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Hersstliicl Armblatt.
__________Mit wöchentlicher KraLis-Ieilage „MuCrirtes Muterhaltungsölatt".
Nr. 50. Sonnabend den 27. April 18897
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AutLiches.
HerSfeld, den 24. April 1889.
Nach einer Mittheilung des ständischen Bauamts vahier sind die Herren Ortsvorstände zu Petersberg, Kotbus, Oberhaun,Eitra, Sorgn, Lampertsfeld, Obenode, BingarleS, W'l- helmshof. Schenkfolz, Wippershaln, Sieglos und Dünkelrode mit Einreichung der Verzeichnisse über die Hand- und Spanndienstpflichtigen im Rückstände
Diese Verzeichnisse sind bis spätestens z u m 3 0. d. M t s. bet Meidung von 3 Mk. Strafe einzureichen.
3819. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n t tz.
* Zur Laim-Confmn!.
Die militärischen Maßregeln, welche Consul Dr. Knappe am 17. December v. I. zur Entwaffnung der beiden streitenden Parteien ergriffen und in Folge deren das Reich einen so herben Verlust an Menschenleben zu beklagen hatte, waren ohne höhere Ermächtigung getroffen worden. Consul Knappe hatte weiter unter dem
23. Januar telegraphisch gemeldet, er habe Kriegs-
(Unbefugter Nachdruck verboten) Katharina ZLadendiK.
Eine Kaiserin aus dem Volke, Historische Erzählung von Zos von Reu ß.
(Fortsetzung.)
Sultan Achmed, dem die geheimen EroberungS- Pläne PeterS auf Konstantinopel kein Geheimniß waren, glaubte durch ein Bündniß mit dem tapferen, kriegserfahrenen Schwedenkönige den richtigen Augenblick gekommen, um Peter mit dem Kriege paffend zuvorzukommen. Auf feinen Befehl zog sein Groß- vezter Mehmet den Russen mit einem stattlichen Heere entgegen.
Inzwischen entwickelte sich in der Moldau, welche die Russen besetzt hielten, ein interessantes Lagerleben. Peter lebte in der Mitte seiner Günstlmge sehr schwelgerisch, und ließ zur Unterhaltung seiner Gemahlin eine französische Schauspielertruppe aus dem neu gegründeten Petersburg kommen, welche allerlei französische Schärerstücke, aber auch Mo- Ueresche Lustspiele aufführen mußten. Katharina bildete aber nicht allein den Mittelpunkt des gesell* schaftlichen Kre-ses, sondern ward auch sonst Peters Freundin und Beratherin. Der Einfluß, den sie aus seine Entschließungen auSübte, ward täglich größer. AVer obgleich sie denselben niemals mißbrauchte, fand sich doch bald eine Partei, welche Katharina glühend haßte.
Unter ihren eitrigsten Feinden befand sich auch General Scheremeijew. Während die anderen nur Vif Gunlutußm und AuSlanvexm in ihr sahen,
Zustand in Samoa erklärt und Fremde dem Kriegsrecht unterworfen, hierauf habe der englische Consul eine Proklamation erlassen, daß britische Unterthanen ausschließlich unter britischer Gerichtsbarkeit ständen. Ferner hatte Herr Knappe in dem Telegramm berichtet, er habe bei den Verhandlungen mit den Aufständischen Ueber- gabe der Waffen, Auslieferung der Rädelsführer und Uebernahme der Verwaltung von Samoa durch Deutschland gefordert.
Auch diese Maßnahmen konnten von dem Fürsten Bismarck nicht gebilligt werden. Nach Ausweis der kürzlich erschienenen Fortsetzung des Weißbuchs tadelte er in einem telegraphischen Erlaß vom 31. Januar den Versuch, Fremde der Gerichtsbarkeit ihrer Consuln zu entziehen, und die an die Aufständischen gestellte Forderung, betreffend Uebernahme der Verwaltung Samoas durch Deutschland. Darauf hatte der Consul seinem englischen Collegen vertraulich eröffnet, daß die Uebernahme der Verwaltung außerhalb der Absichten 4r. Kaiserlichen Regierung liege. Diese Mittheilung hätte aber, wie Fürst Bismarck in einem Erlaß vom 16. April an den nach Apia entsandten Generalconsul Dr. Stübel feststellt, an beide Consulate, auch das amerikanische, öffentlich und amtlich erfolgen müssen, in gleicher Weise, wie das Auswärtige Amt jene Forderung gegenüber der englischen und amerikanischen Regierung amtlich für aufgehoben erklärt hat.
