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Herssel-kl Kleisblitt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Wuterhattungsötatl".__________
Nr. 20. Dmiierstag den 14. Februar 1889.
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Amtliches.
Hersfeld, den 11. Februar 1889.
Zu Ostern d. J. ist seitens des Herrn Landesdirectors auf Grund der Gesetze 00m 13. März 1878 . _ „ . '
23? Juni 1884 bine Anzahl der zur Zwangserziehung überwiesenen, zur Confirmation und Schulentlassung gelangenden Kinder, evangelischer und katholischer Religion, in Lehre und Dienst unterzubringen.
Lehrstellen werden gesucht für:
«Anstreicher, Bäcker, Buchbinder, Eisen- dreher, Korbmacher, Metzger, Müller, Satt- ler, Schlosser, Schmiede, Schneider, Schreiner, Schuhmacher, Wagner und Zaugen- schmiede."
Die Lehrbedingungen sind: 3jährige Lehrzeit, jährliches Lehrgeld einschließlich Ersatz zu leistender Krankenkasse-Beiträge in der — fetabi fU Sx. unF autocm 37 M.
50 Psg. DaS Lehrverhältniß wird vertragsmäßig geregelt.
Den Gesuchen um Zuweisung von Lehrlingen haben die betreffenden Bewerber die von dem zuständigen Herrn Pfarrer und Bürgermeister zu bewirkende Beantwortung folgender Fragen beizu- fügen:
») Alter des Meisters und seiner Ehefrau?
b) Zahl und Alter der vorhandenen Kinder?
c) Wie sind die Vermögens- und Erwerbsverhältnisse?
d) Wie ist die bürgerliche und kirchliche Führung?
e) Ist der Meister vermöge seiner geschäftlichen Tüchtigkeit sowie des Umfangs seines Geschäfts für geeignet und befähigt zu erachten, einen Lehrling derart auszubilden, daß derselbe nach beendeter Lehrzeit das Gewerbe selbstständig zu betreiben vermag?
Aluch und Segen.
Novelle von B. W a I d o w.
(Fortsetzung.)
Theilnehmend erkundigte sich Arthur nach dem Befinden der kranken Mutter und plauderte in harmloser Weise an Mariannens Seite, mit einem Faden bunter Wolle spielend, den er von ihrer Arbeit genommen. Marianne, welche nicht glaubte, daß Theilnahme allein ihn hergeführt, fragte, ob er vielleicht einen Auftrag an sie von Frau Erkmann zu überbringen habe. *
«DaS nicht,' meinte Arthur und zog gleichgültig sein Portefeuille auS der Tasche, um ein Papier auS demselben zu nehmen, welches er Marianne mit den Worten reichte: «Da ist noch ein kleiner Rest geblieben seit dem Tode Ihres Vaters. — Ihre Mutter lieh sich damals die geringe Summe von meinem Alten — lächerliche Bagatelle — aber er liebt nun einmal die Ordnung.'
ES war ein Schuldschein über fünfzig Thaler; Frau Frieders Name stand darunter — und doch hatte die Mutter nie etwas von dieser Schuld erwähnt. Mariannens Hand bebte leise, während das liebliche Gesichtchen momentane Blässe bedeckte.
«Ich wußte nichts von der Schuld und Mama muß sie vergessen haben, sonst wäre sie wohl schon getilgt,' sagte sie mit tonloser Stimme.
«O, eS hat durchaus keine Eile,' entgegnete Arthur Halbing und glühend ruhten seine Blicke auf ihrer leichten Gestalt.
»Ltider hin ich auch aügevbltcklich nicht A
f) Hat der Meister nicht vielleicht die Absicht, I sich in dem Lehrling eine billige Arbeitskraft für seine landwirthschaftlichen Arbeiten zu verschaffen oder denselben zu anderen, nicht geschäftlichen Arbeiten auszubeuten?
g) Wird für den Fall, daß die Zuweisung eines Lehrlings Ostern d. J. nicht mehr möglich sein sollte, das Anerbieten für spätere Zuweisung im Laufe des Jahres 1889 aufrecht erhalten?
Dienststellen werden für männliche Zöglinge in der Landwirthschaft, sowie für weibliche in der Haus- und Landwirthschaft gesucht.
Die Bedingungen werden nach den ortsüblichen Verhältnissen vereinbart, eine Zahlung aus ständischen Fonds findet für die in Dienst tretenden Zöglinge jedoch in der Regel nicht mehr statt.
Die Gesuche um Zuweisung eines Zöglings in den Gesindedienst haben eine Bemerkung darüber^u enthalten^ ob di^Uie ^auch^noch kann, wenn solche zu Ostern d. I. nicht mehr möglich sein sollte. Die Bewerber haben die Beantwortung der für die Lehrmeister gestellten Fragen, soweit hier zutreffend, ebenwohl zu erbringen. Alle Meldungsgesuche, auf welche bis zum 1. Mai cr. Bescheid nicht ergangen sein wird, können zu Ostern d. I. nicht mehr berücksichtigt werden.
Bewerber haben ihre Meldungs-Gesuche bis spätestens zum 15. März d. I. an den Herrn Landesdirector zu Cassel portofrei einzureichen. 1485. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e t n t tz.
Aus dem Abgeordnetenhause.
Berlin, >2. Februar. Im Abgeordnetenhaus« gelangte zunächst ein Schreiben des K K. Oesterreichisch-
Stande, Ihnen die ganze Summe einzuhändigen, da ich Mama die Aufregung ersparen möchte, die ich mit der Erinnerung an jene traurige Zeit unfehlbar hervorrufen würde,' entschuldigte sich Marianne.
