Erscheint wöchentlich drei Wal Dienstag, Donnerstag und Sonnaiend, «bonnementipreir: vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel, Postausschlag.
Die Jnseri'onrgebühren betragen für den Raum einer Spaiizeile 10 Psg, im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zelle 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
ersseliitt Kreisbliltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Iieilag« „IlluArirtes Nuterhaltungsölatt".
Nr. 68.
Sonuabend den 8. Juni
1889.
Amtliches.
Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß auch im Laufe dieses Jahres zum Besten des Hospitals für fallsüchtige Frauen (St. Valen- tinushaus) zu Kiederich eine einmalige Sammlung freiwilliger Gaben bei den katholischen Einwohnern der Provinz Hessen-Nassau durch polizeilich legitimirte Collectanten Veranstalter werden darf.
Cassel, den 31. Mai 1889.
Der Regierungs-Präsident.
__I. V.; Schwarzenberg.
Hersfeld, den 5. Juni 1889.
Das diesjährige Ober-Erfatz-GeschLft für den hiesigen Kreis findet am
Sonnabend den 15. Juni d. As. und Montag den 17. Juni d. Js.
jedesmal von Morgens präzis6Uhr an im hiesigen städtischen Rathhause statt, und zwar gelangen zur Vorstellung:
a. am 15. Junt d. Js.
1. die beim diesjährigen Ersatz-Geschäft als dauernd untauglich bezeichneten Militair- pflichtigen,
2. sämmtliche daselbst zum Landsturm 1. Aufgebots designirten Militairpflichtigen,
3. sämmtliche daselbst zur Ersatz • Reserve in Vorschlag gebrachten Militairpflichtigen,
4. die zur Disposition der Ersatz-BehördeN entlassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,
5. die zur Zeit des Aushebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,
6. die von den Truppentheilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen,
7. die gemäß §. 36 pos. 5 der Heer-Ordnung zu berücksichtigenden Reservisten rc,
Ais ans schlimme Ziel.
Eriminil-Novelle von K. R«i ch n - r.
(Fortsetzung.)
Da nahen Schritte — Edgar hört sie nicht. — Fester umschlingen ihn Gertruds Arme, sein Kopf ruht an ihrer Schulter - sie flüstert ihm tausend LiebeSworte zu — er ist wie in einem Rausch, er werkt nicht, wie nahe das Erwachen ist — er ge- wahrt nicht, daß die Thür sich öffnet — aber Gertrud steht es, und wie ein Blitzstrahl des Triumphes flammt eS in ihren dunklen Augen auf.
Da fällt ein Schatten auf den Fußboden — oder was ist eS sonst?
Gertrud fährt mit einem leisen Schrei empor, Edgar blickt hoch und vor ihm steht - sein Vater, der ihn befremdet andlickt, ihn und Gertrud, die mit den Händen das Gesicht bedeckt.
vermißtes Buch kann ungeahnte Folgen nach sich ziehen.
Edgar sah auf die Geliebte, und sein Entschluß lvar schnell gefaßt; der Augenblick, der stets die schwächeren Naturen regiert und ihre Handlungen beeinflußt, wirkte als mächtiger Hebel auf Ihn ein, unD otjne daß er wußte, wie es kam, sprach er, Gertruds Hand ergreifend, b*e schnellen Worte:
«Vater, ich dringe dir hier eine Tochter — meine Braut!"
WaS sollte der alte Dorwall gegen eine so vollendete Thatsache einzuwenden habend — Wir wissen daß er ein schwacher Mann war, der seinen Frieden über alles liebte. Edgar war seine Stütze
8. diejenigen beim Ersatzgeschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist, und
9. sämmtliche Zugänge.
b. am 17. Juni d. Js. sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militairpflichtige, soweit sie nach Vorstehendem (a. Nr. 8) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden, einschließlich der Herren Gutsvorsteher, des hiesigen Kreises werden angewiesen, die ihnen in Kürze zugehenden Vorladungen den betreffenden Militairpflichtigen alsbald aus- zuhändigen und mit den Letzteren in den besagten Terminen pünktlich zu erscheinen, auch ihnen zu eröffnen, daß diejenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 80 M. oder Haft bis zu 3 Tagen dir im §. 26 bezwse. 66 der Wehr-Ordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Suche die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.
