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Hcrsftiiikl Kreisbllltt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIssukrirLes AnterhaltungsötaLL".

Nr. 31.

Dienstag den 12. März

1889.

Amtliches.

Des Königs Majestät haben mittelst Aller­höchsten Erlasses vom Uten d. Mts. dem Comit6 für den Zuchtmarkt für edlere Pferde zu Neu- brandenburg im Großherzogthum Mecklenburg- Strelitz die Erlaubniß zu ertheilen geruht, Loose zu der mit Genehmigung der Großherzoglichen Landesregierung bei Gelegenheit des diesjährigen : Züchtmarktes zu veranstaltenden Ausspielung von Pferden, Equipagen, Reit-, Fahr- und Stall- utensilien auch im diesseitigen Staatsgebiete zu vertreiben.

Indem ich die Verwaltungs- und Polizeibe­hörden des Bezirks hiervon in Kenntniß setze, veranlasse ich dieselben zugleich, dafür zu sorgen, daß der Vertrieb der betreffenden Loose inner- halb ihres Verwaltungsbezirks nicht beanstandet wird. Cassel am 28. Februar 1889.

Der Regierungs-Präsident.

I. V.: Schwarzenberg.

Des Königs Majestät Habest mittelst Aller­höchsten Erlasses vom 18ten d. Mts. dem Vor­stände der ständigen Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe zu Weimar noch einmal die Er­laubniß zu ertheilen geruht, Loose zu der mit Genehmigung der Großherzoglich Sächsischen Staatsregierung im Laufe dieses Jahres wiederum zu veranstaltenden Ausspielung von Gegenständen der Kunst und des Kunstgewerbes auch im dies- - fettigen Staatsgebiete zu vertreiben.

Die Zahl der Loose beträgt 400000 ä 1 Mark s und es kommen 6700 Gewinne im Werthe von 200000 Mark zur Verloosung. Die erste Ziehung findet vom 15. bis 17. Juni, die zweite vom 14. bis 17. December d. I. statt. Die Gewinne bestehen aus Gegenständen der Kunst und des Kunstgewerbes.

Die unterstellten Polizeibehörden werden hier­von mit der Aufforderung in Kenntniß gesetzt, E«--'K!»^.--SS ............1im..

Feuerhanne.

Eine Dorfgeschichte auS dem badischen Schwarzwald. Von H. M.

(Schluß.)

.Hätt' ich nit so arge Furcht vor dem Zucht­haus/ las der Amtmann weiter, «ich sagt' heut' noch alles, aber ich kann's nit übers Herz bringe», mich einsperr'a zu lassen, ich kann's nit! Auf meinem Todtenbett' will ich's dem Brigittele sagen, wo ich das Kästle versteckt hab'. Der Sonne vermach' ich hundert Kronthaler. Das Mädel wtrd's schon überwinden und: Geld heilt jede Wund' aus der Welt.

Der Amtmann legte das Papier vor Reb aus den Tisch und sah über die Brille weg daS Mäd­chen an.

Seit Amtmann/ sagte Hanne, und ihre Stimme bebte merklich,nit wahr, Sie Hätten's auch nit 'glaubt, daß es so schlechte Kerl' auf der Welt gäh', wie der Subertbauer einer war. Weiß Gott, ; wenn ich ihn da eben vor mir hält', ich thät' aus ihn eindreschen, bis er kein Glied mehr rühren könnt'. Da hab' ich im Zuchthaus g'sessen und bin von aller Welt scheel ang'seh'n worden, und I er hat sich derweil im Fett g'wälzt und jeder hat den Hut vor ihm g'zogenl Ist das die G'rechlig- keit, von der sie schwatzen? Und wenn ich auch alles wiederkriegt', den guten Namen und die Ehr', dp Fleckte bleibt doch, den kann das G'richt^ nit so schnell wieder wegwaschen, wie es ihn hin- ß «ächt Han­

den Vertrieb der Loose im hiesigen Regierungs­bezirke nicht zu beanstanden.

Cassel am 28. Februar 1889.

Der Regierungs-Präsident.

I. V: Schwarzenberg.

Bekanntmachung.

Vom 1. April dieses Jahres ab wird bei dem Bezirkskommando Hersfeld ein Hauptmeldeamt errichtet.

Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes haben daher von da ab alle schriftlichen Mel­dungen und dienstlichen Gesuche an das Haupt­meldeamt in Hersfeld unter der Adresse:

An das Hauptmeldeamt des Königlichen Bezirkskommandos in Hersfeld, obere Frauenstraße 199"

zu richten.

Mündliche Meldungen können in der Zeit von Vormittags 8'/r12 mnd Nachmittags von 21/36 Uhr daselbst angebracht werden.

Bezirkskommando Hersfeld.

* * *

Hersfeld, den 8. März 1889.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden hierdurch angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Ge­meinden wiederholt auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß und namentlich zur Kenntniß der Mannschaften des Beurlaubten­standes zu bringen.

2393. Der Königliche Landrath ________________Freiherr von Schletnitz.

Hersfeld, den 8. März 1889.

Die am 22. Februar 1865 zu Friedewald geborene Christine Ringler hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

2448. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

Pfingstsonntag wurde die Hanne zum ersten Mal mit dem Joseph aufgeboten und etliche Wochen später feierten Re Hochzeit. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Der Stelzenpeter bot seine musikalischen Dienste unentgeltlich an, der Kronenwirth gab seinen großen Saal her, und die Kronenwirthin tischte auf, was Küche und Keller nur immer an eßbaren Schätzen bargen.

