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Heissel-er KreiMiitt.

__________Mit wöchentlicher chratis-AeilageIllustrirtes NnterhatLungsölaLL".__________

Nr. 18. Sonnabend den 9. Februar 1889.

Amtliches.

Hersfeld, den 7. Februar 1889.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver- fügung vom 8. Januar 1886 Nr. 60 im Kreis­blatt Nr. 6, die Einreichung der Nachweisung über die im IV. Quartal OctoberDecember zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Rückstände an directen Communal-, Kreis- und Provinzial- steuern betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 16. d. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert. 1403. Der Königliche Landrath

______________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 7. Februar 1889.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 30. Mai 1879 Nr. 6474 im Kreis­blatt Nr. 44, das Einbinden der Kreisblätter betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 18. d. Mts. bet Meldung von je 3 Mk. Strafe erinnert.

1404. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

Zugelaufen: ein Hund. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Futterkosten bei dem Landwirth Friedrich Boß zu Kirchheim in Empfang nehmen.

Gefunden: eine Mütze. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zn Kirchheim.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 6. Februar. Der Reichstag setzte die dritte Berathung des Etats fort. Beim Etat des Aus­wärtigen Amt» wurde eine erhöhte Unterstützung für die zoologische Station in Neapel in Aussicht gestellt. (Sonstige Debatte veranlaßte dieser Etat nicht.) Beim Etat des

Iluch und Segen.

Novelle von B. W a l d o w.

(Fortsetzung.)

Hugo hatte die große eichene Thür wieder ge­schloffen, und die dargebotene kleine Hand »äffend, führte er Marianne m>t den Worten: «Wer ein Amt hat, der warte sein," die drei Treppen zu ihrer Wohnung hinauf.

»Gute Nacht, Marianne!" sagte er, hier ange­kommen, mit weicher Stimme und seine Augen richteten sich mit innigem Ausdruck auf ihr blaffeS, liebes Gesicht. »Aus Wiedersehen morgen und einen Gruß an die Mutter!"

»Ich danke!" erwiderte das junge Mädchen, dann fühlte sie einen brennenden Kuß auf ihrer Hand . .und ün nächsten Augenblick stand sie allein.

Hugo eilte raschen Schrittes die von der im Flur brennenden Ampel matt erleuchteten Treppen hinab und öffnete mit schnellem Griff die Thür seines Zimmers, welches er hastig durchmaß, wieder den Ausdruck bitteren Wehs tn dem ausdrucks­vollen Gesicht.

Nach langer Wanderung begab er sich zur Ruhe und bald darauf senkte sich der Schlaf aus seine Lider und warf ihn dem Traumgott in die Arme, der in bizarrer Laune ihm die w'rrsten Bilder vor die Seele führte.

Marianne indes war bemüht, den Anordnungen des Arztes nachzukommen und sorgte die ganze Nacht hindurch mit treuer Liebe für die kranke Mutter, bis der dämmernde Morgen derselben

ReichsamtS des Innern wurde u. A. ein Antrag aus Er­höhung des Fonds zur Unterstützung des deutschen Fischerei­vereins in Folge der wohlwollenden Erklärung des Herrn Staatssekretärs von Boetticher zurückgezogen. Ein Antrag, nach welchem die Kosten der Seelsorge für die bei dem Bau des Nord-Ostsee-Kanal beschäftigten Arbeiter vom Reiche übernommen werden können, wurde unter Zustimmung des Herrn Staatssekretärs v. Boetticher vom Hause ange­nommen. Vom Etat deS Kriegsministeriums wurden die lortdauernden Ausgaben ohne erhebliche Debatte erledigt und bei den einmaligen Ausgaben dann die Berathungen vertagt, nachdem folgende Resolution trotz der vom Herrn Schatzjekretär gegen dieselbe geäußerten Bedenken zur An­nahme gelangt war; die verbündeten Regierungen zu er­suchen, in Erwägung zu ziehen, ob nicht im Sinne einer Verminderung der Anleihebeträge vom EtatSjahre 1890/91 ab die sämmtlichen KasernirungSbauten aus das Ordinarium zu übernehmen seien. (Morgen: Fortsetzung der Etats- berathung.)

