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Hcrsfcliikl ^rcisMitt
Mit wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illustrirtes AnLerhaktungsötatt".
Nr. 30. Sonnabend den 9. März 1889.
Amtliches.
Hersfeld, den 7. März 1889.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver- fügung vom 31. Mai 1881 Nr. 6276 im Kreisblatt Nr. 45, den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Verbrauchsgegenständen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 15. d. Mts. bei Mei- dung von 3 M. Strafe erinnert.
2413. Der Königliche Landrath
____________Freiherr von Schleinttz.
Gefunden: 1 Pferdehalfter und 1 Bindekette. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Oberhaun.
Den Manen Kaiser Wilhelm'-1.
(Zum 9. ML^ 1889.)
Ein Jahr schon schläfst Du! Bei den stillen Särgen
Der Eltern hast zur Ruh' Du Dich gelegt, Du wolltest, wie Du es als Aind gepflegt, Dein müdes Haupt im Nutterschooße bergen.
Ein Jahr! Und wieder sich der Schmerz erneuet,
Der allgewaltig unser herz durchdrang, Als Dich, den Theuren, auch der Tod bezwäng — war doch Dein Leben wie von Gott gefeiet!
Doch was Du schufst, des neuen Reiches Schimmer,
Im Heldenkampf vereint mit Deinem Sohne, Es bleibt, der Welt ein Hort des Friedens, immer.
Und was das Volk an Dir bewunderte, Die schlichte Tugend auf dem Aaiserthrone, Sie glänzt mit Deinem Ruhm durch die Jahrhunderte!
Ed. Mund.
« Der neunte May.
Zum ersten Male kehrt der Tag wieder, an welchem unser großer Kaiser Wilhelm I. sein ehrwürdiges Haupt zur ewigen Ruhe gelegt und für immer dte Augen geschlossen hat, die so unablässig und so segensreich über Preußen und Deutschland gewacht haben. Noch empfinden wir unvermindert die Größe des Verlustes, welchen der 9. März des Vorjahres uns auferlegte, den Schmerz, welcher — wie unser regierender Herr es so schön und wahr ausgesprochen — bei dem lebenden Geschlechte nie ganz verlöschen wird. Noch klingt in unseren Herzen das Wort deS greisen Kaisers wieder, wenige Stunden zuvor gefallen, ehe sein Odem erlosch: „3dj habe keine Zeit müde zu sein," eS wird wiberhallen von Geschlecht zu Geschlecht, so lange es ein Deutschland und eine deutsche Geschichte gibt.
Seit jener Stunde, da die Wellenuhr still zu tehen schien, und alle Völker des Erdballes sich n einer wahrhaften Welttrauer mit uns zu- ammenfanden, sind ernst und schwer die Geschicke iber das Vaterland dahingerollt. Aber inmitten ihres Ernstes leuchtete nur um so Heller und glänzender der Bau auf, der sich über dem Sarge
unseres ersten Kaisers wölbt: der Bau der deutschen Einheit. Fürst Bismarck hat in den unvergeßlichen Worten, mit welchen er dem Reichstage das Hinscheiden Kaiser Wilhelms an- zeigte, hervorgehoben, daß der entschlafene Herrscher auf die Entwickelung, welche diese seine Lebensaufgabe genommen, mit einer Befriedigung zurückgeblickt habe, welche den Abend seines Lebens verschönt und beleuchtet hat. „Die seltene Einstimmigkeit aller deutschen Dynastien, aller verbündeten Regierungen, aller Stämme Deutschlands, aller Abtheilungen des Reichstags in der Sicherstellung des Reiches gegen jede Gefahr hin" hat den Kaiser noch sterbend mit großem Trost erfüllt und ihn am letzten Tage seines Lebens noch auf diesen Beweis der Einheit der Nation, der ihn erfreut und gestärkt hatte, Bezug nehmen lassen.
Ein frommer Volksglaube gönnt Sterbenden einen Blick in die Zukunft, um wievielmehr einem Monarchen, der durch die Lebensweisheit seines hohen Alters, seinen klaren schlichten Sinn und die Pflichttreue einer langen Regentenlaufbahn zu einem Blick in die Zukunft seines Volkes mit voller Urtheilskraft ausgestattet war. Die Einheit, die ihn sterbend mit Trost erfüllte, erfreute und stärkte, hat sich nach ihm in der schwersten Zeit, die dem jungen Reiche auferlegt worden, als echt und fest erwiesen: als unzerreißbares Band der deutschen Fürstenhäuser, Regierungen und Volksstämme. Was den Kaiser sterbend erhob, tröstet heute, am Jahrestage seines Hin- scheidens, sein Volk, das mit andachtsvollem Erinnern auf die seitdem durchlebte Zeit zurück- blickt, tröstet die Seinen, die sich heute zu stiller Gedächtnißfeier vereinen, tröstet vor Allem die ehrwürdige Kaiserin Augusta, welche ihr Leben einzig der Pflege eines so großen Andenkens gewidmet hat.
