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Hersstliitl Kreisliliitt.

Mit wöchmtkicher Hratis-AeilageIllustrirtes Ilnterhaktungsklatt".

Nr. 54.

Dienstag den 7. Mai

1889.

Amtliches.

Hersfeld, den 4. Mai 1889.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 8. Januar 1886 Nr. 60 (Kreisblatt Nr. 6), die Einreichung der Nachweisungen über die im 1. Quartal JanuarMärz er. zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Rückstände an directen Communal-, Kreis- undProvinzialsteuern betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. d. Mts. bei Meidung von je 8 M. Strafe erinnert.

4190. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schle initz.

Bei dem lebhaften Interesse, welches das Publikum bisher der Einrichtung des Preußischen Staatsschuld- b u ch s bewiesen hat, werben einige Mittheilungen über den Umfang, in welchem es bis jetzt benutzt worden ist, will­kommen sein. Das Buch ist zugänglich allen Besitzern vier- prozentiger oder dreieinhalbprozenliger Konsols. Am 1. Oktober 1884 wurde das Buch erossnet. Es waren einge­tragen am 1. April.

' 1885: 643 Konten mit 52192 700 Mk.,

1886: 2918 - - 155 533 900 . 1887:4491 - - 206 642150 -

1888: 5929 - - 334 442 700 -

1889 : 6781 - - 387 804 400 -

Von der letztgedachten Kontenzahl entfallen rund 33 u/0 auf ein Kapital bis zu 4000 Mk.,

20 % ; - - von über 4000 - 10000 Mk.,

31 % - - - - - 10000 - 50000 -

8 "/ - - - - - 50000 - 100000 - und

8 °/0 = = - - - 100000 -

Für einzelne Physische Personen waren 4230 Konten, für juristische Personen 1025, für Bermögensmassen ohne juristische Persönlichkeit 1493 Konten angelegt.

Von den Zinsen ließen sich die Empfangsberechtigten halbjährlich 3481 Posten durch Werthbrief oder Postanweisung 1 von der Staatsschulden-Tilgungskasse direkt in das Haus i schicken, 727 Posten durch Gutschrift auf Reichsbank-Giro-1

Du Neapolitaner aus Bremen.

Der Wahrheit nacherzählt von Hand von Brawe,

(Fortsetzung.)

Schweigend saßen wir eine Weile da, und mechanisch spielte die Hand meines Nachbarn mit der bereits abgeschnittenen Havanna und mit dem goldenen Feuerzeuge, welches an einer zweiten Uhr- kette hing. Wenn wir Bremer auch aus dergleichen nicht etngeiuchst sind, so war mir doch nicht ent­gangen, daß die matchbox mit einem Wappen und einer unvernünftig vielarmtgen Krone geziert war, und daß der «Graue* einen S egelring trug, in welchem sich dasselbe Wappen in grünem Steine weiß abhob.

Jetzt wandle sich daS ernste Gesicht des Stolzen ein wenig zu uns herum, und bet «»merklicher Er­hebung richtete er sich in fremdländischem Accent an meinen Nachbarn: «Ich bitte im Namen meiner Tochter, keine Rücksicht in Bezug auf das Rauchen zu nehmen!* Und ein stummes, freundliches Neigen des schönen Kopfes der jungen Poltn unterstützte die Bitte des Vaters. Es war eine volle tiefe ge­winnende Männerstimme, mit welcher diese wenigen Worte gesprochen wurden gar nicht den strengen stolzen Zügen entsprechend,

Die Dawpfwolken aber bildeten dort in der Schneegrube die gütigen Vermittler. Mein Nachbar erhob sich auf die Aeußerung des «Stoikers*, daß seine Cigarren im fernen Koffer dort beim Schutz- Hause geblieben, und bot mit artiger Verbeugung Post den (einigen an, aus einem wiederum wappen­

konto berichtigen und 4215 Posten wurden durch die Regie­rungsHaupt- und Kreis- rc. Kassen gezahlt.

Von den Konteninhabern wohnen 6073 in Preußen, 637 in andere» Staaten Deutschlands, 13 in England, 11 in Amerika, 8 in Frankreich, je 7 in Oesterreich und Rußland, 5 in Asien, 2 in Afrika.

