Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Abonnementipreit: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Poflausschlag.

Die Jnsertion-gebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile MWW, im amtlichen Theile 15 Pfg.

; > ^Äellomen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt,

Ktrsstl-er Kltisblett.

Mit wöchentlicher Hratis-AeilageWustrirles Ilukerhattungsölatt". n Dienstag den 28. Mai°" 1889?

Aöonnements-Zintadung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage

SHuftrirteS Unterhaltungsblatt" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 20. Mai 1889.

Den Herren Bürgermeistern der Schulverbands- gemeinden des hiesigen Kreises theile ich hier­durch mit, daß mit dem 1. April d. I. das Gesetz, betreffend die Ergänzung des Gesetzes über die Erleichterung der Bolksschullasten vom 14. Juni 1888, vom 31. März 1889 (Gesetz- Sammlung Seite 64) in Kraft getreten und daß der Staatsbeitrag, welchen die Gemeinden als Entschädigung für das von ihnen früher erhobene Schulgeld erhalten, von diesem Zeitpunkte ab von 400 auf 500 Mk. bezw. von 200 auf 300 Mk. erhöht worden ist und sind die Königlichen Re- gterungs-Hauptkassen mit entsprechender Zah­lungsanweisung versehen.

Hinsichtlich der Ausstellung der bezüglichen Quittungen behält es bet dem in der diesseitigen Verfügung vom 19. November 1888 Nr. 11504 im Kreisblatt Nr. 139 bezeichneten Verfahren auch in Zukunft sein Bewenden.

4568. Der Königliche Landrath.

In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.

Gefunden: Eine Brille. Meldung des Eigen­thümers bei dem Ortsvorstand zu Heenes. 1

Ais ans schlimme Ziel.

Criminal-Novclle von K. R e i ch n c r.

(Fortsetzung.)

Lilly Dorwall war noch ein sehr junges Mädchen, bisher noch nicht ohne Aufsicht aus dem Hause und in die Welt gekommen. Ihr Charakter war noch unentwickelt, ihr Urtheil noch nickt gebildet, sie stand noch ganz und voll unter der Wucht, dem Eindruck deS harten Schlages, dessen ganze Sckrecklichkeit und Tragweite man au s ängst­lichste bemüht war, der zarten Knospe zu verbergen, über deren Lenz jetzt ohnehin der unbarmherzige Nachtfrost mitleidlos hereingebrochen.

Und endlich Gertrud Rank, das Pflegekind des Hauses, ein Schützling der Frau Dorwall, welche dieser alles zu danken hatte, Ausbildung und Hetmalh, sie, welche der Lebenden zur Seite ge­standen, die Kranke gepflegt, der Todten die Augen zugedrückt, welche jetzt deS Hauses guter Engel und Schutzgeist ist, die sich ebenso klug als taktvoll in den Verhören benommen, indem sie, ohne ihre Stellung im Hause und die Pflichten, welche Dankbarkeit und Anhänglichkeit ihr auf- erlegten, zu vergessen, dennoch ohne anzu- klagen, soviel mit dazu beitrug, die Sache in das rechte Licht zu setzen denn, ohne zu ver­dächtigen, war alles doch klar, sehr klar gewesen, was sie, wenn auch nur andeutend, gesagt!

Vielleicht war sich niemand im ganzen Hause klar darüber, daß gerade trotzdem die Aussagen M ßiN-kr-tiße Gertrud- es gewesen, welche vor-

