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Htlsselilel Kreisbllitt.
Mit wöchentlicher KraLis-Aeilage „Illustrirtes ZluterhattungsölaLL".
Nr. 21. Sonnabend den 16. Februar 1889.
Amtliches.
Hersfeld, den 14. Februar 1889.
Unter Bezugnahme auf die mit meiner Verfügung vom 28. Juli 1888 Nr. 7915 im Kreis- blatt Nr. 89 zur Kenntnißnahme und entsprechenden weiteren Veranlassung mitgetheilte Regie- rungs-Verfügung vom 20. Juli 1888 J. A. I. Nr. 7192 werden die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises davon benachrichtigt, daß Ihnen die darin bezeichneten Formulare am 21. d. Mts. durch die hiesige Bezirks- Compagnie zugehen werden.
Gleichzeitig weise ich dieselben darauf hin, daß Sie der Anmerkung zu §. 114 der Wehrordnung entsprechend, den Meldepflichtigen Mannschaften bet Ausfüllung der Formulare, deren Benutzung aber erst mit der Errichtung des Hauptmelde- amtS, also vom 1. April d. I. ab, erfolgen SSÄM^^ "W*
Den sich ab- bezw. anmeldenden Mannschaften darf jedesmal nur 1 Muster gegeben werden; überhaupt ist jedwedem unnöthigen Verbrauch dieser Formulare vorzubeugen.
1082. Der Königliche Landrath ________________Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 14. Februar 1889.
Diejenigen Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 6. Juli 1888 J. A. Nr. 459 im Kreisblatt Nr. 80, Einreichung der Gemeinderechnungen pro 1887/88 betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 5. f. Mts. erinnert.
J. A. 101. Der Königliche Landrath __________________Freiherr von Schleinitz.__
Hersfeld, den 13. Februar 1889.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises,
Ikuch und Segen.
Novelle von B. W a l d o w.
(Fortsetzung.) „
Wenige Minuten darauf stand Hauptmann Horst dem Repräsentanten des Hauses gegenüber, der ihn auf das Verbindlichste empfing und in dessen Zügen man vergeblich nach einer Spur von Trauer suchte, daß der Tod zwei nahestehende Menschen ihm genommen. Dies Herz war kalt wie Stein — das erkannte man auch an den vorgebrachten Phrasen, mit denen er die in herzlichstem Ton gesprochene Beileidsbezeugung deS HauptmannS er« widerte.
Dann folgte eine lange, ernste Unterredung zwischen Halbing und Horst — daS verbindliche Lächeln schwand von den Zügen des ersteren und mit unverkennbarem Unmuth musterte er daS Papier in seiner Hand — den Schuldschein der Witwe Frieder.
„Wenn Sie nicht selbst sich zu überzeugen vermöge», daß die Unterschrist gefälscht, dann würde Frau Frieder ohne Zweifel wettere Schritte thun, die--•
„Mich kompromittiren würden,* fiel Halbing dem Hauptmann inS Wort. „Jedenfalls ist es ein nicht übel angelegter Plan, meine Ehre anzu- greifen, und ich möchte wissen, wer meinem Sohn dies Blatt in die Hände gespielt, damit er selbst den Streich gegen mich führe.*
Ein eigenthümliches Lächeln spielte um Horsts Lippe», /
! welche mit der Wiedereinreichung des Verzeichnisses der Unternehmer der unter §. 1 des land- wirthschaftlichen Unfallversicherungs-Gesetzes vom 5. Mai 1886 fallenden land- und forstwirth- schaftlichen Betriebe im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis 18. d. Mts. bei Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert.
586. . Der Königliche Landrath
~ ________Freiherr von Schleinttz.__
Hersfeld, den 13. Februar 1889.
Die Herren Bürgermeister 2c. des hiesigen Kreises werden hierdurch veranlaßt, von denjenigen Militairpflichttgen ihrer Gemeinden, welche sich im laufenden Jahre zur Stammrolle gemeldet bezw. sich dahier zur Musterung zu stellen haben, die Loosungsscheine alsbald einzuziehen und mir dieselben bis zum 25. d. Mts. einzureichen.
1598. Der Königliche Landrath _________________Freiherr von S chleinitz.
———----H.,sf-ttj t>w 48. Februar 1889. —
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben alsbald auf ortsübliche Weise öffentlich bekannt machen zu lassen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Stutenbesitzer zu bringen, daß die Königlichen Beschäler
auf Station Hersfeld den 25. Februar d. J. und auf Station Philippsthal den 26. Februar d. I. eintreffen werden.
1570. ~ -—Der. Königliche Landrath __Freiherr^om gr^-c-j-n-u»—
Gefunden: eine Quantität Schreibpapier. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Heenes.
6m Programm aus lien 99 logen.
