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Hersselder Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Muterhaltungsblatt".

Nr. 28.

Dienstag dm 5. März

1889.

Avonnements-Kinladung.

Bestellungen auf das

HersfeLder KreisMatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage Mustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat M ä r z werden von allen Kaiserlich en Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Aus dem Abgeordnetenhause.

Berlin, 1. März. Im Abgeordnetenhaufe kam heute der Gesetzentwurf, betreffend die Ergänzung der Vollsfchul- lastengesetzeS, in zweiter Lesung zur Berathung. Die Regterungivorlage hatte im Artikel I vorgeschlagen, daß die Höhe de« au« der Staatitaste zu leistenden jährlichen Beitrag« zu dem Diensteinkommen der VolkSschullehrer fortan derartig bemessen werden solle, daß für die Stelle: 1) eine« alleinstehenden sowie eine« ersten ordentlichen Lehrer« 500 M., 2) eines anderen ordentlichen Lehrer« 800 M. gezahlt werden Dagegen gehen die Beschlüsse der Commission dahin, daß für die Stelle 1) eines allein­stehenden sowie eine« ersten ordentlichen Lehrer« 460 M., 3) eine« anderen ordentlichen Lehrer« 850 und einer ordentlichen Lehrerin 250 M., 3) eine« HülsSlehrer« und einer Hülsilehrerin 100 M. gezahlt werden sollen. Trotz deS lebhaften Widerspruch« der Regierung gegen die Be» schlüsse der Commission, welche der Finanzminister Dr. v. Scholz all solche bezeichnete, die da« Gegentheil wären von einer allgemeinen gleichmäßigen Erleichterung der VollS- schullaften, daß sie vielmehr die bedürftigsten Gemeinden am wenigsten berücksichtigten, wurde von der Majorität Art. I nach den Beschlüssen der Commission angenommen. Der Rest de« Gesetze« wurde sodann ohne wesentliche De­batte erledigt. Es wurden dann noch dir Gesetzentwürfe, betreffend die Heranziehung der Fabriken u. s. w. mit Präztpualleistungen für den Wegebau in der Provinz Schlesien, betreffend die Errichtung einer Amtsgerichts in Herne, betreffend Abänderung und Ergänzung ein­zelner, die Dienstvergehen der nicht richterlichen Beamten betreffenden Gesetzesbestimmungen, und endlich betreffend die Erleichterung der Abveräußerung einzelner Theile von Grundstücken in der Provinz Hannover in erster bezw.

ckeuerhanne.

Cine Dorfgeschichte auf dem badischen Schwarzwald. Bon H. M.

(Fortsetzung.)

Ich bitt' dich," erwiderte Hanue.mach' mich nit irr, Joseph; der Hubertbauer hat mein Wort. Ich ich spar' noch ein paar Kreuzer, bis es wieder Sommer wird. O geh' ... ich bin ein schwach' Herz» willst mich denn wirklich so wie ich bin, so ver­lassen, so veracht', so . . . so . .

Ich veracht' dich nit! Liebe Hanne . . ."

Schweig', nun ist's g'nug. Dir steht das Wasser in den Augen und ich, ich hab' weiß Gott g'gretnt. Guck, ich mein' manchmal, ich hab' ein zwiefach G'müth in mir. Bald möcht' ich alle Menschen lieben, bald alle Haffen, bald will ich brav sein, und dann läust's mir wieder wie Gift und Galle in die Seele. Ist das nit närrisch ?"

«drängte sich zur Thür herein und sprang neS Schoß, sobald er ste bemerkte.

Arm's Tyterle," klagte ste,nun bleibst wieder allein!"

Ich nehm ihn zu mir, Hanne; paß auf, bis zum Sommer füll« ich ihn so dick und rund, daß du dein' Freud' d'ran haben sollst!"

Hanne schüttelte den Kopf.

Hinzel geht nit fort; gelt, Hinzel, du bewachst das alte HäuSle derweil?"

Hinzel miaute und Hanne sagte:

Hörst. er sagt ia! Und jetzt muß ich fort ich

M »H ganzvttlchvätzt.'Yüt' Holt, Joseph."

zweiter Berathung nach kurzer Debatte erledigt. Morgen: Statsberathung (kleinere Spezialetats und K u l t u s e t a t).

