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ersscliier Kreislillitt

Mit wöchentlicher Kratis-MeikageIllustrirtes Antertjaltungsblatt".

Nr. 2.

Donnerstag den 3. Jannar

1889,

Monnements-Ginladnng.

Bestellungen auf das

HersfeLder Kreisvlatt mit der wöchentttchen Gratis-Beilage Jlluftrirtes Unterhaltungsblatt" für das 1. Quartal 1889 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliche».

Hersfeld, den 29. Dezember 1888.

Die Nummerliste der auf den 1. Juli 1889 ge­kündigten Schuldverschreibungen der 4°/e Staats­anleihe von 1868 A. liegt im Geschäftslocale des hiesigen Landrathsamtes sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises während der Dienststunden den Inhabern zur Einsicht offen.

Zugleich mache ich auch auf die-»Lese Nummer- . Me betreffende BekuuuLmuchunxf der QauMLr^ wattung der Staatsschulden vorn t. T Mis., abgedruckt auf Seite 253 des diesjährigen Amts­blattes, aufmerksam.

12826. Der Königliche Landrath

____________ Freiherr von Schleinitz.

Bekanntmachung.

Die Herrn Ortsvorstände des hiesigen Bezirks werden ersucht in Ihren resp. Gemeinden gefällig bekannt machen zu lassen, daß die dem Steuer- kassen-Gehülfen Ludwig Theune dahier er­theilte Vollmacht zur Empfangnahme von Ein­zahlungen und Ertheilung von Quittungen vom 1. Januar 1889 an zurückgezogen worden ist und daher von diesem Tage an nur Quittungen des Unterzeichneten Gültigkeit haben.

Friedewald, den 31. December 1888.

Königliche Steuerkasse: Schenk, Rentmeister.

Diese hier kurz aufgezählten großen Ereignisse bilden die Geschichte des Jahres 1888 für Deutsch­land: was sich sonst noch in diesem Jahre abge­spielt hat, ist auf dem Grund und Boden dieser Ereignisse erwachsen und stellt ihre Rückwirkung auf das Leben der Nation dar.

Die Erkrankung des Kronprinzen hatte, wenn wir die Thatsachen richtig deuten, in den Völkern, welche mit wachsendem Neid der Entwicklung und Blüthe der deutschen Nation zuschauen, der Mei­nung Vorschub geleistet, daß die Stunde gekom­men, wo es mit der Herrlichkeit des deutschen Reichs zu Ende gehen werde. Die revanchelustige Bewegung im Westen war zusehends im Steigen begriffen und allerhand dunkle Elemente waren thätig, um Deutschland mit Rußland zu ent­zweien und den Zaren mit Mißtrauen gegen Deutschland zu erfüllen. Dem Fürsten Bismarck war es zwar gelungen, das Ränkespiel zu stören und die diplomatischen Fälschungen an das Tages­licht zu ziehen, welche zu Gunsten des Prinzen Ferdinand von Coburg versucht worden waren; aber die Welt blieb beunruhigt und ivurde über­dies durch die Kunde von Truppenzusammen- Ziehungen an der russischen Grenze erschreckt. Da galt es denn, Deutschlands Wehrkraft in einer Weise zu steigern, welche uns fähig machen kann, allen unvorhergesehenen Wechselfällen mit Kraft entgegen zu treten. Die nationale Mehrheit übte, in Verbindung mit der ganzen für Jedermann offenkundigen Weltlage eine solche Wirkung auf den Reichstag aus, daß dieser einstimmig das Gesetz über Aenderungen der Wehrpflicht und die damit verbundene Anleihe von 278 Millionen Mark genehmigte: Deutschlands Kriegsheer ver­mehrte sich dadurch etwa um 7800000 Streiter. Diese Wirkung wurde insbesondere einmal durch die am 3. Februar erfolgte Veröffentlichung des deutsch-österreichischen Bündnißvertrags vom 7. Oktober 1879, welcher die Friedenspolitik beider

Deutschland im Jahre 1888.

Das Jahr 1888 war für das Deutsche Reich seit seinem Bestehen das bedeutungsvollste und ereignißreichste.

Mit bangem Herzen lauschte die Nation zu Beginn des Jahres auf Nachrichten von dem in San Remo weilenden Kronprinzen, und nur We­nige verhehlten sich, daß sein Leiden schwerer und ernster Natur war und für Thron und Vater­land das Schlimmste befürchten ließ. Der greise Kaiser "Wilhelm, der in Rüstigkeit und Frische das Neujahrsfest gefeiert, sah die Hoffnungen, welche er auf seinen Sohn gesetzt, mehr und mehr schwinden, als die Kunde kam, daß am 9. Fe­bruar zur Rettung des Lebens des Kronprinzen der Luftröhrenschnitt nothwendig geworden ward. Das weiß ich" so sagte er in jenen verhäng- nißvollen Tagenim Himmel wird mir das Räthsel gelöst werden, das diese Fügung mir erbracht." Und nur allzu bald sollte Deutschland ein noch viel härteres Geschick treffen. Die kräftige i3ki*htt^3-~gro^ der der Vollendung seines 91. Lebensjahres entgegenging und der soviel Sorgen und Kummer über das seinem Hause gewordene Verhängniß zu tragen hatte, wurde von Gott abberufen: am 9. März schloß der Vater des Vaterlandes, beweint von dem ganzen Volk, betrauert von der ganzen Welt, die Augen. Trotz seiner schweren Erkrankung eilte sein Sohn, der Kaiser Friedrich, aus Ita­lien nach Berlin, um das Scepter zu ergreifen und seine, wenngleich schon gebrochene Kraft, voll in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Nur neunundneunzig Tage dauerte sein Regiment, bis auch er am 15. Juni sein Leben aus­hauchen mußte. Kaiser Wilhelm II. bestieg, durch die schweren Prüfungen gebeugt, aber muthig, mit Gottvertrauen und in jugendlicher Frische den Thron seiner Väter. 1

Das leidige Geld.

