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Caflel und Jacob in Hanau sind am 1. Januar 1889 in den Ruhestand getreten. Der Vermessungs- Rkvisor Maßmann zu Cafsek ist gestorben.

D Hersfeld, 9. Januar. Im Jahre 1888 wurden von den Metzgern und sonstigen Fleisch­händlern im hiesigen S ch l a ch t h a u s e ge­schlachtet: 291 Ochsen, 320 Stiere, 125 Kühe, 315 Rinder, 2378 Schweine (darunter 104 steuer­freie) 1854 Kälber, 226 Hämmel, 853 Schafe, und 20 Ziegen. Das abgabepflichtige Gesammt- gewicht dieses Viehes betrug 889261 Pfund. Außerdem wurden von auswärts hier eingeführt 19184 Pfund Fleisch, dagegen von den hiesigen Metzgern nach auswärts versandt 21487 Pfund Fleisch, sodaß sich für das Jahr 1888 ein Fleisch­verbrauch von 886 958 Pfund für die hiesige Stadt ergiebt, in welchem natürlich das von den Privatleuten zu Hause geschlachtete Vieh, welches der amtlichen Controle nicht unterliegt, nicht mit einbegriffen ist. Im Jahr 1885 betrug der wie oben ermittelte Fleischverbrauch 730 708 Pfund, im Jahr 1886 794 372 Pfund und im Jahr 1887 (in welchem ein Manöver hier abgehalten wurde) 874 783 Pfund. Hier­nach hat der Fleischverbrauch in hiesiger Stadt in den letzten Jahren stetig zugenommen, obschon die Bevölkerungsziffer sich nicht wesentlich ver­mehrt hat. Nach der letzten Volkszählung (vom 1. December 1885) betrug die Einwohnerzahl 7155, die Zahl der Familien 1265. Nimmt man an, daß von nur 600 Haushaltungen je 1 Schwein im Durchschnittsgewicht von 200 Pfund zum Hausgebrauch geschlachtet wird, (es wird dies wohl nicht zu hoch gegriffen sein, da gar viele Familien 2 und mehr Schweine schlachten) so ergiebt sich für das Jahr 1888 ein Gesummt- Fleischconsum von 1006 958 Pfund oder ein Fleischverbrauch von etwa '/, Pfund pro Tag und Kopf. An Bier wurde in der Zeit vom 1. October 1887 bis dahin 1888 in hiesiger Stadt getrunken:

a. aus den 6 hiesigen Bierbraue­

reien stammendes Bier . . 914737 Liter, b. von auswärts eingef. Bier . 41263

Summa 956 000 Liter. Es entfallen somit auf den Kopf der Bevölke­rung ca. 4/10 Liter pro Tag.

Efchwege, 6. Januar. Seit vorigem Montag wird der Getreide-Händler R o n 8 h e i m vermißt. Da man unterhalb der alten Zucker-Fabrik an der Werra, in welchem Gebäude dessen Getreide- Lager sich befindet, Kleidungsstücke gefunden hat, so hat er ohne Zweifel den Tod in den eisigen Fluthen der Werra gefunden. Daß schlechte Vermögens- Verhältnisse, wie gerüchtweise verlautete, ihn dazu getrieben, ist unwahr, denn diese sind, wie die Revision der Bücher ergeben hat, in Ordnung. Vielmehr war er in den letzten Tagen tiefsinnig, und in einem solchen Anfall von Geistesstörung hat er diese bedauernswerthe That begangen. Trotz eifriger Nachforschung hat man die Leiche bis jetzt noch nicht gefunden. R. hinterläßt eine Frau m.t 8 Kindern. Es ist dies seit wenigen Wochen der dritte Selbstmord, welcher hier vorgekommen ist. Bet dem hiesigen Standesamte sind in dem verflossenen Jähr 63 Eheschließungen, 315 Ge- burts- und 217 Sterbefälle zu verzeichnen gewesen

Treysa, 5. Januar. In der Umgegend unserer Stadt, besonders im Kirchspiel Alleodors a. L., herrschen seit einiger Zeit die Masern in heftiger Weise. An genanntem Orte hat die Krankheit zwar wieder abgenommen, sodaß der Unterricht, welcher längere Zeit ausgesetzt werden mußte, wieder ausgenommen werden konnte. In den Ge­meinden Michelsberg, Dittershausen und Rommers- Hausen mußten die Schulen, wie mitgetheilt wird, auch geschloffen werden, weil fast alle Schulkinder darniederliegen. Auch Erwachsene sind von der Krankheit nicht verschont geblieben.