Berlin, 2. März. Das Abgeordneten­haus setzt« die Berathung deS Etat« fort. Da» Extraordi- narium des EtatS deS Kriegsministerium« wurde nach kurzer Debatte, die Rente deS Kronfideicommißfond« sowie der Zuschuß zur Rente des KronfideikommißfondS debatteloS genehmigt. Der Etat des Abgeordnetenhauses wurde mit dem vom ganzen Hause gestellten Anträge, da« Dienst, einkommen des Büreaudirektors um 900 Mk zu erhöhen, der Budgetkommiffion überwiesen, nachdem Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst (Centrum) unter dem Beifall des Hauses aus die langjährige, ausgezeichnete und umsichtige Geschäft«- thäligkeit de« Büreaudirektors hingewiesen, die gewiß auch seitens der StaatSregierung durch Zustimmung zu dem Anträge Anerkennung finden werde. Gleichzeitig wurde der Etat deS Herrenhauses der Budgetkommiffion überwiesen.

Hauptgegenstand der Tagesordnung ist der Etat bei KultusmmistertumS. Eine sehr eingehende Debatte knüpfte sich, wie gewöhnlich, an den Titel, betreffend da« Gehalt bei Minister«. Abg. Dr. Windthorst (Centr.) bracht« die Wiederherstellung der katholischen Abtheilung im Kultus­ministerium in Anregung, eventuell erlangte er, daß bie katholischen Angelegenheiten ausschließlich von katholischen Räthen bearbeitet würden, die auch allein geeignet feien, die Anschauungen der Katholiken an Allerhöchster Stell« zum AuSdruck zu bringen. Auf Anfragen desselben Abge­ordneten erwiderte der Kultusminister, daß in Betreff bet Verwendung der sogenannten Sperrgelder ein Gesetzentwurf der Berathung des Staatsministerium« unterliege. Die Schwierigkeiten lägen hauptsächlich in der richtigen Ber­theilung der Gelder. Eine Aenderung deS Gesetze« über die kirchliche VermögenSverwaltung werde nicht beabsichtigt.

Die weitere sehr ausgedehnte Debatte hatte zunächst den Erlaß deS Kultusministers Falk über den ReligionS- unterricht vom Jahre 1876 und dann hauptsächlich kirchlich dogmatische Fragen zum Gegenstände, an der sich namentlich Die Abgg. Frhr. v. Schorlemer-Alst und Dr. Windthorst (Centrum), die Abgg v. Eynern, Dr. Friedberg, Dr. Sattler, Pfaff (nat.-lib.), Seidel (freilonf) und Crew« (fraktionSloS) behelligten. Nachdem diese Diskussion ge- schlossen, wurde ohne erhebliche Debatte der Rest bei Kapitels Ministerium, ferner die Kapitel: Ober- Kirchenrath, Evangelische Konsistorien, Evangelisch« Geist­liche und Kirchen, sowie vom Kapitel Bisthümer Die ersten Titel bi« zum BiSthum 68In (exklusive) erledigt. Montag 11 Uhr. (Fortsetzung der Berathung bei Statt bei Kultus­ministeriums.)

B'hüt' Gott, Hanne! Mir drückt's das Herz schier ab, daß ich dich nit alle Tag' mehr seh'n soll." Sonntags mach' ich mich ein halb Stünble frei. Denk', wie viel Kreuzer ich bis Pfingsten spar'!"

Bis Pfingsten? Schneid' ein Stückle!"

Vielleicht, will mir's noch überlegen," ries ste und lief eilig davon . . .

Beim Hubertbauern ging das Leben Sommer und Winter seinen einförmigen Gang.

Kaum dämmerte der Tag zaghaft durch die be- froreuen Fensterscheiben in Hannes Kammer, so stand ste auf und ging hinab.

DaS ganze Haus schlief noch, denn der Bauer ist Im Winter nicht so rührig und schnell aus den Federn, wie im Sommer. Der blinde, kreuzlahme Hund reckte sich unter der Treppe und knurrte ungnädig, wenn Hanne die Thür aufstieß, daß die weißen Flocken naseweis heretntanzten.

Während Hanne durch den über Nacht gefalle­nen Schnee einen schmalen Weg schaukelte, und der kalte Wintermorgen ihr die Wangen rosig küßte, kam der Pankraz und nahm ihr gutmüthig die Schaufel aus der Hand.

