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Hcksftlilcr Kreislillltt.
__________Mit wöchentlicher KraLLs-Aeilage „Jllulirirtes MuterhattungsölE.__________
Nr. 19. Dienstag den 12. Februar 1889;
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Amtliches.
Nach Beschluß des Bundesraths findet, wie in den letzten Jahren, in der 2ten Hälfte des Monats Februar 1889 eine Ermittelung des Ernteertrages für 1888 statt, welche den Zweck verfolgt, durch directe Umfragen möglichst zuverlässige Angaben über die im Jahre 1888 wirklich geerntete Menge an Bodenprodukten zu gewinnen. Die bei den gleichen Aufnahmen in den jüngst verflossenen Jahren ausgesprochene Hoffnung, daß sachkundige Männer, namentlich Mitglieder der landwirthschaftlichen Vereine, sich bereit finden würden, durch ihre Erfahrungen und Ortskenntnisse die angeordneten Ermittelungen nach Kräften zu fördern und auf einen möglichst hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, ist erfreulicherweise nicht getäuscht worden. Dies berechtigt zu der Erwartung, daß auch bei den Ermittelungen der diesjährigen Ernte-Ergebnisse auch sonstige sachkundige und erfahrene Männer ihre thatkräftige Mitwirkung in den SchätzungsCommissionen nicht versagen werden.
Caffel am 15. December 1888.
__Der Regierungs-Präsident. Rothe.
Der Herr Minister des Innern hat dem Verein für Pferderennen und Pferdeausstellungen in Preußen zu Königsberg i/Pr. die Genehmigung ertheilt, bei Gelegenheit der in diesem Jahre daselbst abzuhaltenden Pferdeausstellung eine öffentliche Verloosung von Equipagen, Pferden rc., zu welcher 30000 Loose zu je 3 Mark ausgegeben werden dürfen, zu veranstalten und die Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.
Caffel am 1. Februar 1889.
Der Regierungs-Präsident.
__J. V.: Schwarzenberg.__
Hersfeld, den 6. Februar 1889.
Der seitherige Bürgermeister Philipp Wenzel
Kluch und Segen.
Novelle von B. W a l d o w.
(Fortsetzung.)
»Die Wahrheit, die du vor wenigen Minuten schon einmal hören mußtest." antwortete Hugo mit fester Stimme und stand hochausgerichtet vor der, ihrer sicheren Haltung beraubten Gestalt des Vaters.
»Schlange!" zischte der letztere hervor. .An den Thüren also schleichst du umher und —"
»Nicht weiter!" unterbrach ihn Hugo mit zorniger Stimme. .Dein eigener Befehl hat mich hierher geführt, und so wurde ich leider zum Mitwisser eines Verbrechens, welches einem braven Mann das Leben gekostet und einem andern, den du als Werkzeug benutzt, die Ruhe des Gewissens geraubt hat."
_ »Aus meinen Augen, Bube, und auS meinem Hause!" schrie Halbing außer sich vor Wuth. »Vergiß, daß ich dein Vater bin — von diesem Augenblicke an besitze ich nur noch einen Sohn."
»Nach dem, was ich heute erfahren, würde ich gegangen sein auch ohne dein Geheiß, — und daß du mich verstoßen hast, will ich draußen in der Welt, im Verkehr mit redlichen Menschen, verschmerzen!" Damit riß Hugo hastig die Thür auf und stürmte hinaus. — —
Was des Hauses Schutzgeist, die freundliche Matrone, vor vielen Jahren zu verhüten vermochte, das war nun doch erfolgt — ein gänzlicher Bruch Wischen 8a|eV und Sohn.
zu Oberhaun ist als solcher auf weitere 8 Jahre gewählt und heute eidlich verpflichtet worden.
1329. Der Königliche Landrath
__Freiherr von Schleini tz.__
Hersfeld, den 11. Februar 1889.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 4. Mai 1880 Nr. 4917 im Kreisblatt Nr. 36, die Führung des Verzeichnisses sämmtlicher Gemeindeglieder betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 20. d. M t s. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.
1508. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.
Gefunden: ein zwei Meter langer Stab Flacheisen. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Schenklengsfeld.
* WeLerMe M HMsW.
Die Socialdemokraten haben im Reichstage den Freisinnigen die Mühe ab genommen, einen Antrag auf Aufhebung der Kornzölle einzu- bringen. Nach' Lage der Dinge war es von vornherein klar, daß für diesen Antrag keine Majorität im Reichstage zu finden ist. Wenn er trotzdem eingebracht wurde, so konnte er nur den Zweck haben, die gedankenlosen Massen gegen den Reichstag wie gegen die Landwirthschaft aufzuhetzen. Der Verlauf der ersten Berathung hat dies bestätigt. Herr Bebel begann mit der Behauptung, daß seit zehn Jahren die materielle Lage der deutschen Arbeiter sich sehr erheblich verschlechtert habe. Daran sollen in erster Linie die Getreidezölle Schuld sein, obwohl nachgrade wenigstens jedem Abgeordneten die Thatsache bekannt sein müßte, daß ungeachtet aller Zölle die Getreidepreise noch nie so niedrig waren, wie in den letzten zehn Jahren, und daß ihr geringes
Es war Abend geworden; — in dem Zimmer der Greisin stand Hugos Reiseloffer, denn noch heute wollte der verstoßene Sohn das väterliche Haus verlassen. — Unter Thränen hatte er soeben von der Mutter Abschied genommen, welche keine Ahnung hatte von der Ursache des Bruches zwischen Vater und Sohn, und er kam nun, auch der Großmutter Lebewohl zu sagen und — Marianne.