Das Abgeordnetenhaus verwies den Gesetzent­wurf, betreffend die Erhöhung der Krondotation, ohne weitere Debatte an die Budgetcommission. Dagegen ver­anlaßte der Gesetzentwurf, betreffend den Erlaß oder die Ermäßigung der Grundsteuer in Folge von Ueberschwem- wungen, eine längere Debatte, die indeß weniger dem materiellen Inhalt, als vielmehr t s Form deS Entwurfs galt. Der Gesetzentwurf seihst trotze der ägrarCommission, der Bericht über die Verwendung des ErlöseS für verlauste Berliner Stadtbahnparzellen aber der Budgetcommiffion überwiesen. Sodann wurde in der Berathung des Etats fortgefahren und nach eingehender Debatte, welche haupt- sächlich die Regelung der Gehalts- und Pensionsverhältnisse verschiedener Beamtenkategorien zum Gegenstände hatte, die Etat» der direkten und der indirekten «Steuern, sowie der Allgemeinen Finanzverwaltung erledigt. Bei dem Etat des Finanzministeriums gelangte die Frage der Gehaltser­höhung für den UnterstaalSsekretär von 15 000 auf 20 000 Mark zur nochmaligen Erörterung, doch lehnte die Majo­rität auch bei diesem Etat die beantragte Erhöhung in Uebereinstimmung mit dem zum Etat des Staatrministe- riumS gefaßten Beschlusse ab. Nächste Sitzung Freitag, 11 Uhr. «Eisenbahnvorlage, Etatberathung.)

Berlin, 7. Februar. In der heutigen (36.) Plenar­sitzung wurde die dritte Berathung des Etats fortgesetzt. Im Etat der Reichs-Kriegsverwaltung führte nur der Titel zu einer Debatte, welcher 500 000 Mk. jum Neubau einer Caserne für drei EScadronS Cavallerie in Darmstadt als zweite Rate (erste Baurate) fordert, und der in der

Besserung brächte und auch hier zwei Augenpaare sich zum Schlummer schloffen.

Der nächste Morgen war so sonnig und hell und hatte Hugo früh geweckt.--Schon war derselbe in voller Thätigkeit, da trat der alte Kon­tordiener mit der Meldung herein, daß der Vater in einer Stunde ihn zu sprechen wünsche.

»Was wird er mir wohl zu sagen haben?" dachte der Kapitän, indem unwillkürlich das Begegnen des gestrigen Abends vor seine Seele trat. Er beschleunigte das Ordnen seiner Papiere und pünkt­lich nach Ablauf einer Stunde betrat er von einem langen Korridore aus das kleine Borge- mach, welches sich an Halbings Z'mmer schloß. Aus diesem drangen heftige Stimmen an fein Dgr und mechanisch hemmte er den Schritt.

»Nun, Herr Halbing, wie stehl's mit den Zwei­hundert?' fragte eine ihm fremde Stimme in herausforderndem Ton.

»Schurke!' klang deS BaterS Antwort durch die geschlossene Thür.

»Dazu haben Sie mich erst gemacht, denn alS ich in Ihr Haus gekommen, war ich ein ehrlicher, simpler Kerl. Zum letzten Mal, Herr Hat- bing, wollen Sie das Geld geben oder nicht?" tief der Fremde in heiligem Zorne.

»Eine Kugel durch dein verrücktes Hirn wäre das beste, was ich dir geben möchte," entgegnete wuthschnaubend der Gefragte, und durchmaß mit hastigem Schritt daS Zimmer.

