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Erfreulich ist die weitere Mittheilung, daß die Regierung eine von ihren Revierbeamten vorzu- nehmende Untersuchung der Beschwerden gegen die Zechenverwaltungen angeordnet hat. Im Uebrigen können wir den kräftigen Eingriff der Staatsgewalt, zu dem diese angesichts bestimmter Symptome, daß hier die Umsturzpartei ihre Hand im Spiele hat und die Bergarbeiter unter Mißbrauch ihrer Urtheils- und Willens­schwächen Führer in das Unglück hetzt, sich ent­schlossen hat, nur mit Genugthuung begrüßen. Das Fieber der Streiklust hat in Deutschland allmählich einen Hitzegrad erreicht, daß ein ab- kühlender Wasserstrahl sehr am Platze erscheint.

Faktische Nachrichten.

(Deutschland.) Am Dienstag Vormittag arbeitete Se. Majestät der Kaiser zunächst im Königlichen Schlosse allein und fuhr Allerhöchst- derselbe tu Begleitung des Flügeladjutanten vom Dienst nach dem Auswärtigen Amle, woselbst Se. Majestät der Kaiser mit den Herren des Gefolges zu Pferde stieg und vom Garten des Auswärt'gen Amtes aus einen etwa '/^kündigen Spazierritt nach Charlottenburg und dem Grüne- Wald unternahm. Von dem Spazierritte zur Stadt zurückgekehrt, besuchte der erlauchte Monarch, auf der Rückfahrt zum Schloß, die Kunstaus­stellung von Schulte Unter den Linden, um daselbst das von I. Falat ausgestellte Bildniß und einige andere Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen. Von dort bald nach 11 Uhr zum Schlosse zurückgekehrt, nahm Se. Majestät der Kaiser die Lorträge des Staatssecrelairs im Reichs-Marine- Amte Kontre-Admirals Heußner, sowie des Chess des Marinccabinets, Kapitäns zur See, Flügel- adfutaute» Freiherr» v. Senden-Libran entgegen und arbeitete später auch noch längere Zeit mit dem Ehe! des Militär-Cabinets Generallieutenant und General-Adjutant v. Hahnke. Im Anschluß hieran hatten sodann Nachmittags 1 Uhr einige Generale und zahlreiche andere höhere Offiziere zur Abstattung persönlicher Meldungen, die Ehre, von Sr. Majestät dem Kaiser persönlich empfangen zu werden. Nach der Fiuhstückstafel fuhr Se. Majestät der Kaiser vom Königlichen Schlosse aus zu Wage» durch den Thiergarten nach Charlotten­burg, um von dort aus mit der Königlichen Dampfyacht ,Ae!xandlia" mit seinem Gefolge rc. zu ständigem Aufenthalte sich nach Potsdam und demnächst nach Schloß Frieditchskron zu begeben. Ihre Majestät die Kaiserin-Königin hatte sich mit dem Kronprinzen und den anderen Königlichen Prinzen und den Damen und Herren des Gefolges bereits Vormittags 93/4 Uhr mittels Sonder- zuges von Berlin nach Potsdam bez. Schloß Friedrichskron begeben.

Am Montag Nachmittag 3 Uhr fand unter dem Vorsitz Sr. Majestät des Kaisers ein K r o n r a 1 y statt.

In den letzten Tagen haben wiederholt die Ausschüsse der Samoa-Eonferenz längere Sitzungen gehalten. Das Ergebniß ist wie dieKöln.-Ztg." hört so erfreulich, daß die amerikanischen Bevollmächtigten die Hoffnung ausgesprochen haben, daß bereits in der Sitzung, die am Montag Nachmittag stattffnden sollte, die Conserenz geschlossen werden könne. Die Con,

VI.

