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Httchlder Kttisblitt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllnSrirtes NnterhatLungsötati".__________

Nr 52. Donnerstag den 2. Mai 1889.

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Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträ­gern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 1. Mai 1889.

Für die am 28. März 1873 geborene Magda- lena Pfaff und die am 9. Juli 1874 geborene Anna Margaretha Bickhardt, beide von Gers­dorf, ist um Ertheilung von Reisepässen behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. 4043. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

An

die Herren Bürgermeister des Steuerkassen-Bezirks Friedewald.

Den Herren Bürgermeistern des diesseitigen Bezirks werden die Steuerzettel für das Etats­jahr 1889/90 in diesen Tagen per Post zugehen. Nach dem Eintreffen sind dieselben alsbald be- händigen zu lassen, und sind diejenigen Steuer­zettel, welche nicht anzubringen sind, unter An­gabe der Gründe der Nichtbehändigung anher zurückzusenden. Das stillschweigende Zurückbe­halten nicht behändigter Steuerzettel, wie es früher häufig geschehen, ist unstatthaft.

Friedewald, den 26. April 1889.

Der Rentmeister Weste.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Ncapolitancr aus Bremen.

Der Wahrheit nacherzählt von HanS von Brawe,

Ich bin meines Zeichens ein Schullehrer, Ele- mentarlehrer, und stamme aus Bremen, und mein Geschlecht gehörte bislang vom Vater auf den Sohn der Böttcherzun't an. D'e Familientrad'tion läßt das berühmteste und gesuchteste aller Fässer in Bremen, dieRose" im Rathskeller, aus der Werk­statt meiner Ahnen stammen. Vielleicht ließe eS sich mit derRose" in Zusammenhang bringen, daß ich den Namen Rosner von meinem Vater er­erbte. Ich heiße also Rosner, Dagobert Rosner. WeShalb man mir den in Bremen ganz ungebräuch­lichen Namen Dagobert gab, da'ür kann ich zu meinem Bedauern keinerlei Erläuterung geben. Vielleicht stammt er aus irgend einem Romane, den meine längst verstorbene Mutter gelesen, alS sie noch für dergleichen Zeitvertreib Muße fand, als Verkäuferin in einem Pelzgeschä te zur Sommer­zeit. Ich war im Jahre 1879 genau 23 Jahre alt, alS ich wein Probejahr bet der Stadtschule VI. in meiner Vaterstadt beendet und durch Bermitte­lung des betreffenden Consulates eine Anstellung alS Lehrer der deutschen Sprache an der Hochschule in Neapel erhalten und angenommen hatte.

Mit schwerem Herzen, aber da'ür übermäßig leichtem Geldbeutel und wenigem Gepäck trat ich im April meine Reffe gen Süden an. Es war das erste Mal, daß ich das Weichbild der guten Stadt Bremen verlieh. Ich wählte die Tour durch

Ueber die Samoa-Katastrophe vom 16. März

find am 13, d. Mts. durch den DampferAlameda" die ersten brieflichen Mittheilungen nach San Francisco gelangt, Den eingehenden Berichten, welche die dortigen Blätter infolgedessen veröffent­lichten, entnimmt dieFrkf. Ztg." nachstehende Angaben:

Der Sturm hatte am Nachmittag des 15. März begonnen; gegen 11 Uhr Abends war er zum Orkan angewachsen und fast alle im Ha^en be­findlichen Kriegsschiffe hielten ihre Dampfmaschinen in Thätigkeit, um d'e Gewalt der Stöße gegen die Ankerketten zu verringern. Mächtige Wogen rollten aus dem offenen Meere durch die ungeschützte Seite in den Hafen und schleuderten die Sch'ffe mit furchtbarer Gewalt umher. Bereits um Mitter­nacht hatten d«e Anker, an denen derEber" vor dem Winde ritt, ihren Halt verloren; eine Stunde später waren auch die Anker derVandalia" aus dem festen Grunde gerissen worden. Beide Schiffe vermochten noch mit-fe von Dampfkraft gegen den Sturm anzukämp en und einen Zusammenstoß mit den anderen Schiffen zu vermeiden. Stärker und stärker wurde der Orkan, dessen gewaltiges Brausen nur von dem rollenden Getöse der gegen d'e Riffe schlagenden Wellen übertäubt wurde. Gegen 3 Uhr Morgens hatten die Anker sämmt­licher Schiffe ihren Halt verloren und die Fahr­zeuge wurden machtlos im engen Hafen uwher- geschleudert, Vom Ufer aus konnte man die L'cht- signale der Kriegssch ffe bemerken; aus den Be­wegungen war zu ersehen, daß die Sch ffe ohne Ankerholt waren. Gegen Tagesanbruch ließ sich wahrnehmen, daß die Kriegssch ffe gegen die Riffe, wo die furchtbare Brandung Tod und Verderben drohte, angetrieben wurden. Dichte Rauchwolken sah man aufsteigen, ein Beweis, daß man ver­zweifelte Anstrengungen machte, mit Dampfeskraft

die Schweiz, und hatte alle die herrlichen Eindrücke in meine Erinnerung ausgenommen, welche der Rhein, die Fahrt über den Vierwaldstädter See, dann der Aufstieg von Flüelen am Reuß entlang in so wunderbarer Schöne darbieten. Kurz, der Reiseneultng glaubte immerhin das Prächtigste und Herrlichste gerade gesehen, das köstlichste Stück Erde durchwandert zu haben. Klares schönes Wetter hatte mich begünstigt, bis etwa bet der Teutelsbrücke ein lebhaftes Schneegestöber ein- trat, welches bereits bet Andermatt den Charakter regelrechten Schneetreibens annahm, unterstützt von einem Föhn, der sich in seiner unangenehmsten Form vorstellte.

