Mit wöchentlicher Gratis-Aeitage „Illukrirtes Anterljaltungsklatt".
Nr. 1. Dienstag den 1. Januar
1889.
Akonnements-Ginladung.
Bestellungen auf das
HersfeLlter KreisvLatt
mit der wöchentlichen Gratis Beilage
„Mustrirtes Unterhaltungsblatt" für das 1. Quartal 1889 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Auf Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des §. 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird hierdurch der Schluß der Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- und Fasanen- Hennen, Haselwild und Wachteln aus oen 18. JLnuar k. J. Abends festgesetzt.
Caffel.^äm 27. December 1888. •
Namens des Bezirks-Ausschuffes: Der Vorsitzende Rothe.
Hersfeld, am 27. December 1888.
Die Herren Örtsvorstände deS hresigen Kreises werdet "Hiermit an die Einreichung der Nachwei- sungen" über die Revision der Maaße, Waagen und Gewichte mit Frist bis zum WM MtsZ H,i »Meinung xivn ju 0 M. «Suhtt eriancrl..
12833. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.__
' Hersfeld, am 29. December 1888.
Der am 20. Februar 1867 zu Aua geborene Knecht Johannes Bechstein hat um Entlassung aus dem diesseitigen Slaatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
12889. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Das leidige Geld.
Erzählung von Hermann Frank.
.Hast Du Dich denn"aoch"sihon mit der Tochter des Hauses näher bekannt gemacht 8" fragte die Mama.
.Oh, wir sind bereits Freundinnen."
.So gefällt Dir Thekla also V
.Ach ja, — weißt Du, sie ist ein bischeu oben hinaus, sonst aber ganz gut."
.Was willst Du damit sagen, Kind?
.Hm," begann die Kleine, das Stumpfnäschen rümpfend, .sie zieht m'ch auf, von wegen des Fähnrichs, und sagte, mit einem so — ach, ich mag es gar nicht wiederholen, es war etwas von grün dabei — kurz und gut, mit so einem gäbe sie sich gar nicht ab, jagte sie. Unter einem Maior thäte sie eS überhaupt nicht. Das war doch recht dumm, nicht wahr, Mama? Denn wenn einer Major ist, dann ist er doch schon ganz alt."
.Du bist ein Plaudermäulchen," fiel lächelnd die Mama ein und küßte ihren Liebling auf den rosigen Mund.
Jetzt erschollen die Klänge einer Militärmusik, die Peter Härtung für daS Fest extra bestellt, und das glückliche Mädchen riß sich mit den Worten von der Mutter los: .Hummel, die Pol' vaise beginnt und der Fähnrich hat mich emlagirl l
In der That nahm für die junge Wert das Tanzvergnügen jetzt seinen Anhang. Den v elen VMraMWv, welche Peter Härtung semen
# Zum neuen Jahre
Ein Jahr der Trübsal liegt hinter uns. Wir haben den großen Kaiser zu Grabe tragen müssen, und bald folgte ihm sein edler Sohn, der so lange die Hoffnung der Nation war und schon zu Tode getroffen das Scepter Preußens und des Reichs ergriff, zu seinen Vätern nach. Wahrlich ein größerer Schmerz, eine schwerere Prüfung konnte unserem Volke und namentlich dem jungen Reiche nicht auferlegt werden!
Doch mit starker Hand ergriff der jugendliche Kaiser die Zügel der Regierung untK alle Fürsten und die Vertreter der freien ©faire sich, umgeben von der Volksvertretung, um den Enkel Wilhelms des Großen, um vor der Nation
schaarten
und der gesammten Welt Zeugniß abzulegen, daß wir sein wollen: .ein einzig Volk von Brüdern und in keiner Noth uns trennen und Gefahr." An dem Schmerze Deutschlands nahmen innigen Antheil alle Völker auf dem breiten Erdenrund, man sann sagen: Alle, in denen das Gefühl für das Menschliche noch nicht erloschen; ja selbst Völker, welche in ihren Herzen gegen die deutsche Nation Haß und Mißgunst frfH^-J^" sich "'N', Z-if f^ hierin Schranken auf; besonders wohlthuend aber waren für uns die Beweise herzlicher Theilnahme von den uns befreundeten Herrschern und Staaten. galten der Bethätigung des Dankes für. diese werthvollen Zeugnisse freundschaftlicher Gesinnung und hieraus ergaben sich neue Bürgschaften für die Erhaltung des Friedens, die zugleich aus dem Vertrauen erwuchsen, daß Deutschlands Kaiser ein starkes und weises Regiment führen
werbe.
Das Jahr 1888 bildet in dem Leben der
deutschen Nation gewissermaßen eine Grenzscheide schiedenen Stämmen des deutschen Volks, so auch zwischen dem Einst und Jetzt. In seinen Jugend« unter den Parteien ist und wie allein in der
Gästen bereits geboten, folgte eine neue. Inmitten eines kleinen, im Park gelegenen SeeS war ein Kahn verankert, der, mit zahlreichen Lampions geschmückt, die Musiker barg. D;e gleichfalls mn bunten Pap'erlaternen versehenen Paare umkreisten im Polnatsenschrttt den Teich, dabei zum öfteren gewundenen Waden folgend, die in bengalisch beleuchtete BoSketS führten, bis zum Schluß des Tanzes ein Brillantfeuerwerk der dunklen Wasser« fluth entstieg.