Marburg, 5, Januar. Vor einiger Zeit deserlirte ein Unter-Lazarethgehilse Namens Wahl vom hiesigen Jägerbatatllon Nr. 11. Derselbe wurde gestern Nachmittag von einem Oberjäger am hiesigen Bahnhof in Civilkleidung angetroffen. Von diesem wieder erkannt, versuchte sich Wahl seiner Verhaftung dadurch zu entziehen, daß er nach den Abortanlagen flüchtkte und sich hier erhängte. Derselbe konnte jedoch noch rechtzeitig losgeschuttlen werden, woraus seine Ueberführung nach der Kaserne erfolgte.

Jesberg, 6. Januar. Ein junger Knecht, Namens K., von hier, war gestern wegen Ruhe­störung zu 3 Tagen Arrest verurtheilt worden und wurde hierüber von seinen Genossen gefoppt, was ihn derart kränkte, daß er sich heute Abend im Stalle erhängte. Der Bedauernswerthe war ein fleißiger und ordentlicher Mensch.

Nentershausen, 6. Januar. Ein Mädchen n Solz, das einige Augenblicke sich selbst über- äffen war, schärte das Feuer, kam demselben aber o nahe, daß die Kleider in Brand gertethen. Auf eine Hülseruse kam ein Mitbewohner im Haus«

herbei; dem bot sich aber ein schrecklicher Anblick. Wie eine brennende Harbe lief das Kind, von Angst und Schmerz gepeinigt, in der Stube umher, und nur mit Mühe vermochte der Herbeigerufene das lodernde Feuer zu löschen. Die Kleider waren schon vollständig verkohlt, der Körper völlig braun gebrannt. Das Mädchen wird wohl den erlittenen Wunden erliegen müssen.

Hanau, 6. Januar. Graf Wilhelm von Bismarck wird, wie verlautet, am 15. Februar sein neues Amt als Regierungspräsident von Han­nover übernehmen.

Vermischtes.

Lauterbach, 4. Januar. Das Nacht- Wächterhorn ist mit dem 1. Januar in den wohl verdienten Ruhestand versetzt worden, das Ver­künden der Nachtstunden durch die Wächter hat aufgehört. Dafür spannt sich seit dem Herbst eine Anzahl electrischer Leitungsdrähte vom Rathhause aus durch verschiedene Straßen der Stadt nach deren Endpunkten und die Wächter haben nichts weiter zu thun, als bei ihren in gewisser Reihen- wtge zu machenden Rundgängen die Stations- drackknöpie im Vorbeigehen zu berühren, um auf einer im Rathüause hängenden Uhr ein getreues Bild ihrer nächtlichen Thätigkeit hervorzurufen.

München, 5. Januar. Der Polizei ist es gelungen, eine Bande von 6 Personen abzusassen, weise sich hier und in einem entfernten Dorfe mit der tzersüllung falscher Hundertmarkscheine befaßte. Chemikalien und eine Druckerpresse wurden gefunden. Die Fälschungen waren noch nicht ganz vollendet.

Große Geistesgegenwart bewies ein höherer Steuerbeamler, der eine große Brennerei in Wattenscheid besichtigte. Außer ihm besanden sich noch vier Personen in dem Lagerräume, als ein Arbeiter mit dem Licht einem 4000 Liter lOOprocentigen Sprits enthaltenden Faß zu nahe kam. In demselben Augenblick schlugen auch schon die Flammen aus dem Spundloch heraus. Rasch wie der Blitz legte der Beamte die flache Hand auf das Spundloch, dämpfte das Feuer dadurch und rettete Aller Leben. Eine Secunde später würde wahrscheinlich eine todtbringende Explosion erfolgt sein.

In der Chorinerstraße in Berlin wurde ein Schutzmann mit seiner 12 Jahre alten Tochter und seinem 5 Jahre alten Sohn in seiner Wohnung todt aufgefunden. Naitz zurückgelassenen Brieten Hai derselbe sich und seine Kinder vergiftet, weil er unheilbar krank war und sich von seinen Kindern nicht trennen wollte.

Frankfurt a. M., 7, Januar. Im Zoologischen Garten wurde jüngst eine Abschlach- tung unter den Bären angerichtet. D-e zu Pulver und Blei verurtheitten .überzähligen Stücke" waren verkauft, und zwar hatte die Käuterin, eine Leip­ziger Thierhandlung, sie alstodt zu liefern* be­stellt. Die Verwendung des Lärenfleisches als Leckerbissen hat beträchtlichen Utniang angenommen und in den Wildhandlungen herrscht augenblicklich große Nachfrage nach diesemArtikel".