Die nächsten Tage fanden ein Mitglied weniger im Hause Lorwall. Die helle Summe der kleinen, hübschen Lilly ertönte nicht mehr in den weiten, stillen Räumen des Hauses. Ihre zierliche, eitern hafte Gestalt, licht selbst noch im schwarzen Trauer- kleide, flatterte nicht mehr libellenhaft durch Park und Hof. Vergeblich mühte sich Ernst Hellbach, sie an ihrem Ltedlmgsplatz unter den Kastanien, die man vom Eontor aus sehen konnte, zu ent­decken, an der Stelle, wo er vor kurzem ihre Hand hatte hallen und an seine Lippen ziehen dürfen, wo zum ersten Male ihnen beiden es klar geworden, was längst tief im Herzen schlummerte. Fort war sie, verschwunden gleich einer Fee als wäre alles nur ein süßer, kurzer Traum gewesen.

Freilich hörte Hellbach, daß die Tochter seines Chefs in Rücksicht aus die schmerzlichen Vorgänge im Hause und aus ihre eigene, angegriffene Ge­sundheit zu den Schwestern ihres Vaters nach einer kleinen Gebirgsstadt gesandt worden sei, um dort sich zu zerstreuen und zu erholen; freilich gedacht er des kühlen, gemessenen Benehmens deS lungeu Dorwall, als er das Zwiegespräch dort unter den Kastanien unterbrochen. War es ab­sichtlich geschehend So fragte er sich, und bange Zweifel bejchlicheu ihn, ob er überhaupt wohl recht gethan, seine Gefühle dem jungen Mädchen an jenem Tage so »»verhüllt zu zeigen. Ja, er hatte sich vergessen, aber eine Art von Trost erwuchs ihm in dem Gedanken, daß niemand aus der ganze» M kS Wer, tkkier sind ehrlicher mit Lilly

ferenz-Delegirten sind bei bem Hofkoncert am Freitag den Majestäten vorgestellt worden.

Die Flottenschau'.anläßlich des englischen Besuchs des Kaisers Wilhelm findet, wie aus L o n d o n gemeldet wird, voraussichtlich am 3. August statt. Außer etwa hundert britischen Kriegsschiffen aller Gattungen werden an der Schau, wie verlautet, auch etwa zwölf Schiffe der deutschen Kriegsflotte theil nehmen.

Die Gesammtzahl der Wenden, welche zur Zeit noch in der Lausitz und im Königreich Sachsen existiren, kann nach den statistischen Er­hebungen auf ca. 170000 veranschlagt werden.

Generalteld marschall Gras Moltke hat am Sonnabend Mittag Berlin verlassen und sich zum Sommeraufenthalt auf seine Besitzung Kreisau in Schlesien begeben.

(Frankreich.) Aus T o n k i n wird be­richtet, daß der Resident der Provinz Haid-Zuong 40 annamitische Matrosen eines französischen Fahrzeuges irrthümlich erschießen ließ, da er sie für P i r a t e n hielt. Der Vorfall rief in Paris große Aufregung hervor; der Resident wurde sofort abgesetzt. Der neueste Vorschlag, welcher gemacht wird, um den P a n a m a - C a n a l zu retten, geht dahin, eine Lotterie zu veranstalten, bei welcher ein und eine halbe Million Loose zu 25 Frank ausgegeben werden sollen. Durch diese Operation sollen 16 Millionen gewonnen werden, um die bis jetzt ausgeführten Arbeiten im gegen­wärtigen Stand zu erhalten und die Bildung einer neuen Gesellschaft vorzubereiten. Die fran­zösische Regierung soll, wie verschiedene Zeitungs- Meldungen behaupten, dem Project günstig sein. Dasselbe bedürfe jedoch vorerst noch der Zustim­mung der Kammer und des Senats.

(England.) Bei Annahme der Flottenver- mehrungsbill in zweiter Lesung erklärte Salis- bury, er zweifle nicht an dem ernsten Wunsche aller Herrscher Europas, den Krieg zu vermeiden. Da aber sämmtliche Nationen denselben vorbe­reiteten, so müsse England mitgerüstet sein. England habe bis zur letzten Stunde gewartet und dürfe nicht länger zögern. Er sorge nicht, daß drohende Gefahr vorhanden sei, aber Gefahr bestehe, gegen welche sich England schützen müsse. Im Unterhause erklärte der Unterstaatssecretär Fergusson, die Regierung beabsichtige die Ein­ladung der schweizerischen Regierung zur Ar- beiterschutzconferenz anzunehmen. Bou- langer wollte in London in französischer Generals-Uniform der Parade zum Geburtstage der Königin beiwohnen, doch bedeuteten ihn die Behörden, von einer solchen Kundgebung abzusehen.

