Nr. 6
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elsftltkr ßreisdliitt
Mit wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illustrirtes IlnterhatLungsötatt".
Sonnaicnd den 12. Januar
1889.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 28. Dezember v. Js., durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie, das Herrenhaus und das Haus der Abgeordneten, auf den 14. d. M t s. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Büreau des Herrenhauses und in dem Büreau des Hauses der Abgeordneten am 18. d. Mts. in den Stunden von 8 Uhr früh bis 8 Uhr Abends und am 14. d. Mts. in den Morgenstunden von 8 Uhr ab offen liegen wird.
In diesen Bureaus werden auch die Legitima- tionskarten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen in Bezug auf Dieselbe gemacht werden.
Berlin, den 2. Januar 1889.
Der Minister des Innern, gez. Herrfurth.
ad I A 12649.__
Hersfeld, den 9. Januar 1889.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises werden heute die in meiner Verfügung vom 5. Octo- ber pr. Nr. 9937 (Kretsblatt Nr. 119) erwähnten, nunmehr festgestellten Verzeichnisse des Pferde- und Rindviehbestandes wieder zugefertigt. Nach den Letzteren ist die Erhebung alsbald vorneh- men zu lassen und hat die Ablieferung des Hauptbetrages nach Abzug von 2 % Erhebegebühren bis zum .15. L Mts. unter Einsendung des nach dem Verzeichnisse auszufüllenden Abliefe- rungsschetneS (unfrankirt) zu geschehen.
Das Special-Verzeichnitz ist zurückzubehalten. 264. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz. I
Hersfeld, den 7. Januar 1889. i Auf Grund höherer Verfügung sehe ich mich veranlaßt, die Herren Bürgermeister der Schul- Verbandsgemeinden des hiesigen Kreises anzu- weisen, für die Folge vor Neubeschaffung von Schulsubsellien stets erst die erforderliche Jnstruc- tion über die Beschaffenheit 2c. derselben bei den betreffenden Herren Oberschulinspectoren einzu- holen.
4.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
trennt aufzuführen) eine Dienst- zeit von:
a. 12 Jahren
b. 22 „ und
c. 32 „
vollendet haben.
In der Nachweisung zu 3. ist sowohl der Tag der ersteneidlichenVerpflich- t u n g für den öffentlichen Schuldienst, als auch der Tag und der Ort des Eintritts in den öffentlichen Schuldienst an- zugeben.
Hersfeld, den 10. Januar 1889.
Der Königlichen Regierung zu Cassel habe ich auf Grund ministerieller Verfügung in kürzester Frist drei gesonderte Nachweisungen einzureichen und zwar:
1) eine für Lehrer und Lehrerinnen getrennte summarische Nachweisung über die Zahl
2)
Lehrer und Lehrerinnen (eMtsMMh-vvWs^ schäftigter Hülfs-Lehrer und Lehrerinnen), welche zu dem gedachten Termine eine Dienstzeit von:
u. 10 bis zu 20 Jahren
b. 20 „ „ 30 „ und
c. 30 und mehr „
Um dieser Auflage entsprechen zu können, bedarf ich der Unterstützung seitens der Königlichen Herren Lokalschulinspektoren und beehre ich mich dieselben hierdurch ergebenst zu ersuchen, mir gefälligst bald, wenn thunlich bis zum 20. d. M t s., entsprechende Mittheilungen über diese Punkte beziehungsweise bezügliche Nachweisungen U"sichtUch der J^ Lehrerzu-
Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
desgleichen bezüglich derjenigen Lehrer Lehrerinnen mit einer Dienstzeit von:
a. 12 Jahren
b. 22 „ und
c. 32 „ sowie
und
und
3) eine spezielle, den Namen Wohnort der unter 1 bezeichneten Kategorien von Lehrer und Lehrerinnen ersichtlich machende Nachweisung bezüglich derjenigen Lehrer und Lehrerinnen, welche am 1. Januar 1888 und 1. Januar 188 9 (beide Jahrgänge sind ge-
ir Die nationalen Parteien.
Sehr bemerkenswerth ist eine Rede, welche jüngst der nationalliberale Profeffor Zorn in Königsberg gehalten hat. Zorn ist in den nationalliberalen Anschauungen Süddeutschlands erwachsen und von diesem Boden aus beleuchtet er die Nothwendigkeit eines aufrichtigen Zusammengehens der Nationalliberalen und Conser- vativen.
Nach seinen Darlegungen giebt es in Süddeutschland bis zur Stunde noch keine eigentliche ervative Partei in dem Sinne der preußischen . /ervativen Partei. „Die preußische conserva- tive Partei ist — so führt er aus — recht eigentlich die Trägerin des althistorischen preußt-
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Das leidige Geld.
Erzählung von Hermann Frank.