Unsere Aufgabe besteht nicht in der Uebernahme der Ordnung der eigenen Angelegenheiten der Samoaner, sondern lediglich darin, die Reichsangehörigen zu schützen und ihnen eine gedeihliche Entwickelung ihrer wirthschastlichen Interessen zu ermöglichen. Eine Veränderung der politischen Verhältnisse kann nur mit Zustimmung der Vertragsmächte erfolgen. Das ist der klare Standpunkt, den die deutsche Regierung consequent
haßte sie der General auch glühend als Weib, das seine Liebeswerbung wiederholt mit Verachtung von sich gewiesen hatte. Selbst als Werkzeug seines Ehrgeizes hatte er sich in der sanften Deutschen verrechnet. Hatte sie doch zu tief in die Karten geblickt, um mit ihrem guten ruhigen Verstände unter der gleißenden Hülle des Generals nicht den Fuchs und Wolf zu erkennen. Er hatte geglaubt durch Katharinas Abtretung an Peter der ganz besonderen Gnade des Zars theilhaftig zu werden, und sah nun, daß sie diese Menschikow zuwandte, weil sie dessen Ergebenheit und Treue für Peter als zuverlässiger erachtete. Gleich Katharina selbst war Menschikow aus niederem Stande entsprossen, und zuvor Pasteten- bäcker gewesen. Dabei hatte er eines Tages be* merkt, daß der französische Koch eines vornehmen Russen, bei welchem der Zar zu Gaste geladen war, ein Pulver m t Heimlichkeit in die zubereitende Spe.se mischte. Kniefällig hatte er darauf den Zar gebeten, nicht von dem bezeichneten Gerichte zu essen. Mißtrauisch geworden hatte Peter seinem Hunde davon gegeben, und alsbald die Wahrheit erkannt. Seit diesem entscheidenden Augenblick war der Pastetenbäckerjunge der Günstling des Zars geworden. Nach entsprechender Erziehung und Ausbildung ward er dessen Reisebegleiter auf dessen erster Reise nach Holland, später General und Staatsminister, und dabei der verständnißvolle Förderer von Peters edlen, oft mißverstandenen Absichten General Scheremetjew sah den Bund zwischen Menschikow und Katharina mit steigender
festgehalten hat und von dem sie instruktionS' widrige Maßnahmen ihres Vertreters nicht ab* bringen konnten.
Sonntag den 28. April soll nunmehr die Samoaconferenz in Berlin zusammentreten. Deutschland wird auf ihr durch den Minister Grafen Bismarck und die Mitglieder des Auswärtigen Amtes: von Holstein und Dr. Krauel vertreten. Die Vertretung Englands übernimmt der Botschafter Malet, die Vereinigten Staaten haben die Herren Kasson, Phelps und Bates entsandt. Wird von Seiten der Vereinigten Staaten eine gleiche, auf berechtigte Interessen gegründete und fremde Interessen behutsam schonende Haltung eingenommen, wie sie von deutscher Seite in dem Weißbuche niedergelegt ist, so kann eine Verständigung nicht ausbleiben. Einstweilen hat es die guten Aussichten herabgedrückt, daß sich Herr Bates unter den amerikanischen Vertretern befindet. Dieser hat nämlich noch nach seiner Ernennung einen Artikel veröffent- L^r, der mg MMer 43 eine unbefangene Würdigung der thatsächlichen Verhältnisse und unter Uebergehung der von den Amerikanern auf Samoa begangenen Provocationen und Eigenmächtigkeiten gegen Deutschland völlig untre« gründete Beschuldigungen enthält. Selbst amerikanische Blätter haben dagegen Einspruch erhoben JnLondon allerdings, wodie amerikanischen Delegirten kürzlich angelangt sind, soll Herr Bates einem Zeitungscorrespondenten erklärt haben, daß er in Berlin nicht seine persönlichen Ansichten zur Geltung zu bringen, sondern lediglich die Instruktionen seiner Regierung zu befolgen und auszuführen habe. Nach derselben Quelle äußerte Herr Kasson, daß, nachdem die Neutralität der Inselgruppe vereinbart sei, es sich vor Allem darum drehen werde, ein System ausfindig zu machen, unter welchem der Friede Samoas am besten gesichert sei. Gewiß ist das
Sorge und Haß, und nahm sich vor dem drohenden Verdängnitz zuvorzukommen. @me zufällige Begegnung kam ihm dabei zu Hilfe.
General Scheremeijew entdeckte eines TageS unter der Kaiserlichen Leibgarde einen Sinnen, bet ein gewandter Abenteurer war, und schon in vieler Herren Länder gedient hatte, und mehrere Sprachen mit Geläufigkeit redete. Was den General aber am messen überraschte und fesselte, war die große Aehnlichkeit, die Henrik Torsten mit Karsten Lindblad, Katharinas erstem Gatten besaß. Dieselbe große ebenmäßige Gestalt, dasselbe dunkelblonde Haupthaar, und e ne wunderbare Aehnlichkeit der Physignomie hätten ihn für einen Bruder von Katharinas ehemaligen Gatten gelten lassen können. Aus diese Aehnlichkeit nun baute der rachsüchtige General seinen Plan. So teuflisch er war, mußte er dennoch gelingen, umsomehr als er Katharinas unv rgeffene Zärtlichkeit für ihren ersten Gatten und die letdenscha'tliche Eifersucht und die unge- bändigten, gelegentlichen Zornesausbrüche deS ZarS hinlänglich kannte.
Kalhar-na ruhte schlummernd in ihrem Zelte, dessen Einrichtung nicht ohne Pracht war, aber doch durch mancherlei große und kleine Dinge die Ungemüthlichkeit des Lagerlebens verrieth. Ange- kleidet und coi'firt lag sie ausgestreckt auf ihrem roh gezimmerten Feldbette, dessen mit Purpurseide gefütterte Decke aus den bunten, mosaikartig zusammengefügten Federn ausländischer Vögel bestand, «nd von barbarischer Pracht zeigte, Der Schlummer