(Eine Xantippe.) In einem westsälischen Städtchen wohnt ein Handwerksmeister g, der das Un­glück hat, eine Lantippe zur Frau zu haben. Nun gehört unser F. zu einer Gesellschaft, welche am verflossenen WeihnachiSfeste eine kleine Festlichleit mit Verloosung «er- anstaltete. Unser F. ging zu dem Feste. Er nimmt in vollen Zügen an dem Vergnügen theil nnd bekommt auch selbstverständlich ein Loos, Das Glück will, daß er eine sehr große Puppe gewinnt. Es schlägt vier Uhr, als unser F. in sehr angeheitertem Zustande den Heimweg an» tritt. Es gelingt ihm, sich bis zu seiner Wohnung zu lotsen. Mit Ungestüm klopft er an die verschlossene Haus­thür, die aber nicht sosbrt geöffnet wird; der Biergeist hatte nicht mehr die Kraft, ihn aufrecht zu erhalten, er sinkt um, im Arm aber wohlverwahrt seine Puppe. Mittlerweile wird durch seine liebe Frau geöffnet. Ihren Mann mit einem weiblichen Wesen, wie sie meint, in enger Verschlingung zu erblicken und über beide herfallen, war das Werk eines Augenblicks, Wie der weitere Empfang verlausen, wird nicht ausführlich berichtet, wohl aber, daß andern TageS Meister F. an starken Gesichtsschmerzen litt.

Minsk. Einem Ärzte in Sluzt wurde ein Hjähriger Bursche zugestellt, der behauptete, sich an einem Stück Brot verschluckt zu haben. Die Untersuchung des SchlundeS ergab die Anwesenheit eines metallischen Gegenstandes in der Speiseröhre. Schließlich gestand der Patient denn auch, seinem Herrn eine Taschenuhr entwendet und verschluckt zu haben.

Hamburg, 6. Januar. Von der zweiten Plantage, welche Die Kamerun-Land- und Plan- tagen-Gesellschaft Woermann, Thormähten u. Co. im südlichen Kamerungebtet bei Batanga angelegt hat, ist dieser Tage Die erste Probesendung Tabak eingetroffen, welche dem im vorigen Jahre von der Llmbta-Plantage etngetroffenen weck über­legen ist.

Bern, 5. Januar. Das Dorf Braneon bet Martignh im Kanton Wallis ist zur Hälfte n t e d e r ge v r a n n t. Viel Vieh und die ganze Ernte ist vernichtet. Menschen sind nicht verunglückt. Das Feuer ist, der .Köln. Ztg." zufolge, von einem Wahnsinnigen angelegt worden.

Parts, s. Januar. Viele Personen, welche

! den E i f f e l t h u r m genau betrachteten, wolltest bemerkt haben, daß derselbe sich gesenkt habe, waren aber darüber nicht einig, ob er sich nach links oder rechts beugte. Herr Eiffel ließ sogleich einige Constatirungen vornehmen, welche ergaben, daß die Achte des Thurmes sich höchstens um einen oder zwei Centimeter verschoben haben kann. Ge­nauere Untersuchungen, die unverzüglich vorge» nommen werden sollen, werden die Richtigkeit der gemachten Beobachtungen bestätigen oder entkräften.

(Ein Student ermordet.) München, Sonntag, 6. Januar. Große Aufregung herrscht, wie dieMagdeb. Ztg." mittheilt, in der Studenten­schaft in Würzburg. Der Studiosus Bannenberg, der kürzlich aus dem Bahnhols-Restaurant hinaus­geworfen und schwer verletzt worden war, wurde gestern mit einer großen Kopfwunde und Stich­wunden todt im Bett aufgefunden. Der Mörder ist unbekannt.

St. Gallen, Ende December. In der Nacht vom 24./2Ö. d. wurde der Kutscher des .Hotel Hecht" vas Opfer einer Unvorsichtigkeit, vor der n^t eindringlich genug gewarnt werden kann. Er löschte beim Schlafengehen die im Zimmer hängende Petroleumlampe nicht gehörig aus und erstickte dann an den aus der letzteren entweichenden giftigen Dämpfen. Der Verstorbene hieß Ulrich Preisig, war 35 Jahre alt, verhetrathet und Vater von drei Kindern. Das Gemach über der Stallung in der Adlergasse gelegen, war, als man eS öffnete, dicht mit Rauch gefüllt, in der Laterne qualmte noch ein Petroleumlämpchen.

