über eine Löschung hinabgeworfen und der Zug- führer und Maschinist wurden getödtet.
— Wien. Der belgische Luftschiffe! Wever hat auf sonderbare Weise vor seinen Gläubigern Reißaus genommen. Derselbe wollte nämlich für diesen Sommer Balloncapttf- Fabrten für das Publikum in Weigels Dreher- Park veranstalten. Vorigen Sonnabend sollte unter Aussicht der Polizei die Probeauffahrt statt- finden. Herr Wever bestieg mit seiner Frau die Gondel und schnitt schnell das Seil durch, um so die luftige Reise in die Ferne anzutreten. Der Parkbesitzer Weigel, der dem Luftschiffer eine größere Summe vorgestreckt hat, sowie die polizeiliche Commission hatten das Nachsehen.
— 3 lob tu (Westrußland) Hier brannten 148 Häuser n'eder. Vier Personen sind in den Flammen umgekommen.
— Zur Ueberschwemmungs-Cata- strophe in Nordamerika liegen folgende weitere Nachrichten vor: New-A or k, 2 Juni Bis Mittags aus dem Ueberschwemmungsgebiet in Pennihivanien eingegangene Nachrichten melden, daß das Thal des Flusses Conemaugh, in welchem sich am Freitag noch Meiereien, Mahlen, Wecker und Städte mit Tausenden von E-nwobnern be- fanden, vollständig zerstört ist. Die Eisenwerke von Cambria in Johnstown, in denen gegen 7000 Personen beschäftigt waren, sind ebenfalls zerstört; die Verbindung mit Johnstown ist wieder hergestellt. Wie es heißt, sollen in Johnstown 1500 Personen ums Leben gekommen sein, 600 Leichen befanden sich noch in der Stadt, eine große An- zahl ist bereits beerdigt. — London, 3. Juni. Seit dem Erdbeben in Pera im Jahre 1868 ist kein so furchtbares Unglück zu verzeichnen, wie das Elementarereigniß in Pennsylvanien. Entsetzliche Details werden jetzt bekannt; acht Ortschaften sind gänzlich zerstört und mehr als 20,000 Menschen büßten ihr Leben ein. — Wetter w.rd noch gemeldet: Die Stadt Johnstown und fünf Vororte, welche zusammen 55,000 Einwohner hatten, sind vom Erdboden weggelegt und nur 7 Häuser sind stehen geblieben. Die aufgefundenen Leichen sind meistens solche von Frauen und Kindern. Männer kamen massenha t bei den Eambria-Schmelzöfen, welche 7000 Arbeiter beschädigten, um. Der erste Zug mit 200 Särgen wurde von den verhungernden Ueberlebenden umringt, welche um Nahrung bettelten. Hinter der Eisenbahnbrücke, wo in den brennenden Trümmern 1500 Personen zu Tode geröstet wurden, erstreckt sich der Trümmerhaufen Kilometer weit 40 bis 60 Fuß hoch und 700 bis 800 Fuß breit. In den Trümmern liegen zersetzte Leichen. Eine Menge Vagabunden strömt aus allen Landestheilen dorthin, um die Ueber- lebenden zu morden und die Leichen auszuplündern. Die Regierung bot zwei Regimenter und eine Batterie auf, um im Conemaugh-Thale Ordnung zu halten. Zwei Bahnzüge wurden von der Fluth überrascht. Im Chicagoer Schnellzuge ertranken 15 Personen, die übrigen, unter denen sich tzarrt- son's Privatsccretär befand, retteten sich auf einen Hügel und warteten dort Hilfe ab. Ein zweiter Zug mit 11 Wagen wurde weggeschwemmt, wobei 60 Personen ertranken und nur 10 gerettet wurden. Die Bewohner von Johnstown erhielten zeitig Warnung, daß der Damm unsicher sei, spotteten jedoch der Gefahr. Washington, Rkchwond und Harrisburg sind überfluthet, alle Flüsse östlich und westlich von den Allegdanics find ausgetreten, 170 Kilometer der Pennsylvania-Eisenbahn sind zerstört, die Eriebahn ist blockirt. — In Johns- lown tritt das Wasser zurück. Haarsträubende Scenen ereignen sich. Eine Bande Ungarn, welche den Leichen die Ringfinger abschnitt, wurde von der erbitterten Menge gelyncht. D.e kathol sch. Kirche, welche von Flüchtlingen dicht besetzt wai,
lichen Eonststoriuw zur Abnahme des Orgelwerkes beauftragten Herrn Musikdirector Brede-Cassel, in welchem derselbe der sehr zahlreich versammelten Gemeinde die Tonfarbe der einzelnen Register, wie auch ihre Gesammtwirkung kunstgerecht vor^uhrte. Nach beendigtem Gottesdienste versammelte sich der gesammte Ktrchenvorstaud, die Bürgermeister und Lehrer des Kirchspiels in der Wirthschaft des Herrn Kroneberg zu gemeinsamem Festmahle. Unter der großen Dorilinde fand für die junge Welt, vom schönsten Wetter begünstigt, großes Tanzvergnügen statt. (E. A. Z.)