Beim OberiErsatz-Geschäft werden die Reklamationen, auf Grund deren taugliche Militairpflichtige zur Ersatz Reserve in Vorschlag gebracht worden, sowie die Reklamations-Anträge, aus welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz-Commission erfolgt ist, der Ober Ersatz- Commission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Familienglieder, auf deren Arbeits- oder Nichtarbeits- fähigkett es bei Beurtheilung der Reklamation ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) imTermine mit zu erscheinen haben, widrigenfalls eine Berücksichtigung der be«
nach auß n hin, wie Gertrud sie nach innen geworden. Sie war das Mädchen, welches sene Frau erzogen, und hatten jemals, w e er sehr wohl wußte, andere Pläne in Bezug auf Edgar Dorwall geherrscht, wer würde sich jetzt noch dazu drängen, Mitglied eines Hauses zu werden, über dem der Mord schwebte, mit blutig warnender Hand den mahnenden F nger erhebend!
D ese unklaren Begriffe, im Verein mit dem Moment der Überrumpelung siegten. Der alte Dorwall segnete den Bund, nur kam man überein, die Verlobung vor der Hand noch nicht öffentlich zu erklären, bis erst der Trauerhügel minder frisch und das Gras darüber gewachsen sei.
Kommt mit zu unser m Grabe, Kinder,' sagte jetzt der Fabrikant. «Wir müssen doch unserer theuren Todten zuerst die frohe Botschaft bringen!'
,0 b tte, heute nicht — nicht jetzt!' bat Gertrud heftig. «Mir iß nicht wohl — ich fühle mich sehr angegr ffen — ich muß mich in meinem stillen Zimmer erst an das große Glück gewöhnen lernen —•
Ihr Aussehen strafte ihre Worte keineswegs Lügen; sie sah sehr blaß, ja fast verstört aus. Edgar blickte sie mit zärtlicher Besorgniß an.
«Ja, du stehst sehr bleich auS, liebeS Herz!' sprach er, ste liebevoll umfassend. «Du bedarfst der Erholung, du strengst dich zu feor an — du mußt vor allen Dingen ausruhen —'
Und er führte ste in ihr Zimmer, mit einem langen Kuß dort von ihr Abschied nehmend.
AlS Gertrud sich allein befand, sank sie erschöpft
stressenden Reklamationen nicht statt- findenkann.
Die Herren Ortsvorstände haben das Vorstehende in ihren Bezirken wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militairpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben sie den Militairpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß siemitvollständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.
5301. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, Kretsdeputirter.
Zur Vornahme der Prüfung für den einjährigfreiwilligen Militärdienst ist als Anfangstermin für die diesjährige Herbst-Prüfung der 2. September 1889 festgesetzt worden.
Diejenigen jungen Leute, welche sich dieser Prüfung unterziehen wollen, haben ihr Gesuch vor dem 1sten August 1889 bei der unterzeichneten Commission ein^ureichrn und in demselben anzn- geben, in welchen zwei fremd en Sprachen sie geprüft zu fein wünschen.
Dem Gesuche sind beizufügen:
1) ein Geburtszeugniß;
2) eine Erklärung des Vaters oder Vormundes über die Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen ;
3) ein Unbescholtenheits Zeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den übrigen mili- tärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen auf einen Stuhl. Dunkle Schatten flogen über .hr Gesicht, und was in ihren Augen glimmte, war n-cht der Freudenfäsimmer, im Bl'ck einer Braut erglänzend. Ihr Inneres glich einem Wrack auf w lden Wogen, das, rettungslos dem Sturm aus- grfest, dort treibt, bis eine neue, gierig sich heran- wälzende Woge es verschlingt —
Weihnachten war gekommen, und mit dem Feste Lilly. Gertrud hatte es gewagt, Beschützerin der Liebenden zu spielen, sie hatte es gewagt, nicht eher nachzulassen, bis man Rückkehr zuließ, und daß dann diese gerade auf Lillys Wunsch am Christabend erfolgte und das junge Mädchen so zu sagen alS Christgeschenk eintraf und ihrem Vater an den Hals flog, das war Gertruds eigenste Veranstaltung. Und Lilly wußte das und war ihr herzlich dankbar, und als auch sie die Kunde hörte von den Bez ehungeo Edgars zu Gertrud, konnte wohl niemand erfreuter sein als ste. Hatte Gertrud, die liebe, gute Gertrud ihr doch versprochen, ihr und — ihm beizustehen, denn die Entiernung hätte ja erst volle Klarheit in das Herz der kleinen Lilly gebracht und die darin halb unbewußt noch schlummernden Gesichte gereift zur vollen Blüthe. Ja, Gertrud würde nun ihr Beistand sein, ihrer und der felnige, und Gertrud war so einflußreich im Hause und setzte alles durch, was sie wollte.
Mit fast ehrfurchtsvoller Liebe und Bewunderung, wie sie so junge Mädchen zuweilen für Personen fühlen, die sie alS geistig über sich stehend erkennen, blickte L'lly zu Gertrud auf, und mertte es darüber nicht, daß während ihrer Abwesenheit sie die voll;