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Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Illustrirtes AuterhaltungsötaLL".
Nr. 73. Donnerstag den 20. Juni 1889.
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Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 17. Juni 1889.
Die am 19. Juni 1864 zu Friedewald geborene Sophie Henriette Wilhelmine R a a k e hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
5612. Der Königliche Landrath.
In Vertretung: ___ Braun, Kreisdeputirter.
Bet der Postagentur in Schmittloth eim tritt am 1. Juni eine Telegraphenanstalt mit Fernsprechbetrreb in Wirksamkeit.
Cassel am 31. Mai 1889.
Der Kaiserliche c. Ober-Postdirector. In Vertr.: v. Rum ohr.
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Ais aus schlimme Ziel.
Eriminal-NoveUe von K. R e i ch n e r.
(Fortsetzung.)
Ich käwpite, verhöhnte mich oft bitter — du achtelest ja meiner nicht mehr als einer Fremden — doch es war umionfi, D.e räthselhatte Liebe, die mich zu dir ymzog, ließ sich nicht verscheuchen. Du warft der erste Mann, der einz'ge bet dessen An- blick mein Herz erzitterte in Luft und Schmerz. Sogar Die Fehler, Die ich an dir sah, erschienen wir bet dir geheiligt, auch sie schloß ich in diese tolle, süße Hiebe ein, b.e meines ganzen Wesens sich bemächtigt hatte. Nun hatte mein Leben ein anderes ^iel geiunden. 34 strebte nun nicht mehr nach Unabhängigkeit und Freiheit. Was sollte ““t^™1 ürelheil, die mich Dir entfremdete, mich Bahnen als die deinen lenken mußte ? Alles, was nun zwischen uns sich drängen wollte, 8V?.."tr verhaßt, war mir ein Hindernis, das A beseitigen wollte und mußte um jeden Preis, rvaytn richtete sich nun meine Energie und That- M ^“0» unD straft. Darum haßte doppelt die Frau, die deine Mutter war, aus Die du so viel gabst und Hörtest und die >0 Pläne mit Dir hatte, Die uns würde trennen wollen — darum haßte ich von dieser mtm"^«"s,«?A ^/vachen, heftigen Robert, der M?i Ih?^ *1"? betrachten wollte, ohne daß «eine Liebe ihm das Recht gab, ohne daß
Mitische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hat sich am Dienstag früh zur Theilnahme an der W e t t i n f e i e r nach Dresden begeben. Die Abreise erfolgte von der Wildparkstation aus früh ö1^ Uhr auf der Potsdamer Bahn zunächst nach Schöneberg und von dort aus mittels der Verbindungsbahn über Jüterbog nach Dresden. Die Ankunft dortselbst erfolgte 9‘/2 Uhr auf dem Leipziger Bahnhöfe, wo der König Albert, Prinz Georg, die übrigen bereits anwesenden fremden Fürstlichkeiten, der preußische Gesandte Graf von Dönhoff und die Spitzen der Behörden zum Empfange anwesend waren. Die Militär- Vereine Dresdens und der Umgegend bildeten Spalier. Das zahlreiche Publikum begrüßte Se. Majestät mit begeisterten Hochrufen. Se. Majestät der Kaiser begab sich mit dem Könige vom Bahnhöfe im vierspännigen Wagen sofort zur Parade und stieg vor dem Alaunplatze zu Pferde. Die große Parade des Xll. Königlich sächsischen Armee-Corps vor Sr. Majestät dem Kaiser und König verlief bei prachtvollstem Wetter auf das Glänzendste. Unter brausendem Hurrah fuhren beide Monarchen, in der großen gestickten Generals-Uniform, der Kaiser geschmückt mit dem Bande der Rautenkrone, König Albert von Sachsen mit dem lichtblauen Bande des Heinrichsordens in 4spännigem offenen Galawagen mit Spitz- und Vorreitern nach dem Alaunplatz, woselbst das Armee-Corps in 2 Treffen formirt in Parade stand. Im ersten Treffen standen die gesammten Fußtruppen, im 2. Treffen die Cavallerie, Artillerie und Train unter dem Commando des Generallieutenants von Schweingel. Beim Abreiten der Fronten spielten die Musikcorps das Heil dir im Siegerkranz, die Truppen riefen dem Obersten Kriegsherrn ein Hurrah entgegen und dauernd pflanzte sich dasselbe in den nach vielen Tausenden zählenden Reihen der Zuschauer über den wetten
er ein Anrecht aus mich besaß, als nur ein etnge- j bildetes, willkürliches — Edgar, jetzt, wo der Tod in irgend einer Form iür mich schon sühlvar ist, jetzt darf ich eS noch einmal Dir gestehen, ohne Beschönigung und Lüge: Ja, ich liebte — liebte dich!'
Gertrud machte eine Pause. Wartete sie aus ein Zeichen ehemaliger Liebe, ja nur die Antheilnahme von dem Mann, dem ihr ganzes Herz allein gehörtes — Sie wartete vergebens.
