Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, BbonnementspreiS: vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl.

Postausschlag.

Die Jnsertionkgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg, im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Hclsfcsi>cl Kreisblett.

__________Mit wöchentlicher Kratts-AeilageIllukrirtes Nuterhattungsökatt".__________

Nr. 40. Dienstag den 2. April 1889.

Aöonnements-Ginladung.

Bestellungen auf das

HersfeLder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro II Quartal werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträ­gern und von der Expedition angenommen.

AwMchrs.

Hersfeld, den 28. März 1889.

Zur Vornahme des diesjährigen Ersatz-Ge- schäfts für den Kreis Hersfeld sind folgende Termine bestimmt worden:

Montag den 6, Mai d. I.

von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichugen aus der Stadt Hersfeld und den Landgemeinden Allmershausen mit Hälgans, Aua, Liebebach, LingarteS, Elch- hof, Eltra, Friedlos, EllterSborf HeeneS, Hil- perhausen, Kalkobes, Kathus, Kohlhausen, Meck- bach, Mecklar und Metsebach.

Dienstag den 7. Mai d. J.

von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Land­gemeinden ObergeiS, Oberhaun, Oberrode, Peters­berg, Reitos, Rohrbach, Roßbach, Rolensee, Sieglos, Sorga, Tann, Untergeis, Unterhaun, Wilhelmshof, Wippershain, Niederaula, Allen- dorf, Asbach, Leiershausen, Engelbach, Frte» lingen, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode, Hattenbach, Heddersborf und Holzyeim.

Mittwoch den 8. Mai d. I.

von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Land-

Sein Kind.

Novelle von A. von der Elbe, (Fortsetzung.)

Der Doktor hatte ihr gedankt, daß sie sich der Seinen freundlich angenommen; dann hatte die alte Dame sie unter den Arm gefaßt und gebeten, ihr auch hier mit Rath und That beizustehen. Während sie gingen, erzählte die Holthauer:

»Als mein Sohn kam, ließ ich ihm keine Ruhe, ich sprach nur von Ihnen. Ich sagte ihm, wie ich glaube, daß Sie das einzige Wesen aus der Welt seien, welches unserm Paul wohlthun könne, und daß ich nur von Ihrer Güte noch etwas für unser armes Herzenskind hoffe. Da sagte er: Mutter, so laß uns hingehen, wo Deine junge Freundin lebt, vielleicht erbarmt sie sich zum zweiten Male unseres unglücklichen Liebl-ngs und hilft ihm, ärztliche Kunst ist ja doch bet ihm am Ende. Für mich ist eS gleichviel, wo wir uns aufhalten. Ich war froh, ich hoffte wieder; wir reisten heute früh ab und da find wir!"

»Möchten Sie sich hier zufrieden sühlen," ant­wortete Susanne, mühsam zur Selbstbeherrschung gelangend.

Dann verwickelten die praktischen Fragen über Wohnung und bequeme Lebeoseinrichtung alle in einen unbefangenen Verkehr, bet dem Susanne all­mählich ihre alte Freiheit des Wesen- zurückgewann; dem Doktor in die Augen zu sehen, hütete sie sich aber noch immer.

Die beiden Frauen mit dem Kinde wurden in

I gemeinden Kemmerode, Kerspenhausen, Kirch- I heim, Kleba, Kruspis, Mengshausen, Niederjossa, Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode, Solms, Stärklos, Willingshain, Friedewald, Bengen- dorf, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen und Kleinensee.

Donnerstag den 9. Mai d. J.

von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Land­gemeinden Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Widdershausen, Wölfershausen und sämmtlichen Gemeinden rc. des Amtsgerichtsbezirks Schenk- lengsfeld.

Freitag den 10* Mai d. I.

von Morgens präcis 8 Uhr ab Loosung und Classification derjenigen Mannschaften der Reserve und Landwehr und Ersatz-Reserve, welche wegen häuslicher, gewerb­licher oder Familien-Verhältnisse eine Zurück­stellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen woll-m. (§ 123 der Wehr­ordnung vom 22. November 1888).

Das Ersatz-Geschäft wird, wie bisher, im hiesigen städtischen Rathhause vor­genommen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des Kreises selbstverständlich auch die Herren Gutsvorsteher werden ange­wiesen :

1) die militairpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. und zwar:

a. die in der Zeit vom 1. Januar bis ein­schließlich den 31. Dezember 1869 ge­borenen, soweit sie nicht bereits in das Militair eingestellt sind oder einen Aus- stand erhalten haben,

b. die in den Jahren 1868, 1867, 1866 oder früher geborenen, welche in den Er­satz-Geschäften des vorigen Jahres zurück-

der Dependance, einem im Garten gelegenen be­scheideneren Hause, gut untergebracht. Für den Doktor erschien es zweckmäßiger, im Hauptgebäude zu wohnen. Vielleicht dachten alle, ohne es auszu- sprechen, daß Susannes unbefangener Verkehr mit dem Kinde, den man doch |o sehr wünschte, dadurch erleichtert werden würde.

