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Mit wöchentlicher Kratts-Aeilage „Mustrirtes IlnLerhattungsötatL^.
Nr. 25.
Dienstag den 26. Februar
1889.
AöonnemenLs-tzintadung.
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„JUustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 25. Februar 1889.
Diejenigen Herren OrtSvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Einreichung der Formulare über die Ermittelung des Ernteertrages pro 1888 im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 2. März er. bei Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert.
558. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
» Der Kaiser und die Arbeiter.
Neulich ließ unser Kaiser den Präsidenten des Reichsversicherungsamts, Bödiker, und den Vor- ltzenden des Ausschusses für die in diesem Jahre n Berlin stattfindende „Deutsche Ausstellung ür Unfallverhütung", Herrn Rösicke, zu sich ommen, um sich über die Entwickelung des Internehmens Bericht erstatten zu lassen. Zeugte chon diese Thatsache von dem hohen Interesse, welches der Kaiser an dem Wohl und Wehe der Arbeiter nimmt, so bekundete ganz besonders das Gespräch, welches Seine Majestät über den Zweck der Ausstellung sowohl wie über verschiedene die Arbeiter im Allgemeinen betreffende Fragen mit
(Unbrrtchtlgter Rachdrua wird verfolgt.) ckenerhanne.
Eine Dorfgeschichte auS dem badischen Schworzwald. Von H. M.
(Fortsetzung.)
„Schlecht .. .", erwiderte Joseph, „erst probiert ich's mit dem Dienen, aber 's ist schwer Knecht fein, wenn man tzerr g'wesen ist. Ich weiß mt, wie mir's 'gangen wär', hält' nit den alten Tobias letzten Jänner der Schlag 'troffen. Seitdem bin ich an seiner Stell' Nachtwächter. Nun red' aber auch von dir."
Hanne ließ den Kops tief auf die Brust sinken.
„Mir ift's, als hätt' ich die ganz' Zeit im Grab' g'tegen. Ich war ein brav's Mädel als ste mich zur Lerbrecherin machten, und jetzt, wo ich wieder tret bin und brav und rechtschaffen sein soll vor den Leuten, bin ich eine Berbrecherin tausendmal in Gedanken! Ich hab' den Hab in mich treffen wüsten, Jahre lang. Weißt', wie'S thut, mit zwanzig Jahren zwischen vier steinernen Sargmauern lebendig begraben zu werden? Den blauen Himmel durch daS schmale Gitterfenster zu seh'a und ntt 'naus zu können; von jeder Dirne „Schwester" g'nauut zu werden und---o Joseph, ich kann'S dir ntt d'schreiben waS ich ausg'standcn hab'. Unschuldig leiden ist ein gar bitter Tröpfle! Und ich bm unschuldig, obgleich alles wider mich zeugt; wcnu's noch Heilige gibt im Himmel, wtrd's au den Tag kommen, wer den Hof ang'zünd't hat.
34 aber $tQ wich an hen Menschen rächen, Die
den beiden Herren führte, die eingehende lebhafte Fürsorge, welche der hohe Herr der Arbeiterschutzfrage überhaupt widmet.
Der Kaiser erwiderte, nach dem Berichte des Herrn Rösicke, auf den von beiden Herren für die Uebernahme des Protectorats der Ausstellung ausgesprochenen Dank, daß er dies gern gethan habe, da ihn die Arbeiterschutzfrage seit lange interessire. Er verdanke — so führte der Kaiser aus — dieses Interesse zum Theil seinem ehemaligen Erzieher, Geheimrath Hinzpeter, der schon seit langen Jahren und zu einer Zeit, bevor das allgemeine Interesse sich dieser Frage bemächtigt hatte, für dieselbe thätig gewesen sei. — Was speciell die Schutzvorrichtungen bei maschinellen Anlagen betreffe, so habe er vielfach Gelegenheit gehabt, sich von deren Nothwendigkeit zu überzeugen, so auch insbesondere in landwirthschaftlichen Betrieben, wo häufig Wellen und Riemen, welche zum Betriebe von Dreschmaschinen rc. dienen, jedes Schutzes entbehrten. Es könnte nicht Wunder nehmen, daß unter solchen Umständen häufig Verletzungen vorkämen, von denen namentlich die Frauen und Mädchen in Folge ihrer losen Kleidung betroffen würden. Die zu seiner Kenntniß gelangte sehr verschiedenartige Beurtheilung der Gerichte in Bezug auf die Schuld derjenigen Unternehmer, welche die vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen nicht angebracht und dadurch Menschenleben gefährdet hätten, sei ihm Veranlassung, von seinem Begnadigungsrecht nur in besonders milden Fällen Gebrauch zu machen; auch habe er die genaue Beobachtung der gesetzlichen und polizeilichen Schutzvorschriften einschärfen lassen. Die Arbeiter seien so gut seine Unterthanen, wie die Arbeitgeber, und er könne nicht zugeben, daß den ersteren der Schutz vorenthalten würde, auf den sie Anspruch hätten. Weiter bemerkte der Kaiser, er freue sich, daß die Ausstellung aus den
mir mein Leben vergiftet und meinen guten Namen versudelt hab'n. Geh' und schrei's auf den Gassen aus, daß die Feuerhanne wieder 'kommen ist, um zu sengen und zu morden. Wenn sie mich auch nachher aufs Rad flechten, so lach' ich ihnen doch ins G'stcht, denn ich hab' mein' Räch' gehabt!"