Erzählung von Hermann Frank.

(Fortsetzung)

Empfangen Sie meinen Dank," erwiderte der höfliche Beamte, sich gleichzeitig erhebend.Es freut mich, um des Mannes willen, daß er sich keiner Lüge schuldig gemacht, wie das sonst seine Gewohnheit ist." Der Kommtsiar wollte offenbar noch etwas hinzuiügen, denn er traf keine Anstalten zum Gehen. Nach einer Weile fuhr er fort: Würden Sie eine Warnung meinerseits nicht übelnehmen?"

Abermals erröthete Jordan flüchtig; er ersuchte den Kommiffar, weiter zu sprechen.

Dieser Merzer ist nämlich ein äußerst ver­kommenes Subjekt, durchaus unverbesserlich, trotz mehrfacher Freiheitsstrafen, die über ihn verhängt wurden. Ihre Mildthätigkeit, Herr Jordan, ist mir nicht unbekannt und die Armen unseres Be- JirkS rühmen mit Recht Ihre Barmherzigkeit, mein jener Merzer ist Ihrer Güte wahrhaftig nicht würdig. Er wird durch Ihre reiften Gaben nur noch arbeitsscheuer und verderbter, und daS bezwecken Sie ja doch nicht mit Ihrer Menschen- sreundltchkeit."

Gewiß nicht," erwiderte Jordan etwas ver- wirrt.Ich danke Ihnen für Ihre wohlgemeinte Warnung."

Der Kommiffar empfahl sich. Als sich die Thür hinter ihm geschloffen, seufzte Jordan schwer auf »na lehnte da- Haupt an die Wand. Her

im Hintergründe des Zimmers verweilende Kuntze eilte besorgt herbei. Der Rentier erschrak.Ah, Sie sind noch hier!" stieß er hervor, während seine Augen unruhig umherblickten.

Ist Ihnen unwohlfragte Kuntze besorgt. Soll ich den Diener rufen ?"

Der Rentier verneinte lebhaft. Er hatte sich bereits wieder gefaßt und sagte:Es ist recht schlimm, daß man sich in den Menschen so täuschen kann. Ich hielt Merzer für einen redlichen Mann."

Nein, Herr Jordan," widersprach Kuntze bestimmt,das ist er nicht."

Kennen Sie ihn?" fragte der Rentier unan­genehm überrascht.

Er wohnt mit mir in einem und demselben Hinterhaus, nur eine Treppe höher. Es ist ein roher, geradezu gefährlicher Mensch und schon längst sür's Zuchthaus reif."

Was Sie sagen!' rief Jordan lebhaft und mit ersichtlichem Interesse.

Ihnen kann ich's ja mittheilen," fuhr der Schneidermeister fort,es ist sogar meine Pflicht. Der Merzer hat eine ganze Reihe von Diebttählen begangen, die ihm von so und so vielen Zeugen nachgewiesen werden können.

Warum macht man da nicht die Anzeige bei Gericht?"

Weil man seine Rachsucht fürchtet: er ist ein gar gewaltthätiger Mensch. Wenn der aus dem Zuchthaus wieder herauskäme, ich bin überzeugt,

er ermordete den, der ihn angezeigt.'

Mit Jordan war eine seltsame Wandlung vor- uj bis Mitternacht.'

gegangen. Seine Augen, die kurz zuvor noch Un­ruhe zeigten, blickten jetzt freudig bewegt; er ath­mete erleichtert auf und seine gebeugte Gestalt richtete sich empor. Er ging an den Geldschrank, wickelte ein Goldstück in ein Stück Papier und überreichte eS Kuntze mit den Worten:DaS ist für Ihre Kinder, taufen Sie ihnen etwas, woran sie Freude haben."

Der Schneidermeister war von der Güte Jor­dans gerührt. Er dankte ihm wiederholt und ver­ließ hochbeglückt das elegante Gemach.

Der Rentier trat an das Fenster «nd warf einen Blick des Dankes nach dem nebelgrauen Himmel. Was mochte in der Seele des seltsamen Mannes vorgehen?

Nach einer Weile erschien Frau Jordan, welcher schmollend Alice folgte. Sie waren beide zum Ausgehen angekleidet. Die Gattin hielt in der Hand eine Postkarte und sagte, auf dieselbe deu­tend: »Wir müssen zu Hause bleiben. HartungS haben ihren Besuch angekündigt."

Sie hätten auch später kommen können," äußerte Alice weinerlich.Nun habe ich mt< umsonst auf den neuen Hut gefreut, den Mama für mich aussuchen wollte."

Es kann D^r doch gleich sein," bemerkte Jor­dan,ob Du ihn ein paar Stunden früher od« später bekommst."

Die paar Stunden kenne ich," entgegnete die Kleine,über ihren Muff streichend.Wenn Hartungs einmal da sind, dann bleiben sie womög»