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Hersskliltl Kreisbllltt.
__________Mit wöchentlicher chratis-Aeitage „Illustrirtes Nnterhaltungsblatt".__________
Rr. 53. Sonnabend den 4. Mai 1889.
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Amtliches.
Der Herr Minister des Innern hat durch . Erlaß vom Uten d. Mts. dem geschäftsführenden Ausschuß für den Luxuspferdemarkt zu Schneide, mühl die Erlaubniß ertheilt, im Laufe dieses Jahres eine öffentliche Verloosung von Wagen, Pferden, Fahr- und Reitgeräthen 2C., zu welcher 100000 Loose zu je 1 Mk. ausgegeben werden dürfen, zu veranstalten und die Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.
Caffel, den 20. April 1889.
Der Regierungs-Präsident.
J. V.: Schwarzenberg.
Berlin, den 15. April 1889.
In Ergänzung meiner Cirkular Erlasse vom 5. Januar und 18. Februar v. Js. (11. 15166 und 595), betreffend die den deutschen Waaren- endungen nach Rumänien beizugebenden Ur- prungszeugnisse, treffe ich hierdurch zur Verhütung >ervorgetretener Mißbräuche, im Einverständniffe mit den ressortmäßig betheitigten Herren Ministern die Bestimmung, daß die für die Einfuhr von Waaren aus Deutschland nach Rumänien zur Anwendung gelangenden Ursprungszeugnisse, insofern es sich um Waaren handelt, welche, von . auswärts herstammend, durch Entrichtung Pxs ^044 00ü Mk.), und von Salzsteuer (.mehr 147k>L>3 Mk.> Mvntlrüvn lLinttttNttsrttllvS natittnulilirt sind, nirht besonders aber ourch dw Einnahme aus den Zollen, aus der
Deutschen Etngangszolles nationalistrt sind, nicht in duplo, sondern jedesmal nur in einem Exemplar und nach vorgängiger Beibringung der betreffenden Originaizollquiltung ausgefertigt werden dürfen.
Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, hiernach die zur Ausstellung der fraglichen
Ursprungszeugnisse ermächtigten Behörden gefälligst mit weiterer Anweisung zu versehen.
Der Minister des Innern, gez. H e r r f u r t h.
An den Königlichen Regierungs-Prästdenten Herrn Rothe, Hochwohlgeboren zu Cassel. 11.4595.
* * *
Lasset, den 24. April 1889.
Abschrift erhalten Ew Hochwohlgeboren zur gefälligen Nachachtung in Verfolg meiner Verfügungen vom 25. Januar und 28. Februar v. J. A. II. 727 und 2910 ergebenst.
Der Regierungs-Präsident In Vertretung Schwarzenberg.
An die sämmtlichen Königlichen Herrn Land- räthe des Bezirks und den Königlichen Herrn Polizei'Director hier. A. 11. 3656.
* *
Hersfeld, den 3. Mai 1889.
Wird den Herren Ortsvorftänden des Kreises unter Hinweis auf meine Verfügungen vom 3. Februar 1888 Nr. 1086, KreiSbl. Nr. 16 bezw. 8. März 1888 Nr. 2950, Kretsbl. Nr. 33, zur Nachachtung mitgetheilt.
M3. Der Königliche Landratb
^reihrrx von Schleinitz.
Hersfeld, den 1. Mai 1889.
Der seitherige Bürgermeister Heinrich Heinz zu Sorga ist als solcher auf weitere 8 Jahre gewählt und am gestrigen Tage eidlich verpflichtet worden.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
4031.
4t Der Aufschwung der Wirth- schaftUchen Lage.
Seit Jahr und Tag ist auf allen Gebieten des Wirthschaft- lichen Lebens ein kräftiger Aufschwung zu beobachten: Handel und Industrie bewegen sich in steigender Richtung und nur die Landwirthschaft nimmt noch nicht genügend hieran Theil, obgleich eine relative Besserung ihrer Lage durch die, wenn auch nur geringe Aufbesserung ihrer Produktenpreise eingetreten ist; auch insofern ist sie nicht vollständig leer aus- gegangen, als ihr ein wirksamer Schuh zu Theil geworden iß, helfen Bedeutung begriffen werden kann, wenn man erwägt, in welche ungünstige Situation sie gerathen würde, wenn der schützende Wall von ihr hinweggenommen werden würde, oder in welcher Lage sie sich überhaupt befinden würde, wenn es unterlassen worden wäre, f* vor wr Eoncurrenz des Auslandes zu schützen.
