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Hersskl-kl Breisblatt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illugrirles Nnterhattungsölatt".__________
Nr. 47. Donnerstag den 18. April 18897
Amtliches.
Hersfeld, den 15. April 1889.
Zur Verhütung der erheblichen Schäden, welche eine größere Verbreitung der Blutlaus für den Obstbau des Bezirks mit sich bringen würde, und mit Rücksicht auf die verhältnißmäßig nicht sehr bedeutenden Schwierigkeiten, welche die Vertilgung der Blutlaus bietet, falls sie nur überall gleichzeitig mit Nachdruck betrieben wird, soll zufolge Anordnung des Herrn Regierungs-Präsidenten in der zweiten Hälfte des Monats Mai und Juni d. J. eine Revision sämmtlicher Apfel- bäume des Bezirks vorgenommen werden.
Da diese Revision jedoch nur von Sachverständigen vorgenommen werden kann, in den einzelnen Gemeinden des Kreises aber nicht überall die geeigneten Persönlichkeiten vorhanden sein dürften, so ist meinem Vorschläge entsprechend, von dem Herrn Lanbesdireclor ge- nehmigt worden, daß die Herrn Wegebau- Aufseher innerhalb ihrer Bezirke fragliche Revision gegen eine aus der Gemeindekasse zu zahlende Vergütung vornehmen dürfen, und gaben sich dieselben zur Ausführung dieser Revision auch bereit erklärt. Die Vergütung berechnet sich pro Tag einschließlich evtl. Uevernachtung aus ö Mark, und haben die Herren Ortsvorstände nach bewirkter Revision für Auszahlung des nach diesem Satze berechneten und liquibirten Betrages demnächst Sorge zu tragen. Im Uebrigen ist den Revisoren eine geeignete Persönlichkeit betzugeben, welche, belehrt durch ihre Mitthätigkett, die evtl. Nachrevision dann selbst* ständig vornehmen kann.
Bezüglich der Vertilgungsmaßregeln beim Auf- stnden der Blutlaus verwerfe ich auf die hierunter abgedruckte Anweisung mit dem Bemerken, daß als Mittel zur Vertilgung des schädlichen
Sein Kind.
Novelle von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
Schon waren sie jetzt be-de dicht am Rand des Absturzes, nun war, das Mädchen sich mit aus- gestreckten Armen vor, sie faßte sein Kleid, seinen Arm, da brach das den Felsenvorsprung bedeckende Erdreich unter ihren Füßen weg, sie preßte im Fall das Kind an sich, und so stürzten sie beide mit einander in den See. Suiannehörle noch das Jammer« geschret der Rollen, bann das Brausen und Gurgeln des Wassers um sich her. Der Schreck, das plötzliche Eintauchen in das kalte Element. Halten ihr für einen Augenblick die Besinnung genommen, trotzdem hielt ne den Kleinen krampfhaft umfaßt.
AlS Susanne mit der Last in ihrem linken Arme wieder empor kam — vielleicht hatte sie unwillkürlich mit der Rechten und mit den Füßen Schwimm- bewegungen gemacht — fand sie sich ein paar Meter vom Lande abgetrieben. ES konnte ihr aber gleich viel fein, die Uierbant war zu steil und viel zu hoch, um ein Aui klimmen zu gestatten und Vorland gab es nicht eine Handbreit, der FelS fiel senkrecht in den See.
Die holten stand oben und schrie zeternd und mit aller Lungenkrast: »Hülse! Hülfe!" Dabei schwenkte sie ein Tuch wie Wtudmühlenflügel im Kreise um sich — würde sie jemand hören oder sehen?
Susanne wußte, daß für ihre Rettung alles da- p8| ankoVivt, sich möglichst lauge oben zu haltest,
Jnsectes das bereits anderwärts mit gutem Erfolge angewandte Eisenbüttel er Sapo- karbol Nr. 3 empfohlen wird. Als Spritzapparat hat sich der von Falbisaner & Stebel zu Offenburg in Baden am besten bewährt. Derselbe kostet (mit Raupenfackel zum Verbrennen von Raupennestern) 10 M. 10 Pf. incl. des Portos.
