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Mit wöchentlicher Kratls-AsilageIlluKrirtes Nutsrhattungsölatt".

Nr. 27.

Sonnabend den 2. März

1889.

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Die Wirthschafts- und Steuerreformer

waren am Montag in Berlin versammelt und verhandelten dort unter Anderem über die Frage des Mangels anArbetternimGebiete der Landwirthschaft. Es wurde beschlos­sen, eine Eingabe an den Reichskanzler zu richten, und diese zugleich dem Minister für Landwirth, schaft 20. zur Kenntniß zu bringen. Es wird darin beantragt, daß in allen hier in Frage kommenden Landestheilen Deutschlands unge- säumt Erhebungen nach folgender Richtung vorgenommen werden: 1. Aus welchen Landes- theilen vollzieht sich jährlich ein periodischer Ab« zug von Arbeitskräften? 2» In welche Landes- theile und zur Verwendung in welchen Betrieben geht diese Abströmung? 3. Welche Löhne wer­den hierbei gewährt? 4. Welche Maßnahmen sind getroffen, um im Interesse der Wohlfahrt und Sittlichkeit die periodisch beschäftigten Ar­beiter in Betrieben unterzubringen? 5. Welche Maßnahmen sind getroffen, um das Treiben der Arbeiter-Vermittelungs-Agenten zu beaufsichtigen, speciell nach der Richtung der Erregung trüge- rtscher Hoffnungen und Verlockung zum Contrakt- bruche? Weiter wurde über die Frage der Stel­lung des ländlichen Grundbesitzes in

(Unberechtigter Nachdruck wird »erfolgt).

J e u e r Q a n n e.

Eine Dorfgeschichte aus dem badischen Schwarzwald. Von H. M.

~ (Fortsetzung.)

In der Meinung, es fd ein Bettler, rie! Hanne: ,34 hab' nichts und geb' nichts, bet mir UVs verlorene Müh'."

Doch das Pochen hörte nicht auf, und mit einem bösen Wort auf den Lippen trat ste anS Fenster, dem Ungeberdigen den Weg zu weisen. Draußen stand des Hubertusbauern Pankraz und sagte:

.Mach's Fensterle auf, Feuerhanne."

.Wenn du mich so heißt, thu' tch's ntt."

.Na, na, nimm's nit gleich krumm; also: der Hubertbauer läßt dir sagen, daß er um Dämmern aus dich wartet."

.Wenn du's sagst, glaub' ich's, du bist nit so wie die anderen."

«Gelt, du kommst?" wiederholte der Pankraz seine Frage.

.Ich komm'."

Zur festgesetzten Zeit ging Hanne in ihren besten Kleibern über die Straße. Sie hatte den Kopf mit einem großen Tuche umbunden, damit nie» wand sie erkenne. Was wollte der hoffärttge Hubertbauer von ihr, der Geächteten?

Das schöne ansehnliche BauernhauS mit den Ställen und Scheunen rund um, lag nicht fern. Kerzengerade entstieg die Rauchsäule dem Schorn­stein, und schon im Hofe, ach, und erst in dem |

dem Entwurf eines bürgerlichen Ge­setzbuchs, insbesondere hinsichtlich seiner Ver­schuldung, berathen und eine Resolution ange­nommen, welche sich in diesem Punkte gegen den Entwurf erkärt, weil er der Nothlage der Land­wirthschaft, die namentlich aus dem sich lediglich nach capitalistischen Grundsätzen richtenden Grundverschuldungssystem herrührt, nicht genügend Rechnung trägt und nicht nur dieses System bet« behält, sondern durch die über die Formen des Grundcredits enthaltenen Bestimmungen und insbesondere durch die beabsichtigte Einführung neuer Verpfändungsformen, wie der Grundschuld und Eigenthümerhypothek, die bestehenden Uebel- stände nur zu verschärfen geeignet sei. Die Ver­einigung der Steuer- und Wirthschafts-Reformer hält es für dringend geboten, daß die Ueber­zeugung von der Nothwendigkeit einer Reform des Grundcredits im Sinne der beschränkenden Beschlüsse der XII. Generalversammlung von 1887 immer weiter verbreitet werde und sieht es als eine Pflicht sowohl des Reichs als der Regie­rungen der Einzelstaaten a«, hierzu durch die Aufnahme und Bekanntgabe regelmäßiger stati­stischer Erhebungen über die Lage der Land­wirthschaft und insbesondere über die Verschul­dung und Vertheilung des ländlichen Grund­besitzes beizutragen.

Zum Schluß wurde über die Stellung der Landwirthschaft zur Alters - und In­validenversicherung verhandelt Die an­genommene Resolution bekundet die volle Ueber­einstimmung der Versammlung zu dem durch die Kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881 gebo­tenen Schritt auf der segensreichen Bahn der Socialgesetzgebung, ist aber der Ansicht, daß mit Rücksicht auf die große neue Belastung der Arbeitgeber der erste Versuch der Versicherung auf das unerläßliche Maß einzuschränken sei. Deshalb sei vorläufig auf die an sich gerade im

Hausflur, wie roch es da lecker nach Mehlspatzeol Der Hanne lief gleich das Wasser im Munde zu­sammen.

«Der Bauer wart' schon," sagte der Pankraz aus der Küche tretend, .komm, ich führ' dich zu ihm."

Er öffnete eine Thür und rief;

.Hubertbauer. da ist die Hanne."