»Eine Kugel soll das letzte sein - aber aus eigener Hand," tönte es dumpf zu Hugo

zweiten Lesung gestrichen worden war. Nachdem der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff die Nothwendigkeit der Verlegung des betreffenden Casernements von Baben« hausen nach Darmstadt nochmals eingehend erörtert, wurde die Position heute mit großer Majorität bewilligt. Sodann veranlaßte bei dem Etat des Reichsschatzamtes die Resolution der Abg. v. Helldorff und Genossen, die verbündeten Re­gierungen zu ersuchen, falls England die Initiative zur Wiederherstellung des Silbers als Währungsmetall ergreift

die Bereitwilligkeit Deutschlands zu einem gemeinsamen Vorgehen mit England auszusprechen, eine eingehende Debatte. Nach Begründung der Resolution durch den Abg. Grafen v. Mirbach (deutschcons.), dem zunächst Abg. Dr. Bamberger (deutschfr.) entgegentrat, erklärte Schatz« secretär Frhr. von Maitzahn, daß in den deutschen Münz« Verhältnissen absolut kein Grund vorhanden sei, unser jetziges WährungSverhältniß zu ändern. Deutschland werde jedenfalls abzuwarten haben, ob von Seiten der groß- britannischen Regierung irgend ein Schritt in dieser Frage erfolge. In der weiteren Debatte sprachen noch die Abgg. v. «ennigfen (nat.-lib.) und Dr. Mayer-Halle (deutschfr.j gegen, die Abgg. v. Kardorff (Reichsp) und Dr. v. Frege (deutschcons.) für die Resolution, die übrigen» inzwischen von den Antragstellern vor der Abstimmung zurückgezogen war, so daß die Debatte ein formelles Er­gebniß nicht hatte. Es wurden dann noch bei der Taback»-, Zucker- und BranntwelvvkueLvuschiedene Wünsche, geäubert und bei der letzteren namentlich die schwierige Lage der kleineren Brennereien betont, während der Herr Schatz« secretär die Erklärung wiederholte, daß Erleichterungen innerhalb des Rahmens des Branntweinsteuergesetzes soweit als irgend möglich gewährt würden, daß aber die Zeit für eine Revision des GesetzeS noch nicht gekommen sei. Morgen: Etat; kleinere Vorlagen.

Uotitische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser empfing am Mittwoch Vormittag im Weißen Saale auf dem Thron sitzend und umgeben von den Ministern, Generälen, Würdenträgern und Hofchargen die marokkanische Specialmission, nahm die vom Botschafter verlesene arabische, durch den Dragoman übersetzte Botschaft ent­gegen und erwiderte, in deutscher Sprache seinen besten Dank für die Glückwünsche und Gesin»

heraus. »Jetzt aber brauche ich vorderhand Geld, um--verstehen Sie recht, Herr Halbing um in Amerika mein böses Gewissen zu betäuben. Vielleicht verfolgt mich bis dahin nicht das schmerz­liche Stöhnen des wackeren Frieder, was jetzt allnächtlich mich aus dem Schlafe weckt und am Tage von der Arbeit vertreibt.--Selbst der Donner vermag eS nicht zu übertäuben und nicht der rasende Sturm. Sie haben freilich nichts gehört von seinem Wimmern und nicht gesehen, was der arme Mann gelitten hat denn Sie waren ja wohlweislich wenige Stunden vor jenem unglückseligen Brande fortgefahren und--"

»Schweig' Elender!" schrie Halbings Stimme dazwischen, aber unbeirrt fuhr der andere fort:

»Und als Sie wiederkamen, da waren Sie em­pör!, alles unversehrt zu finden. S'.e hätten bett braven Frieder auch in das Bubenstück einweihen müssen, wenn es anders hätte kommen sollen. Der hätte zwar seine ehrliche Hand niemals dazu hergegeben, wie ich eS leider gethan."

»Halt' ein mit deinem Hirnverrückten Geschwätz, Nichtswürdiger," klang Halbings Stimme da­zwischen. »Hier ist das Geld und nun fort aus diesem Hause, und wenn du mir jemals wieder vor die Augen trittst, dann laffe ich dich an einen Ort bringen, wohin du gehörst inS Irrenhaus."

»Das sieht Ihnen ähnlich," entgegnete der Fremde. »Wer Geld hat, wie Sie, und nebenbei ein weites Gewissen, dem fällt das Bestechen nicht schwer. Auf Ihrem Hab und Gut aber, zu Dessen