(Rußland.) Die Untersuchung wegen der Eisenbahncatastrophe bei Borkt ist vom Zaren niedergeschlagen worden. In einem diese Angelegenheit betreffenden Kaiserlichen Handschreiben an den Präsidenten des russischen Ministercomitäs heißt es: Der Kaiser fühle sich durch die an ihm und seiner Familie am 29. October (17. October a. St.) 1888 anläßlich des Eisenbahnunfalls bei Borki offenbarten Gnade Gottes bewogen, den an der Catastrophe schul­digen Beamten gegenüber ebenfalls gnädig zu sein; er ordne deshalb an, die gerichtliche Unter­suchung gegen die Schuldigen einzustellen und meinen, sie liebender auf Händen tragen könne als wie er, daß er zwar arm, indessen strebsam und fleißig genug sei, um mit Hilfe seiner Kenntnisse sich endlich doch den Weg zu bahnen und, wenn auch kein reicher Mann, so doch Herr eines Ein­kommens zu werden, das genügte, um seinen eigenen Heerd zu gründen. Er war jung und energisch; heiter und sonnenhell lachte das Leben ihm ent­gegen, wenn er es sich an Lillys Seite dachte, obschon er nicht die Schranke, die sie trennte, unter- schätzte. Man hofft ja gern, wenn man liebt und jung ist.

Jetzt hatte er den ersten Stoß erhalten. Edgars Wesen im Verein mit der Entfernung Lillys, plötzlich, ohne Abschied und so schnell darauf, gab ihm zu denken und zu sorgen. Würde man die Werbung eines solchen armen Freiers wohl gütig ausnehmen? Würde man nicht gar vielleicht auf den Gedanken kommen, er werbe um des Hauses Reichthum, dreiste Berechnung fei es, die ihn treibe, und er trachte nun, die Trauerstimmung des jugend­lichen, unerfahrenen Mädchens sich zu Nutz zu machen und auf das gesunkene bürgerliche An­sehen eines Hauses zu spekultren, über welches zugleich mit des Todes auch des Verbrechens Schatten schwebten genug also, um es bei einem Theile der Gesellschaft verfehmt zu machen?

Eine heiße Röthe stieg in tzellbachS Stirn, wenn er sich diesen schmählichen Verdacht vorstellte, gegen den er sich rucht einmal rechtfertigen konnte und durfte, um nicht scheinbar erst recht sich an« zuklagen. So hieß es also schweigen und warten

dieselben nur disciplinarisch zu bestrafen. Der durch die Untersuchung constatirte unbefriedigende Zustand der Kursk-Charkow-Assow Eisenbahn müsse aber für alle übrigen Eisenbahnen als warnendes Beispiel dienen.

Aus Heffen-Naffau.

Hersfeld, 29. Mai. (Frachtermäßigung für Güter von außergewöhnlichem Umfange.) Seitens des Bezirkseisenbahnraths Hannover war der Antrag gestellt worden, Güter von außergewöhnlichem Umfange in die zweite Stückgutklasse zu verweisen. Diesem Anträge ist seitens des Ministers der öffentlichen Arbeiten zwar nicht entsprochen worden, doch hat derselbe, wie die Z. d. V. d. E. mitthesit, die »Fracht- ermäßigung hinsichtlich solcher Transportartikel in Rede stehender Art zugebilligt, welche zu den unter B I 4 b Abs. 3 des deutschen Eisenbahn-Güter­tarifs aufgeführten langen Gegenständen gehöre», für welche bei der Beförderung auf offenen Wagen die Frachtberechnung nach dem wirklichen Gewicht erfolgt. Diese Verfügung ist im Lokal- und gegenseitigen Verkehr der preußischen Staatsbahnen sofort in Wirksamkeit getreten.