□ Kleinenglis, 1. Juni. Ein hiesiger Schreinergeselle Namens Dingel, welcher bei einem Meister in Bad W-ldungen in Arbeit steht, fiel gestern, als er ein Fenster im dritten Stock eines neuerbauten Hauses einsetzen wollte, vom dem im Innern des Hauses errichteten Gerüste herab auf die unterste Haustreppe. Der anwesende Meister und die mitarbeitenden Gesellen sprangen erschreckt herbei und hoben den Gefallenen, der merkwürdiger Weise trotz der nachstürzenden Gerüstbretter, von welchen ihn glücklicher Weise keins traf, und der be> deutenden Höhe, aus der er herabgefallen war, innere Verletzungen nicht davongetragen, sondern, wie der herbeigeholte Arzt confiat rte, nur einen rechten Armbruch erlitten hatte. — Der Besitzer der benachbarten Kunstmühle, genannt die Neue- mühle, traf dieser Tage einen empfindlichen Schaden, indem von seinen am Rotz erkrankten Pferden die beiden werthvollsten verloren gingen und somit ein Verlust von 3000 Mk. erlitt.
Ungedanken, 3. Juni. Ein wolkenbruch- ähnliches Unwetter überzog heute Nachmittag die Ortschaften Wega und Mandern, überschwemmte die Fluren, entwurzelte Bäume und schwemmte ganze Holzstöße fort. Mehrere Schweine kamen im Wasser um. Die Bahnbrücke zwischen Mandern und Wega wurde beschädigt und unpassirbar, so daß Bahnzüge unterbrochen werden resp, die Reisenden an jener Stelle aussteigen mußten und erst von Mandern. in der Richtung Ungedanken und Fritzlar, weiter befördert werden konnten. Bereits gegen 6 Uhr war jedoch der Bahnverkehr wieder hergestellt.
Beisefärth, 2, Juni. Die Fulda schwemmte heute hier eine weibliche Leiche aus Land. Angeb- lich soll dieselbe aus Hergershausen bei Rotenburg stammen. — Vorgestern machte ein hiesiger Korb- machergesclle von 24 Jahren durch Erhängen seinem Leben ein Ende. Der arme Mensch war tiefsinnig geworden und war der einzige Sohn seiner Eltern.
Vermischtes.
— Retchenbach i. V., 4. Juni. Durch einen gestern Nachmittag in hiesiger Gegend nieder- gegangenen Wolkenbruch sind viele Häuser einge- stürzt, Fabriken weggerissen worden und mehrfach Menschen und V eh ums Leben gekommen. Besonders schlimm sind die Verheerungen in Mhlau.
— Koblenz, 4. Juni. Das hiesige Königl. EisenbahnbetriebSawt macht bekannt: In Folge eines wolkenbrucharligen Gewitterregens ist die StreckeBonn-Meckenheim seit gestern Nachmittag auf mehrere Tage uniahrbar geworden. Zwischen Meckenheim und Euskirchen verkehren die fahrplanmäßigen Züge. Der Verkehr zwischen Bonn und Meckenheim wird über Kalscheuren geleitet.
— Junee. Ein außergewöhnlicher Eisenbahnunfall wird aus Neu-Süd- Wales gemeldet. Am 14. v. M. fuhr ein Zug drei Kilometer von Junee entfernt in eine Vieh he erde. Einundzwanzig Stück wurden aus der Stelle getödtet und die Leichen der Thiere, schrecklich verstümmelt, nach allen N chtungen hin geworfen. Die Menge der getödteten Thiere versperrte schließlich dem Zug den Weg; er wurde
ist niedergebrannt. Sammlungen werden im ganzen Lande Veranstalter.