Holthauer selbst erzählte, daß er unterwegs mit einem interessanten englischen Gelehrten zusammen getroffen sei, der eben eine ganz ähnliche missen- schaitliche Arbeit unter der Feder habe wie er, daß er gern zu regem Verkehr und Austausch tu der Nähe des Dir. Harris sein Zimmer bestellen wolle.

Mit einem ganz eigenen, fast scheuen Gefühl nahm Susanne, während die Nolten auspackte und die Großmutter neben ihr im Sopha fitzend plauderte, ihr Paulchen auf den Schooß und au ihr Herz. Das arme, geliebte Lämmchen, es durfte doch nichts Fremdes zwischen sie und ihn treten. Wie thöricht ihre Scheu, ihr Befremden! Es war doch garnichts Seltenes oder gar Unerhörtes, daß ein Kind im Auge und Blick Aehnltchkett mit dem Vater hatte. Wie ste nur davon so ergriffen und verstört sein konnte!

Susanne begann wie sonst mit ihrem Lieblinge zu kosen, er schien aber müde von der Reise, und einen Fortschritt konnte sie in dem schlaffen, ge­brochenen Wesen des Kindes zu ihrem großen Herze­leid nicht wahrnehmen. 3lun vielleicht würde es ihr wieder glücken, ihn zu beleben.

Zur Abendtafel erschienen die HolthauerS mit

gestellt, überzählig geblieben, oder gar nicht erschienen sind, und demnach über ihr Militairverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, zu den vor­bezeichneten Musterungsterminen vorzu- laden.

2) dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine Zurückstellung bezw. Befreiung vom Militärdienst beansprucht wird, sich im Musterungstermine ebenfalls einfinden,

3) in den Terminen sich persönlich einzu- finden, oder im Falle einer Verhinderung dafür zu sorgen, daß der Vicebürgermeister anwesend ist.

4) für die rechtzeitige Gestellung der Militair­pflichtigen 2C. zum Ersatz-Geschäft Sorge zu tragen und denselben ausdrücklich zu er­öffnen, daß sie mit sauberem Körper undreinerWäschezu erscheinenhaben. Mtlitairpflichtige. welche ohne genü­genden EnHchuldiguÄLsgruud im Muste­rungstermin nicht erscheinen oder bei Ausrufung ihrerNamen imMusterungs« lokale nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu 3 Tagen bestraft; außerdem können ihnen die Vortheile der Loosung ent­zogen werden. Ist die Versäumniß in böswilliger Absicht oder wiederholt er­folgt, so kann die alsbaldige Ein­ziehung zum Militärdienst als unsichere Heerespflichtige erfolgen.

Reklamationen Militairpflichtiger um Zu­rückstellung bezw. Befreiung vom Militairdienst, oder von Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung des Heeres, sind schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstande anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige

ihren englischen Reisegefährten, Mr. Harris und seiner Tochter. Die Neuangekommenen erhielten am nächsten Tische einen von Lenzes entfernten, aber für Susannes scharfe Augen gut zu über­blickenden Platz.

Jetzt erst wagte sie es, den Doktor Holthauer genauer anzusehen. Es war ein großer, kräftig gebauter Mann in Mitte der Dreißig. Seine vor­geneigte Haltung gab ihm etwas Sinnendes, der Ausdruck seines bräunlichen, bleichen, von dunklem Vollbart umrahmten Gesichts war ernst, manchmal sogar traurig. Da er den Kops geneigt hielt, kam sein Blick etwas von unten herauf, genau wie bet seinem Kinde. In dem klaren, hellbraunen Auge lag eine Welt von Gedanken und Innigkeit; selbst aus der Entfernung fühlte Susanne den Eindruck dieses Bl-cks.

Der alte Engländer, offenbar ein Gentleman, sah fein und würdig aus. Ein paar wohlgepflegte graue Bartkoteletten zogen stch an seinen frisch rothen Wangen herab. Seine blauen Augen leuchteten von Gesundheit und Geist, und selbst wenn er schwieg, traten zwischen den vollen Lippen einige kräftige weiße Zähne hervor.

Die Tochter war ein ganz junges, sehr schöne- Mädchen. Sie trug ihr Haar wie die Söhne Eduard's aus dem bekannten Bilde von Delaroche, über der Stirn kurz und gerade verschnitten und auf den Seilen voll und natürlich bis zur Schulter herab wallend, es war von leichtem Flachsblond und umgab ein volles, reizend gefärbtes Gefichtchen mit lachenden Blauaugen, Grübchen und sehr stch;«