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Hersstliier Kreisliiitt.

Mit wöchentlicher Hratis-AeilageIllustrirtes Anterhaltungsölatt".

Nr. 140,

Dienstag den 27. November

1888.

Aöonnements-Ginladung.

Bestellungen auf das

HersfeLder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Illuftrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat December werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 21. November 1888.

Den Herren Ortsvorständen des Kreises gehen in den nächsten Tagen die nach den festgesetzten Unikaten berichtigten zweiten Ausfertigungen der Klassensteuer-Zu- und Abgangslisten pro I. Se­mester 1888/89 mit der Auflage zu, die Abgänge nach Zeit und Betrag in den Klassensteuer-Rollen vom laufenden Steuerjahre zu notiren, und hier- nach die qu. Listen in der Repositur aufzube- wahren.

11822. Der Königliche Landrath __, Freiherr von Schleinitz.__

Hersfeld, den 23. November 1888.

Der am 24. April 1865 zu Gersfeld geborene Schneider Johann Christian Müller dahier hat für sich und seine Familie um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

11882, Der Königliche Landrath ______________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 24. November 1888.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit Einzahlung der Kosten für das Klassensteuer- Formularpapier pro 1889/90 im Rückstände sind,

Ein Pechvogel.

Erzählung von L. F. Born.

(Fortsetzung.)

Herr Friedrichsen gewöhnte sich bald an die Gegenwart des Gastes. Anfangs machte er ein etwas verwundertes Gesicht, wenn er ihn im Zimmer seiner Tochter fand, und als der Maler zum ersten Mal seinen Platz am Mittagstisch ein- nahm, ließ er einige grunzende Töne hören, mit welchen er stets einen gewissen Grad von Miß­billigung und Unbehagen auszudrücken pflegte. Aber, wie gesagt, er gewöhnte sich. Dazu kam, daß er in Max einiges Verständniß für sein Steckenpferd zu entdecken glaubte. Zwar hatte dieser kein Talent zum Sammeln, höchstens zum Verlieren, und die einzigen Dinge, von welchen er eine Sammlung besaß, waren linke Handschuhe, zu denen die rechten fehlten, einzelne Manschetten- knöpfe und dergleichen. Aber er merkte bald, daß es seinem Gaftireund nur um einen geduldigen Zuhörer zu thun war, mit einigen ausmun- terndeu Redensarten wie ,3« wohl" »Sehr interessant" »Wie eigenthümlich" kam man sehr weit mit dem alten Herrn, und Max brauchte darum noch nicht zum Heuchler zu werden, da er sehr wenig von der Sache verstand, und dem An­dern sein Vergnügen von Herzen gönnte.

Ewig konnte dies herrliche Dasein nun freilich nicht dauern, denn Max kam täglich mehr zu Kräften, und hatte bald keinen Vorwand mehr, Herrn Friedrichen- Gastfreundschaft in Anspruch

werden hieran mit Frist bis zum 30. d. Mts. erinnert.

10895. Der Königliche Landrath

___Freiherr von Schleinitz.

Nachdem zufolge Bekanntmachung vom 3ken Februar d. I. zum Zwecke demnächstiger Herab« fepung des Zinsfußes von aus der Landeskredit­kasse erborgten Darlehen die sEinziehung sämmt­licher 4procentigen beiderseits kündbaren Schuld­verschreibungen der Landeskreditkaffe und die Ausreichung Z'/zprocentiger Schuldverschreibungen der Serie 14 an Stille derselben ins Werk gesetzt worden ist; wird in Gemäßheit Beschlusses des Landesausschusses vom 18. September d. J. und dazu erklärter Zustimmung des Herrn Ober- Präsidenten

1) den Schuldnern der aus der Landeskreditkaffe mittels Laarzahlung nicht zu Ablösungszwecken gewährten Darlehen vom 1. Juli 1889 ab die Umwandlung dieser Darlehen in mittels 3'/2vrocentiger Schuldverschreibungen der Serie 14 gewährte Darlehen und damit die Herabsetzung des Zinsfußes von 4Vi aus 4 Procent, sowie die Berechtigung, die Darlehen mittels Schuldverschreibungen der Serie 14 zurückzuzahlen (s. pos. 10 des Emissions-Be- schlusses vom 30. April 1885), zugestanden und zugleich

2) der Zinsiuß derjenigen Darlehen, welche aus Serie 15 der Seitens des Inhabers unkünd­baren Landeskredstkassen-Obltgalionen gewährt sind, vom 1. Juli 1889 ab aus 4 Procent herabgesetzt.

