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Nr. 17. Donnerstag den 7. Februar 1889.

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Amtliches.

Gefunden: eine Kette. Meldung des Eigen« thümers bei dem Ortsvorstand zu Oberhaun.

0. Zum Tod des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich.

Von den Wiener Aerzten, welche die Obduktion an dem Kronprinzen Rudolf vorgenommen haben, werden jetzt ausführlichere Gutachten be­kannt, die den Zustand des Gehirns mit Bestimmtheit als einen krankhaft be­fundenen bezeichnen. So theilt der Professor und Vorstand der psychiatrischen Klinik, Hofrath Meynert, mit, daß man Gehirnwassersucht und entsprechende Veränderungen der Schädelwandung, im besonderen eine vorzeitige Verwachsung der Schädelnähte festgestellt habe. Es heißt in diesem Gutachten dann weiter:

Der anormale (Wasser-) Druck im Gehirn kann derartig intensiv werden, daß man zu jeder Zeit in einen Reizungszustand und vorübergehend zu einer Störung des Bewußtseins gelangt, in dem unwiderstehlichen Antriebe von Angstgefühl kann sogar vollständige Trübung des Bewußtseins eintreten. Die gesteigerte Reizbarkeit des Gemüths ist aber stets Vorbote seelischer Störungen, und

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Ituch und Segen.

Novelle von B. W a i d o w.

(Fortsetzung.)

Helene fühlte, daß sie auf dem besten Wege war, ihren Zweck zu erreichen, und wollte eben wieder eine boshafte Frage an Marianne richten, als Hugo, weicher mit Hauptmann Horst dem Gespräch zugehört, sich an diese wandle:Den Kinderfreund haben auch die großen Kinder lieb behalten, wie ich zum Beispiel, der Ihrem Onkel Brandt ein freundliches Gedenken auch in fremden Landen bewahrt hat."

Wen Sie Ihrer Liebe für werth halten, Kapitän, muß, glaube ich, ein Mustermensch sein, denn eS scheint mir, als wären Sie weder mit Freund­schaft noch mit Liebe je verschwenderisch gewesen," meinte Horst lächelnd und reichte mit einem freund­lichem Blick aus Hugo Helene seinen Arm, da soeben ein Tanz begann.

Mißmuthig, daß heute keines ihrer Manöver glücken wollte, folgte ihm diese, während Hugo, dem Paare nachblickend, bet sich dachte, daß das hochmüthige, stolze Herz seiner Schwester für den geraden, biederen Charakter ihres Begleiters wohl kaum passen könne.

Dann bot er gleichfalls Marianne seinen Arm, nicht aber, um sie in die Reihen der Tanzenden, sondern in eine, mit lebendigem Grün geschmückte Nische deS Saales zu führen.

_Hier wollen mir bleiben, bis Sie wieder heiter drsfflschgstkfl »ph für die dort paffen,* sagte er

I thatsächlich stimmen alle Berichte darin überein, daß der Kronprinz in den letzten Tagen eine früher nie beobachtete Reizbarkeit zeigte. Es kann ein Individuum trotz der es bereits befallenden Wahnvorstellungen und trotz seines krankhaft ab­weichenden Gehirnzustandes eine derart feste äußere Haltung zur Schau tragen, daß es jeden krank­haften Entschluß, beispielsweise zur Selbstver­letzung anderen geschickt verbergen kann. Die Gehirnhöhlenwassersucht ist entweder angeboren oder durch Fieber, Typhus oder einen Sturz er­worben. In vielen Fällen geistiger Störung ist ein ausschlaggebendes Moment in einer auch längere Zeit vor der Krankheitserscheinung er­littenen Erschütterung des Schädels beispielsweise durch Sturz zu suchen. Damit würde voll­kommen stimmen, daß der unglückliche Thron- folger im October vorigen Jahres einen Sturz vom Pferde erlitten hat. Die äußere Erscheinung des Menschen braucht durch einen derartigen Proceß der geistigen Störung nicht im Geringsten alteriert zu werden, er kann fortwährend blühend aussehen und ^*«^«*fe-bal-^^ in kick tragen. Ein zu geistiger Krankheit vorbereiteter oder bereits damit behafteter Mensch kann in den besten Ernährungsverhältnissen stehen; es sind Fälle bekannt, daß Individuen jahrelang trotz Gehirnhöhlenwassersucht blühend aussehen. Da erfolgt ein Sturz oder eine seelische Er­schütterung, und die Wahnvorstellungen, das Angstgefühl treten auf. Die entseuche Enge im Gehirn, der Druck steigert sich bis Kr Uner- träglichkeit, die furchtbar erhöhte Reizbarkeit führt zu einer Trübung des Bewußtseins, und die Calastrophe ist da."

Die Aerzte versichern gleichzeitig auf das ernsteste, daß sie ihr Urtheil nach bestem Wissen und Gewissen und ohne jede Beeinflussung abge­geben hätten; es ist ihnen dem Vernehmen nach sogar ein Eid abgenommen, der sie verpflichtete,

mit einem Blick auf die fröhliche Menge und ließ sich neben Marianne auf dem zierlichen Divan nieder.

