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Nr. 23. Donnerstag den 21. Februar 1889.
Hersfeld, den 19. Februar 1889.
Für den am 4. November 1872 zu Niederaula geborenen Abraham Jacob ist um Entlastung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Aus- wanderung nach Amerika nachgesucht worden.
1752. Der Königliche Landrath
__________________Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 18. Februar 1889.
Für die am 13. Januar 1871 in Niederaula geborene Bertha Jacob ist umErtheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
1762. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 19. Februar 1889.
Da ich mehrfach die Ueberzeugung gewonnen habe, daß im hiesigen Kreise allgemein die Ansicht verbreitet ist, eS sei den Dienstboten unter
Stten Umständen gestattet, einen Dienst nach lich drei Monate vor dl-rn Abläufe der Vera b-
vorgängiger dreimonatlicher Kündigung eigenwillig zu verlassen, so bringe ti* .unter Bezugnahme auf die Verfügung, resp. Polizei-Verordnung der Königlichen Regierung vom 9. Januar 1879 (Kreisblatt Nr. 17 von 1879) nachstehend die hierfür maßgebenden Bestimmungen der Kur- hessischen Gesindeordnung vom 18. Mai 1801, aus denen sich ergibt, daß die besagte Ansicht unrichtig ist, zur Verhütung von Unzuträglich- leiten und Weiterungen hierdurch zur allgemeinen Kenntniß und beauftrage gleichzeitig die Herren Bürgermeister des Kreises, sich die Belehrung des Publikums in der fraglichen Hinsicht thun- lichst angelegen sein zu lassen.
1803. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Der Dienstbote ist schuldig, die ganze Mieth
Iluch und Segen.
Novelle von B. W a l d o w.
(Fortsetzung.)
»Armer, lieber junger Mann!" sagte der alte Herr in sanftem Ton, indem ein Lächeln seine edlen Züge belebte. »Sollen bald wieder auf die Beine kommen, verlassen Sie sich darauf." WaS er sonst noch alles zu mir sprach, ich hörte es kaum, und so war es mir auch wie ein Traum, alS ich noch denselben Tag sanft und sorglich aus der dürftigen Hütte in die prächtigen Raume eines großen, schönen Hauses gebracht wurde, besten Besitzer der erwähnte freundliche alte Herr war.
»Dieser, ein sehr beliebter deutscher Arzt, namens Welten, war ein Kousin meiner Großmutter, welche er schwärmerisch geliebt und um deren Hand er einst geworben. Leider vergebens, denn Herz und Hand seiner schönen Kousine gehörten bereits dem jungen Prediger deS OrtS, welcher diese auch bald als seine Gemahlin tnS stille Pfarrhaus geholt' Richard Welten hatte zwar mit schwerem Herzen entsagt, war aber edel genug gewesen, dem jungen Paar sein Glück zu gönnen, und hatte beschlossen, inS Ausland zu gehen, um dort sich voll und ganz der Wissenschaft zu weihen. Beim Scheiden aus der Heimath gab er seiner Jugendliebe den Ring mit dem Brillantkreuz — alS Talisman deS Glücks. In Baltimore hatte er sich ein neues Heim gegründet, in kurzer Frist auch eine auSge- breitete Praxis erworben unb nach Jahren sich sogar tvtschlostru, eine junge deutsche Lehrerin
zeit im Dienste auszuhalten, und darf sie nicht I Eintragung des Landbriesträgers Kenntniß zu eigenmächtig abkürzen. Die Dauer der Mieth- nehmen.
zeit richtet sich aber entweder nach der Verab* redung, welche zwischen der Herrschaft und dem Gesinde getroffen ist, oder in Ermangelung einer solchen Verabredung nach der am Orte gewöhn* lichen Wandelzeit.
Diese letztere soll nähmlich hierin bei weiblichen Dienstboten und bei solchen männlichen Bedienten, welche keine Livree erhalten, alsdann die Richtschnur sein, wenn die Dienstzeit nicht durch ausdrückliche Verabredung bestimmt ist. Wo aber eine Livree gegeben wird, da bestimmt die Zeit, worauf dies geschiehet, zugleich die Länge der Dienstzeit.
Nach dem Abläufe der Dienstzeit stehet sowohl der Herrschaft, als dem Dienstboten die Veränderung des Dienstes frei. Es muß aber von
demjenigen Theile, welcher entschlossen ist, den bisherigen Dienst nicht länger beizubehalten, dem anderen Theile zur gehörigen Zeit, nähm-
redeten Dienst- oder respective der gewöhnlichen WMdelrelt- oufgckün werden. Wen»- diese Auskündigung unterblieben ist; so ist die vorige, durch Vertrag oder Gewohnheit deS Ortes bestimmte Miethzeit stillschweigend für erneuert
zu halten.
Bekanntmachung.
Jeder Landbrtefträger führt ein Annahmebuch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werthangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packete, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Will der Absender die Eintragung selbst bewirken, so ist diesem daS Annahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden
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heimzuführen. Es war ein st'lles, kurzes Glück gewesen, dann hatte ein böses Fieber das zarte Geschöpf von seiner Seite gerissen und mit verdoppeltem Eifer der gebeugte Mann stch der Erziehung seines Sohnes gewidmet. Auf einer Studienreise nach Afrika begriffen, war der weite Ocean des vierundzwanztpjährtgen retchbegabten Jünglings Grab geworden, und einsam und allein stand nun der alte Mann, dem das Glück geflohen, in der alten, wie in der neuen Welt. —
.Zufällig ebenfalls in dem Laden deS Juweliers, den der alte Seemann ausgesucht, war er aufmerksam auf den zu verhandelnden Ring geworden und nach einigen hastigen Fragen zu mir geeilt.