Verhältnißmäßig gering ist bisher die Betheiligung an dein Buch Seitens der Bor m ü n d e r und Vormund- s ch a f t s g e r i ch t c Betreffs der in Preußischen Konsols an­gelegten Mündelgelder. 9tur 416 Konten sind zur Zeit im Staatsschuldbuch für bevormundete und unter Pflegschaft stehende Personen eingetragen. Aber auch vielen anderen Besitzern Preußischer Konsols scheint die Einrichtung des Buchs noch unbekannt, da uns häufig Anträge zugehen, Inhalts bereit die Besitzer anzeigen, daß ihnen die Zinsscheine ihrer Konsols verbrannt oder entwendet oder sonst abhanden gekommen seien. Den Besitzern sind dadurch erhebliche Ver­mögensverluste zugefügt.

Die Benutzung des Preußischen Staatsschuldbuchs darf allen denjenigen Besitzern solcher Konsols empfohlen werden, für welche diese Papiere eine d a u e r n d e KapitalSaiilage bilden und welche dieselben gegen den Schaden durch Ver­lieren, Diebstahl, Verbrennen und dergleichen unbedingt sichern wollen. Laufende Verwaltungskosten werden von den Konteninhabern nicht erhoben, es ist vielmehr für jede Einschrist nur ein einmaliger Betrag von 25 Pfennig für je angefangene 1000 Mark des Kapitalbetrages, über den verfügt wird, mindestens jedoch 1 Mark zu zahlen.

Die von uns veröffentlichtenAmtlichen Nachrichten über das Preußische Staatsschuldbuch", welche über den Zweck und die Einrichtung desselben Genaueres ergeben, können in dritter Ausgabe durch jede Buchhandlung zum Preise von 40 Pfennig bezogen werden.

Berlin, den 8. April 1889.

Hauptverwaltung b e r Staatsschulden.

# Die Landtagssession

ist am Abend des 30. April in vereinigter Sitzung beider Häuser durch eine Königliche Botschaft geschlossen worden. Es war die erste Session des unter Kaiser Wilhelms H. Re­gierung neugewählten Landtags und wenn sie einerseits nach dieser Richtung hin eine volle Bedeutung in Anspruch nehmen darf, so ist das andererseits nicht weniger der Fall durch den Inhalt der dieser Session zugefallenen Gesetzgebungsarbeit. Die letztere hat sich überwiegend auf den in den letzten Jahren gepflegten Gebieten der allgemeinen Volkswohlfahrt, der Ver­

geschmückten Etui. «Gras Reichenfeld* stellte sich dann mein Nachbar vor, und «Graf Kosczowski' lautete die Gegenvorstellung.

«Ich darf Sie wohl meiner Tochter Präsentiren: «Graf Reichenfeld* fügte der Graf hinzu.

Während ein kurzes Gespräch über das Tages- eretgniß angeknüpft wurde, kramte ich im Vorrathe meiner Erinnerung, und fand darin den Namen Kosczowski unter den polnischen Abgeordneten des Reichstages.

Graf Reichenfeld hatte inzwischen die Aufmerksam­keit, auch mich heranzurufen und vorzuftellen. Soll ich es für ein Kompliment hatten, daß dieser, als ich ihm meinen Namen und Stand nannte, auSrief:

«Schulmeister? Nun daiür hätte ich Sie nicht gehalten!*

ES verging nun der Tag in angenehmster Unter­haltung. Grat Reichenfeld erzählte in schöner, ktarer Darstellung von seinen Reisen in Indien und Bersten. Die Gegenfragen der jungen Gräfin bewiesen eine tiefgehende Kenntniß und über- gewöhnlich ernstes Interesse. Auch Graf KoS- czowskt hatte mit seiner Familie lauge Zeit in Eghpten gelebt und Palästina bereist. Er stand jetzt im Begriffe, seine Gemahlin aufzusuchen, welche den Winter hindurch in Sorrenlo gelebt hatte. Die liebenswürdig vornehme Art des alten Grafen sowohl, wie die Anmuth und Grazie, in welcher die junge Gräfin sich bewegte, machten einen durch­aus wohlthuenden Eindruck.

Wenn man im Allgemeinen geneigt ist, vornehme «nd besonders schöne seltnen für oberflächlich und

leicht zn Hallen, so bildete die junge KoSczowSki jedenfalls eine glänzende Ausnahme. Ihr ganzes Auftreten zeugte von edler We blichkeit, und aus ihren Anschauungen sprach ein tiefes, ernstes Ge­müth. Es war von der socialen Frage, von der Frauenemanctpation, von der Staarsverfassung der freien Stadt Bremen und von den neuesten Werke» deutscher, englischer und französischer Literatur die Rede gewesen. Ueberall verband die junge Dame mit Kenntniß und Verständniß ein fast männlich klares Urtheil.

