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Htlsstlher Kreisbllitt.

_________WiL wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirLes IlnLerhatLungsölatt"._______

Nr. 14. Dmmerstagden31. Januar 1889.

Aöonnements-Ginladung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Kreisvlalt mit der wöchentlicher» Gratts Beilage Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 26. Januar 1889.

Der seitherige Bürgermeister Heinrich Ruppel zu Dünkelrode ist am 25. d. Mts. als solcher auf weitere 8 Jahre verpflichtet worden.

809. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

--'nwn^ 'nach

Wilhelmshof ein silbernes Armband. Meldung des Eigenthümers bet dem Ortsvorstand zu Un- terweisenborn.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 28. Januar. Der Präsident theilte zunächst mit, daß daS Präsidium bei der gestrigen Cour Sr. Majestät dem Kaiser die Glückwünsche des Reichstages jum Geburtstage dargebracht und daß Allerhöchstderfeibe diese Wünsche herzlich dankend entgegengenommen habe. Bei Fortsetzung der Berathung deS Etats der Zölle und Ver­brauchssteuern gelangte zunächst der TitelZuckersteuer" zur Verhandlung. Abg. von Bennigsen (nl.) machte hier, bei aus den bedauerlichen Umstand aufmerksam, daß durch die wenig entgegenkommende Haltung Oesterreichs und Frankreichs die Ausführung der Londoner Zuckerkonvention in Frage gestellt sei. Mit der Haltung der verbündeten Regierungen in dieser Frage erklärte er sich einverstanden. Auch Abg. Dr. Witte (bfr.) sprach ebenfalls sein Sinnet» ständniß mit der Haltung der verbündeten Regierungen

Iluch und Segen.

Novelle von B. Waldow.

(Fortsetzung)

So bestand äußerlich ein gutes Einvernehmen zwischen Hugo und seinen Angehörigen, und nur der ernste Beobachter konnte erkennen, daß es nicht Liebe war, was dies Einvernehmen aufrecht erhielt.

Der Repräsentant der Firma G. Halbing konnte noch immer nicht verschmerzen, daß Eigensinn und Trotz, wie er es nun einmal nannte, ihm den klugen Kops und die strebsame Hand des Sohnes für sein auSgebreitetes Geschäft entzogen hatten, und auch Hugo konnte seinerseits sich dem Bater nie so ganz in kindlicher L'ebe nähern.

So war auch das scheinbar gute Einvernehmen mit seinen Geschwistern ein sehr oberflächliches, denn sein gerader, biederer Sinn konnte sich weder mit Arthurs Blasiertheit noch mit Helenens Hochmuth befreunden. Beide aber, das fühlte er, liebten ihn ebenso wenig, und die kalte Höflichkeit, mit der sie ihm begegneten, würden sie jedem anderen Gast des Hauses auch entgegengebracht haben, da vor allem die Etikette aufs peinlichste beobachtet wurde, hauptsächlich, wenn Fremde zu- gegen waren. Dies war aber, wie schon gesagt, sehr oft der Fall, denn eS gehörte ja zum guten Ton.

Hugo sah und hörte manches, waS seinem offenen, biederen Charakter zuwider war, und wenn er dann zuweilen auffahren und für das gute fstecht eine Lanze brechen wollte, so war's ein1