Sämmtliche Gäste brachen in ein begeistertes Bravo aus, das dem feinfühligen Geschmack des splendiden W-rthes galt, der mit glückseligem Lächeln die Unmenge von schmeichelhaften (Komplimenten entgegen nahm. , K
Während Alles nach den vor und in der Veranda aulgestellten Büffets eilte, die eine tfulle auserlesener Delikatessen und We:ne dardoten, saßen Magda und Kurt auf einer der im Garten ausgestellten Gartenbänke, ziemlich fern von dem Geräusch der Gesellschaft.
Magda hatte w eserholt zum Ausbruch gemahnt, aber Kurt bat sie zu bleiben.
.Ich habe Ihnen so vieles zu jagen," äußerte er, die Hand deS erröthenden Mädchens in der seinen haltend. , .. ,
.Könnte das nicht ein andermal geschehen 8 sragte sie klop'enden Herzens.
.Nein, wem süßes Mädchen," rief der Re.eren dar feurig, .jetzt, nur jetzt ist der rechte Augen« bild. Wiederum steht der Mond am Himmel, wir damals, als ich in Eurem traulichen Garten
tagen wurde das 'Volk von dem an Weisheit und Erfahrung so reichen großen Kaiser gelenkt und sammelte unter seiner Regierung die Kraft, deren es jetzt für das praktische Leben des Mannesalters in so reichem Maße bedarf. Aber wir kennen die Pfade, die er gewandelt, wir kennen den Geist, in welchem er gewirkt, und dieser Geist ist in seinem Enkel lebendig, der dem Volke dieselbe Treue gelobt hat, welche die Hohenzollern stets bethätigt haben. Das giebt uns Muth und Hoffnung für das neue Jahr, wie für alle Zukunft.
Nicht ungern sehen wir das so verhängnißbolle Jahr scheiden. Aber es wäre traurig, wenn wir aus ihm nicht Lehren für die Zukunft mit herüber nehmen wollten. Diese Lehren gipfeln in der Nothwendigkeit unablässiger Pflege der Einigkeit aller Glieder des Volks in dem, was sie verbindet und in der Pflicht, die Einigkeit zwischen Fürst und Volk zum Heile des Ganzen zu erhalten und zu fördern. Freilich hat es gerade in dem vergangenen Jahre nicht an häßlichen Zerwürfnissen zwischen den Parteien gefehlt, und der Monarch selbst hat den Versuchen einer gewissen Richtung, ihm durch unberechtigte Hin
Parteiinteresse Vorschub zu leisten^SM^lL«» Samen der Zwietracht in das durch bie Ereignisse des Jahres tief verwundete Herz des Volks zu streuen. Aber wir haben das Vertrauen zu dem Geiste der deutschen Nation, daß er diese Bestrebungen, ohne Schaden zu nehmen, über- winden und sich besten bewußt sein werde, wie nothwendig die Eintracht, wie unter den ver
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weilte, und wiederum blickt er lächelnd herab, scheinbar unS fragend, ob unsere Herzen sich denn noch immer nicht gefunden haben."
„Das geht dem neugierigen Gesellen doch nicht- an," erwiderte die immer mehr erröthende Magda ausweichend.
.Im Gegentheil," rief Kurt mit seligem Lächeln, .er ducht die Liebe der Menschen in dem großen Luche der Ewigkeit, das alle unsere Tugenden und Schwächen enthält."
.Dann wollen wir unS doch lieber stark zeigen," sagte Magda schnell, indem sie sich erhob.
.Recht so." pflichtete Kurt scheinbar bei, .wir wollen zeigen, daß wir Muth besttzen und un» offen und ehrlich bekennen, daß wir einander lieb haben, so recht von Herzen lieb *
Magda schlug bebend die Augen nieder.
.Mein liebes Mädchen," fuhr Kurt fort, sie samt umschlingend, .soll der alte Mond über unS spotten, soll er sagen dürfen, Eure Eltern hatten mehr Muth wie Ihr, da sie sich dereinst ihre Liebe gestanden!"
.Wir sönnen ja gar nicht wissen, ob sie daS bet Monbschem thaten." preßte Magda hervor.
.Was wäre die Liebe ohne diesen diSkrete» Himmelszeugen? Hier erhebe ich schwörend meine Hand, damit er es höre, daß ich Dich hebe, daß ich Dir Treue schwöre und Dich beschützen will durch's ganze Leben! — Sieh, Magda, wie freundlich er lächelt und wie erwartungsvoll er auf Dich nicderdl'ckt."
i Das schöne Mädchen sah unwillkürlich zu d<«