«Wundern Sie sich nicht über die bestimmten Aussprache und Anschauungen meiner Tochter! Sie hatte seit ihrer Geburt, vor 19 Jahren, eine kränkliche Mutter und ist daher stets auf den Um­gang mit mir und meinen Freunden angewiesen gewesen,* warf der Graf einmal ein, alS er ein Zeichen bewundernden Erstaunens bet mir bemerkt hatte.

«Und darf man wohl wissen, Graf Reichenfeld, was Sie um diese Jahreszeit über die Alpen führt?* lautete die Frage der Gräfin.

«Ich will in der Stille und Schönheit von Capri Erholung suchen von den Folgen eines schweren Sturzes mit dem Pferde. Ich habe 2 Monate gelegen, bin nun aber im Grunde hergeftelll.*

«Und Ihre früheren großen Reisen waren wohl Ergebnisse des Wissensdranges und der Reiselust oder ?* «Ja, Gräfiu, das «oder* trifft leider zu, auch damals suchte ich tm südlichen Klima Teilung, Ich war bei Poupry durch den rittst

besserung der Lage der Staatsdiener und der Erleichterung der Gemcindclasten bewegt. In ersterer Hinsicht ist die Eisen­bahnvorlage zu nennen, das Stempelsteuergesetz, sodann die Befreiung oer Lehrer von den Relictendeiträgeu, die Errichtung eines Wittwen- und WaisensoudS für die evangelische Landes­kirche, die weitere Erleichterung der Schullaste».

Es hatte in Absicht gestanden, wie ja auch in der Thron­rede angekündigt worden, dein Landtage außer anderen Ent­würfe» auch ein Gesetz über die Reform der Einkommensteuer vorzulegen. Dasselbe hatte auch bis kurz vor Ostern alle Stadien der Vorbereitung passirt und der Entwurf die König­liche Genehmigung erhalten. Aber der Umfang der bannt zur Erörterung gestellten Materie, die vorgerückte Jahreszeit, die dem Reichstage noch obliegende Arbeit machte ein positives Ergebniß für die Steuerreform in dieser Landtagssession ziem­lich unwahrscheinlich, um so inehr, als der im Abgeordneten- Hause eiiigcbrachte Antrag Huene auf Ueberweisung der Hälfte der Grund- und Gebäudesteuer an die Communen das Gebiet der Berathung auch noch auf die gesammte Communalsteuer- gesetzgebung unv die bannt zusammenhängenden Organisation«; fragen ausgedehnt hätte. Wohl im Wesentlichen aus diesem Grunde und im Hinblick auf die durch Berathung der Vor­lage so sehr erhöhte, und obenein voraussichtlich vergebliche Arbeitslast aller dabei in Betracht kommenden Faktoren ist der Entwurf dem Landtage nicht mehr vorgelegt und, da sonst kein genügender BerathungSstoss mehr vorhanden war, die Session geschlossen worven.

Weun nun einige Blätter daraushin Betrachtuirgeil über die vermeintliche Ergebnislosigkeit der Session anstelle», so bedürfen derlei Behauptungen keiner weiteren Widerlegung. Die Session ist für ihre, einschließlich der Osterferien 3'/ monatliche Dauer, neben der Reichstagssession, ergebnihreich genug ge« Wesen, ist doch auch der llmftanb nicht zn unrcrjchatzen, daß sich in dieser Session unter den maßgebenden Parteien eine allseitige Uebereinstimmung betreff« der Aufgebung des alten Gesetzes Huene wegen Ueberweisung des Mehrertrags der landwirthschaftlichen Zölle an die Gemeinden und betreff« der Nothwendigkeit der Ueberweisung zunächst der Hälfte der Grund- und Gebäudesteuer an die Gemeinden ergeben hat. Hiermit ist der Boden für eine erfolgreiche Berathung der umfangreichen Reform in der nächsten Session bereitet und eS darf der letzteren mit um so größerer Zuversicht entgegen; gesehen werden. Die übelwollende Kritik freisinniger und ultramontaner Blätter beruht einzig daraus, daß diese Parteien, deren Thätigkeit einzig im Verneinen besteht, den unbekannten Absichten der Regierung gegenüber eine ungleich schwierigere Stellung haben. Aber wie in unserer ganzen Entwickelung