Inmitten der Kämpfe des Tages ist unserem deutschen Volke der 9. MäA ein Tag der Einkehr und der Sammlung. Wir hören im Geiste wieder die Glocken klagen, sehen die schwarzen Fahnen sich entfalten und die Blicke haften weh- muthsvoll auf dem verehrten Angesicht. Die Einheit der Trauer und der Erinnerung umfängt wieder die Herzen und sie gedenken der mit Kaiser Wilhelm dem Ersten in Glück und Unglück, in Leid und Freud, in Harren und Sieg durchlebten Jahre. Wir sehen wieder ihn ausziehen zum Kampf für die heiligsten Güter seines Volkes und heimkehren als den edlen, demüthigen, menschenfreundlichen Sieger, wir hören die Freudenklänge, die seinen achtzigsten und neunzigsten Geburtstag umbrausten, sehen sein mildes Greisenantlitz an dem Fenster, an welchem es nie mehr leuchten wird, und endlich den düstern Zug vorüberschreiten, der den im Leben Unbesiegten zur letzten Ruhe geleitete.
Ein Nationaldenkmal dem Begründer deS deutschen Reiches in seiner Hauptstadt zu errichten, haben die deutschen Fürsten und Stämme beschlossen und aller Reichthum der deutschen Kunst wird aufgeboten, dieses Denkmal würdig zu gestalten. Außer diesem werden sich noch Hunderte von Kaiser-Wilhelms-Denkmalen in den deutschen Landen erheben, in allen größeren Städten, an den Ufern des Rheines, auf dem Kyffhäuser und dem Hohenstaufen, in der von ihm zurückgewonnenen Reichs- und Grenzveste Metz Aber das schönste Denkmal wird das Denkmal der Liebe bleiben, das er selbst in Millionen Herzen sich aufgerichtet hat, ein Denk«
mal, welches sich forterben wird als ein heiliges Vermächtniß an sein Haus von Geschlecht zu Geschlecht. Dieses Denkmal in den Herzen wird die lebenden wie die kommenden Generationen immer von Neuem daran mahnen, das große Werk Kaiser Wilhelms, Deutschlands Einheit, treu zu bewahren, und wird für Jahrhunderte den Nachruf erneuern, welchen Fürst Bismarck am 9. März 1888 in das Buch der Geschichte unauslöschlich einschrieb: „Die heldenmüthige Tapferkeit, das nationale hochgespannteEhrgefühl und vor allen Dingen die treue arbeitsame Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes und die Liebe zum Vaterlands, die in unserm dahinge- schiedenen Herrn verkörpert war, mögen sie ein unzerstörbares Erb- theil unserer Nation sein, welches der aus unserer Mitte geschiedene Kaiser uns hinterlassen hat!"
Folitische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser ertheilte am Mittwoch Nachmittag dem bei der Kaiserlichen Gesandtschaft in Bern kommandirten Major von Weise die nachgesuchte Audienz. — Im Laufe des Donnerstag Vormittags arbeitete Se. Majestät der Kaiser zunächst längere Zeit allein, empfing darauf den Staatsminister Freiherr» von Lucius und konferirte später mit dem ! Kriegsminister General der Infanterie Bronsart von Schellendorff. Von Mittags ll3/4 Uhr ab arbeitete Se. Majestät der Kaiser mit dem Chef des Militär - Kabinets General - Lieutenant und GeneralAdjutant von Hahnke.
Se. Majestät der Kaiser wird der Trauerwoche wegen d:e Reise nach Danzig am 11. d. M. nicht unternehmen. Die Jubiläumsfeierlichkeit mich möglicherweise deshalb bis zur Beendigung der Trauerwoche verschoben werden.
Der greise Nestor deS deutschen Heeres, der ehrwürdige Generalfeldmarschall Graf Moltke, begeht heute, am 8. März, sein siebzigjähriges Militairdienstjubiläum. Der Feldmarschall ist bekanntlich am 26. Octbr. 1800 geboren, vollendet mithin im kommenden Herbst sein 89. Lebensjahr. Allgemein im Vaterlands ist die Freude, daß der verehrte Organisator der deutschen Siege die seltene militärische Feier in voller Rüstigkeit und Frische seines verehrungs- würdigen Alters herannahen steht, und ebenso allgemein ist die Genugthuung darüber, daß der Feldmarschall diesen Ehrentag im activen Verbände des Heeres begeht. Die ehrenvollen Worte, mit denen Kaiser Wilhelm im August v. J. das Abschiedsgesuch des treuen Dieners ablehnte und ihn an die Spitze des Landvertheidigungs- comitäS berief, werden bei diesem Anlaß erneut im ganzen Vaterlande wiederhallen, und überall wird sich daran der herzliche Wunsch knüpfen, den an so unermeßlichen Verdiensten reichen Feldherrn noch lange im Dienste des Vaterlandes zu sehen, dessen Dank ihm unauslöschlich gesichert bleibt.
Anläßlich der Wiederkehr des Sterbetages weiland Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm I. sind zum 9. März zwei prachtvolle silberne Lorbeerkränze mit silbernen Lorbeerblüthen aus Constantinopel und vom Cap der guten Hoffnung in Berlin eingelaufen um an diesem Tage am Sarkophags weiland Kaiser Wilhelm L nieder