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Hersscliltl Kreisdllltt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „IlluSrirtes AnterhattungsölaLL".__________
Nr. 33. Sonnadend dm16. Mrz 1889.
Amtliches.
Vom 1. April dieses Jahres ab wird bei dem Bezirkskommando Hersfeld ein Hauptmeldeamt / errichtet.
Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes ; haben daher von da ab alle schriftlichen Meldungen und dienstlichen Gesuche an das Hauptmeldeamt in Hersfeld unter der Adresse:
„An das Hauptmeldeamt des Königlichen Bezirkskommandos in Hersfeld, obere Frauenstraße 199" ^
zu richten.
Mündliche Meldungen können in der Zeit von Vormittags 8‘/2—12 und Nachmittags von 2*/2—6 Uhr daselbst angebracht werden.
Bezirkskommando Hersfeld.
* * *
Hersfelv, den 8. März 1889.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden hierdurch angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Ge f meinden wiederholt auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß und namentlich zur Kenntniß der Mannschaften des Beurlaubten- standes zu bringen.
> 2393. Der Königliche Landrath
x Freiherr von Schleinitz.__ Hersfeld, den 14. März 1889.
Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 11. Februar 1873 (Kreisblatt Nr. 13) betreffend die Vertilgung der Raupennester, werden hierdurch die Ortsvorstände des Kreises aufgefordert, die gehörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu überwachen und gegen jeden Nachlässigen milden den Ortspolizeiverwaltungen zustehenden Mitteln vorzugehen resp. < dem Polizeianwalt zwecks der gerichtlichen Bestrafung nach §. 368, 2 des Strafgesetzbuches zur Anzeige zu bringen.
Die Königliche Gendarmerie wird thun, was «ihre Pflicht ist.
S Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister den Auftrag, für thunlichste Verbreitung der gier unter abgedruckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweißlinge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohlweiß- Klinge gezahlt werden.
2601. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
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Die Vertilgung der Kohlweißlinge.
8 Jeder Landwirth und Gartenbesitzer kennt den großen - Schaden, welchen die Raupen der Kohlweißlinge an den verschiedenen Kohlarten in Feldern und Gärten anricbten.
3 Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel verschmähen fast ausnahmslos gerade diejenige» des Kohlweißlings. Das Geschäft der Raupenvertilgung bleibt des- ^jd vorzugsweise der menschlichen Thätigkeit überlassen. Diese vermag das Uebel auch zu bezwingen, wenn sie nur 1"berall und zur rechten Zeit unter Anwendung der richtigen littet eingreifen wollte.
Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. >ic hängen oft in großer Menge an Bäumen, Hecken, lauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum erschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.
Bald nachdem sich die Geschlechter gefunden, beginnt das Erlegen an der unteren Seite krcuzblüthiacr Gewächse Raps, Meerrettig re.) Nach 10 BiS14 Tagen schlüpfen die aupchcn aus und beginne» an den sie beherbergenden lewächse ihre zerstörende Thätigkeit. Nach viermaliger aMung, welche innerhalb 4 Wochen bewerkstelligt wird, sie ausgewachsen und jetzt verpuppen sie sich an den >en naher bezeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem strpupfm erscheint der Schmetterlinz. 8
Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen I und es beginnt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schmetterlinge legen ihre Eier und die aus diesen | auskriechenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Verpuppe». Die Raupen dieser zweiten Generation sind es, welche in warmen, mehr trocknen als feuchten Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermöge».
Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vorgenommen werden, so muß diese sich erstrecken
1) auf das wiederholte Aufsuchen und Zerdrücken der Eier welche sich, wie gesagt, auf der unteren Seite der kohl- artigen Gewächse und stets in größerer Zahl auf einer kleinen Fläche vorfinden.
2) auf das Einsammeln und Vernichten der Puppen während der Wintermonate besonders während des Januars und Februars und ganz besonders
3) auf das Fangen der der ersten Generation angehörenden Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vorsommer fliegen. ~
Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandene» Massen dieser Generation gar nicht bewältigt werden können.
Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen im Winter vernichtet und die„weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation ein fängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel angegriffen und im Keime erstickt.
Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Den Männchen fehlen dieselben.
Das Wegfangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Einmal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühling nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbeschäftigung der Jugend. Schaffe nur jeder Landwirth und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Einlieferung einer gewissen Anzahl dieser FrühlingsschmetterlingePrämien aus. Es würde sich ohne Zweifel selbst lohnen, Tagelöhner mit dem Einfängen der Schmetterlinge zu betrauen.
