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ßersftliikl Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Hratis-ZLeilageIllustrirtes Nnterhaktuugsölatt".

Nr. 48. Sonnabend den 20. April 1889.

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Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage

Illustrirtes Unterhattungsblatt" für die Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträ­gern und von der Expedition angenommen.

Amtliche».

Srfth, betreffend dir Ergänzung deS GesetzeS über die Er» leichterung der VoltSschultasten vom 14, Zuni tSSS (Gesetz-

Sammt. S. 240). Vom 81. März 1889.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen rc. verordnen, mit Zustimmung beider Häuser des Landtages für den ganzen Umfang der Monarchie, was folgt:

Artikel 1.

Die Höhe des nach § 1 Absatz 1 des Gesetzes vom 14. Juni 1888, betreffend die Erleichterung der Volksschullasten, aus der Staatskasse zu leistenden jährlichen Beitrags zu dem Dienstein- kommen der Lehrer und Lehrerinnen an den Volksschulen wird fortan so berechnet, daß für die Stelle

1) eines alleinstehendeil sowie eines ersten ordentlichen Lehrers 500 Mark,

2) eines anderen ordentlichen Lehrers 300 Mark und einer ordentlichen Lehrerin 150 Mark, 3) eines Hülfslehrers und einer Hülsslehrerin 100 Mark

gezahlt werden.

Artikel II.

Wo bei Volksschulen für Kinder, welche inner­halb des Bezirks der von ihnen besuchten Schule einheimisch sind, eine Erhebung von Schulgeld noch stattfindet, fällt dasselbe in demjenigen Be­trage fort, um welchen in Folge der Einrichtung neuer Schulstellen in einem Schulverbande nach dem Inkrafttreten des Gesetzes vom 14. Juni 1888 oder gemäß der Vorschrift in Artikel 1 des gegenwärtigen Gesetzes eine Erhöhung des Staatsbeitrages bereits eingetreten ist oder fortan eintritt.

Das hiernach einstweilen vom 1. April 1889 ab noch zulässige Schulgeld ist nach §. 4 Nr. 2 des Gesetzes vom 14. Juni 1888 erneut festzustellen.

Artikel IIL

Das gegenwärtige Gesetz tritt mit dem 1. April 1889 in Kraft.

Artikel IV.

Mit der Ausführung dieses GesetzeS werden der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten und der Finanzmi- nister beauftragt.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Königlichen Jnsiegel. Gegeben im Schloß zu Berlin, den 31. März 1889.

(L. s.) Wilhelm.

Fürst v. Bismarck. v. Boetticher.

v. Wahbach. Frhr. Lucius, v. Ballhausen, v. Goßler. v. Scholz. Bronsart

v. Schellendorf. Herrfurth. v. Schelling.

HerSfeld, den 17. April 1889.

Sie Herren Bürgermeister zu Kleinensee, Widdershausen, Leimbach, Heringen, LengerS und Philippsthal mache ich, unter Bezugnahme stuf meine Verfügung vom 35. April ML,

Nr. 5384 abgedruckt im Kreisblatt Nr. 51 darauf aufmerksam, daß am 1. M a i d. I. die Begehung der Landesgrenze stattzufinden hat.

3684. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 20. April 1889.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 9. d. Mts. Nr. 3408 (im Kreisblatt Nr. 44), die Namhaftmachung der Schäferei- Aufseher betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 26. d.Mts. bei Meidung von je 3 Mk. Strafe erinnert.

3408. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e t n i tz.

Hersfeld, den 15. April 1889.

Den Herren Ortsvorständen des Kreises gehen in den nächsten Tagen die nach den festgesetzten Unikaten berichtigten zweiten Ausfertigungen der Klassensteuer-Zu- und Abganaslisten pro II. Semester 1888/89 mit der Auflage zu, die Ab­gänge nach Zeit und Betrag in den Klassensteuer­rollen vom abgelaufenen Steuerjahre zu notiren, und hiernach die gu. Listen in der Repositur auf- zubewahren.

3568, Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Auf dem Weg von Hersfeld nach Schenklengs­feld ist am Dienstag Abend ein schwarz- ^ e r Kammgarn-Anzug verloren ge- (jefo^erfönli^ Ersche* nen inmitten der Marine 8 & -W W°d» »Ire geteM Weg ' &ÄÄ

geflen eine gute Belohnung bei dem unterzeich- g^f^, ^a§ nach 6^/, monatlicher Abwesenheit aus dem Mittelmeer heimkehrende Geschwader empfing, hat die Herzen nicht nur unserer braven Seeleute, sondern der gesummten Rüsten« . bevölkerung hoch erhoben, welcher die Mehrzahl ! der von den Wellen des Oceans Hinweggerafften angehört hatte.

neten Bürgermeisteramt abzugeben.