Die Herren Ortsvorstände haben die Baumbesitzer in entsprechender Weise von den getroffenen Maßregeln in Kenntniß zu setzen und namentlich dafür zu sorgen, daß den Revisoren keinerlei Schwierigkeiten bereitet, vielmehr dieselben bei Ausführung des Geschäfts von den Baumbesitzern, welche zur Reinigung ihrer Apfelbäume gemäß der Polizei-Verordnung vom 29. October 1883 (Amtsblatt S. 224) verpflichtet sind, thunlichst unterstützt werden.
3438. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Anweisung zur Vertilgung der Blutlaus durch Anwendung des Eisenvütteler Sapotarbols Nr. 3.
Sobald c6 im Monat März die Witterung gestattet, müfscii sämmtliche Apjcibäumc, Die im vergangenen Jahre von der Blutlaus heimgesucht waren, von Flechten, Moosen und lose anhängenoen Borketheilen mit der nöthigen Vorsicht gereinigt und etwa vorhandene, Dürre Aeste gebrochen werden. Der hierbei erhaltene Absall kommt auf Haufen und wird verbrannt. Darauf werden alle stärkeren Holztheile solcher Bäume vom Wurzelhalse bis in die Nähe der Krone mit einer scharfen, wiederholt in Sapokarbol getauchten Bürste derartig gebürstet, daß alle Stellen, auch die Rinoenspaltcn, Krebs- oder sonstige Wundstellen mit dieser Flüssigkeit gründlich benetzt werden. Dieses Sapokarbol ist zuvor aber erst mit Wasser zu verdünnen, und zwar nimmt man auf 1 Liter Fluß- oder Regenwasser 2 Eßlöffel Sapokarbol, für die holzigen widerstandsfähigeren Pstanzentheile (Stämme, Aeste), während bei den zarten krainartigen Theilen und Blättern nur ■/t bis 1 Theelöffel auf die gleiche Wassermenge genommen werden darf.
Schon nach vierzehn Tagen muß eine Musterung dieser
Mit dem Kinde in ihrem Arm an eine ferne flachere Uferstelle zu schwimmen und so sich ohne Beistand yerauszuhelien, das war, wie sie deutlich erkannte, eine Unmöglichkeit. Bet freiem Gebrauch ihrer Glieder hätte sie es vielleicht gekonnt und sich allein gerettet» obwohl das weitere Schwimmen in Kleidern immer eine schwere Aus« gäbe gewesen fein würde. Es kam ihr indeß nicht eimal die Versuchung, sich von dem K nde zu trennen und lastete fein kleiner, regungsloser Körper auch schwer aus ihrer Unten Schulter, wohin sie getrachtet hatte, ihn hinaus zu schieben, so war doch neben ihren Bemühungen sich hoch zu halten, ihre nächste Sorge die, das Köpfchen des Kleinen immer sicher über Wasser zu bringen. Paul mußte von dem Sturz ohnmächtig geworden sein, denn sie hatte noch nicht die geringste Bewegung von ihm gespürt.
Susannes Blick schweifte in Todesangst geradeaus über die spiegelnde Fläche, ob nicht ein Boot in der Nähe fet, sie sah einige, dieselben waren ihr aber viel zu fern.
Mittlerweile hatte das Geschrei der Nolten einen Mann herbeigerufen, der mit seiner Kuh am Stricke auf der Axeustraße oahlrgekommen war. AiS der Bauer sah, was noth that, riß er das ©eil von den Hörnern der Kuh los und warf eS von oben der um ihr Leben Ringenden zu.
