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Hersfeliier KreisbKtt.
Mit wöchentlicher HraLis-Aeitage „Illustrirtes HLnLerHatLungsökatt".
Nr. 11. Donnerstag den 24. Januar 1889.
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Amtliches.
Der Herr Minister für Landwirthschaft, Do- mainen und Forsten hat die Bestimmungen über Ausbildung und Prüfung für den Königlichen Forstverwaltungsdienst vom 1. August 1883 im tz. 5 zu 5 dahin abgeändert, daß der Vater oder Vormund des Eintretenden sich zu verpflichten hat, demselben die Mittel zum Unterhalt nicht mehr, wie bisher, smrf-mmdestens noch 7 Jahre", sondern „auf mindestens noch 12 Jahre" zu ge- währen.
Indem wir diese Bestimmung zur öffentlichen Kenntniß bringen, machen wir noch bekannt, daß dieselbe mit Rücksicht auf die zu bedeutend ange- Wachsens Zahl der Forstassessoren und Forstrefe- rendare erlassen ist.
Cassel am 27. December 1888.
Königliche Regierung.
Nach einer Mittheilung des Herrn Ministers der auswärtigen Angelegenheiten ist der interimistische Verweser des Türkischen Consulats in Frankfurt a/M., Kaufmann Maximilian Sieg- fried Rheinberg definitiv zum Consul der Türkei ernannt worden.
Ich bringe dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß, damit Herr Rheinberg in seiner Amts
eigenschaft im hiesigen Regierungsbezirk Anerkennung und Zulassung finde.
Cassel am 11. Januar 1889.
Der Regierungs-Präsident.
I. V.: Schwarzenberg.
Aus dem Reichstage.
B e rlin , 21, Januar. Der Reichstag erledigte heute zunächst die einmaligen Ausgaben des außerordentlichen Etats im Reichsamt des Innern. Die Position für Errichtung einer ReichStagSgebäudeS (8, Rate) wurde debatte- los bewilligt. Eine längere Debatte knüpfte sich dagegen an die Position „Zur Herstellung des Nordostfeekanals", die an sich zwar von keiner Seite bemängelt wurde, die aber nach verschiedenen Richtungen hin den Gegenstand eingehender Erörterungen bildete. Der Staatssekretär der Innern von Boetticher wies nach, daß die von der Kanal- baucommifsion getroffene Einrichtung der Unterkunft und der Verpflegung der Arbeiter in Baracken im eigenen Interesse der Arbeiter erfolgt sei, und daß auch die Lage der Arbeiter eine solche sei, daß Grund zur Unzufriedenheit nicht vorhanden sei. Bon anderer Seite wurde conftatirt, daß auch die Bewohner der Provinz Schleswig-Holstein mit den Einrichtungen der Kanakbaucommiffion durchaus einverstanden sei. Im Etat der Justizverwaltung wurde „Zur Errichtung des DienstgebäudeS des Reichsgerichts (3. Rate)" 450 «00 M. debatteloS bewilligt. Im Etat der Verwaltung des ReichSheereS wurde die an die Budget- Commission zur nochmaligen Prüfung zurückverwiesene Position (Kaserne für 3 Eskadrons Kavallerie in Darm« ftadt, zweite Rate, erste Baurate 500 000 Mark) nach längerer SiScuffion, trotz des wiederholten Eintretens des Herrn Kriegsministers für die Forderung, nach dem Anträge der Budgetcommiffion mit schwacher Majorität gestrichen. DaS Extraordinarium des EtataS des Reichs» schatzamlS wurde debattelos genehmigt. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr (Arbeiterschutzanträge.)
Aus dem Abgeordnetenhause.