aus, während Schatzsekretair Frhr. v. Maltzahn seine be­reits in der Budxetcommission abgegebene Erklärung wiederholte, daß Deutschland nur unter der VorauSsehung der Londoner Convention beigetreten sei, daß alle Staaten dieselbe loyal zur Durchführung bringen würden. Auf Anfrage des Abg. Robbe (Reichspartei) erklärte der Herr Schatzsekretair, daß die Aufmerksamkeit der verbündeten Regierungen auf den Stärkezucker und den Saccharin be­züglich etwaiger Besteuerung bereits gerichtet sei. Abg. Fürst v. Hatzfeldt (Reichspartei) machte auf die Gesund. Heitsschädlichkeit des Saccharins aufmetifam. Der Titel selbst wurde unverändert genehmigt, desgleichen debatteloi Titel 4.Salzsteuer." Bei Titel 5Branntweinsteuer" anerkennt Abg. Blankenhorn (nat-lib.). daß das neue Branntweinsteuergesetz sür Süddeutschland zwar Vortheile gebracht habe, nur die AuSführungsbestimmungen für die kleinen Brennereien erregten vielsach Anstoß. Abg. Frhr. v. Ellrichshausen (Reichsp.) schloß sich für Württemberg den Ausführungen an. Schatzsekretär Frhr. d. Maltzahn erwidert, daß schon aus Anregung des Abgeordneten von Bennigsen in der ersten Lesung des Etats die hier er­hobenen Beschwerden, welche sich aus den § 13 deS Brannt- weinstcuergesetzes, die kleinen Materialienbrennereien be­treffend, beziehen, zum Gegenstände von anfragen gemacht worden, daß indeß nach Mittheilung der verschiedenen deutschen Regierungen Klagen darüber zur Kenntniß der­selben nicht gelangt seien. Daraus wurde die Berathung vertagt. Morgen: Internationaler Vertrag wegen der Unterdrückung deS Branntweinhandels unter den Nordsee- fischern auf hoher See; Ostasrikanische Borlage in zweiter Lesung.

Berlin, 29. Januar. Der Reichstag erledigte heute in zweiter Berathung die ostasrikanische Vorlage, welche noch zu einer sehr eingehenden Debatte führte. Die Regierung blieb im Wesentlichen an derselben unbetheiligt. Zunächst hielt der Abg. Richter (deutschfr.) eine sehr lange Rede gegen die Vorlage, in welcher er zu dem Schlüsse kam, daß seine Freunde kein Vertrauen zu der Kolonial- politik hätten und bei ihrer ablehnenden Haltung verharren müßten. Ihm trat dann der Abg. Oechelhäuser (nat.Ub.), der von dem Vorredner als Direktionsmitglied der Ost­afrikanischen Gesellschaft verschiedentlich angegriffen war, sehr energisch entgegen, indem er die finanzielle Lage der Gesellschaft als durchaus nicht hoffnungslos darstellte und das wirthschastliche Gedeihen derselben in AuSsicht stellen

konnte. Außerdem betonte er, daß an dem Ausbruch deS : Ausstandes die Beamten der Gesellschaft keine Schuld träfe.1

Blick aus den Augen der Großmutter, der dem Brausekopf die Ruhe wiedergab.

Wie du des Meeres Wogen nicht zu gebieten vermagst, die um das schwankende Fahrzeug toben, so wirst du es auch nie vermögen, das Leben hier im Hause nach deinem einfachen, geraden Sinn zu gestalten,* sagte die Greisin oft und strich sanft das krause Haar aus des Enkels Stirn, als wolle sie die finsteren Gedanken dahinter verscheuchen. Dann sprang der Seemann auf, drückte einen Kuß auf der Großmutter Hand und eilte hinaus, Regen und Wind nicht scheuend, bis der Sturm in seiner Brust sich gelegt hatte.

Die Verletzung an seinem Arm war keine unbe­deutende gewesen, ein verständiger Arzt hatte je­doch dafür gesorgt, daß er nicht steif geblieben war, wie Hugo gefürchtet, und so sah sich derselbe im Geist mit seinerLydia* schon wieder draußen auf dem Meere. Nur der Gedanke an die Groß­mutter und deren Schützling Marianne mischten Wehmuth in das Sehnen nach der Ferne.

Mariannens Vater, ein anspruchsloser, fleißiger Mann, war lange Jahre hindurch Buchhalter bei Halbing gewesen und mit diesem alt geworden. Getreulich und aufopfernd hatte er zu aller Zeit seinem Chef mit Rath und That zur Seite ge­standen, bis er vor zwei Jahren an den erhaltenen Brandwunden bet einer, nach GeschästSschluß auf unerklärliche Weise im Kontor ausgebrochenen Feuersbrunst gestorben war.