Die letztere saß auf einem niederen Bänkchen, den Kopf an die Kniee der alten Frau gelehnt, und heiße Thränen entströmten ihren Augen.
Bet Hugos Eintreten stand sie hastig auf. — Im nächsten Augenblick war er an ihrer Seite und fragte mit bebender Stimme: »Sie weinen, Marianne — weshalb?"
.Muß es denn sein, daß Sie fortgehen, Herr Kapitän?" klang es leise über Mariannens Lippen.
.Es muß sein," sagte Hugo dumpf, .denken Sie meiner zuweilen und beten Sie für mich, wenn Sie für einen Verstoßenen beten mögen."
Marianne kannte ebenfalls nicht den wahren Grund von Hugos plötzlicher Abreise, trotzdem machten seine letzten Worte einen gewaltigen Eindruck aus sie und angstvoll preßte sie seinen Namen hervor, während ihre Hände das thränenüber- strömte Gesicht bedeckten.
Der Kapitän hatte sich vorgenommen, ihr gegenüber betreffs seiner Liebe standhaft zu bleiben, weil er glaubte, mit dem Fluch auf seinem Haupte keinen Anspruch machen zu dürfen auf dies reine
Ansteigen im letzten Jahre nicht den Zöllen, sondern lediglich einer ungünstigen Ernte oder den durch die Ueberschwemmungen angerichteten Verheerungen u. s. w. zuzuschreiben ist. Eine genaue Beobachtung der socialdemokratischen Bewegung in den letzten zehn Jahren führt im Gegentheil zu ganz anderen Behauptungen, als wie die des Herrn Bebel. Welch' bedeutende Summen hat die Socialdemokratie in diesen zehn Jahren für Agitationszwecke zusammengebracht! Ein Theil dieser Beträge mag ja von capita- listischer Seite gegeben worden sein, der weitaus größere Theil aber ist trotz der angeblich so schlechten Lage, trotz der allsonntäglich überfüllten Vergnügungslocale, trotz des auch in den arbeitenden Classen immer mehr überhandnehmenden Vereinslebens — von den Arbeitern aufgebracht worden. Die Mittel zu dem Allen müssen also doch wohl vorhanden gewesen sein. Wer mit gewissenhaftem Ernste unsere Zustände betrachtet, wird den gewaltigen Aufschwung von Handel und Industrie, des Kunstgewerbes, de«. usverkLnobur wachsenden Wohlstand in allen Schichten der Bevölkerung, wie ihn das aufmerksam beobachtende Ausland oft genug in den Kreis seiner Betrachtungen zieht, nicht leugnen können. Man werfe einen Blick auf die riesig anschwellenden Ziffern des Güterverkehrs der Eisenbahnen, des Postverkehrs, die zahllosen neuen staatlichen wie privaten Unternehmungen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, die Steuerermäßigungen und Schulgelderlasse für die unteren Klassen, die Fürsorge auf dem Gebiet des gewerblichen Unterrichts, die Kranken- und Unfallversicherung — und alle diese Dinge sollen seit zehn Jahren eine Verschlechterung der Lage der Arbeiter zum mindesten nicht verhindert haben?
Und welchen Beweis hat der Abgeordnete Bebel für seine ungeheuerliche Behauptung?
Er führt eine Reihe von Ortschaften an, in
Wesen — bei dessen rührendem Anblick jedoch vergaß er seinen Vorsatz.
Mariannens kleine Hände in seine Rechte schließend, zog er ihren Kopf an seine Brust und drückte einen heißen Kuß auf ihre Stirn.
.Ich liebe dich, Marianne, und wenn du mich auch lieb hast, dann bleib’ mir treu!"
.Bis in den Tod!" tönte es leise von ihren Lippen und fester noch schmiegte ste sich an ihn, als wolle sie ihn niemals wieder von sich lassen.
.Gott segne euch! klang feierlich die Stimme der Greisin und auf die Kniee sanken der Seemann und seine junge Braut, während Frau Erkmana die Hände zum Himmel erhob und für das Glück ihrer Lieblinge betete.
Darauf wandte sie sich an den Enkel mit den Worten: .Ueber dein Kleinod werde ich wachen, so lange ich noch lebe, und dir will ich einen Talisman mitgeben hinaus in die Welt. Nimm diesen Ring, er ist ein altes Erbstück meiner Familie, und wer ihn trägt, soll glücklich sein. So sagte mir der biedere Mann, der einst, vor langen Jahren, ihn in meine Hände gelegt. — Werde glücklich, Hugo, und bleibe gut und brav."
Mit Ehrfurcht nahm der Enkel den kostbaren Ring, auf dessen Platte Brillanten die Form eines Kreuzes bildeten, aus der Großmutter Hand, die er dankbar an feine Lippen drückte. Dana nahm er Abschied von der Greisin und Marianne, welche er der ersteren in die Arme legte und ihrem SHutz empfahl, und wenige Minuten später vexe