Mendelssohn. Ein Streichquartett: „Andante" aus dem ä-moU-Quartett von Schubert muß rühmend hervorgehoben werden, sowie die ansprechende Musik von „Weihnachtsgesang" für Bariton mit Begleitung des Cello und Harmonium, von Adam, ferner das ergreifende „Ave Maria" für Bariton, Violine, Cello, Clavier und Harmonium, von Bach-Gounod. Es würde zu weit führen, alle Nummern des Programms des Näheren zu schildern. So viel steht sest, es war ein in jeder Hinsicht gelungenes Concert und den Veranstaltern desselben, besonders dem Herrn Dirigenten, der es an keiner Mühe hat fehlen lassen, das Gelingen des Ganzen zu ermöglichen, gebührt allseitiger Dank. Der pecuniäre Erfolg ist ebenfalls ein günstiger zu nennen, sind doch circa 300 Mark eingekommen. Hoffentlich spornt dieses Beispiel dazu an, auch an anderen Orten ähnliche Veranstaltungen zu treffen, schon allein des guten Zweckes willen, damit nämlich die evangelische Gemeinde in Fulda in den Stand gesetzt werde, sich ein würdiges Gotteshaus zu erbauen. (C. A. Z.)
Hersfeld, 21. Juni. Versetzt: Der Förster Thiel von Oberhauu nach Hundelshausen. Ernannt: Der bisherige Forstausseher Müller zum Förster in Oberhaun.
(8) Hersfeld, 21,'gunt. Die Herren Fiene- mann uno Wolfs gelangten dieser Tage in den Besttz mehrerer alterthümlicher Platten, an? welchen sich sehr hübsche biblische Darstellungen befinden. Wie uns mitgetheilt wird, können dieselben von Interessenten zu jeder Zeit in Augenschein genommen werden.
* Hersfeld, 21. Juni. Nach der soeben ausgegebenen Prämiirungsliste der Ausstellung von Hunden aller Racen 2C., welche vom 8. bis 10. d. Mts. in Gaffel stattfand, erhielt in Gruppe X-, Stuben- und Stallhunde, Herr Pfarrgehülfe H e ß l e r von hier den 1. Preis für einen Stubenhund.
Burghaun, 19. Juni. Heute Abend gegen 7 Uhr badeten sich mehrere Kinder in der Haune, dicht bei Burghaun, hierbei gerielh der 10jährige Sohn des Bauern Christian Flick von Burghaun zu weit in die Tiere, verschwand plötzlich und konnte nur als Leiche aus der Haune gezogen werden. Obgleich sofort ärztliche Hülfe zur Stelle war, blieben doch alle Belebungsversuche erfolglos.
Caffel, 19. Juni. Bekanntlich soll die ge- sammle Cavallerie mit der Lanze bewaffnet werden. Für das hiesige Husarenregiment traten nun diese Lanzen am Monlog hier ein und gelangen vom October an zur Einführung.
Caffel, 20. Juni. Die gestern hier versammelt gewesenen L a n d räth e unseresRegierungsbezirks Halteten zusammen der Allgemeine» Jagd- und Tport-Ausstellung einen Besuch ab und nahmen im Wemzimmer des Ausstellungs-Restaurants ein schon Tags vorher bestelltes Diner ein, an dem auch Seine Excellenz der Herr OberpräsidentGrat v. Eulenburg theilnaym.
Niedenstein, 16, Juni. Eine hiestge Bürgers- srau war damit beschäftigt, Heugebund einzuhaken, um sie mittelst eines Seiles emporztehcn zu lassen. Beim vorletzten Gebunde geriety das Seil unter die Schalter der Bodenluke, warf dieselbe herab und verwundete die Frau dermaßen, daß zwei telephonisch Herbeigcrusene Aerzte über eine halbe Stunde zu thun hatten, um die nöthigen Verbände um den arg verwundeten Kops zu legen.
Fürsteuberg, 17. Juni. Ein 23jähriges Mäoweu aus Mehrhoff, welches vor mehreren Jahren einen Hund wiederholt geliebkost hatte, hat sich dadurch ein lebensgefährliches Leiden zugezogen. Der Arzt, den sie zu Rathe zog, constatirte, daß sie mit dem sogenannten Hunde-Blaseuwurm ange- steckt sei, der sich in der Leber festgesetzt und hier die Krankheit bewirkt hatte. Vorigen Sonntag
■ mußte sie sich deshalb einer lebensgefährlichen | Operation unterziehen.