Mußt alle Arbeit allein thun, kannst nit warten?"

Es lag etwas Wahres in seinen Worten. Hanue mußte alle Arbeit verrichten, nicht weil man es ste hieß, sondern weil ste eine thätige Natur war, die eS nicht ansehen konnte, wenn eine Sache falsch gehandhabt wurde oder gar unterblieb. Und so kam eS allmählich ganz von selbst, daß die Last, in die sich sonst mehrere theilten, auf ihre Schul- krn fiel. Hie »urrtt nicht, mau hörte ste aber

| Faktische Nachrichten.

(Deutschland.) Es verlautet, Se. Majestät der Kaiser würde den englischen Hof Ende August besuchen. Der Besuch des Kaisers von Rußland stände in der zweiten Hälfte deS März zu erwarten; über den Zusammenkunftsort sei noch nichts endgiltig bestimmt, die Wahl schwebe zwischen Berlin und Kiel. Der Besuch des Königs Humbert von Italien würde erst nach Uebersiedelung des Kaisers nach Schloß Friedrichs- krön stattfinden.

Am 9. März, am Todestage Kaiser Wil- helms desErstrn, findet ein Trauergottes­dienst im Palais der Kaiserin Augusta statt. Dieser Feierlichkeit werden sämmtliche zur Zeit in Berlin anwesende Mitglieder der Kaiserlichen Familie und Persönlichkeiten, welche dem ver­blichenen Monarchen besonders nahe gestanden, beiwohnen. Die Großherzogin von Baden trifft am 7. März in Berlin ein. Die Kaiserin Augusta hat den Wunsch geäußert, daß auch die gefammte Leibdienerschaft ihres verblichenen Ge­mahls bei dem Trauergottesdienst am 9. März erscheint.

Ueber das Befinden des Königs von Württemberg besagt der Hofbericht aus Nizza: Die katarrhalische Erkrankung hat bis­her einen normalen Verlauf gezeigt. Die Symptome sind in allmählichem Rückgang be­griffen, das Allgemeinbefinden wird durch den Katarrh kaum mehr beeinträchtigt. Nur die nervösen Beschwerden lassen die ersehnte Besse­rung, welche in früheren Jahren der Winterau­fenthalt im Süden mit sich gebracht hat, bis jetzt nicht erkennen.

DasArmee-Verordnungsblatt^ veröffentlicht eine Kaiserliche Cabiuetsordre vom 11. Febr. c nach welcher in diesem Jahre die Generalstabs- reisen beim Gardecorps, dem L, IL, IU,, IV.,

auch nie lachen, und mit guten oder bösru Worte» war ste gleich karg. Bis auf den Pankr« fürchteten ste alle Dieostboten, selbst die Hubert­bäuerin fürchtete ste. Zu Anfang hatte Hanne ein böses Leben. DaS Brigittele that ihr jeden Poffen und jedes Leid an, daS ste konnte. Und wenn die Bäuerin dann schadenfroh lauerte, um sich au Hannes Schreck, Aerger und Zorn zu weiden, that diese so ruhig und kalt, als sei nichts vorgefallen und warf der Frau höchstens einen verächtlichen Blick zu.

Einmal, als ste beide allein in der Küche lvareL ergriff das Brigittele die Hanne plötzlich bet beiden Armen und sagte:

WaS machst mir immer für Augen, du Aus­bund?"

Hubertbäuertu," erwiderte Hanne ruhig,waS tobst allwell wider mich? Meinst, ich wüßt nit, wie nützlich ich dir bin? Leg' die Hand autS Herz und sag: würdest mich jetzt fortlaffeu, wenn ich gehen wollt'?"

O, du schamloses Geschöpf, meinst wohl gar, ich lieb' dich?"

DaS nit, aber alS Dienstbot' bin ich dir un­entbehrlich!'

Die Hubertbäuertu mußte das im stillen zugeben, ste hatte nie eine solche Magd gehabt.

Mit dem Hubertbauern hatte eS Hanne weit leichter. Er war nie unwirsch gegen ste und sagte oft:

Traun, du «'fällst mir, du hast kein Ketsmaul, bist aber doch allevell schlagfertig."

Sagte ihm Hsuur tu der ihr eigenen, derdry