In der Stube brannte die qualmende Oellampe, bet deren nebligem Dämmericheine Hanne das Brigittele mit verbundenem Kopie auf der Dien» dank sitzend erkennen konnte. Des Hudertbauern Großvaterstuhl war an den Tisch gerückt und er saß, von Kissen gestützt und von Federbetten nach bäurischer Sitte fast erdrückt, mit auf die Brust gesenktem Kopfe und gefalteten Händen da. Die Krankheit hatte ihn arg mitgenommen. Das bleiche, abgemagerte Gesicht mit den hervortretenden Backenknochen und den unter buschigen Brauen her- vorstierenden, ticsetngesunkenen Augen hatte fast etwa« Unheimliches,

Nun verzerrte der Hubertbauer seine Lippen zu einem Grinsen.

.Komm näher, Hanne, daß ich dich anschau', möcht gern wissen, ob du recht dürr worden hist."

»Wenn du mich deswegen hast rufen lassen, so b'yüt' Gott. Ich bin sein Meßthier, das sich für drei Kreuzer b'schau'n läßt."

.Oho . . . dein Maul ist nit kleiner 'worden. Ich dächt', die Hochnäsigkeit hätten sie dir aus- 'trieben. Aber nein! Das protzt und thut groß, und schlägt einem gleich mit der Zung' todt?

«Sonst hast mir nichts zu sagen?"

Interesse der Landwirthschaft treibenden Kreise sehr wünschenswertste Regelung der Wittwen- und Waisenversicherung, sowie auf die Herab­setzung des zum Bezug der für die landwirth- schaftlichenArbeiterbesonderswichtigenAltersrente berechtigenden Lebensalters unter das 70. Jahr zu verzichten und ebenso zur Zeit von einer Be­rücksichtigung der sog. Halbinvalidität, sowie von einer allgemeinen Erhöhung der im Gesetz­entwürfe vorgeschlagenen Rentenbeträge abzu- sehen. Bei der Aufbringung der Mittel sei für eine der Billigkeit und den wirthschaftlichen Ver­hältnissen entsprechenden Vertheilung der Last auf Gegenwart und Zukunft zu sorgen und des­halb ein angemessener Mittelweg zwischen dem reinen Umlage- und dem Capitaldeckungsver­fahren zu wählen. Der Reichszuschuß erscheine gerechtfertigt und nothwendig, sei indessen der­gestalt zu gewähren, daß er allen Versicherten ohne Rücksicht auf ihre Orts- bezw. Lohnklaffe in gleicher Höhe gewährt und nur nach Verhält­niß der Arbeitszeit abgestuft werde. Die Form der Beitragserhebuug sei so einzurichten, daß einerseits dem in Arbeiterkreisen herrschenden, an sich unberechtigten Mißtrauen gegen die Quittungs­bücher der Boden entzogen, andererseits nament­lich dem landwirthschaftlichen Arbeitgeber jede mögliche Erleichterung gewährt werde.

Aus dem Abgeordnetenhause.

Berlin, 27. Februar. Im Abgeordneten- Hause kam der Antrag deS äbg. Dr. Windthorst (Centr.) und Genossen wegen Vorlegung eines Gesetzentwurfs über die Befugnisse der Kirche und ihrer Organe in Betreff des religiösen Unterrichts in den Volksschulen zur Verhandlung. Der Abg. Dr. Windthorst begründete den Antrag und führte im letzten Grunde den Antrag aus das Echulaus« sichiSgesetz und aus die zu demselben von dem Kultus­minister Dr. gald erlassenen Ausführungsbestimmungen zu­rück. Er bestritt, daß noch andere alS sachliche Gründe bei Stellung des Antrages maßgebend gewesen, und lehnte insbesondere jeden tonischen oder agitatorischen Charakter

.O, doch . ,. Brigittele, hast nichts in der Küch' zu schaffen?"

.W litt Die saub're Diru wohl für dich allein haben und da bin ich im Weg? höhnte die Frau. .Dir geht der Teufel zum Ohr 'rein und zur Zung' 'raus. Haft mich ntt verstanden?"

.So," sagte er, nachdem sich das Brigittele schimpfend entfernt, .also was ich dir sagen wollte: rund heraus, Die Lavett und das Berthele gehen am Montag fort. Die Zellen sind Heuer so schlecht, daß sich jeder gern ein bisset z'sammeuruckt, wo er kann. Nun brauch' ich aber ein Mädel, da­für zwei schafft und doch nur einen Magen hat. Da bad' ich an dich 'oacht; du bist so'n verlasse­ner Kreuzer, der nirgends sein recht' Plätzle hat. Ich thu' ein gut's Werk, nehm' ich dich auf, und du wirst froh sein, ein warm Schlupfloch zu finden. Jetzt red': willst auf dem Hof dienen oder nit?"

.Hubertbauer", sprach Hanue nach einigem Be­sinnen, .jetzt will ich auch rund heraus reden. Ich erkenn' dlr's hoch an, daß du mir ehrlich Arbeit geben willst, das thät kein zweiter in Sellingen, aber ich merk auch, warum du's thust. Du be- lliitleid'ü mich nit, bist mir seind, und wenn's das kleinste Stößle gäb, fielst über mich her, so gut wie die anderen. Aber weil du mich billiger dingen kannst, wie die Mädel, die nit so gar elend sind, wie ich, und weil du's weißt, daß ich nit heikel bin und mit einem Stückle Brot und einem Krügle Bier gnug hab' und mich schind' und plag' von früh biS spät, deshalb wirfst mir Den Gnaden,