Schmalkalden, 16. Juni. In Vierna hatten drei Kinder am Freitag eine im Viehstall aufbewahrte Sense geholt und damit im Garten hantirt. Als das älteste Kind, ein zehnjähriges Mädchen, zu mähen versuchte, wurde der dabei- stehende 8jährige Knabe so unglücklich in den Unterleib getroffen, daß das Blut hoch ausspritzte. Da die Kinder allein waren, dauerte es ziemliche Zeit, bis dem Jungen Hilfe gebracht wurde, und auch diese erwies sich als vergeblich, denn am Sonntag Vormittag erlag das Kind bereits seiner Verletzung.
Vermischtes.
— Mainz, 19. Juni. Prinz Bernhard von Sachsen -Weimar, Premier- Lieutenant im 1. Hessischen Husaren-Regiment Nr. 13, stürzte heute Morgen in der Schillerstrabe mit dem Pferde und mußte schwerverletzt nach seiner Wohnung gefahren werden.
— F ü r st e n w a l d e, 17. Juni. Ein betagtes Brautpaar wurde hier getraut. Der Bräutigam zählt nicht weniger denn 86 Jahre; die Erwählte seines Herzens ist 60 Jahre alt.
— Berlin. In der Anklagesache gegen den Scharsrichter Krauts wegen Körperverletzung m t tödtlichem Erfolge ist nunmehr der Termin zur Hauptvelhandlung auf den 24. d. M. festgesetzt.
— Spremberg, 17. Juni. Gestern wurde der bis zum letzten Zuge bedienstet gewesene, aus dem Wege vom Bahnhof zur Stadt befindliche Stations-Assistent auf offener Straße von zwei jugendlichen Taugenichtsen Überfällen und durch einen Messerstich getödtet. Ein Begleiter des be- dauernswerthen Mannes wurde nach dem „Forst. Wochenb." ebenfalls mit Messerstichen traktirt, doch gelang es diesem, wenn auch schwer an der Schulter verwundet, seinen Angreifern zu entfliehen, und das Hotel „Zur Sonne" zu erreichen, wo er noch Mttheilung von dem Vorgefallenen machen konnte und dann zusammenbrach. Leider sind die Thäter im Dunkel der Nacht entkommen.
— Aus dem Erzgebirge, 17. Juni. Auf dem höchsten Kamme des Gebirges in der Umgebung des Städtchens Scheibenberg richtete eine starke Windhose Verwüstungen an. Alte Bäume wurden entwurzelt und Häuser beschädigt. Ein m't vier Pferden bespannter Ackerwagen wurde sammt dem Kutscher in die Lust gehoben, fortgetragen und zerschellt.
— Gera, 16. Juni. Eine schauderhafte That hat der frühere Schuhmacher, jetzige Fabrikarbeiter Kirmse, in der Altenburger Straße 3 wohnhaft, an seinem dreijährigen Sohne verübt. K., welcher in letzter Zeit sich der Nichtsthuerei ergeben hat und von seiner Frau deshalb knapp gehalten wurde, hat aus Rache wegen vermeintlich schlechter Behandlung seitens seiner Frau seinen Knaben, der sich in Pflege befand, während die Frau auf Arbeit war, gestern Vormittag in seine Wohnung geholt und ihm da die Kehle durchschnitten. Als die Frau gestern Mittag nach Hause kam, fand sie ihren Knaben entseelt vor. Von der im selben Hause befindlichen Revierwache wurden sofort die nöthigen Schritte zur Ergreifung des flüchtigen Mörders gethan und derselbe ist gestern Nachmittag im Walde bei dem Vorort Unternhaus ergriffen worden. Als er gegen Abend aus dem Landgerichlsgeiängniß zur Confrontation m>t der Leiche se nes Böhnchens nach der Leichenhalle des Friedhofes gefahren wurde, konnte das massenhaft angesammelte Publikum nur mit Noth und Mühe von sofortiger Lynchjustiz abgehalten werden.
— (Das Ende eines Walsisches.) Der R esenwal, der in Berlin eine Zeit lang ausgestellt war und von dort seine „Kunstreise" nach W:en antrat, um sich auch von den Wienern bewundern zu lassen, wird sein todtes Dasein jetzt beenden. Er ist total hinfällig geworden und überhaupt nicht mehr transportfähig. Der Kadaver wird dem Abdecker übergeben werden, der ihn dann in einer bis zur Stunde noch nicht festgesetzten Art „vertilgen" und damit ganz gewiß auch die größte Arbeit, die er in seinem Metier noch je geleistet, vollbringen wird. Der sechzigtausendpsündige Koloß in den Händen des Abdeckers — das ist das Ende der sonderbaren Wal Fahrt.
— Aus N i e d v r b a y e r n, 17. Juni. Vom Blitz crfchlagen wurden bet Obcrläppel drei aus dem Felde beschäftigte FrauenLpcrjonen.
— Wien, 19. Juni. Durch einen Felsabsturz