I Gefunden: Ein Regenschirm. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Sorga.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 24. Mai. In der heutigen (75.) Sitzung des Reichstage» kam die zu Bern am 15, April 1889 unterzeichnete Deklaration zum Art. 3 der internationalen Reblaus,Convention in erster und zweiter Berathung zur Verhandlung, wobei der Staatssekretair des Innern, StaatSminister v, Boetticher, Inhalt und Zweck der Vor- läge kurz darlegte. Um die dritte Berathung zu ermög­lichen, wurde die Sitzung geschlossen und nach einer halben Stunde eine neue (76.) Sitzung anberauwt und in der­selben dann die Deklaration in dritter Berathung definitiv angenommen. Es folgte die Berathung einer Resolution, betreffend die Revision des Unterftützungswohn- s ttz» Gesetzes vom 6. Juni 1870. Nach einer Er­klärung des Staatssekretairs v. Boetticher wurde die Reso­lution sowohl von dem Bbg. Grasen Sehr. Behrenhcff (RetchSp.) wie von dem Abg. Rickert (deutschir.), der sie wieder ausgenommen hatte, zurückgezogen. Nachdem fo- dann eine Reihe von Petitionen für erledigt erklärt war, erfolgte dieGesammtabstimmung über den Gesetz, entwurf, betreffend die I n v a l - ^ i t ä t s - undAlterS - Versicherung. Das Resultat der Abstimmung, an welcher im Ganzen 354 Mitglieder theilnahmen, ergab 185 Stimmen für, 165 Stimmen gegen das Gesetz; 4 Mitglieder enthielten sich der Abstimmung. Das Präsidium erhielt die Ermächtigung, Sr. Majestät dem König von Sachsen und dem sächsischen Volke zum 8Wjährigen Jubiläum des Hauses Weltin die herzliche Theilnahme des Reichstags aukzusprechen. Daraus gab der Präsident in gewohnter Weise die Uebersicht über die Geschäfte d es H a u se s während der abgelaufenen Session. Abg. Gras Moltke sprach dem Prästdenten für die mühevolle, gerechte und umsichtige Leitung der schwierigen Geschäfte unter allgemeinem Beifall den Dank des Hauses aus. Präsident v. Levetzow dankte seinerseits für die wohlwollende Unterstützung, die er bei den Mitgliedern gesunden, und für die Beihülfe der anderen Mitglieder deS Bureaus. Der Staatssekretair v. Boetticher verlas alsdann (während die Mitglieder sich von ihren Plätzen erheben) eine Allerhöchste Botschaft vom 23. d. M., durch welche er ermächtigt wird, heute die Sitzungen des Reichs­tags zu schließen, und knüpfte daran den Dank und die volle Anerkennung Sr. Majestät des Kaisers und

nehmlich dazu beigetragen hatten, der Gerechtigkeit die rechte Spur zu weisen: Den Verdacht aus den Entflohenen zu lenken, den man, wiewohl ver­geblich, jetzt verfolgte.

V.

Die Trauerkerzen am Katafalk von Maria Dor­wall waren längst erloschen, ihr Sarg längst ein­gesenkt in die stille, kühle Gruft, und die Kränze aus ihrer letzten Schlummerstatte schon oft erneuert worden.

Das Leben geht seinen Gang gleichgültig weiter der eine weint, der andere lacht, und die Zeit bridt neue Rosen und findet neue Dornen. Es ist das alte Wechselspiel, so lang Blumen blühen und Menschen wandeln auf Erden.

Auch im Hause Dorwall ging alles seinen Weg ruhig weiter scheinbar wenigstens doch es war ein anderer Weg geworden, ein sehr anbenr. Wo solche Stürme geweht, findet die L'ppe nicht so leicht ein Lächeln wieder, wenigstens nicht eins, das aus dem Herzen kommt.

Es war an einem schönen, klaren Herbsttag, einige Wochen nach dem Tode der Frau Dorwall, als L^y und Gertrud sich im Park befanden, und zwar in dessen mehr gartenartig gehaltenem Theil, wo noch verspätete Blumen blühten, um die legten Rosen des Jahres zum Kranz für ein theures Grab zu winden. Lilly fügte, unter einer Kastaniengruppe sitzend, die Blumen aneinander, während Gertrud sie abschnitt und ihr reichte.

Welch' ein Gegensatz zwischen diesen beiden

! der verbündeten Regierungen für die treue mühevolle Mit- | wirlung bei dem JnvaliditSts- und Altersversorgungigefetz.