Berlin, 22, Januar. Das Abgeordnetenhaus ertheilte seinem Präsidium zunächst die Ermächtigung, zu dem bevorstehenden Geburtstage Sr. Majestät dem Kaiser, sowie anläßlich der Verlobung Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Leopold die Glückwünsche des HauseS auszusprechen, und trat dann in die erste Berathung
des Etat» ein. «6g. Frhr. v. Huene (Centr) bezeichnet« alS erfreulich am vorliegenden Etat hauptsächlich die Regelung der Wittwen» und Waisengeldbetträge, sowie im Etat der Eisenbahnverwaltung die Ausbefferung der Gehälter einzelner Seamtentategorien. wobei er indeß die Roth- wendigkeit einer SehaltSaufbefferung auch der unteren Beamten betonte. Im Uebrigen verbreitete er fich über die Reform der direkten Steuern und die Nothwendigkeit der Erleichterung der Kommunen durch Uebermeifung der Grund- und Gebäudesteuer. — Abg Hobrecht (nat.-lib.) constatirte mit Genugthuung, daß die Regierung die von seinen Parteifreunden als dringend bezeichneten Aufgaben ohne außerordentlichen Kredit in Angriff genommen habe. Andererseits harren noch eine Reihe unabweislichrr Aufgaben der Erledigung. Ein Reform tat lex Huene sowie die Schaffung einer Landgemeindeordnung sei unabweisbar. Ebenso bestehe die Forderung, die SchulunterhaltungSpflicht in gesetzliche Form zu bringen, fort. Hoffentlich werd« wenigsten! die Reform der birecten Steuern in dieser Session ihren endlichen Abschluß finden. — Abg. Rickert (deutschfreis.) ging sehr ausführlich aus die einzelnen Theil« des vorliegenden Etats kritisirrnd ein und trat dann insbesondere der Behauptung des Herrn Finaiymtnistrr» entgegen, daß wesentlich der Wirthschastspolitik deS Herrn Reichskanzler« der wirthschaftliche Aufschwung zu verdanken fei. Beim Etat der Eisenbahnverwaltung regte er eine weitere Reform der Personen- und Gütertarif« an und bemängelt« dann, daß die ganz« UnterrichtSverwaltung ohn« gesetzliche Unterlage sei. Bezüglich der Reform der direkten Steuern halte er die Quotistrung für nothwendig, um eine Ueberlastung der Steuerzahler zu vermeiden. Er schloß mit einer Beruriheilung der gegenwärtigen Finanzpolitik. — Der Her Finanzminister widerlegte im Einzelnen bie Ausführungen deS Vorredner« ; er habe nicht« von dem zurückzunehmen, was er neulich namentlich in Bezug auf die heilsame Wirkung der Reich«finanzpolitik gesagt habe. Daß bei der Erhöhung der Beamtenbesoldungen die unteren Beamten in erster Reihe berücksichtigt werden müßten, könne er nicht anerkennen; alle Bedürsniffe aus einmal zu befriedigen, dazu reiche daS vorhandene Plus im Etat nicht au». Die großen Schwierigkeiten, welche der gesetz« lichen Regelung eines Theiles der Lehrerbesoldungen (Alter»« zulagen) entgegenstehen, seien nicht zu unterschätzen. Der Herr Minister ging dann auch aus einige Ausführungen der anderen Vorredner näher ein und betonte namentlich, daß der Rückgang in unseren finanziellen Verhältnissen zum Reich au«geschloff«n erschein«. Darauf mürbe bie Berathung aus Morgen vertagt.
Das leidige Geld.
Erzählung von Hermann Frank.
(Schluß.)
»Sie hat mich in meinem Vater beleidigt, ja tief verletzt," rief Kurt. »Wer im Stande ist, einen todtkranken Mann mit Familie aus seinem Besttzthum zu vertreiben und es ruhig mit ansieht, daß man den tzülflosen dem Elend preisgtebt, der hat kein Herz, der iß schlimmer, als der größte Egoist."
Frau Rüdiger unterdrückte eine Bewegung. »Ist Ihr bedauernswerther Vater," sagte ste mit leiser, zitternder Stimme, »nicht wiederholt gewarnt worden? Haben sie die prophezeiende Zigeunerin gänzlich vergeffen?"
.Eine Warnung in solcher Form macht eher mißtrauisch, als daß sie nützt," entgegnete Kurt heilig. .Außerdem kam sie viel zu spät."