Herr Halbing hatte wenige Stunden vor jenem Unglöd eine Reise angetreten, und als er voa

Die ganze Kolonialbewegung würde nicht blo» von idealen Interessen getragen Abg. Gras von Mirbach sdeutschcons.) hofft, daß der Reichstag die Vorlage objectiv prüfen und die Regierung in ihrem Vorgehen unterstützen werde. Abg. Dr. Virchow (deuischfreis.) hielt die Majorität für die Vor­lage voreingenommen und betonte, daß der ganze bis­herige Standpunkt deS Reichskanzlers in dieser Frage eine kardinale Aenderung erfahren. Abg. Dr. Windthorst (Sentr.) meinte, daß man heute nur noch vor der Frage stehe, ob man zurückgehen solle, und zurück gehe er nicht. (Beifall.) Aus Anregung dieses Redners erklärte der RegierungS- kommiffar, Hauptmann Wißmann, daß die Anwendung von Gewalt nur stattfinden werde, wo sie absolut noth­wendig sei. Daraus wird die Debatte geschloffen und § 1 der Vorlage gegen die Stimmen der Socialdemokraten und der Deutschsreisinnigen (mit Ausnahme der Abgg. Gold- schmidt und Dr. Siemens) angenommen. Die beidm anderen Paragraphen werden debatteloS erledigt. Morgen: dritte Lesung der ostasrikanische» Vorlage und Statsbe» rathung.

Im Abgeordnetenhaus« machte der Präsident zunächst davon Mittheilung, daß da» Präsidium Sr. Majestät dem Kaiser die Glückwünsche bei Hause» zum Geburtstage ausgesprochen und Allerhöchstderselbe dieselben entgegenge« nommen und dasitr den Allerhöchsten Dank ausgesprochen habe. Darauf wurde in die zweite Berathung deS Etat» eingetreten. Unter den zur Erledigung gelangten Statt führte zunächst der Etat der Lotterieverwaltung zu einer kurzen Debatte» welch« da» Verbot bei Spielen» in au»» wärtigen deutschen Lotterien zum Gegenstand« hatte. Eins längere Diskussion knüpfte sich sodann an den Etat bet Domänenverwaltung, die eine eingehende Erörterung der Lage der Landwirthschaft veranlaßte. Der Herr Landwirth» schaftSminifter verwies darauf, daß di« im Interesse unser« heimischen Industrie mit Einschluß der Landwirthschaft Schritt für Schritt ergriffenen Maßregeln sich nach jeder Richtung bewährt hätten, und daß dir vom Herrn Reich», kanzler inaugurirte Wirthschaflipolitik thatsächlich positiv« Erfolge aufzuweisen habe. E» liege daher kein Grund zu der Annahme vor, daß die Regierungen zur Aushebung der landwirthschastlichen Zölle die Hand bieten würden; auch sei dafür im Reichstag keine Majorität vorhanden. Der Etat selbst würbe unerwidert genehmigt. Morgen Fortsetzung der Etatberathung.

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derselben zurückgekehrt, sein Hab und Gut, wie die Geschäftsbücher gerettet, den redlichen Frieder aber bereits todt vorgefunden.

Das pomphafte Letchenbegängniß des im Leben so einfachen, bescheidenen Mannes war natürlich auf die Rechnung der Firma G. Halbing herge­richtet worden und befriedigt hatte der Inhaber derselben von allen Seiten Lobeserhebungen dafür in Empfang genommen. Daß er des Verstorbenen hinterlassene Witwe und deren Tochter nach wie vor in seinem Hause wohnen ließ, wußte ebenfalls alle Welt. Niemand ahnte, daß Marianne vom frühen Morgen bis tu die Nacht hinein arbeiten wußte, um für sich und die kränkliche Mutter zu sorgen. Was kümmerte das letztere auch Herrn Halbing, hatte er doch nach seiner Meinung das Aeußerste für die Hinterbliebenen seines verstorbenen Buchhalters gethan.

Hugo hatte stets mit großer Verehrung an dem braven Manne gehangen, der selbst auf die Gefahr hin, dadurch bei seinem Chef in Ungnade z« fallen, freimüthig für ihn manch' gutes Wort ge­sprochen, und dessen eingedenk, waren dem jungen Seemann Thränen der Wehmuth in die Augen getreten, als er des alten Frieders Platz im Kontor von einem Fremden besetzt gesehen, Dessen kriechende Unterwürfigkeit ihm zuwider war.

Wie hatte er sich auf das Wiedersehen mit dem alten Manne gefreut! Konnte er nun auch nicht mehr mit ihm, wollte er doch von ihm plaudern, und so suchte er fast täglich Frau Frieders saubere, kleine Wohnung auf, weder auf