— Aus einem Städtchen von New-Hampshire, wo das Fälschen der Specereiwaaren ganz besonders schwungreich betrieben wird, erzählen amerikanische Blätter folgendes Geschichtchen: Ein Herr kaufte sechs Pfund Zucker und fand denselben stark mit Sand vermischt. Am nächsten Tage schlug er folgende Notiz an: „Zur Beachtung! Ich habe von einem hiesigen Grocer sechs Pfund Zucker ge- tauft. Aus diesem habe ich ein Pfund Sand ge- nommeo. Wenn der betreffende Hallunke mir sechs Pfund wirklichen Zucker schickt, so will ich ihn nicht blosstellen.- Und stehe da! am nächsten Tage wurden tüns Packete mit je sechs Pfund Zucker in der Wohnung des Klageführers gelüsten, sie kamen von sämmtlichen sünf Grocers, welche tu dem Städtchen Hausen.
— (Ein unangenehmer Schuldner.) Petersburg, 30. Mai. Es ist bekanntlich nicht schwer, aus Grund einer unbeanstandeten Forderungsklage ein Execulioni« manbat zu bekommen. Gewiß nicht! Wie viel schwerer es jedoch ist, den Schuldner aufzuftnden, ihm in Anwesenheit eines Gerichts-Pristawi das Mandat einzuhändigen und zu seinem Gelde zu kommen, davon konnt« sich jüngst in Petersburg ein dortiger Advokat überzeugen. Er hatte — so erzählt die „Nowoje Wremja" diese ungemein heitere Episode — von einem famosen Dentisten eine ziemlich runde Summe zu bekommen. Aber so oft er auch im Vorzimmer des Dentisten mit seinem Mandat und der obligaten Gerichtsperson erschien, — der Zahnarzt war nie zu Haufe. Der arme Advokat verlor schon alle Hoffnung, als ihm ein guter Gedanke kam. Eine« schönen Abend« erscheinen er und der Gerichtspristaw im wohlbekannten Vorzimmer des Zahnarztes; beide haben die Wangen sorgfältig verbunden und stöhnen ab und zu vor schrecklichsten Zahnschmerzen. Der ahnunglose Dentist läßt die Herrn in sein Cabinet und ist sofort bereit, die Schmerzen zu lindern. — „Was wünschen Sie mein Herr?- wendet er sich zuerst an den Advokaten, „welcher Zahn schmerzt Ihnen?« — Mit Blitzesschnelle zieht nun der Gefragte das Mandat aus der Tasche und reicht es dem Zahnarzt hin. — „Habe die Ehre, Ihnen das aus Ihren Namen ausgestellte Exekutionsmandat einzuhändigen, und die« hier ist der Herr Gerichtspristaw." Der überraschte Zahnarzt war erst sprachlos; dann aber ging ihm die Galle über. — „Das ist ja, weiß der Teufel was!« ries er entrüstet, — „da« ist Betrug, unwürdiger Betrug, gewaltsames Eindringen in ein fremdes Quartier, da« ist, hol' mich der und jener, schamlose Falsifikation .... Ich werde klagen! .... Ich gehe zum Prokurator! — Uebrigen«, warten Sie," — fiel ei ihm plötzlich ein, — „da Sie, werther Herr Advokat, zu mir als Patient eindrangen, so haben Sie 'mal die Güte, hier Platz zu nehmen und den Mund zu öffnen. Welcher Zahn schmerzt Ihnen? Dieser wahrscheinlich?« — Der unglückliche Advokat versuchte zu protestiren. — „Wenn Sie sich weigern, so lasse ich die Polizei holen und über Ihren Streich ein Protokoll aufnehmen," sagte nun kategorisch der Arzt, „da« dürfte Ihnen al« Advokat wohl nicht bequem sein." — „Setzen Sie sich,« raunte ihm der Gerichtspristaw zu, „sonst fallen wir beide wegen Betruges hinein.« — Es hals nichts; der Advokat setzte sich und öffnete den Mund: „Um Gölte« willen, nur nicht so schmerzlich!« bat er den Arzt, „wai haben Sie für entsetzliche Zangen!" — „Seien Sie unbesorgt, mein Lieber,« antwortete triumphirend und vielversprechend der Dentist, „wenn Sie in Ihrer Branche so gewandt sind, so gebe ich Ihnen in der meinigen nichts nach. Nur werde ich Ihnen zwei Zähne reiften: einen zum Andenken an Sie und den andern — zum Andenken an den Herrn Gerichtspristaw."
— (Der erste Eyezwist.) „Herzchen, Du sollst ja das Kleid haben, — den Hut auch! Ach Triene, schnell zum Doctor, meine Frau stirbt!* — „Dummes Zeug, ich bin ja bloß ohnmächtig!*
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