Die erwähnte Umwandlung, bezw. Zinsener- Mäßigung erfolgt mit der Bestimmung, daß für die auszustellenden neuen ^tlgungaplane die »esetz> ließe Umrechnungsgebühr zu entrichten ist, und daß von dem von den Schuldnern der unter 1 be­zeichneten Darlehen für das I. Halbjahr 1889 zu entrichtenden Kapital-Abtrage ein halbes Procent

zu nehmen. Seine Mutter erwartete ihn mit Sehnsucht, er sollte sich bei ihr noch einige Wochen der Ruhe gönnen, und dann war es hohe Zeit für ihn, die Arbeit wieder aufzunehmen. Luise wurde in seiner Gegenwart merklich stiller und scheuer, und die Zeichenstunde wurde unter einem nichtigen Borwand aufgehoben. Wie Bosheit klang es ihm, wenn die Freunde ihm zur Genesung Glück wünschten, er gerieth in einen Zustand innerlicher Unruhe und Verzweiflung, der sich täg­lich steigerte; Frau von Dennwitz sah ihn immer prüfender an, und der Doclor rieth zu schleuniger Abreise, er mochte ahnen, warum seinem Patienten die Lust in der Villa nicht mehr bekam. Der Sache mußte ein Ende gemacht werden und so bat er sich plötzlich eines Abends Urlaub aus, um am nächsten Morgen abzureisen, wie er selbst glaubte, mit gutgespielter Ruhe und Faffung. Aber der zerrissene Zustand seines Innern stand ihm auf dem Gesicht geschrieben, und unwillkürlich flehten seine Blicke die Damen an, ihm zu wider­sprechen, und ihm die Erlaubniß zur Abreise zu versagen.

Aber Luischen sagte kein Wort dazu und hielt die Augen hartnäckig auf ihren Teller gesenkt und Frau v. Dennwitz machte nicht den geringsten Versuch ihn zurückzuhalten, sondern sprach nur von der Freude, die Frau v. Waltersheim bei dem Wiedersehen mit ihrem Sohn empfinden würde. Nur die Kinder beklagten die Trennung und Papa Friedrichsen grunzte ein wenig; er hätte, wie es schien, den Gast gern noch behalten.

Nach Tisch bat Max um ein Lied zum Abschied, aber Luise behauptete nicht bet Stimme zu sein, und so schwiegen sie Alle drei, während der alte Herr, um Max noch eine besondere Gunst zu er­zeigen, eine Mappe seltner Holzschnitte herbet- brachte, die sich dieser gewissenhaft beschaute, und sich ihre Meriten auseinandersetzen ließ. Er fühlte sich so namenlos unglücklich, daß er nicht im Stande war, sich lange zu beherrschen also zog er sich früh zurück, und schützte Retsevorbereitungen vor. Am nächsten Morgen um neun Uhr war der Wagen bestellt, früh um fünf Uhr stand er nach einer schlaflosen Nacht auf, und schrieb ein Billetchen an Frau von Dennwitz, in dem er verzweiflangsvoll um eine Unterredung unter vier Augen bat. Mit der Uhr in der Hand saß er wie auf glühenden Kohlen da, bis die gnädige Frau ihn um halb acht Uhr zu sich bescheiden ließ. Er trat in's Balkonzimmer, Frau von Dennwitz war nicht zu sehen, dafür Luischen in ihrem blaßrosa Morgenkleidchen, die ihm erglühend und zitternd die Hand zum Morgengruß reichte. Sie wollte ihn zu ihrer Schwester führen, aber der glückliche Max hielt sie fest und Frau von Dennwitz kam erst nach einer Stunde in's Balkon­zimmer, nachdem sie den Wagen abbestellt, und ein entschuldigendes Telegramm an Frau von Waltersheim abgeschickt hatte. Da fand sie die Beiden auf dem breiten Fensterbrett sitzend, und nach dem Fenster des Ateliers hinüberschauend. Max erklärte Lutschen, wie seine Gedanken und Wünsche schon längst von Fenster zu Fenster eine

des Kapitalrestes als Ersatz eines Theils der Kosten, welche durch die Conversion der Eingangs erwähnten 4procentigen Obligationen entstanden sind, abzuziehen ist, soweit nicht die Zahlung des halben Procent neben dem bisherigen Kapital« Abtrag von den Schuldnern bewirkt wird.

Caffel, den 13. November 1888.

Die Direction der Landeskreditkaffe. Lotz.

# Des Königs Kecht.

Die vom Kaiser bei seiner Anwesenheit in Breslau gethane Aeußerung über den Ausfall der dortigen Wahlen verursacht der freisinnigen Presse großen Kummer, alle ihre Organe ver­gießen Krokodilsthränen über die Gefährdung des Köntgsthums durch die Parteinahme des Königs für eine Partei oder eine bestimmte politische Richtung Das Berliner Tageblatt sieht darin eine Verletzung des obersten mo­narchischen Grundsatzes,an dessen Nichtachtung selbst ungewöhnlich hoch veranlagte Herrscher zu Grunde gegangen seien", und alle die übrigen parteiverwandtenHerzensergießungenunterscheiden sich höchstens durch den Grad der Dreistigkeit, mit welcher sie sich bemühen, im Volke eine Art von Conflictsstimmung zu erzeugen und es in einen Gegensatz zu seinem Könige zu bringen. Ganz besonders getroffen fühlt sich, aus nahe­liegenden Ursachen, die fortschrittlicheBres- lauer Zeitung", welchebeklommenen Herzens" die Frage nicht mehr zurückdrängen kann:Steht Kaiser Wilhelm 11. über den Parteien? Will Kaiser Wilhelm II. über den Parteien stehen?"

Seit den Tagen, da der erste Hohenzoller sich durch Herstellung des Landfriedens mit eiserner Hand den ewigen Dank der Marken erwarb, haben die Herrscher dieses Landes nur in sehr geringen Ausnahmen auf die Geltendmachung ihres Willens und ihrer Meinung verzichtet.