Der wirthfchafiliche Aufschwung kommt zu deutlichem und klarem Ausdruck in den sinanziellen Ergebnissen des Reichs- Haushalts vom Jahre 1888/89, von denen soeben wenigstens die Einnahmen bekannt geworden sind. In dieser Beziehung ist namentlich die erhebliche Steigerung charakteristisch, welche die sogenannte Borsensteuer sd. H. der Stempel für Kauf- und sonstige Anschasfungsgeschäfte^ in jenem Jahre aufzuweisen hat: es sind nicht weniger wie 506/ 660 Mt. an Borsensteuer mehr eingekomnien wie in dem Vorjahr, im Ganzen nämlich 12 466 640 Mk., womit endlich uno zum ersten Mal der Ertrag erreicht wurde, der bei Erlaß des Gesetzes bezweckt und muthmaßlich berechnet war. Eine ähnliche Steigerung weist die Stempelsteuer für Werthpapiere auf; sie hat 7 921406 Mk., d. h. 3121260 Mk. mehr als im Vorjahr ergeben; die Steigerung der Einnahmen aus der Wechlelßempetttener um 154/49 M., spiegelt gleichfalls den VerkehrSausschwung wieder. Die Steigerung des Verkehrs wie der Verbrauchssähigkeit wird durch die Mehreinnahme von Brausteuer (mehr
Zucker- und Branntwein-Berbrauchsabgabe iiluftrirt. Die Zölle haben netto 41649391 Mk. mehr eingebracht, als im Vorjahr, im Ganzen 311338401 Mk. Freilich ist diese Stelgernng zum Theil auf die im Dezember 1887 erfolgte Erhöhung der Getreidezölle zurückzuführen; gerade die Einfuhr von russischem Weizen, Roggen, Hafer und Gerste hat sich wesentlich vermehrt. Indeß erklärt sich hieraus die Steigerung der Zollemnahmen nicht allein, die Statistischen Monatshefte, die freilich noch nicht über das ganze in Rede stehende Jahr vorliegen, weisen den Zuwachs der Einfuhr, mithin al|o auch die Erhöhung der Zollcttmahmcn bei Baumwolle, Holz, Bier, Wein, Südfrüchten, Heringen, Kaffee, Petroleum, Kohlen, Eiern, Thonwaaren, Kunstwolle, Schafwolle, Zink und Zinn nach. Auf Rechnung der Steuerreform des Jahres 1887 sind an neuen Einnahmen 22 623 004 Mk. Zucker-Verbrauchsabgabe und 110126649 Mk. Branntwein- Verbrauchsabgabe zu setzen: diese können immerhin auch als eine Art von Merkmal in dem Bilde der steigenden Eonfum- fähigkeit der Bevölkerung gelten. Wenn wir nun noch huizn- fügen, daß nach der neueren Zusammenstellung im Staatö- Anzeiger sich die Einnahmen aus den preuhifchen Staats- eisenbahnen im Jahre 1888/89 um 515/0 506 Mk. gegen das Vorjahr vermehrt haben, so ist hiermit der rechnungsmäßige Beweis von dem wirthschaftlichen Aufschwung geliefert, soweit er in den betreffenden Zahlen überhaupt zum Ausdruck kommen kaun. Freilich giebt es noch eine ganze Reihe anderer Merkzeichen, welche für diesen Beweis herangezogen werden müßten: z. B. die Zunahme der Ausfuhr, die Proonction in den einzelnen Betrieben, die directen Stenern u. f. w. Aber die angegebenen Zahlen genügen, um erkenncii zu lassen, daß sich das wirthschaftliche Leben deS deutschen Volks in günstigem Stande befindet.
Die Ursachen dieser erfreulichen Erscheinung sind nicht schwer zu ermitteln. Einmal hat die Schutzzollpolitik sehr wesentlich zur Stärkung unb Kräftigung der Industrie beigetragen, auf der anderen Seite haben die Gesetze, welche die vermehrten Bedürfnisse des Staats zu decken bestimmt waren, in keiner Weise die Steuerkrast des Volks beeinträchtigt oder [eine Eonsumfähidkeit behindert, vor Allem aber ist allntähkich
das Vertrauen in die friedliche Gestaltung der Zukunft, welche^ lange Jahre fehlte, wiedergekehrt. Die Besorgniß, daß ein Thronwechsel im Deutschen Reiche zu ernsten Verwickelungen nach außen Anlaß geben könne, hatte in Verbindung mit den fortwährenden Reibereien, welche die Franzosen versuchten, auf Handel, Verkehr und Industrie einen lahmenden Druck ansgeübt. Die Sicherheit, mit der Kaiser Wilhelm II. die Zügel der Regierung ergriff, die Ruhe und Klarheit seiner Handlungen zn Gunsten des inneren und äußeren Friedens haben die Besorgnisse verscheucht und belebend auf die Wirth» schaftliche Kraft des Volks eingewirkt. Dieses Vertrauen ivirb sich hoffentlich noch immer mehr befestigen und somit auch demjenigen Gewerbezweig zu Gute kommen, von welchem fast die Hälfte aller Deutschen lebt.