Stadt- und Landgemeinden und die landwirthschaftlichen Vereine sollten die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl ! angemessen prämiiren. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Jnsects bald Herr werden.
Gefunden: eine Petroleumflasche mit Inhalt. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Oberngeis.
Uoütische Nachrichten.
(Deutschland.) Am Donnerstag Vormittag hatte Se. Majestät der Kaiser und König, in Begleitung des Flügel- Adjutanten vom Dienst, wieder eine kürzere Ausfahrt unternommen und gelegentlich derselben das Atelier des Professors von Werner besucht. Auf der Rückfahrt zur Stadt und nach dem Königl. Schlosse begaben sich Se. Majestät der Kaiser und König bann auch noch zum Staatssekretär des Aeußeren, Staatsminister Grafen Herbert Bismarck, wo Allerhöchstdieselben ebenfalls noch einige Zeit verweilten. — Nach dem Königlichen Schlosse zurückgekehrt, arbeitete Se. Majestät der Kaiser und König längere Zeit mit dem Kriegsminister General der Infanterie Bronsart von Schellendorff und dem Chef des Militär-Cabinets General-Lieutenant und General-Adjutant von Hahnke und nahm einige Vorträge entgegen.
Der „Reichöanzeiger" veröffentlicht die EabmetSordre Sr. Majestät des Kaisers an den Generalfeldmarschall Grafen Moltke anläßlich seines siebenzigjährigen Dienstjubiläum»:
Mein lieber General-Feldmarschall! Sie wollen heute den Tag in stiller Zurückgezogenheit begehen, au welchem Sie auf eine vollendete 70jährige Dienstlaufbahn zurückblicken. Wie Wenigen ward dies der Zeit nach vergönnt, und wessen Laufbahn gliche der Ihrigen! ? Was Sie in den vergangenen 70 Jahren für die Größe meines Hauses, für Preußen und Deutschland gethan und geleistet, darf Ich hier nicht wiederholen; die ganze Welt weiß davon und die Geschichte bewahrt es für alle Zeiten. Das aber lassen Sie Mich aussprechen, wie mit Mir ganz Deutschland es als eine besondere Gnade Gottes dankbar preist, daß Er Sie bis heut unter uns belassen hat; möge es dem Allmächtigen gefallen, Sie Mir und dein Vaterlande noch ferner in bisheriger Kraft und Frische zu erhalte». Gleich Meinen nun in Gott ruhenden Vätern trage Ich im tiefsten Herzen die Dankesschuld gegen Sie; wollen Sie es deshalb als den Ausdruck Meiner warmen innigen Empfindungen auffassen, wenn Ich Sie bitte, am gütigen Hrdrilki und Ehrentag Mein« Nsth in Pro»^
freundlichst entgegenzunehmen. Berlin, den 8. März 1889. Ihr Ihnen herzlich ergebener dankbarer König Wilhelm R.
Generalfeldmarschall Graf Moltke hat Sr, K. Hoheit dem Großherzog von Baden in einem Schreiben seinen Dank ausgesprochen für die ihm anläßlich seines 70jährigen Dienstjubiläums verliehene hohe Ordensauszeichnung, welche für ihn doppelten Werth gewinne aus der Hand eines Fürsten, der so wesentlich und erfolgreich für die Einigung der deutschen Nation gewirkt habe.
Am Dienstag Nachmittag 2 Uhr fand im Reichstagsgebäude unter Vorsitz des Reichskanzlers Fürsten Bismarck eine Sitzung des preußischen StaatSmimsleriums statt.
