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Hersftliitl ^rrisblntt

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirLes AnterhatLungsölatt".___________

Nr. 146. Dienstag den 11. December 1888.

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Amtliches.

Hersfeld, den 10. December 1888.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden hiermit an die Erledigung meiner Ver­fügung vom 5. October d. J. Nr. 9937 im Kreis­blatt Nr. 119, die Einreichung der Verzeichnisse des Pferde- und Rindviehbestandes betreffend, mit Frist bis zum 18. v. Mts. bei Meldung von je 3 Mk. Strafe erinnert.

9937. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 8. December 1888.

Der Maurer Heinrich Etb er t zu Philipps­thal ist heute als Vieh- und Fletschbeschauer der dastgen Gemeinde bestellt und eidlich verpflichtet worden.

12319. Der Königliche Landrath ___________________Freiherr vonSchleinitz.___

Die Gläser für die Trichinenbeschauer des Kreises Hersfeld, sogenannte Eompressorien, sind angekommen und können bei dem Unterzeichneten, das Stück zu 2 Mk. 40 Pfg. in Empfang ge­nommen werden.

Hersfeld, den 7. December 1888.

Dr. C. Victor, Kreisphysikus.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 7, December. Der Reichstag setzte die Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Alters- und JnvatiditätSoersicherung, fort. Abg. Dr. Buht (nat.= iib.) sprach sich im Großen und Ganzen -»stimmend zu dem Entwürfe aus, hielt aber bezüglich der einzelnen Punkte eine nähere Prüfung in der Kommission für nöthig. Mit dem Reichszuschuß erklärte er sich einverstanden, betreffs der Organisation aber würden seine politischen Freunde der Errichtung einer Reichsoersicherungeanstatt den Vorzug geben. Abg. Hitze (6entr.) ertlärte, daß auch feine poli­tischen Freunde die Bedeutung dieser Vorlage für den I socialen Frieden nicht unterschützten und deshalb nach I

Das leidige Geld.

Erzählung von Hermann Frank, (Fortsetzung.)

»Aber Herr Referendar," rief Magda verwun­den auS,übt denn der Mond eine so magische Anziehungskraft auf Sie aus, daß Sie sich in derartige hochpoetische Regionen versteigen

»Wer wird sich dem Mondeszauber entziehen wollen?" lautete die emphatische Antwort.

»Gewiß niemand," gab Magda zu, »deshalb kann man aber doch auf der Erde bleiben."

»Aul der kalten Erbe," seufzte der Referendar, »wo die Liebe sich schaudernd in einen Pelz­mantel hüllt."

Magda mußte über diesen komischen Vergleich lachen. »Ich glaube," erwiderte sie, «Ale beur­theilen die Menschen zu streng. Ich lür meinen Theil halte mit meiner Liebe nicht zurück."

»Wahrhastig mchl?" versetzte der Referendar entzückt.

»Wozu auch?" srug Magda fort. »Ist es ein Unrecht, daß ich meine gute Mutter liebe?"

»Die Mama ah so nun freilich"

»Oh, ich liebe auch noch meine Freundinnen »Ahal"

»Und und alle Bekannte, die mir lieb und werth find."

»Das ist von Ihnen sehr liebenswürdig. In- dessen glaube ich, daß es da na, wie soll ich sagen verschiedene Grade giebt."

Kräften bemüht sein würden, das GesetzgebungSwerk zum Abschluß zu bringen, Er trat dann insbesondere dem von socialdemokratischer Seite unternommenen Versuch, den Werth dieses Gesetzes herabzumindern, entschieden entgegen, wenn er auch einzelne Bestimmungen derselben verbesse­rungsbedürftig erachtete. Sein Haupteinwand aber richtete sich gegen den Reichszuschuß, den er als ein kommunistisches Beiwerk des Gesetzes bezeichnete, dem seine politischen Freunde nicht beistimmen könnten. Abg. von Helldorff ideuischkons.) erklärte sich im Ganzen zustimmend zu den Vorschlägen der Regierung, namentlich auch zu dem Deckungsverfahren und der vorgeschlagenen Organisation; die Gründung einer Reichsanstalt hielt er schon mit Rück­sicht auf die Ansammlung großer Kapitalien in einer Hand nicht für gerechtfertigt. Neben der Alters- und In­validenversicherung müßten weitere Reformen auch aus dem Gebiete der Fabrik- und Gewerbegesetzgebung in Angriff genommen werden. Abg. Schröder (deutschfreisinnig) hat nach verschiedenen Richtungen hin Bedenken gegen die Vorlage, die eine große Anzahl von Arbeitern hineinbeziehe, die von dem Gesetze gar keinen Nutzen habe. Der Arbeiter werde für eine mäßige Rente hohe Beiträge zu entrichten haben. Das Gesetz selbst aber werde den socialen Frieden nicht nur nicht herbeiführen, sondern dazu beitragen, die Forderungen der Arbeiter noch zu steigern. Abg. Leusch- ner-Eisleben (Reichsp.) ist der Meinung, daß daS vor, liegende Gesetz sehr wohl geeignet sei, die Unzufriedenheit in weiten Kreisen der Arbeiter zu vermindern. Eine ReichS- Versicherungsanstalt halte er für zweckmäßiger, doch wolle er sich nach Lage der Sache mit den Landesversicherungs- anftaiten begnügen; die Ortsklassen billigte er, warnte aber vor einer Erhöhung der Rente, die von der Industrie nicht getragen werden könne; der Reichszuschuß sei unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Er beantragte die Ueberweisung der Vorlage an eine besondere Commission von 28 Mitgliedern. Nach einer kurzen wesentlich persön­lichen Auseinandersetzung zwischen dem basischen BundeS- bevollmächtigten, Freiherrn von Marschall, und dem Abg. Schröder wurde die weitere Berathung aus Montag 12 Uhr vertagt und außerdem der Gesetzentwurf, betreffend die Vorarbeiten für das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I. auf die Tagesordnung gesetzt.