Petersburg, 7. Januar. Bei der Station Kraßnopawlowska der Kursk-Azow'schen Eisenbahn in der Nähe von Charkow, wurde heute der Schlitten der Prinzessin Lieven bei der Ueberfahrt über das Geleise von einem Zuge zerschmettert. Der Kutscher fand seinen Tod, indem ihm beide Füße abgefahren wurden. Die Prinzessin verlor das Bewußtsein und stürzte zwischen die Schienen. Der Zug ging über dieselbe hinweg, ohne sie sonst zu verletzen.

Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd .Main" ist nach einer in Bremen angelangten Nachricht im Patapsca-Canal (Maryland) mit dem englischen DampferMontana" zusammengerannt. Der hintere Theil desMontana" ist gesunken, derMain" blieb jedoch anscheinend unbeschädigt.

London, 5. Januar. Ein hiesiger Photo­graph hängte vor einigen Tagen einen Kasten mit 150 Damenphotographien aus. Die Silber waren sämmtlich in der Art zusammengesetzt, daß die Gesichter, sein sauber ausgeschnitten, auf den Körpern von photographirten Gänsen angebracht waren. Natürlich klagten zahlreiche Damen, die nicht in so beleidigender Weise dem Publikum vor« gerührt werden wollten. Der Photograph verant« wartete sich in folgender Weise:Alle Silber, die ich in dem Kasten verwendete, wurden mir von den Damen mit der Bemerkung zurückgewiesen, sie seien nicht kenntlich. Ist dies richtig, so können sie nicht einschreiten, wenn ich die Silber ausstelle ; sind die Portraits aber gelungen, dann ist jede der photographirten Damen verpflichtet, dieselben zu nehmen und meine Rechnung zu begleichen." Der Richter pflichteie dieser Anschauung nicht bei, sondern befahl dem Photographen, den Kasten mit den beanstandeten Bildern zu entfernen.

Einem Drahibericht desStandard" zufolge ist die Hungersnoth in China im Zunehmen begriffen.

Standesamtsbezirk Hersfeld.

Vom 16. biL incl. 31. December 1888.

Eheschließungen.

Am 22. Gustav Ganh, Gastwirth und Sparkassencontro- leur zu Herbstein mit Auguste Friedericke Marie Christine Häuser basier, Conrad Olto, Fabrikarbeiter mit Anna Martha Hild zu Kalkobes. Jacob Fischer, Fabrikarbeiter mit Anna Maria Rcetz dahler. 31. Johannes Jacob Heer, Fabrikarbeiter mit Anna Martha Höhmann zu Kal­kobes.

Geburtsanzeigen.

Am 19. Minna, T. des Schreiners Wilhelm Jacob. 20. Paula. T. bei Metzgers Adam Rechberg. 23. Carl, S. der WerkiührerS Johannes Sauer. 29. Johanna, T. des Biechschmieds Johannes Münscher. 30. Catha- tina Elisabeth, T. bei ZimmermannS Friedrich Herbst zu Kalkobes.

Sterbesälle.

Am 17. Georg Max, S. des Klempnergehülsen Franz Emil Müller, 7 Monate alt. 21. Johannes Viehl, Uhr­macher, aus Gethsemane, 51 Jahre alt. 22. Adam, S. bei Schlossers Ludwig Eichmann, 3 Jahre alt. 23. Ein Sohn des Drechslers Heinrich Reinhardt todtgeboren. 24. Barbara Elisabeth Jckler, ledig, aus ObergeiS, 71 Jahre alt. 26. Anna Margretha, Witwe des Schuh­machers Wilhelm Fleischert, 41 Jahre alt. Sebastian Conrad Wilhelm, S. des Metzgers und Gastwirths Fried­rich Christoph Sander, 15 Tage alt 28. Anna Catha« rina, Wiiwe bei Schlossermeisters Johann Georg Glas, 64 Jahre alt. Heinrich, S. des Fabrikarbeiters August Schiedrumps zu Kalkobes, 5 Jahre alt. Johann Heinrich Hemzerling, Siellwacher aus Baumbach, 47 Jahre alt. 29. Em Sohn des Kauimanns Heinemann Kaufmann todtgeboren. 80. Theodor Salzmann, Tuchmacher, 88 Jahre alt,