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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Vbonnementbpreir: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel, Postausschlag.

Die Jnsertionigebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg.. im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größermLusträgen entsprechender Rabatt.

Ktlsselilcr KreisbKtt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaltungsklatt".__________

Amtliches.

Hersfeld, den 12. April 1889.

Die am 11. Mai 1863 zu Willingshain ge­borene Anna Catharina Elisabeth Bechstetn hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

8540. Der Königliche Landrath

-___Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 12. April 1889.

Für den am 31. October 1871 zu Niederaula geborenen Bäckergesellen George H o f m a n n aus Schlitz ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staalsverbande behufs ferneren Verbleibens in England nachgesucht worden.

3459. Der Königliche Landrath ____ Freiherr von Schleinitz.

. Mitte Mai und October findet alljährlich in dem mit dem Hessischen Diakontssenhause verbundenen Seminar zur Ausbildung von Kleinkinderlehre- rinnen (Kindergärtnerinnen) die Aufnahme neuer Zöglinge statt. Der Cursus des Seminars ist einjährig.

Die Pension für den Cursus, Unterricht einge­schlossen, beträgt 330 Mark.

Anfragen sind zu richten:

An den Vorstand des Diakonissen-

Hauses bei Cassel. Poststatton Weylheiden.

# FwinbW.

Herzog Adolf von Nassau hat am Donnerstag die Regentschaft über das Großherzogthum Luxem­burg angetreten, mit diesem Tage beginnt ein neuer Abschnitt in der Entwickelung des durch die Geschichte und die Sprache seiner Bewohner deutschen Landes. Die völkerrechtliche Stellung des Großherzogthums beruht auf den Verträgen von 1815, 1839 und 1867. Im Jahre 1815

I und man darf wohl sagen, daß dieser unglückliche Schachzug der damaligen französischen Politik ein fördernder Helfer in der deutschen Einheits- bewegung gewesen ist. Es genügt, an die Reichs« tagsverhandlung vom 1. April 1867 und an die gleichzeitigen Kundgebungen in Bayern, Württem­berg und Baden zu erinnern. Gestützt auf diese starke nationale Bewegung konnte Preußen Ein­spruch erheben und auf die erste amtliche Mit­theilung des Königs der Niederlande mit dem Verlangen erwidern, daß zunächst die Unterzeichner des Vertrages von 1839 befragt werden sollten. Während von Seiten der Mächte eine Reihe von Vermittelungsvorschlägen gemacht wurden, welche darauf hinausliefen, einen Ersatz für das Auf­geben des preußischen Garnisonrechts ausfindig zu machen, begann Frankreich zu rüsten und schon M der Augenblick unmittelbar herangekommen, in welchem Deutschland sich im Interesse seinerSicher- heit zu Gegenmaßnahmen gezwungen gesehen hätte, als auf Vorschlag Rußlands und auf Einladung des Königs der Niederlande eine Conferenz der Unterzeichner des Vertrages von 1839 unter Zuziehung Italiens und Belgiens in London zusammentrat, welche nach fünf Sitzungen am 11. Mai einen Neutralitätsvertrag zu Stande brächte. Der neue Vertrag besagte, daß der König-Großherzog die Bande aufrecht erhalten wolle, welche das Großherzogthum an das HauS Nassau-Oranien knüpfen und daß ebenso die Erb­rechte der Agnaten dieses Hauses erhalten bleiben. Laut Artikel H soll das Großherzogthum fortan für immer einen neutralen Staat unter der Collectiv-Garantie aller Mächte bilden; die fol­genden Artikel beschäftigen sich mit der Schleifung der Festung, dem Abzug der preußischen Gar­nison u. f. w. Damit war die Ursache eines Conflicts zwischen Deutschland und Frankreich beseitigt, Luxemburg gab sich im Jahre 1868 eine diesem neuen völkerrechtlichen Verhältniß

wurde es als selbstständiges Staatengebilde er­richtet, welches Mitglied des deutschen Bundes sein und mit dem Königreich der Niederlande durch das Haus Nassau-Oranien verbunden sein sollte. Preußen erhielt in der aus Mitteln des deutschen Bundes errichteten Festung Luxemburg das Besetzungsrecht Namens des Bundes. In Folge der belgischen Revolution von 1830 trennte sich der größte Theil des Landes ab und ward im Jahre 1839 seitens der Großmächte als integrirender Theil des Königreichs Belgien an­erkannt, in welchem dieses Stück luxemburgischen Landes die belgische Provinz gleichen Namens bildet. Der verbleibende Theil des Herzogthums behielt die preußische Garnison in der Hauptstadt und trat später in den deutschen Zollverein ein. Nachdem durch die Ereignisse des Jahres 1866 das politische Band des deutschen Bundes auf­gelöst und Luxemburg thatsächlich aus demselben ausgeschieden war, der Eintritt des König-Groß- Herzogs in den Norddeutschen Bund aber weder von Holland gewünscht noch in Berlin als den deutschen Interessen dienlich erachtet wurde, be­gann zu Anfang des Jahres 1867 die Regierung Napoleons III. Verhandlungen mit dem König der Niederlande über die Abtretung des Groß­herzogthums an Frankreich, mit welchem es durch die Sprache und die Sympathieen seiner Be­wohner verbunden sei. Von den ca. 214000 Ein­wohnern bedienen sich thatsächlich 3—4000 der französischen Sprache als Umgangssprache, aber es hatte im Jahre 1847 die französische Ostbahn einen Vertrag mit der Regierung von Luxemburg über den Betrieb der dortigen Bahnen geschlossen, und da konnte denn freilich eine Einflußnahme dieser großen französischen Gesellschaft auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des kleinen Landes nicht ausbleiben. Als der luxemburger Handel in Deutschland bekannt wurde, rief er im Süden wie im Norden eine mächtige Bewegung hervor,

Sein Kind.