Wie oft hatte er schon neben ihr gesessen in ihrem eigenen bescheidenen Heim oder in Frau Erk« maonS Wohnung, wo Marianne nach alter Ge­wohnheit täglich vorzusprechen pflegte. Ihr harm­los kindliches Wesen hatte von dem ersten Begeg­nen an wohlthätig auf seinen ernsten, verschlossenen Charakter gewirkt und es würde ihm etwas ge­fehlt haben, hatte er Marianne einmal einen Tag lang nicht gesehen und wie sonst nicht von seinem braven Frieder mit ihr plaudern können.

War's eben nur Gewohnheit, hervorgegangen aus der Freundschaft für den Verstorbenen, die thu zu dessen Kinde zog?

Der wackere Seemann hatte eS geglaubt vor wenig Stunden noch, und erst die höhnischen Worte seines Bruders hatten ihn aus seinem Wahne aufgerüttelt.

Magst du nicht leiden, daß fremde Augen sie sehen?" klang eS noch immer vor seinen Ohren, und sein Herz wußte eine Antwort darauf. Es sagte ihm, daß er Marianne liebte, was Arthur wohl schon längst geahnt und deshalb seine Schritte bewacht hatte.

Glücklich, Marianne aus dem Bereich HelenenS boshafter Rede», wie der theilweise sehr dreisten, musternden Blicke der versammelten Herrenwelt ge­bracht zu haben, saß er plaudernd an ihrer Seite, mit ganz anderen Gefühlen alS sonst. Bon seines Herzn- Geheimniß freilich kam kein Wort über

die volle Wahrheit über das Ergebniß ihrer Untersuchung dem Kaiser mitzutheilen. Wir dürfen hiernach annehmen, daß Kronprinz Rudolph den Ereignissen und Verhältnissen, die ihn zu dem Entschluß, sich den Tod zu geben, getrieben haben, mit getrübter geistiger Klarheit und ge­schwächter Willenskraft gegenübergestanden hat, und daß schon bei den Anfangsentwickelungen dieser Verhältnisse der oben geschilderte Krank­heitszustand als Erklärungsgrund in Betracht zu nehmen ist.

Die vereinzelt noch immer auftauchenden An­deutungen, daß Kronprinz Rudolph nicht durch Selbstmord geendet, sondern das Opfer eines aus Rachsucht verübten Mordes geworden wäre, müssen mit aller Bestimmtheit als Unwahrheiten Iiekennzeichnet werden. Es sollte doch auch für eden auf der Hand liegen, daß es für den trenggläubigen Kaiser von Oesterreich viel chwerer war, seine Völker wissen zu lassen, daß sein Sohn selbst Hand an sich gelegt, als ein Ende durch Mord, gleichviel unter welchen Nebenumständen, zur öffentlichen Kenntniß-^» ormgenl doppelt verwerflich muß aber bet solcher Sachlage das Verfahren von Organen erscheinen, die zwar ebenfalls als zweifellos bezeichnen, daß ein Selbstmord vorliegt, gleich­wohl aber jedem Klatsch, der von einer anderen Todesursache wissen will, Weiterverbreitung geben und das mit hervorragender Schrift.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 4. Februar. Im Reichstage «acht« der Präsident v. Levetzow zunächst Rittheilung von einem ihm zugegangenen Schreiben deS österreichisch-ungarischen Bot« schaflerS Grafen o. Szechenyi, in welchem für da« vom Reichstage aus Anlaß des Todesfall« in Wien ausgedrückt« Beileid Dank ausgesprochen wird unter dem Hinzusügei^ daß der Botschafter nicht verfehlen werde, diese Beileidsbe­zeigung an die Stufen deS Thrones zu bringen. Nach Er­ledigung zweier kleineren Borlagen wurde die am Donnerstag

seine Lippen, seine Augen aber hingen so beredt an Mariannens Zügen, von denen längst der Schatten deS Unmuths gewichen war und selbst dann nicht zurückkehrte, alS sie eine halbe Stunde später an Hugos Seite der schönen stolzen Tochter des Hauses beim Kontertanz gegenüberstand.

Tage waren seit jenem Gesellschaft-abend ver­gangen; Herr Halving hatte eS vorgezogen, deS damals entstandenen Streites feinem Sohne gegen­über nicht mehr zu gedenken und Arthur ging dem Bruder scheinbar so viel als möglich auS dem Wege, wenngleich er im stillen sehr genau auf dessen Thun und Treiben achtete.

Zwischen Hugo und Hauptmann Horst bestand seit jenem Abend ein Verhältniß, aus welchem eine dauernde, feste Freundschaft zu werden versprach. In dem Matze, wie Hugo sich täglich mehr seinem Bruder entfremdete, schloß er sich fest und innig dem neuen Freunde an, der Geist und Herz besaß und dessen Umgang ihm somit zum Bedürfniß ge­worden war.

An einem kalten, aber mondhellen Abend von einem Besuche bet Horst heimkehrend, erblickte Hugo, um eine Stratzenecke biegend, in geringer Entfernung zwei junge Männer, welche unver­wandt die Thür des gegenüberliegendeo Hauses zu beobachten schienen. Da er in dem einen der jungen Leute seinen Bruder erkannte, hemmte er seinen Schritt und sah gleich daraus aus der Thür eine in ein dunkles Tuch gehüllte weibliche $p