Wolitische Nachrichten.
(D e u t s ch l a n d.) Se. Majestät der Kaiser verlieh am Donnerstag Vormittag dem 1. Bataillon 1. Garde- Regiments zu Fuß in Potsdam in besonderer Feierlichkeit eine neue Fahne. Der Feier wohnten außer dem Kaiser und der Kaiserin die drei ältesten Kaiserlichen Prinzen bei, sowie die Prinzen Heinrich, Friedrich Leopold, Alexander und. Albrecht, dessen beide Söhne im Regiment dienen, der Groß- Herzog von Hessen, ferner die in Potsdam und Berlin anwesenden Fürstlichkeiten und Prinzen. An der Spitze der zahlreichen'Generalität waren Graf Moltke, Generaloberst v. Pape und der Kriegsminister erschienen. Um 10 Uhr fand im Bronze-Saal des Stadtschlosses der Akt der Nage- lung in der üblichen Weise statt. Hierauf folgte die kirchliche Weihe des neuen Feldzeichens im Marmvr(aale, vollzogen durch den Feldprobst der Armee D. Richter unter Assistenz des Hofpredigers 1». Rogge. Den Schluß bildete die militärische Feier mit einer Parade des 1. Garde-RegimentS im Lustgarten. Der Kaiser übergab hierbei mit einer Ansprache an das 1. Bataillon demselben die Fahne, worauf Oberst v. Plessen unter präsentirtem Gewehr den Dank aussprach und mit dreimaligem Hurrah auf den Kaiser schloß.
S e. M a; e stä t d e r K ai s e r hat geruht, das ihm gelegentlich seiner Anwesenheit in Hannover bei den Manövern des X. Armeekorps Mitte September von der Provinzialver- waltung zu veranstaltende Fest anzunehmen. Das Metz er Journal „Lorrain" will aus gut unterrichteter Quelle wissen, daß der Kaiser Wilhelm 11. Mitte Juni nach Metz kommen nnd der Grundsteinlegung des Kaisers Wilhelm-Denkmals beiwohnen wird. Der „Metzer Z." zufolge wird der Kaiser gegen den 20. Juni erwartet.
Die Taufe des Sohnes Sr. K. Hoheit des Prinzen Heinrich findet Sonntag l1/, Uhr statt. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin treffen mit den Erbprinzlich Meiningische» Herrschaften hierzu Sonntag Vormittag ein; außerdem werden noch der Gropherzog, der Erbgroßherzog und die Prinzessin Alix von Hessen dein feierlichen Acte verwohnen.
Unter dem Vorsitz des Kaisers hat am Mittwoch ein mehrstündiger Ministerkonsell stattgefunden.
StaatSminister von Bötticher ist mit dem Oberpräsidenten von Steiuinann zur Besichtigung der Sauarbeiten am Nord - O st s c e - K a n a l am Mittwoch Nachmittag in Kiel eingetrosseu. Das UebuugSgcschwader und das Manövergeschwader find am 1. Mai mit Flaggenparade in Dienst gestellt worden.
Dein deutschen Botschafter in Paris Grafen Münster ist, wie der „Hannov. Eour." mittheilt, der Schwarze Adler-Orden verliehen worden.
Laut der „Ekln. Ztg." fordern die Kohlenarbeiter deS rheini sch-westsälifchen KohlenbezirkS eine allgemein fünfzehn procentige Lohnerhöhung und Abschaffung der Ueberproduction durch zu lange Arbeitszeit, sowie gute, gesunde Wetterführung. Die Bewegung scheint planmäßig geordnet, man befürchtet baldige Strike-Versuche und betrachtet diese Lohnbewegung als hochwichtig.
Das Reichsgericht hat entschieden, daß bei Berechnung der Stempelabgabe von Börsengeschäften in Spiritus der Werth der Fastage nicht mitzurechnen ist. Nach einer neuerdings ergangenen Verfügung des preußischen FinanzministerS ist bei Berechnung der Slcmpelabgabc von BörsenlicserungSgc- schäftcn die Vergütung für Gebinde bis auf Weiteres nicht mit zn berücksichtigen.
^England.) General Bonlänger hat in London ein möblirtes Haus unweit Regent Street gemiethet, wohin er in wenigen Tagen vom Bristol Hotel übersiedeln wirb. Der brave General wird mit jedem Tage mehr der Löwe der Saison und er wird mit Einladungen, Ehrenbezeugungen u. j. w. überhänft. Am 5, d. wird er der Ehrengast des Jahresbanketts des Londoner Preß-ElubS sein, welchem in der Regel zahlreiche Parlamentsmitglieder und hohe Staalsz beamte beiwohnen,