Novelle von A. von der Elbe,

, (Fortsetzung.)

Susanne fühlte sich heute Mittag außer Stande, zur Gasttafel hinunter zu gehen. Lange Zeit saß sie in Gedanken verloren, dasselbe immer wieder durchsinnend, nie zum Licht und guten Ende kommend, In ihrem Zimmer. Manchmal war sie dazwischen aufgesprungen, war auf und ab gegangen, hatte mrsucht sich zu beschäftigen, aber alles um­sonst. Sie konnte nie Paul Holthauers Gattin werden, denn sie ertrug den Mangel seiner Liebe nicht, sie würde stets eifersüchtig auf das Kind sein, um dessen willen er sich mit ihr verband. Am Nachmittage litt es sie nicht mehr im engen Zimmer. Vielleicht daß sich ihr draußen in der schönen Gotteswelt Herz und Sinn klärten. Als sie im Begriff stand, ihre Stube zu verlassen wurde ihr ein Brief überbracht, der Umschlag war offen, er enthielt ein großes, festes Blatt mit reichem Golddruck. Susannes traurige Miene er­heiterte sich indem sie las:

Die Verlobung unserer Tochter Adele mit dem Herrn Herbert von Wegener, Premierlieutenant und Adjutant im x. Infanterie-Regiment Nr. 00 beehren wir uns hiermit ergebenft anzuzeigen.

Montreux im Januar 1888.

Geheimer Regierung-rath Gubitz und Frau aus Berlin.

Nun wird ja da- zarte Adelchen selig sein, dachte

Sssann«, Und erd — Vermutlich auch. Er er­

kennt seine früheren Empfindungen als Irrthümer und Thorheiten und beglückwünscht sich über diese Wendung seines Geschicks. Er, der auf seine treue Liebe schwor und die Ablehnung derselben als grausame Kränkung empfand. Ist denn jedes Menschenherz so wankelmüthig und dem Augenblicke Unterthan? — Aber welch ein Gottessegen, wenn es so ist? Man käme in diesem kurzen Erden- leben noch viel weniger - zu etwas Ordentlichem, wenn die mildernde Zeit, das besänftigende Ver­gessen und neues Hoffen nicht wären. Emanuel Ge>bel sagt freilich in einem schönen Spruch:

„Das tst's, was an dem Menschenherz

Mich oftmals läßt verzagen,

Daß es die Freude und den Schmerz

Vergißt in wenig Tagen.

Und ist ein Leid, um das eS weint

Dem Herzen noch so heilig,

Der Vogel singt, die Sonne scheint,

Vergessen ist es eilig." A k ,

Aber Geibel hat unrecht, wir sollen Gott danken für die Fähigkeit, überwinden zu können. Ob auch ich dereinst mit ruhigem Gleichmuth an mein jetziges Weh denken werde? Gewiß! Und was ich dereinst kann, warum aus festem Willen nicht jetzt? Man muß sich zu bezwingen suchen. Sie biß mit festem Entschluß die Zähne zusammen, legte die Verlobung-anzeige zur Seite und verließ ihr Zimmer.

Auf der großen Freitreppe vor dem Hotel wurde sie von mehreren Bekannten angeredet, man forderte sie auf, da sie doch allein st eine yahrt nach

Schwyz und in's romantische Muottathal mitzu- machen. Sie dankle, sie fei nur von ihres Vaters Ausflug zurückgeblieben, weil sie nicht ganz wohl sei und Ruhe brauche.

„Nicht ganz wohl, Fräulein Lenz?" fragte eine Stimme, die ihr Herz erbeben machte, „wollen St« sich mir nicht anvertrauen?"

„Ich danke Ihnen, Herr Doktor," entgegnete sie, sich zusammennehmend, „die Partien sind mir in Dieser Zeit etwas zu viel geworden, das ist alles. Ein ruhiger Spaztergang wird mich Hersteller».* Sie hatte eS nicht gewagt, ihn dabei anzusehen und mochte ihm wohl sehr kühl und ablehnend vorkommen.

„Die Rollen hat den Jungen auf die Axenstraße h'mausgefahren," sagte er nichts destowentger milde, „vielleicht ist es Ihnen ein angenehme- AuSruhen, sich dort anzuschließen."

„Und wir fahren nach Tellskapelle, thun wir nicht, Mr. Holthauer?" fragte Miß Kate, die in ihrem hübschen Matrosenkleide neben «hm stand und mit einem flehenden Blick ihrer sanften Augen zu ihm aussah. „O bitte, kommen sie mit, 14 würde lieben, Sie noch einmal zu rudern!"

„Gewiß, gewiß, mit Vergnügen," antwortete er und ließ sich von dem hübschen Geschöpf, daS sich an seinen Arm gehängt hatte, fortziehen. Der Professor folgte, und Susanne sah die kleine Ge­sellschaft, zu deren Dienst ein Schiffer herbeieilte, an der Waffertreppe der Terraffe ihren Kahn er­warten,

Sie chluK in derselben Richtung die jene nehmest

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