„Was aber hätte ich thun sollen?"
»Wenn Ihnen das Ihr eigenes Herz nicht sagt, so bedauere ich Sie aufrichtig. Ich denke, daß Frau Emilie Sternau, die glückliche Erbin, mir nunmehr gestatten wird, mich zu verabschieden."
.Mag es denn sein, — MagdaS Mutter aber bittet Sie noch zu bleiben."
»Zu was soll das sühren?' erwiderte Kurt in schmerzlicher Bewegung. »Machen Sie dem armen Mädchen und wir den unvermeidlichen Abschied nicht noch schwerer."
»War«« Abschied?* fragte bebend Frau Rüdiger.
.Magda ist jetzt eine reiche Erbin, die frei dem Zuge ihres Herzens folgen darf."
„Wohl ihr," versetzte Kurt bitter, .ich dagegen bin ein armer Affeffor, besten heiligste Pflicht darin besteht, für seine Eltern zu sorgen."
»Gott lohne es dem braven Sohne," rief Frau Rüdiger tief bewegt, »und er wird dieser schönen Pflicht noch mehr genügen können, wenn er ein Mädchen heimführt, das ihn nicht nur innig liebt, sondern das auch —"
»Ueber elenden Mammon gebietet," fiel Kurt zornig ein. »über ein Erbe, au welchem die Thränen meiner armen Eltern hängen. Glauben Sie denn, daß mich das glücklich wachen könnte?"
»Hören Sie nur noch ein einziges Wort!" bat Frau Rüdiger, da sich Kurt der Ausgangsthüre zuwandte.
»Sie vermögen sich weder zu vertheidigen noch zu entschuldigen," versetzte Kurt ungeduldig, »der Boden brennt unter meinen Füßen, ich verweilte schon zu lange hier."
»Gleichwohl beschwöre ich Sie bet der Liebe, die Sie einst für Magda empfunden, noch ein wenig Geduld zu haben. Vermag ich Sie nicht zu über- zeugen, daß ich In der leidigen Erbschaltsangelegen- Heit rein und unschuldig dastehe, so will ich Sie keine Minute länger aushalten."
Unmuthig kehrte Kurt in die Mitte des Zimmers zurück.
»Meine Schwägerin," sprach Frau Rüdiger weiter, »mochte im Umgang mit mir herausge-
। funden haben, daß ich doch kein so hartes Herz I bester, als Sie es von mir glauben. Davon zeugt ein PaffuS, den sie dem Eodicill angehängt. Nach demselben war es wir aufS Strengste untersagt, von dem mir zugesallenen Erbe irgend etwas zu veräußern; der kleinste Verstoß gegen dieses Verbot sollte die sofortige Berschenkung — sowohl deS beweglichen wie deS unbeweglichen Eigenthums — an fromme Stiftungen zur Folge habe». Dagegen gestattete die Erblasserin, daß ich meiner Tochter alles vererben dürfe, selbst bet meinen Lebzeiten noch, wenn sie mit einem braven Mann in de» Stand der heiligen Ehe träte. — Sollte ich meinem K nde das schöne Erbe entziehen, ohne daß ich dadurch Ihrem Herrn Vater besonders helfen konnte? Sagen Sie offen, Herr Affeffor, würden Sie das einer liebenden Mutter zumuthen?"
Kurt blickte verlegen zu Loden und ein kaum hörbares »Nein" kam über seine Lippen.
»Und wie steht es jetzt — reichen Sie der herzlosen Emilie Sternau die Hand?"
Der junge Mann drückte bewegt die ihm dargebotene Rechte.
»Und zürnen Sie auch der klug berechnenden Frau Rüdiger nicht?"
Ein Kopfschütteln bildete die Antwort.
»Und wollen Sie auch gegen mich freundlich sein?" ertönte jetzt eine weiche, sanfte Stimme.
Rasch wandte Kurt sich um. Die leise ringe- tretene Magda nahte ihm bittend und fuhr fort: »Sie sehen hier ein arme- Mädchen vor sich, da»