BiS Hospenthal ging es mit der Diligenee. Ich hatte das Glück gehabt, einen Platz auf dem er­höhten Hintersitze zu bekommen, hatte viel gesehen und zuletzt viel gefroren, alld eweil ich mich für Italien nur mit einem dünnen Sommerpaletot ausgerüstet hatte. Da aber alle Plätze besetzt waren, wurde eine Domicilveränderung unmöglich. Also etwa um 12 Uhr Mittags kamen die mächtigen Deligencen, 2 waren es, in Hospenthal an, und entleerten eine Gesellschaft von 21 Reisenden, sämmt­lich auf der Fahrt hinab nach Italien über den Gotthard. Es war die erste größere Eolonne, welche in diesem Frühjahre die Tour machte und man sah es der Gesellschaft an, zum Vergnügen reiste sie nicht und ein Vergnügen war eS auch weiter nicht. Während in Hospenthal es lag hier bereits etwa eine 3 Fuß tiefe Schneedecke die kleinen zweisitzigen einspännigen Postschlittkn

gegen Wind und Wogen anzukämpfen. Auf dem oberen Verdeck sah man die Mannschaft sich an Masten und sonstigen Gegenständen, die einen Halt gewährten, anklammern. Wie leichte Korkstücke wurden die mächtigen Schiffe umhergeworfen, bald mit dem Bug, bald mit dem Stern emporgeschleudert, um dann wiedtrunter Wogen völlig zu verschwinden. DerEber",Adler" und dieNipsic" waren nur noch wenige Schiffslängen von den verderben­bringenden Riffen entfernt. Jeder Windstoß, jeder Wogenavprall brächte ste der Brandung näher. Das kleinste der Schiffe, derEber" machte einen letzten Versuch, dem drohenden Geschick zn entgehen. Mit voller Dampfkraft drang es gegen die Wogen vor, doch den tobenden Elementen war man nicht gewachsen; von der Strömung wurde das Schiff gegen die Nipsie" geschleudert, prallte dann gegen die Olga" und trieb als ob der Widerstand ge­brochen, machtlos gegen die R ffe. Ungeheure Sturzwellen rollten über das Sch ff hinweg. Im nächsten Momente w"rde eS von einer Woge emporgehoben und mit der Brestseite aus da- R ff geschleudert. Ein furchtbarer Krach, und von dem Sch'ffe war nichts mehr zu sehen. Der Todesschrei der Mannschaft milchte sich mit bett Ruten des Entsetzens der am Uier harrenden Menge. Die Eingeborenen drangen vom Strande aus weit in die Brandung vor, um, falls möglich, einige der Verunglückten zu retten. In den Sturz­wellen, die über das Riff schlugen, sah man einige Menschen mit den Wogen ringen. Em Mann hatte sich an das Holzwerk einer kleinen Wer ste, wohin die Wogen ihn getrieben, geklammert; er wurde zuerst gerettet. Es war Lieutenant Gädeke. ZU derselben Zeit wurden von den Insulanern vier Matrosen an das rettende Land gebracht. Sie waren die einzigen, welche von den sechs O'ficieren und den fiebenztg Matrosen desEber" gerettet wurden.

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bestiegen wurden, hatte ich Zeit meine Mitreisenden, einer allgemeinen Beobachtung zu unterziehen. Die Mehrzahl waren Geschätsleute italienischer Natio­nalität und Sprache, denen man auf den erstell Blick ihre Bildungsstufe anwerken konnte. Deutsch oder etwa Englisch oder französisch hörte ich Niemanden sprechen, Nur 3 Personen von bett 21 erregten ein germaßen mein Interesse. Da be­stieg e-nen der ersten Schlitten etn älterer Herr mit ernsten aristokratischen Zügen, der auf seinem

6 Fuß langen Körper ein ergrauendes Haupt mit unnachahmlicher Sicherheit trug. Der ebensall- ergrauende Bart war sorgsam gepflegt und wa- mir am meisten an dem Manne impouirte er war vorsorglich in einen großen kostbaren Pelz ge­hüllt, und fügte diesem noch einen wahrhaft gigan­tischen Fußsack mit daran befestigtem Muff hinzu. So etwas berührt, wenn man im Sommerüberzieher die Hände in den Hosentaschen erwärmt und dazu die weißen Schnechäupter rings um sich herum ragend erblickt.

Zu dem alten stolzen Herrn setzte sich aber eine anscheinend noch jugendliche Dame, ebenfalls pelz- umgeben und wie ich bemerkte, sogar pelzgesttefelt. Das Geicht verhüllte ein dichter grauer Schleier, welcher sich zugleich um den grauen Filzhut schlang. Es entging mir nicht, daß ich einen Gesellschafter im Beobachten des eben abführenden Paares ge­funden hatte. Es war dies die dritte der eben all beachtenswerth bezeichneten drei Personen.

Ein Herr, er mochte zwischen 30 unb 40 Jahre» zählen, stand in langem braunen Havelock am Gly,