Aus Anlaß der neulich im Reichstage behan- delten Geffken- Affaire lenkt das Deutsche Tage-
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„Glauben Sie wirklich, daß ein dritter--- Doch da kommt ja derjenige, der die beste Auskunft zu geben vermag.*
Die Thür hatte stch geöffnet und der ausblickende Halbing schaute in Arthurs erbleichendes Ge- ficht--—
Der jetzt folgende Auftritt war heftiger, aufregender Natur. — Arthur, stets bevorzugt und verwöhnt, sah zum ersten Mal des Vaters ganzen Zorn auf sich gerichtet und sein gehässiger, feindseliger Blick streifte des Anklägers ernstes, männlich schönes Gesicht---
Halbinas blasser Liebling hatte selbst daS Bubenstück ersonnen, um dadurch Marianne — wie Horst mit Recht vermuthete — die Erfüllung seiner längst gehegten Wünsche abzuzwingen.
Vor den Augen deS letzteren ward der erwähnte Schuldschein den Flammen übergeben, und als dieselben das Blatt umzüngelten, für welches Mariannens Ehre als Preis gefordert worden, da traf ein Blick der tiefsten Verachtung den Elenden, der so niederer Gesinnung fähig gewesen.
Im nächsten Augenblick ruhte die Hand deS Hauptmanns mit herzlichem Druck in der deS Handelsherrn, denn Horst vermochte diesem gegen- über eines Gefühls der Theilnahme sich nicht zu erwehren.
„Ich rechne auf Ihre Verschwiegenheit, Herr Hauptmann.* sagte Halbing mit unsicherer Stimme und blickte ängstlich zu dem jungen Manne auf.
„Mein Ehrenwort darauf!' entgegnete derselbe ftp, warf einen kurzen Gruß zu Arthur hinüber
blatt die Aufmerksamkeit auf eine vor einigen Monaten erschienene Broschüre mit dem Titel „Auch ein Programm aus den 99 Tagen", in welchem sich gewisse Erklärungen finden für das, was der Geffcken-Prozeß zu Tage gefördert hat. Wie man sich erinnert, waren gerade in dem letzten Sommer einflußreiche Personen thätig, um den Reichskanzler Fürsten Bismarck zu stürzen. Auch freisinnige Politiker bemühten sich, an seinem Sturze zu arbeiten. Von diesen ist zwar in den bezüglich des Geffcken-Prozeffes bekannt gewordenen Materialien nicht die Rede, indeß kann es als notorisch gelten, daß sie sich mit den Hinter- Männern Geffckens in demselben Geleise bewegten. In der genannten Broschüre wird auch deutlich auf „intime Beziehungen* der Freisinnigen mit dem ehemaligen Kronprinzlichen Hofe hingewiesen.
Nun fragt man sich: war es denn nur der Haß gegen den Reichskanzler, der diese Elemente vereinigte, oder waren dahinter noch andere nicht umhin, auch die Aufmerksamkeit unserer Leser hieraus zu lenken.
Das von den Hintermännern GeffckenS'und von den Freisinnigen aufgestellte Programm schloß sich an die allgemeinen europäischen Verhältnisse an und hatte seinen Ursprung in England. Bei dem Regierungsjubiläum der Königin, wo so viele Regenten oder ihre Vertreter zusammenkamen,
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Ng hiervon machte sich in den Verlauf düngen der deutschen Politik bet Rußland im Winter 1887/88 sowie in der Annäherung deS russischen Panslavismus an den französischen Chauvinismus geltend. Aber mit der Entstehung eines russisch-französischen Bündnisses konnte denjenigen deutschen Kreisen nicht gedient sein, welche eine besonders intime Beziehung mit England culti-
und verließ daS Zimmer mit dem frohen Bewußtsein, für ein schutzloses Wesen in die Schranken getreten zu sein. ,, t Ä
Er wollte Marianne von jetzt ab als Hugos Bermächtniß betrachten und treulich dessen Bitte erfüllen, ihr allzeit beizustehen mit Rath und That.
In Halbings Salon sah man ihn immer seltener, denn seinem biederen, redlichen Charakter war der Schein zuwider, der in deS Kaufmanns Haufe Mängel und Laster verbarg.
Helene freilich hatte unter all' ihren Anbetern keinen so sehr vermißt, als HorstS elegante, glänzende Erscheinung, die Zierde aller Salons. ES hatte ihr geschmeichelt, daß er immer in ihrer Nähe gewesen, mit ritterlichem Anstand und sprühendem Geist ihrem stolzen Herzen gehuldigt hatte, und nun es anders war, ließ sie ihren Aerger darüber am ersten besten aus, der ihr begegnete.
Schließlich aber wurde sie auch dieses Manövers müde und suchte und fand erwünschten Ersatz in einem anderen. Tieferer Neigung bedurste eS ja nicht bet einem Wesen wie Helene Halbing.
Ohne laute Klagen trug Marianne inzwischen ihr tiefes Leid und nur Horst allein wqr zuweilen Zeuge ihrer Thränen, wenn sie mit ihm von dem geliebten Todten sprach. Der Obersteuer- mann der „Lydia', einer der Wenigen, die stch zu retten vermocht, hatte versucht, die entsetzliche Katastrophe, die jener Seesturm herbeigeführt, in den Blätter» zu schildern und tu rühmender Weise auch des wackeren Kapitäns Halbing gedacht,