»Ich fühlte mich wohl unter der treuen Pflege meines neuen Freundes, um so mehr, als dieser auch für meine beiden ersten Wohlthäter in rührender Weise gesorgt. — Welten war mein zweiter Vater geworden, an dem ich mit schwärmerischer Zärtlichkeit hing.
.Bald war ich so weit hergestellt, daß ich an seinem Arm einige Schritte zu gehen vermochte, und der alte, brave Mann meinte Freudenthränen, daß seiner Kunst eS gelungen, meinen Zustand zu bessern. Nach einiger Zeit aber schüttelte er oft bedenklich sein gretseS Haupt und blickte mir forschend und angstvoll ins Gesicht, wenn ich bei meiner Erzählung zuweilen den Faden verlor. Immer kummervoller wurden seine Züge von Tag zu Tag und immer schwächer wurde mein Ge- vächlniß. Die Erschütterung bet Gehirns mußte
Cassel, am 13. Februar 1889.
Der Kaiserliche c. Ober-Postdirector. Zielcke.
Aus dem Landtage.
Berlin, 18. Februar. Das Herrenhaus beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung, abgesehen von zwei kleineren Vorlagen und von einigen Petitionen, mit der erneuten Berathung der Posener Verwaitungsvorlage. Nachdem stch die Commission, wenn auch nicht dem Wort» laute, so doch dem Principe nach den Fürst von Hatz, seldt'schen, den ProvinzialauSschutz und den LandeSdirector einführenden Snlrag zu eigen gemacht und nachdem sowohl der Redner der polnischen Mitglieder, als auch Herr v. Kleist-Retzow und — unter der Voraussetzung einer zu- stimmenden Haltung der betheiligten Provinzialbehörden, so« wie des anderen Hauses — Minister Herrsurth ihr Cinver« ständniß mit den Beschlüssen der Commission, ausgesprochen, wurde daS ganze Besetz in der Fassung der letzteren % scheinend einstimmig angenommen. Zeitpunkt und ordnung der nächsten Sitzung ist norläusta noch unb»^--sDW Berlin, 19. Februar. In der hmttigm Sitzung des Nbseord«»' 1*8^ j es wiuv, die Berathung des State des Ministeriums des Innern beendigt. Es knüpfte stch zunächst eine längere Debatte an das Kapitel »Standesämter* in Bezug aus dir räumlich« Abgrenzung derselben, auf die Zulassung der polnischen Sprache im Verkehr mit den Standesämtern ic. Bei dem Kapitel »Polizeiverwaltung zu Berlin- brächte »bg. Dr. Arendt (frettonf.) da« Srtrablattunwesen aus der Straße zur Sprache. Der Herr Minister deS Innern erwiderte, daß a«tlichers«its, was zulässig, geschehe, um diesem Unwesen entgegen,»treten, daß aber im Uebrig«n das Publikum am besten dem Un« fuge dadurch steuern könne, daß es keine Extrablätter laufe. — Bei dem Kapitel »Landgendarmerie* wurde eine Vermehrung der Zahl der Gendarmen auf dem Lande sowie eine Ausbesserung der äußeren Lage derselben angeregt. Der Herr Munster des Innern hält den Wunsch wohl berechtigt, eS aber für zweifelhaft, ob es möglich sein werde, in dem gewünschten Umfange eine Ausbesserung eintreten zu lassen. — Bei dem Kapitel »Strasanstaltenverwaltung, wird die schon oft angeregte Frage der Conkurren, der @e« songenenarbeit gegenüber dem freien Gewerbe ausführlich
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eine furchtbare gewesen sein — da sie vermocht, meinen Geist vollständig zu zerrütten."
Ein Ausruf des Schreckens entfuhr den Lippen Horsts, während seine junge, mitleidige Frau schon längst ihren Thränen freien Lauf gelassen.
»So gingen drei Jahre hin," fuhr Hugo fort, .als es endlich den vereinten Bemühungen meines alten, schwer bekümmerten Freundes und seiner Kollegen gelang, den geistig Todten aufzuwecken. Langsam, Schritt für Schritt, kehrte das klare Bewußtsein zurück und selig vor Freude, schloß der greise Mann als wiebergewonueoen Sohn mich eines Tages in seine Arme.---
»Er war heiter und glücklich; die bange Sorge um mich aber hatte seine Gesundheit aufgerieben, obgleich er das eifrig vor mir verbarg. — Ich war gerettet — meinen väterlichen Beschützer mußte ich nach kurzer Frist in fremde Erde betten."
Hugo hatte die letzten Worte mit zuckender Lippe gesprochen und schämte stch der Thränen nicht, die zwischen den dunklen Wimpern hervorrannen.
Erst nach einigen Minuten nahm er seine Er* zählung wieder aus:
»Zu meiner nicht geringen Verwunderung hat mein entschlafener Freund mich alS Erben seines nicht unbedeutenden BermögeuS eingesetzt. — Meine Angelegenheiten in Hamburg, wo man nicht wenig erstaunt über mein plötzliche- Auf- tauchen war, sind betreffs jener traurigen Katastrophe bereits geordnet, und habe ich nur erst — was der Himmel geben mag — meine Marianne