«Das müssen Sie in der That vermeiden und ich denke, wir beide werden diese Angelegenheit schon ordnen.' Wieder ruhten seine sonst so schläfrigen Augen mit verzehrender Glut auf dem jungen Mädchen, welches, halb abgewandt, jetzt eine Schatulle öffnete, um ihre darin aufbewahrte, geringe Baarschast herauszunehmen.
«Ich gebe Ihnen einstweilen, was ich vermag, Herr Halbing, und werde Ihren Herrn Papa ersuchen —'
„Ist gar nicht nöthig, Fräulein Marianne; ich selbst soll diese Bagatelle ordnen — und — ich will sie ordnen.'
Die letzten Worte stieß er hastig hervor, sprang von seinem Sitze auf und umschlang mit seinen Armen ihre ahnungslose, bebende Gestalt.
„Lassen Sie mich los,' preßte Marianne mühsam hervor und versuchte, ftch ihm zu entwinden.
„Ein freundlicher Blick — ein freiwilliger Kuß — und die Schuld ist getilgt,' rief er erregt und war bemüht, die Widerstrebende fester an sich zu ziehen.
Da, mit einem kräftigen Ruck war eS Marianne gelungen, sich aus den sie umschlingenden Armen zu befreien und hochausgerichtet stand sie jetzt vor Arthur Holding, mit einem Blick der Verachtung denselden messend.
Ungarischen Botschafters Grafen Szechenyi zur Verlesung, in welchem dem Hause für dir Beileidsbezeigung anläßlich des Hinscheidens des Kronprinzen Rudolph der Dank de« Herrschers und der Oesterreichisch-Ungarischen Regierung übermittelt wird. — In Erledigung der Tagesordnung wurde daraus der Gesetzentwurf, betreffend die Erhöhung der Krondotation, Hn dritter Lesung debattelos genehmigt und dann zunächst dir Berathung des Etats des Ministeriums für Handel und Gewerbe zu Ende geführt, wobei auch heute noch die Frage wegen besserer Förderung der gewerblichen FortbildungswesenS eingehend erörtert wurde.
Der Etat selbst wurde unverändert genehmigt. — Es folgte der Etat der Justizverwaltung, bei dem verschiedene, da« Ressort betreffende Wünsche, namentlich betreffend den An- drang zur Just zkarriere und die Ausbildung der jungen Juristen, zum Ausdruck gebracht wurden. Der Herr Justiz, minister erklärte, daß, nachdem er erst vor wenigen Tagen sein gegenwärtige« Amt übernommen, er nicht zum Sprechen in« HauS gekommen sei, der Debatte aber mit aller Aufmerksamkeit gefolgt und bereit sei. die vorgetragenen Wünscht nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Außerdem motivirt« aber der Herr Minister deS Näheren die von ihm im Reichstage in der Geffcken'schen Angelegenheit, welche heute von den Sbgg. Dr Hermes und Munckel (deutschfreis.) In die Debatte gezogen war, abgegebene Erklärung. AuS den -D.lailS de» S».^thu«g di-s-SEtats ist ferne- tz->«oezutz^«^- daß die von der Verwaltung beabsichtigte organisatorische Aenderung in der Stellung der StaatSanwälte bei dm Oberlandesgerichien und die damit in Verbindung stehend« dauernde Gehaltserhöhung abgelehnt und nur eine FunktionSzulage von je 600 R, bewilligt wurde. — Da» raus wurde die Berathung abgebrochen. Rächst» Sitzung Donnerstag 11 Uhr. (Fortsetzung der Etat- berathung.)
Wolitische Wachrichte«.
(Deutschla n d.) Se. Majestät der Kaiser begab sich am Montag Mittag nach der Frühstückstafel, zu welcher u. A. der Justizminister Dr. v. Schelling nebst Gemahlin geladen waren, zu Schlitten in Begleitung des dienstthuenden Flügeladjutanten nach Spandau, ließ dort sofort nach Eintreffen die gesammte Garnison alarmiren und leitete alsdann persönlich eine kurze Gefechtsübung zwischen dem 4. Garderegiment und der
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«Der Reiche hat keineswegs das Recht, niedrig von dem Aermeren zu denken,' sagte sie möglichst ruhig und fest. «Was uns an klingender Münze fehlt, beigen wir an Ehrgefühl. Merken Sie sich das, Herr Halbing, und wenn auch Ihnen noch ein Funke davon innewohnt, dann befreien Sie mich sofort von Ihrer Gegenwart.'
Die letzten Worte hatte Marianne in so entschiedenem Tone gesprochen und ihm mit einer so stolzen Bewegung den Rücken gewandt, daß Arthur keineswegs die Lust ankam, einen zweiten Angriff zu wagen.
«Hochmüthige, spröde Hexe,' murmelte er grimmig zwischen den Zähnen; laut aber mit einem teuflischen, boshaften Ausdruck in seinem blasierten Gesicht, sagte er zu Marianne: «Den Seebär, den ich einmal meinen Bruder genannt, hätten Sie wohl schonender behandelt an meiner Statt? — Schade, daß die gegenseitige Sympathie nun ein Ende hat, seit die «Lydia' mit ihrem wackeren Kapitän untergegangen ist.'
Marianne wandle sich um und starrte den Sprecher an.
E n Blick in ihr erbleichendes Gesicht sagte ihm, daß er mit seinen Worten sie getroffen habe bis ins Herz hinein, und befriedigt, ein höhnisches Lächeln auf den farblosen Lippen, verließ er daS Zimmer.
Mit einem lauten, durchdringenden Schrei sank Marianne zu Boden, und alS sie aus einer tiefen Ohnmacht erwachte, da fiel ihr erster Blick auf HguptMv« Horst- besorgt auf sie herabgebeugteß