Hersfeld, 29. Mai. Die Ziehung der dritten Classe 180. Preuß. Classenlotterte beginnt am 17. Juni d. I. Die Erneuerung der Loose muß bis zum 13. Juni, Abends 6 Uhr erfolgt sein.

Hersfeld, 29. Mai. Aus dem Bezirk der 11. Gendarmeriebrigade wurden 30 Mann nach dem Saargemünder Streikgebiete commandirt.

Hersfeld, 31. Mai. Se. Majestät der König hat den Premier-Lieutenant a. D.. Besitzer des Gutes Marzhausen im Kreise Witzenhausen, Johann Emil Ludwig Gustav Löbbecke zu Cassel in den erblichen Adelstand erhoben.

* Hersfeld, 29. Mai. Der commandirende General des XL ArmeecorpS, Se. Excellenz von Grolmann, traf am Montag Abend hier ein und inspictrte gestern das hiesige Bataillon.

Hersfeld, 28. Mai. Dem heutigen Vieh­markt waren 425 Rinder und 298 Schweine zu­getrieben. In Anbetracht der günstigen Witterung hatte man einen größeren Auftrieb erwartet uno waren deshalb eine große Menge Käufer er­schienen. Die Preise waren sehr hoch und wurde viel gehandelt. Der Krammarkt war nur^ schwach besucht und endete Nachmittags mit einem Gewitterregen.

Frankfurt a. M., 27. Mai. Der Sonder- zug des Königs und des Kronprinzen von Italien traf heute Morgen 7 Uhr 35 Minuten auf dem Hauptbahnhose er». Aus dem Perron hatten sich das gesammte active Officiercorps, sowie die Spitzen der Behörden eingesunoen und empfingen d.e hohen Gäste mit brausenden Hochrufen. Der Köatg und der Kronprinz, beide in der Uniform des 1. Hessischen Hufarenregiments, begabeu sich alsbald mit Gewlge auf den Platz vor dem Haupt- Vaylihose und bestiegen unter stürmischen Jubel des in enormer Menge erschienenen Publikums die bereitstehenden Wagen. Voraus fuhr der Polizeipräsident, den König begleitete der kom- mandirende General des 11. ArmeecorpS, von Grolmann, den Kronprinzen der Stadlcommandant;

eine schwere Ausgabe für einen jungen Liebenden.

Ein einziges Wesen nur im ganzen Hause schien zu ahnen, waS in dem jungen Mann vorging, wenigstens war diese Person die einzige, die sich sichtlich bemühte, ihm durch taktvolles Entgegen­kommen ihre Theilnahme und Sympathie zu zeigen, und diese eine war Gertrud Rank. Mit Dank und Wärme erkannte er es an und fühlte neue Hoffnungen in sich entsteigen, wenn er in ihr eine Bundesgenossin oder wenigstens keine Gegnerin erblicken durfte.

Seit Lillys Abreise war Gertrud mehr noch alS zuvor der Mittelpunkt, um den sich alles drehte das heißt, so war eS in Wirklichkeit, obwohl eS nicht so schien, indem sie anspruchlos und still wie eine gute Fee ihr Walten, das die Hausfrau wie die Tochter ersetzen mußte, im Verborgenen H übte. Nie drängte sie sich vor. ES schien, alS müsse alles so sein, aber der Erfolg davon war: ihre eigene Unentbehrlichkeit und Beliebtheit bei jedermann. Dem alten Dorwall las sie vor, nahm ihm alle Sorgen des Hauses ab, verhüllte ihm mit weiblichem Geschick die Unannehmlichkeiten und Unbequemlichkeiten, die ihm so verhaßt waren, und wußte feinen Schwächen gerecht zu werden und feine Behaglichkeit zu fördern.

(Fortsetzung folgt.)

Kasernenhosblüthe. Sergeant: »Wenn ich »Rührt Euch" kommandtre, Schulze, brauchen Sie nicht so auf den Boden zu stieren, als wär' im Mstlelpuvlt der Erde eine Wurstkammer.'