Darauf erklärte er aus Beseht Sr. Majestät deS Kaiser» im Namen der verbündeten Regierungen die Sitzungen bei Reichtstages für geschlossen. Mit einem vom Präsi­denten aus Se. Majestät denDeutschen Kaiser Wilhelm II. ausgebrachten dreimaligen Hoch, welche» von der Versammlung begeistert ausgenommen wurde, schloß um 2 Uhr die Sitzung.

Wotitische Nachrichten.

(Deutschland.) Se.Majestät der Kaiser begab sich am Freitag früh gegen 8 Uhr mit seinem erlauchten Gaste, dem Könige von Italien, nach dem Tempelhofer Felde und wohnte daselbst mit den zur Zeit in Berlin anwesenden König­lichen Prinzen, einer zahlreichen Generalität und vielen anderen hohen Militärs 2C. einer größeren Gefechtsübung der Berliner Garnison bei. Nach dem Schluß der Uebung kehrte der Kaiser an der Spitze der Truppen in die Stadt zurück und begab sich sofort nach dem Offizier-Casino des 2. Garde Regiments 3. F., um daselbst hei dem Offiziercorps ein Dejeuner einzunehmen. Zu diesem erschienen auch der König und der Kronprinz von Italien, welche sich zunächst vpm Tempelhofer Felde aus zu Wagen nach dem Königl. Schlosse begeben hatten. Abends gegen 7 Uhr begab sich Se. Majestät der Kaiser mit Sr. Majestät dem Könige von Italien zum Diner bei dem Prinzen und der Prinzessin Albrecht von Preußen nach deren Palais in der Wilhelmstraße. Nach der Rückkehr von dort empfing Se. Majestät der Kaiser Abends halb 10 Uhr den Kgl. italienischen Ministerpräsidenten Excellenz Crispi, sowie/+ Stunde später den Fürsten von Pleß. Um 10 Uhr begaben sich die Kaiserlichen Majestäten mit den erlauchten italienischen Gästen zum Concert in den Weißen- Saal des Königlichen Schlosses. Am Sonn­abend Vormittag um 9 Uhr ließ Se. Majestät

E»!'' '.ww "tliwsg.. - W*!..'. 1 yj-^g. -".^Bf zarten Mädchengestalten, beide In tiefe Trauer­gewänder gekleidet, L-lly klein und knospenhaft lieblich, rosig und kindlich w e eine 'eine Maien- blüthe, d'e im ersten Werden begriffen und jetzt wie leicht geneigt durch den ersten, rauhen Sturm­wind, der das zarte Köpfchen gestreift Gertrud viel größer, ernsthafter, nicht nur weil sie älter, sondern weil sie viel gereifter durch bewußtes Fühlen und Denken ihr Leben lang nicht so lieblich und bestechend, aber dauernd fesselnd.

Be de waren schweigsam und ganz in ihre Arbeit vertie't, bis endlich LUy, indem sie den halb fertigen Kranz prüfend von sich hielt, sagte:

Nicht wahr, Gertrud, er wird hübsch2 ES ist der erste, den ich winde, und ich hätte nie gedacht

Eine Thräne zitterte in ihrem Auge, obwohl sie sich tapfer zu beherrschen suchte.

Die arme, arme Mama! Ach Gertrud, wie du es nur anfangs!, daß du so ruhig bist und uns allen alles so zu erleichtern trachtest! Ich bin so ungeschickt zu allem und denke auch soviel an mich und meinen eigenen Schmerz mehr als andere. Das thust du nicht, Gertrud!-

Gertrud wandle sich ab. Ein aufmerksamerer Beobachter hätte vielleicht gewahren können, daß die Schere in ihrer Hand, mit welcher sie gerade bemüht war, eine Rose abzuschneiden, leicht zitterte vielleicht wandle sie sich auch nur fort, um bester die Blumen erreichen zu können wie ge­sagt, nur ein sehr aufmerksamer Beobachter hätte die Bewegung Gertruden- wahrnehmen können,