Wotitische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hatte auch am Freitag Nachmittage wieder, in

»Halten Sie das menschliche Herr für einen Thermometer?"

»Vom physikalischen Standpunkt aus betrachtet: allerdings."

»Auf dieses Gebiet vermag ich Ihnen nicht zu folgen."

»Was ich meine," versetzte der Referendar mit einem Blick nach dem Monde, »läßt stch übrigens auch musikalisch ausdrücken, auf welchem Gebiete Sie ja doch zu Hause sind. Kann man in der Liebe nicht auch von einem crescendo und dimi­nuendo sprechen? Ein seine Gattm verehrender Gatte wird beispielsweise fortissimo lieben."

»Eine Tochter, die ihre Mutter so recht herzlich liebt, wohl ebenfalls," schalt Magda ein.

»Natürlich," gab der Referendar zu. »Mit welchem musikalischen Stärkegrad würden Sie nun jene Liede vergleichen, die Sie zu Ihrem Be­kannten zu Ihren besten Bekannten, oder sagen wir lieber: zu Ihrem neuesten Freunde fühlen?"

Magda erröthete tief.

Schon schickte sich der Referendar an, ihr einzu- helfen, da erschien die Bowle und mit ihr Die Mama. Nun war es mit dem Examiniren vor­bei, und als der Referendar seufzend nach dem Monde schielte, wollte es ihm dünken, als ob der alte Geselle recht ironisch lächle.

Es war ein wundervoller Sommerabend. Vom fernen Gebirge her wehte eine erfrischende Luft, in welcher ein ganzes Heer von Leuchtkäfern schwirrte, in der leicht gekräuselten Fluch des neben Stromes

I Begleitung des Flügeladjutanten vom Dienst, eine längere Spazierfahrt nach dem Thiergarten rc. unternommen und darauf nach der Rückkehr von derselben noch mehrere Stunden mit Erledigung von Regierungsangelegenheiten in seinem Arbeits­zimmer zugebracht. Am Sonnabend Vormittage arbeitete Allerhöchstderselbe zunächst bis gegen 10 Uhr in seinem Arbeitszimmer allein und ge­währte alsdann dem Portrait-Maler Professor Eilas eine Sitzung. Später conferirten Se. Majestät der Kaiser mit dem Staatssecretär des Auswärtigen Amtes, Staatsmtnister Graf Herbert Bismarck, arbeitete hierauf längere Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets, General- Lieutenant und General-Adjutant v. Hahnke und hörten Mittags den Vortrag des Chefs des Generalstabes, General-Adjutanten Grafen v. Waldersee. Am Nachmittage unternahm der erlauchte Monarch wieder eine Spazierfahrt.

Der Bundesrath hat den Entwürfen von neuen Ausführungsbestimmungen und Dienstvorschriften zu dem Gesetz die Statistik des Waarenver- k e h r s des deutschen Zollgebiets mit dem Aus­lande betr. seine Zustimmung ertheilt.

Das seitens derdeutschenKriegerver- eine für Kaiser Wilhelm 1. geplante Denkmal findet bei allen ehemaligen Soldaten lebhaftes Interesse. Dieser Tage sollte in engerer Aus­schußsitzung über die endgültige Wahl einer der beiden in Aussicht genommenen Denkmalsorte Kyffhäuser und Goslar Beschluß gefaßt werden. Der Beginn der Sammlungen ist dann bald zu erwarten.

Die englische Regierung hat kürzlich im Unter­hause mitgetheilt, daß zur Hebung der völlig im Niedergang begriffenen Klingenfabrikation in Sheffield einst der Stolz Englands, deutsche Waffen- und Messerschmiede aus Solingen nach Sheffield berufen worden seien. Jetzt geht hin­sichtlich der Einfuhr deutscher Damenkleider

WaWWF»3Wlim^ - .....' BBBgBBBrn glitzerte das Licht des Mondes und Blumen und Gräser entsandten würzige Düfte.

Magda zeigte stch schweigsam. Sie ließ den Zauber der Natur auf sich wirken, Nur die Mama unterhielt sich lebhaft mit dem Referendar, der die Trefflichkeit der Bowle lobte und ihr fleißig zusprach.

Als er sich endlich zum Heimgang «»schickte und den Damen eine Gutenacht bot, hielt er lange Magdas Hand in der setnigen. Er hätte gar zu gern noch einmal vom Crescendo der Liebe be­gonnen, indessen schnitt ihm das ahnende Mädchen die Rede ab, indem sie ihn mit Den Worten ent­ließ : künftig stch weniger in das Gebiet der Mustk zu vertiefen, und dabei drohte sie ihm freundlich mit dem Finger, während ihr Antlitz sich färbte.

In stillem Entzücken verließ der Referendar die Damen und den kleinen, reizenden Garten.

Freundlich nickte er dem höhersteigenden Monde zu, und indem er träumend vorwärts schritt, summte er eine Melodie nach der anderen vor stch hin. Erst als er die Straße betrat, in welcher das städtische Pflaster begann und die Nähe der einander gegenüberstehenden Häuser jedem seiner Schritte eine unangehme Resonanz verlieh, kehrte er zur Wirklichkeit zurück, die ihm mit ihrer Nüchternheit recht schroff entgegentrat.

Er kam nämlich an einen Schutzmann vorüber, der soeben ein durchaus nicht vertrauenerweckendes Individuum aufgegriffen hatte. Der defecte, schmutzige Anzug des Strolches paßte zu dem auf­gedunsenes Gesicht und dem suchssarbtgen Schnurr,