Schenklengsfeld, den 18. April 1889.

Der Bürgermeister R ü g e r.

In die Berge flieht der Winter,

Hinter ihm mit gold'nem Bogen, Mit den schnellen Sonnenpfeilen Kommt der Sieger Lenz gezogen.

Höher fluthen auf die Ströme,

Eis und Schnee zum Meere rinnet, Donnernd uns die Wogen künden, Daß ein neues Reich beginnet.

Losgelöst von starren Banden

Schmücken Wald und Feld sich wieder.

Um den Herrscher zu empfangen, Der vom Himmel stieg hernieder.

Der vom Himmel ist gesendet, Daß der Welt die Freiheit werde, Daß aus ihrem Todesschlafe Aufersteh' die schöne Erde.

Daß die Menschen wieder hoffen,

Daß die Liebe sich entzünde, Und zu weihevollem Bunde Sich das Herz zum Herzen finde.

Ed. Mund.

# Astern 1889.

Wiederum zieht ein Osterfest über das deutsche Land. Als unser Volk vor Jahresfrist seine Ostern feierte, waren die Herzen in tiefste Trauer versenkt, ernst war die Gegenwart, noch ernster der Ausblick in die Zukunft. Ueberreich an Prüfungen ist dann das Drrilaiserjahr über

uns dahingegangen. Erst mit den Bürgschaften, welche die Einmüthigkeit der deutschen Fürsten, die Reisen Kaiser Wilhelms II. an die euro- päischen Höfe für die unerschütterliche Festigkeit des Reichsverbandes, für die Sicherung des Friedens darboten, zog wieder Hoffnung und Zuversicht in die Gemüther. In- und Ausland haben seitdem die Gewißheit gewonnen, daß Deutschland und Preußen in dem neuen Zeitab­schnitt ihrer Geschichte keinen Schritt zurück-, wohl aber manchen Schritt vorwärts gethan haben und daß das Steuer unseres Staatsschiffs in fester Hand ruht. Um so heller klingen dies­mal die Osterglocken von dem wogenumrauschten Seegestade bis zu den Alpen und den Vogesen, mit dem Andenken an eine große Zeit vereint sich das Vertrauen in eine friedliche und erfreu­liche Zukunft. Weite Theile des Vaterlandes waren zur Zeit des vorjährigen Osterfestes von zerstörenden Fluthen heimgesucht, auch diesmal sind einzelne -Gegenden schwer betroffen worden, aber die Verwüstung hat doch bei Weitem nicht den Umfang der vorjährigen erreicht. Eine noch ernstere Trauerbotschaft war kurz zuvor aus Samoa herübergekommen: Sturmesgewalt hat zwei Schiffe unserer Flotte mit ihren Besatzungen iit die Tiefe des Meeres versenkt. In tiefer Bewegung hat der Kaiser in einem Tagesbefehl an die Marine dem Gefühl der Trauer Ausdruck

gegeben, welches die ganze Nation erfaßt hat,

Es ist nicht Aufgabe einer Osterbetrach- tung, die gesammte politische Entwickelung des Jahres rückschauend zu durchblättern. Aber was dasselbe an Gutem und Schlimmen für die Ge­sammtheit gebracht hat, wirkt wie auf das Ge­schick so auch auf das Gemüth des Einzelnen. Ob er es mehr oder minder deutlich empfinde, er ist und bleibt doch immer des Ganzen ein Theil. Und wenn wir heute vom Vaterlande rühmen dürfen, daß es vorwärts geschritten ist in innerer Arbeit und in äußerem Ansehen, in un­ermüdlichem Streben nach Vervollkommnung auf allen Gebieten seines öffentlichen Lebens, so mag der Einzelne um so freudiger sein Osterfest be­gehen. Jene innere Arbeit hat eine ganze ßleihe wichtiger und wirkungsvoller Gesetze gezeitigt, die theils bereits zum Abschluß gelangt sind, theils vor demselben stehen. Zu den letzteren gehört in erster Linie die Alters- und Invaliden­versicherung, welche zwar leider nicht mehr als Ostergabe zu Stande gekommen ist, aber bis zum Pfingstfest hoffentlich Gesetz geworden sein wird. In unserem heutigen Staatsleben kann der Werde-Prozeß nicht mehr zum Stillstand ge­langen. Wie die Menschenkräfte sich verbrauchen, so erschöpfen sich auch gar viele Gesetze in ihrer Wirksamkeit. Neue Gedanken ringen sich empor, die sich rastlos mehrenden Wechselbeziehungen zwischen den Völkern der Erde schaffen neue Ge­sichtspunkte und neue Bedürfnisse für das mrlio- nale Leben und die nationale Befriedigung des einzelnen Volkes. So entstand auch unsere social- politische Gesetzgebung, das Kind dieses Jahr,