Bleib' doch da, du Narr/ sagte Re, die junge Frau in die Küche ziehend.Was wollt ihr nur drüben in dem Amerika, da ist's g'wtß nit halb so hübsch wie bet uns. Gieb acht: das Heimweh packt dich schon unterwegs/

Mach' mir das Herz nit schwer, Kronenwirthin. Kennst die G'schtcht nit von dem Vogel, dem Re alle Federn auSg'rupst hatten, bis er ganz kahl war. Die Federn wuchsen wieder, ihm aber schien es doch nimmer wie früher, als sei er noch kahl und müßt' sich schämen. Da flog er fort und baute sein Nest weit, weit drüben über dem großen Waffer. Guck, g'nau so geht's mir. Ich hab' jetzt auch wieder meinen guten Namen, aber weiß Gott! obschon ich mich nimmer zu verkrtegen brauch', mein' ich doch all'weil, ich müßt' mich noch schämen; und da flieg' ich fort und bau' mein Nest dort, wo mich niemand kennt/--

Am frühen Morgen brächte das Bauerwägele deS Kronenwirlhs das junge Ehepaar und das Brigittele mit seinen drei Kindern nach der nächsten Bahnstation. An Sellingen knüpften sich für die Hubertbäuerin zu schreckliche Erinnerungen. als bah sie hätt« bleiben mögen.

Aus dem Abgeordnetenhause.

Berlin, 8. März. DaS A b geordn etenh aui erledigte heute zunächst in dritter Berathung die Gesetz­entwürfe, betreffend die Heranziehung der Fabriken rc. mit Präzipualleistungen für den Wegebau in der Provinz Schlesien, betreffend die Errichtung einer Amtsgerichts in Herne, betreffend die Abänderung und Ergänzung einzelner, die Dienstvergehen der nicht richterlichen Beamten betreffen­den Gesetzesbestimmungen, sowie betreffend die Erleichterung der Abveräußerung einzelner Theile von Grundstücken in der Provinz Hannover in dritter Berathung ohne erhebliche Debatte. Dann folgte die dritte Berathung der Novelle zum Schullastenaesetze vom 14. Juni 1888. Nach längerer General- und Spezialdebatte, in welcher die nationallibe­ralen und freikonservativen Redner die Gründe dafür entwickelten, weshalb sie jetzt der Regierungsvorlage zuzu- stimmen geneigt seien, wurde zunächst ein Antrag der konser­vativen Partei, in Nr. 1 des Artikels I der Beschlüsse zweiter Lesungfür die Stelle eines alleinstehenden sowie einer ersten ordentlichen Lehrers" statt 4S0 Mark zu setzen: 500 Mark", in namentlicher Abstimmung mit 239 gegen 114 Stimmen angenommen. Dann wurde der übrige Theil des konservativen AntrageS: in No. 2 für die Stelle eines ordentlichen Lehrers und einer ordentlichen Lehrerin statt 350 bezw. 250 Mark zu setzen:300 bezw, 150 Mark", sowie der Rest der Borlage uns schließlich der Gesetzent­wurf im Ganzen mit Majorität angenommen. Es wurde demnächst die Berathung des Etats der Kultusministeriums bei dem Titel 27 Kapitel i2l (Elementarschulwesen) fort­gesetzt. Dieser Titel wirft für Besoldungen Zuschüffe für Lehrer, Lehrerinnen, insbesondere auch zur Gewährung zeitweiliger Gehaltszulagen für ältere Lehrer, sowie zu Unterstützungen 13 070 559 Mark (312 958 Mark mehr alS im Vorjahre) aus. Die Budgetkommission beantragt die Bewilligung, aber gleichzeitig schlägt sie dem Hause eine Resolution vor, worin die Regierung ersucht wird, für die Zukunft eine Spezialisirung dieses Titels vorzunehmen. Ferner liegt von dem Sbg. Rickert ein Antrag vor, welcher diese Spezialisirung schon im gegenwärtigen Etat vor­nehmen will. In der heutigen Sitzung wurde die Be­rathung über diese Frage indeß noch nicht zu Ende ge­führt. Nachdem der «bg. Rickert (d-utjchsreis.) wieder­holt, sowie die Abgg. Frhr. v. Zedlitz-Reukirch und Krah (Ireikons) sich zur Sache geäußert, wurde die weitere Be­rathung auf Montag vertagt.

Droben vom Kirchberg blickten alle noch einmal zurück.

Bläulicher Sanft verschleierte die Berge, frisch grün leuchteten die Wiesen, und da ... da unter­schied Hanne deutlich das Strohdach ihrer elter­lichen Hütte, die jetzt einem anderen gehörte.

Vorüber---vorüber---

Rasch gtng's thalabwärts. Hinter dem Hügel verschwand das heimathliche Dorf, in seiner morgen- frischen Schönheit unauslöschlich den Herzen der Auswanderer eingeprägt.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Scin Kind.

Novelle von A. von der Elbe.

Motto: Es springt die Knospe im Sonnenlicht, Die Schwesternknospe trifft es nicht, Doch strahlt die Gluth in den Kelch hinein. Erblüht auch diese dem Sonnenschein.

Manch Herz in stiller, verschlossener Art, Hat sich vor Liebe scheu gewahrt, Da trifft ein Blick es, ein einziger Blick, Erschlossen ist er dem Liebesglück.

Auf der Gartenterraffe einer der großen Pensionen in Montreux am Genier See gingen nach dem späten Diner verschiedene Gäste lustwandelnd auf und ab.

ES war ein warmer Frühlingsabend; die Platanen, welche ihre breitgezogenen Reste über die Terrasse ausstreckten, trieben die ersten hellgrünen Zweige. Hinter den sanften Linien des Jura im