Nach ein paar vergeblichen Versuchen glückte es Susannen, sich den Strick um ihr freies rechtes Handgelenk zu schlinge» und sich daran fest zu klammern, während oben der Mann stramm da
behandelten Bäume sowie aller übrigen A p f e l b a u m e vorgenommen und solche von 8 zu 8 Tagen wiederholt werden. Bei jeder Musterung ist daraus zu scheu, ob sich an Krebs- stellen und in den Vertiefungen der sog. Ueberwallungsränder, sowie überhaupt an den Aesten das wichtigste Erkennungszeichen der Blutlaus „die weiße wie Schneeflockchen erscheinende Wolle" bemerkbar macht. Da die Blutlaus vornehmlich an der dem Erdboden zngclegcnen Seite der Aeste aufzu- treten pflegt, so ist insonderheit diese zu berücksichtigen. Sollten Blntläuse constatirt werden, so müssen sofort nicht nur die befallenen Stellen, sondern alle Holztheile der insicirt befundenen und der diesen benachbart stehenden Apfelbäume mit Sapokarbol in der erwähnten Weise behandelt werden. Sollten sich Wollflöckchen an solchen Aesten der Bäume eingestellt haben, die mit der Bürste schwer oder nicht zu erreichen sind, so muß ein automatischer Spritzapparat in Thätigkeit gesetzt oder in Ermangelung eines solchen der betreffende Ast vorsichtig abgesagt und verbrannt werden. Die controllirende Thätigkeit und das Suchen nach Blutläusen sind wenigsten« zunächst bis Ende Mai fortzusetzen, und immer ist daraus zu sehen, daß die Läuse gleich nach ihrem Auftreten getilgt werden, damit sie nicht aus den Eolonien d. h. aus den Wollstellen nach den jungen Trieben der Apfelbäume gelangen, weil eine gänzliche Tilgung dann nicht mehr ausführbar ist. Wichtig ist endlich, daß von Ende Juli bis in den Spätsommer hinein M Apielbämuc von Zeit zu Zeit aus die Anwesenheit etwaiger Blutläuse untersucht und letztere im Bc- treumgSsalle mit verdünntem Sapokarbol vernichtet werden, da zu dieser Jahreszeit die mit Flügeln ausgestatteten Blut- lauswcibchcn neue Eolonien zu gründen Pflegen.
Die Herren Bürgermeister im diesseitigen Kreise ersuche ich ihre Ortseingesessenen wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß die Sprechstunden auf dem Kataster-Amt nur Mittwochs und Sonnabends von 8 bis 12 Uhr statt- finden.
Hersfeld, den 15. April 1889.
Der Königliche Katasterkontroleur Schweißer.
Zugelaufen: ein kleiner Hofhund. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der gutterkosten bet dem Bahnwärter Hofmann in
Verhaun in Empfang nehmen.
gegen hielt. Es war aber keine Möglichkeit, sie so empor zu ziehen, nur eine kleine Frist konnte ge* wonnen werden, keine Rettung. »Halten Sie nur fest,* rief der Bauer ihr zu, »gew.ß kommt noch Hülfe."
»Lange kann — ich nicht — mehr," antwortete Susanne keuchend.
Die Nolten r ef und jammerte laut und stürzte außer sich hin und her. Endlich ein Freudenschrei: »Das Boot — da am Ufer — sie haben uns ge« sehen — sie kommen hervei!"
Auch Susanne gewahrte jetzt einen Nachen, der unter dem Druck der Ruder heran flog, aber die Rettung war noch fern, es galt mit größter Anstrengung auszuhalten, und des Mädchens Kräfte waren nahezu erschöpft.
Die Nolten und der Bauer riefen ihr zu, Math zu fassen. Susanne war aber schon so ermattet, daß sie nicht mehr antworten konnte. Mehr und mehr hörten die tragenden Schwimmbewegungen a»', der Strick hatte sich um ihr Handgelenk geschnürt und bot ihr jetzt den einzigen Halt. Mit letzter Anstrengung richtete sie ihren ersterbende» Blick auf das herbei fliegende Boot. Da leuchtete das weiße Matrosengewand Miß Kates zu ihr herüber, mit ihr war er--er würde sie retten!
Nach der fürchterlichen Anstrengung und Ueber- reizung aller ihrer Kräfte, fiel die süße Gewißheit, der geliebte Mann sei in ihrer Nähe, wie ein Ruhe bringender Schleier über sie. Was sorgte und mühte sie sich, er war ja da, er kam ihr z» helfen, sie würde bald in seiner Obhut gedor^y