„Ich versteh's wohl, daß du verbittert bist, sie hab'n dir alle hart zng'setzt. Du weißr's, nur ich glaub' felsenfest an dein' Unschuld. Jetzt laß' uns von was anderem reden. Willst hier in der verfallenen Hätt' schlafen, die dir über dem Kops z'sammenstürzen kann?"
„Sorg' dich nit um mich, Joseph... ich leg' mich aus die Diele hin und nehm' daS Säckel unter den Kopf, mehr brauch' ich ntt."
„Dann gut' Nacht, Hanne ... da schlägt's Mitternacht, ich muß die Rund' machen."
„Wart' noch a biffel... was treibt das Brigittele?"
„Sie ist des Hubertbaueru Frau und hat schon drei Kinder"
„Jetzt kannst geh'n, Joseph ... ich hab' kein' Frag' mehr."
Joseph ging. Hanne saß noch über eine Stunde am Fenster und hörte den Joseph sein „Hört ihr Herrea und laßl'S euch sagen" absiogen. Dann gingen die Gedanken in Träume über und sie schlief ein, den Kops auf die verschränkten Arme gesenkt.
Die Sonne, die goldig über den Bergen heraus- kam, weckte Hanne. Es war ihr ganz wirr zu Sinne; sie hatte eben von der Muhme selig geträumt, die in ihrem weißen Sterbekittel letfe in die Stube getreten war und sie mit erhobenen Händen
Kreisen der Industrie selbst hervorgegangen sei, denn es würde dadurch das Interesse der arbeit« geber für die Sicherheit ihrer Arbeiter docu» mentirt. Es käme überhaupt darauf au, den Arbeitern die Ueberzeugung zu verschaffen, daß sie ein gleichberechtigter Stand seien und allseitig als solcher anerkannt würden; nur dann würde es gelingen, sie der Sozialdemokratie zu entstein» den. Uebrigeus sei es auffallend, daß 1>ie ganze Gesetzgebung zum Schutze der Arbeiter zuerst m einem monarchischen Staate geplant und mit Erfolg ein gutes Stuck durchgeführt worden sei; nicht in einem Staate, in welchem das Volk sich selbst regiert. Letzteres, sollte man sagen, sei doch das nächste und um so mehr berufen dazu. Der Kaiser billigte ferner die Absicht des Vorstandes, Arbeitervertreter mit heranzuziehen, um dadurch auch in Arbeiterkreisen Interesse an der Ausstellung zu wecken, und stellte eine Besichtigung der hierfür errichteten Bauten und Anlagen wie auch die Eröffnung der Ausstellung in Person in Aussicht. -
Wir zweifeln nicht, daß diese warmherzige Theilnahme des Kaisers an den die Arbeiter berührenden Fragen wie auch die echt menschenfreundliche Auffassung von der Stellung der Arbeiter in Staat und Gesellschaft lallenthalben, wo man auch nur einigermaßen Verständniß hierfür hat, lauten, freudigen und dankbaren Widerhall finden wird. Es ist noch gar nicht lange her, daß man die Arbeiter wie die Arbeit selbst als Waare betrachtete und sie in ihrem schweren „Kampf ums Dasein" auf das herzlose „Hilf Dir selbst!" verwies. Mit dieser Auffassung hat die große Botschaft der socialen Reform vom 17. November 1881 endgültig gebrochen: sie war es, welche die Gebote deS praktischen Christenthums in Erinnerung brächte und das Königthum als Schutz und Schirm wie aller Klassen der Gesellschaft, so auch der Arbeiter hinstellte. Jetzt sehen
gebeten hatte, ein brav' Leut' zu werden, mit dem Beten ganz von vorn anzufangen und die bösen rachesüchtigen Gedanken zu verbannen.
„Guck, Haunele, dein' Mutter greint im Himmel über dich und hat kein' Ruh', bist du wieder brav bist."
Die Worte klangen ihr noch in den Ohren, sie meinte, die Muhme, die so ernst und feierlich gesprochen, müsse noch in der Thür stehen. Dort aber tanzten nur die Sonnenstäubchen durch die Ritzen, und von dem schadhaften Strohdach blieS es moraenirisch herab. Hanne ging auf den Zehen- spitzen hinaus. Es war, als stünde der Muhme Himmelbett mit den buntgeblümten Vorhängen noch in der Ecke, vor dem ste als Kind so gewaltig großen Respekt gehabt. Da mit einem Mal wurde es ihr wieder klar, daß ste ja kein Kind wehr fei, daß die Muhme längst unter dem grünen Rasen schlafe und das alte Himmelbett versteigert sei. Wie ein schneidend Weh durchzuckte sie der Gedanke ihrer Vereinsamung.
Den Garten kannte sie gar nicht wieder. Wie war da alles so wild, so unordentlich, waS einst sauber und zierlich gewesen. Keine Wege, keine Beete mehr, nur üppig wucherndes Unkraut, daS ihr fast über den Kopf ragte, und hier und da eine Stockrose. Spärlich sickerte das Wasser in den gehöhlten Baumstamm, der ihr so oft die Dienste eines Spiegels geleistet. Sie schöpfte etwas Waffer mit der hohlen Hand und goß el über Gesicht und Brust. O, wie das wohl that, wie däs kühlte! Plötzlich fühlte ste sich am Fuße