In einer brieflichen Mittheilung an die „Nordd. Allg. Ztg.", d. d. Sansibar, 11. Februar, heißt es: „Seit den Gefechten vom Januar sind an der ostafrikanischen Küste Ereignisse von Bedeutung nicht vorgefallen. In Bagamoyo fand am 3. d. M. ein kleines Patrouillen- gefecht statt, indem eine von der katholischen Missionsstation unter Führung eines Gesellschastsangestellten zurückkehrende Abtheilung schwarzer ASkaris von den Aufständischen angegriffen wurde. Das Gefecht wurde fortgeführt, bis aus dem Stationöhause der Gesellschaft Hülfe geschickt wurde und der Rückzug in geordneter Weise erfolgte. Europäer wurden nicht verletzt, ein Gesellschaftsastari blieb todt, ein zweiter erhielt eine Verwundung, während die.Rebellen sechs Todte und mehrere Verwundete hgtt-en.. — Um den Rebellen die Zufuhr von Lebensmitteln äbzuschneiden, hat Admiral Deinhard die Einfuhr aller Lebensmittel nach der Küste von ■ Mohogoni, südlich von Dar-es-Salam bis Saadami verboten. — In Dar-es-Salam ist seit dem erfolgreichen Gefechte am 26. Januar Alles ruhig geblieben. Die Verluste der Araber an jenem Tage sind geradezu vernichtende gewesen, indem auch die meisten Verwundeten nach einigen Tagen ihren Wunden erlegen sind. Anscheinend ist der Aufstand im Niedergang begriffen; diejenigen, welche ant Leben geblieben, haben sich still verzogen und von einem Lager ist in der Umgegend keine Spur mehr entdeckt worden. — Die Ruhepause soll benutzt »erben, um das Stationsgebäude der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft durch Anbau mehrerer Bastionen in einen besseren Stand zu setzen und es, wie in Bagamoyo geschehen, in eine kleine Festung zu verwandeln,. die ohne Geschütze uneinnehmbar wirb."
Die Nachricht pon einem Besuch in Constantinopel, den der Kaiser nach den HochzeitSfeierlichkeiten in Athen dem Sultan abstatten werde, wird in unterrichteten Kreisen als unbegründet bezeichnet.
>Die Abreise des Dr. PeterS, des Führers der Emin-Pascha-Expedition, aus Alexandrien nach Aden wird dem Reuter'schen Bureau unterm 14. b. Mts. gemeldet.
Die Freigabe der gefangenen deutschen katholischen Missionare ist nach Londoner Mittheilungen erfolgt gegen ein Löse- geld von 6000 Rupien (etwa 12 000 Mk.) und der Auslieferung von sechs von der „Leipzig" gefangenen Arabern.
Der Reichstags-Abgeordnete für Metz, Antoine, Protestler, hat sein Mandat niedergelegt.
(Frankreich.) Das Ministerium Tirard macht in dem Kampfe gegen den Bonlangismus, bezw. gegen die im Dienste Boulangers stehende Patriotenliga, von allen Mitteln Gebrauch, welche das Gesetz ihm irgend gewährt. — Am Mittwoch Vormittag veranstaltete die Polizei in PariS und dessen Umgebung bei den Häuptern und BezirkSvorstehern der Patriotenliga gegen 60 Haussuchungen, die jedoch, wie es heißt, resultatloS verlaufen sein sollen. Wegen Widersetzlichkeit wurde ein Elsässer Namens Fritzsche verhaftet. — Znr boulangistischen Gefahr gesellt sich in Frankreich nun auch noch die sozialistische in Folge der Strikebewegung im 9kord- Departement. Dieselbe nimmt immer größere Ausdehnung an. Elf Spinnereien mit 16,000 Arbeitern feiern. Man muß jeden Augenblick auf den AuSbruch von Arbeiter- unruhen gefaßt sein.' Der Präfeki reiste in aller Eile nach Armentieres ab, wohin auch ein Bataillon des 43. Infanterieregiments als Verstärkung abging. — Das Ministerium Tirard hat am Mittwoch eins seiner Mitglieder durch den Tod verloren. Wie nämlich ein Pariser Telegramm berichtet, machte ein Schlagfluß dem Leben des Marineministers Jaurbs ein Ende.
(H o 11 a n b.) Nach Feststellung der Professors Rosenstein und der behandelnden Aerzte ist der Zustand des KönigS W i l h e I m wenig verändert; die leichten Symptome einer Blutvergiftung sind, obwohl vermindert, immer noch vorhanden. — Großes Aufsehen ruft die aus Batavia nach Amsterdam gekommene Nachricht hervor, daß 107 Eingeborene, welche wegen Theilnahme an dem letzten Aufstand in der Provinz Bantam thatsächlich h i n g e r i ch t c t werden sollen. Der Gouverneur soll beabsichtigen, durch die Massm-HinrithtunA «in «b,H;sck«ndeS V«ispi«l aufjujieUen. Dir Misch« »i« bis