„Deine Mutter wurde krank," fuhr Gertrud fort. „Da trat zum ersten Mal der Versucher vor mich hin. Du sahst mich nicht, du schenktest mir keinerlei Beachtung, und ich, ich hatte nie Gelegenheit, mich dir zu nähern, mir ward sogar die Gelegenheit versagt, als Diese grau noch aus Erden weilte, die zwar unheilbar, aber trotzdem noch nicht gefährlich krank war — jahrelang noch konnte sie leben, hatte mir der Arzt gesagt, noch Jahre — bis dahin aber konnte dein Schicksal längst unwiderrufl ch entschieden sein, und meines auch. Ich konnte dann weiter Magd spielen, dankbare Magd mein Lebenlang — vielleicht zum UebelfluB auch noch der gegenüber die deine Mutter Dir auSerwählt. — Zuweilen meinte ich, sie habe mich durchschaut. Em Mutterauge sieht ja scharf. Sie sprach zu mir von Aenderungen im Hause, von deiner Berhelrathung, von einer Versorgung oder Stellung für mich — ich sah den Augenblick herannahen, wo sie uns trennen würde, wenn ihr scharfer Blick mir bis inS Herz hinein zu tauchen
Plan weiter. Der erste Vorbeimarsch erfolgte in Compagniefront bei der Infanterie — in */<i Escadrons im Schritt bei der Cavallerie, — in Batteriesront im Schritt bet der Artillerie und in Compagniefront bei dem Train, — der zweite Vorbeimarsch bei der Infanterie in Regiments- colonne bezw. Doppelcolonne, bei der Cavallerie, der Artillerie und dem Train in den Formationen des ersten Vorbeimarsches nur anstatt im Schritt im Trabe. Es führten vorbei: Se. Majestät der Kaiser Sein Leib-Regiment „Kaiser Wilhelm" dem Könige von Sachsen; Se. Majestät der König von Sachsen das Garde-Reiter-Regiment und 12. Feld-Artillerie-Regiment dem Kaiser. Generalfeldmarschall Prinz Georg führte vorbei das J.-R. Nr. 106, das Schützen-Regiment - Nr. 108 und das Jäger-Bat. Nr. 12. Prinz Friedrich August führte die 4. Batterie vorbei. Der Erbgroßherzog von Sachsen führte das Husaren-Regt. Nr. 18 vorbei. Ihre Majestät die Königin wohnte im 4spännigen Hofwagen mit 2 Spitzrettern, Prinzeß Mathilde und Prinz Alfred von Großoritamuen in zweispäuuigen Hofkaleschen der Parade bis zum Schluß bei. Zahlreiche Beförderungen haben stattgefunden. Unter endlosem Jubel kehrten die Majestäten zur Residenz zurück.
Ueber die Reise Sr. Majestät des Kaisers nach Elsaß-Lothringen erfährt die „Post" Folgendes: Von Sigmaringen aus, wo am 27. Juni die Hochzeit des Erbprinzen von Hohen- zollern mit der Prinzessin von Bourbon statt- findet, wird der Kaiser am 28. d. in Straßburg und am 30. d. in Metz eingetroffen sein. In Metz wird in seiner Gegenwart der Grundstein zu dem Denkmal für weiland Kaiser Wilhelm I. gelegt werden. Von Metz wird sich Se. Majestät nach Carlsruhe begeben, wo am 2. Juli die Vermählung der Prinzessin Marie von Baden mit dem Erbprinzen Friedrich von Anhalt gefeiert wird, vorausgesetzt, daß die Vermählung wegen der Erkrankung der Herzogin Antoinette nicht
schien — hatte sie auch eine Ahnung, daß ich nur eine Maske trug, sah sie weiter als ich dachtes — Nein, so lange sie lebte, war für mich nicht? in der Welt zu hoffen, — niemals, niemals würde sie als Tochter mich empfangen haben, als Gattin iür den LiedlingSsohn — eher hätte sie mich ohne Erbarmen aus dem Haus gestoßen.
Sie hatte meine Mutter eine Leichtsinnige und meinen Vater einen Comödiantev geheißen, ich wußte es und hatte Diesen Schimpf auf meine armen Eltern niemals vergessen. Jetzt kam der Augenblick der Rache. Sie mußte gehen, um dem Comödiantenklude Platz zu machen, das nun statt ihrer regieren wollte als Herrin im Hause, als Gattin ihres Lieblingssohnes, den ich bis zum Verbrechen liebte. Freilich suchte ich mich selbst zu überreden, es sei nichts als ein Nachhelfen des Schicksals, was ich thue — hatte man bet mir doch auch Schicksal spielen, den Vogel in den Käfig zwingen wollen — das Todesurtheil deiner Mutter war vom Geschick bereits gesprochen — was lag daran, ob es ein wenig früher ausge- lührt wurde, Die Leiden abgekürzt? — Für mich aber bedeutete eine Beschleunigung dieses Tode» Leben! War ich nicht auch ein Menschenkind, nicht auch berechtigt, meinen Antheil am Glück zu verlangen, den man wir so lange vorenthalten S Und — ich liebte dich und — haßte sie. So that ich's denn!"
Mit schauerlicher Einfachheit hatte Gertrud dies«