(Fortsetzung)
Um Frau Rüdigers Lippen zuckte es schmerzlich, aber sie überwand die aufstetgende Wehmuth und sagte mit fester Stimme:
„Herbe Lebenserfahrungen haben mich zu einer praktischen und zugleich vorsichtigen Frau gemacht, die da weiß, daß zur Gründung eines Hausstandes die Liebe allein nicht ausreichend ist. Sie macht nicht satt, sagt ein hartes, poesieloses Sprichwort."
„Selbstverständlich," bemerkte Kurt in dem gleichen ironischen Ton wie vorhin. „Bet der Liebe muß Geld sein, womöglich viel Geld. Nun, ich denke, daran fehlt es im vorliegenden Falle nicht. Ich bin ja der Sohn eines reichen Mannes, außerdem werbe ich bald Assessor sein."
„Ihr Fleiß und Talent berechtigt Sie dazu. Das Gehalt eines Assessors reicht aber zur Bestreitung einer Haushaltung nicht aus, und ebenso wenig die Mitgift, welche ich meinem Kinde geben kann."
„DaS Vermögen meines Vaters ist Ihnen auch noch nicht genügende Bürgschaft S
„Nein, da sich erst nach Eröffnung des Codicills Herausstellen wird, was er in Zukunft besitzt."
^Richtig, Sie müssen ja als prophezeiende Zigeu- nertu tu die Sache eingeweiht sein."
Frau Rüdiger war hochbetroffen, während die »veingeweihte Mazda ängstlich auf sie und Kurt
blickte, dessen Mienen eine gewisse Schadenfreude zeigten.
„Ich habe durch meinen Vater alles erfahren," sprach er weiter, „und ich vermag mir jetzt auch zu erklären, warum Sie mich an jenem Abend so eindringlich baten, Ihr Inkognito meinem Vater gegenüber zu wahren. Auch hier hat der Zufall es anders gewollt."
„Der Schein mag jetzt gegen mich sein," ent- gegnete Frau Rüdiger erregt, „gleichwohl wird eine Zeit kommen, wo Sie sich von meiner treuen Freundschaft überzeugen werden."
„Sie wollen mir gestatten, vorerst noch daran zu zweifeln."
„Kurt!" rief Magda vorwurfsvoll.
„Machen wir dem Gespräch ein Ende," sagte Frau Rüdiger verletzt. „Magda liebt Sie, Herr Referendar, und ich will dem Glücke meines Kindes nicht im Wege stehen; ehe ich jedoch meine Einwilligung zu einer öffentlichen Verlobung gebe, müssen die von mir angedeuteten Bedingungen erfüllt sein. _
„Das heißt," gab Kurt unwillig zurück, „ich muß entweder ein namhaftes Vermögen auizu- weisen im Stande sein, oder mir eine Stellung errungen haben, die durch ihre Einkünfte hinreichende Garantien bietet, meiner Gemahlin eine glänzende Existenz zu schaffen. Warten wir also diesen Zeitpunkt ab, bis zu dessen Erscheinen sie mir wohl gestatten, mich von Ihnen zu beurlauben."
Der Referendar verneigte sich, bot Magda feine Hand und schritt der Thüre zu.
«WS«!
Das arme Mädchen brach in Thränen aus; ste empfand ihre Ohnmacht, die Mutter und Kurt mit einander auszusöhnen und sah ihr Glück für alle Zeiten zerstört. Sie bat den Geliebten, noch zu verweilen und nicht mit Zorn im Herzen davon zu gehen, und sie flehte die Mutter an, Kurt zurück zu rufen und 19m sein Ungestüm zu verzeihen.
Kurt gab ihrer Bitte nach und zügelte den Schritt, Frau Rüdiger aber rief mit gebrochener Stimme: „Der Himmel möge mir verzeihen, allein ich kann nicht anders!"
Im nächsten Augenblicke schloß sich hinter Kurt
die Thüre.
VIII.
Brennend beiß war der Sommertag gewesen und in der Nacht hatte sich ein schweres Gewitter entladen, dessen gewaltige Schläge die Bewohner von Friedas-Ruhe im Schlafe gestört. Streng ge- vommen konnte man dies eigentlich nur von Thekla behaupten, da die Eltern blos schlummerten, zumeist aber mit offenen Augen dalagen. ES war nicht die Schwüle der Sommernacht, welche sie bedrückte und den erquickenden Schlaf von ihren Lidern scheuchte, sondern schwere Sorge und da» namenlos bange Geühl, was der kommende Tag dringen werde, hielt sie wach. War doch der Zeitpunkt erschienen, wo die Eröffnung deS verhäng- nißvollen Codic lls statifinden sollte.
Peter Härtung hatte nicht daran gezweifelt, daß er nach wie vor der Universalerbe seiner Schwester bleiben werde; nach jenem Gespräch je«