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Hersstl-er Kreislililtt

_________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirLes IlnLerhatLungsökatL".

Nr. 137.Dienstag den 20. November 1888.

AmMches.

Oeffentliche Bekanntmachung. Seit einiger Zeit werden von der Firma Alwin Nieske in Dresden sogenannte Carbon- Natron-Oefen in den Handel gebracht, welche nach den veröffentlichten Prospekten für Gesundheit und Leben durchaus gefahrlos sein sollen, indem angeblich das Feuerungsmaterial nur Kohlensäure producire und bei vorschrifts­mäßiger Verwendung der Oefen in Schlaf- und Wohnräumen die Heizgase durch einen Gummi- schlauch ins Freie abgeführt werden.

Die Frage wegen der Gefahrlosigkeit oder Gefährlichkeit dieser Oefen ist seitens der zustän­digen Behörden einer näheren Prüfung unter­zogen worden. In Folge dessen hat der Director der hygienischen Institute |bcr Universität Berlin hierüber sich dahin geäußert, daß die Benutzung eines Carbon-Nalron-Ofens ebenso lebensgefähr­lich ist, wie die eines Kohlenbeckens in einem geschlossenen Raume, oder eines Ofens, dessen Klappe zu früh geschlossen ist.

Die Einrichtung des Carbon-Natron-Ofens unterscheidet sich von anderen Oefen dadurch, daß der erstere in seinem oberen Theile nicht luft- dicht abgeschlossen, sondern nur mit einem lose aufliegenden Deckel versehen ist. In Folge dessen können die Heizgase an dieser Stelle fast unge­hindert aus dem Ofen in die Luft des beheizten Raumes übergehen. Diese Heizgase enthalten aber stets gesundheitswidrige Stoffe, vor Allem das besonders gefährliche, auf den menschlichen Organismus unter Umständen tödtlich wirkende Kohlenoxydgas, welches bei der verlangsamten Verbrennung, wie sie im Carbon-Natron-Ofen stattfindet, in besonders reichlichen Mengen er­zeugt wird. Der an den Carbon-Natron-Oefen angebrachte Gummischlauch, durch welchen die

Ein Pechvogel.

Erzählung von L. F. Born. (Fortsetzung.)

Frau von Dennwttz sprach ihr Bedauern aus und ihre Schwester, die sich bis dahin ganz still verhallen hatte, frug plötzlich dazwischen:Wollten Sie nicht heut Abend auf den Waltersheim'ichen Ball gehen?"Woher wissen Sie denn das, gnädiges Fräulein?* frug er schnell. Sie erröthete ein wenig und Frau von Dennwttz sagte lächelnd: »Ihre Cousine, Frau Anna von Waltersheim ist eine alte Freundin von mir, sie erfreute uns kürzlich mit ihrem Besuch, und daher sind wir jetzt sehr unterrichtet in Bezug auf Ihre Familie.* Ihr Lächeln schien bedeutsam, Cousine Anna hatte natürlich Max und Hedwig zusammen genannt, und daß sie es gerade an dieser Stelle gethan hatte, war dem Maler äußerst empfindlich,

Frau von Dennwttz wurde mit ihrem Söhnchen zum Arzt gerufen, und er blieb mit Fräulein Luise allein zurück. Vor kurzer Zeit noch würde ihm ein töte a tdte mit der verzauberten Prinzeß als ein reizendes Erlebniß erschienen sein, jetzt wußte er kein Wort zu sagen. Ihm war so be­sangen und verlegen zu Muth, als müsse er ihr ein großes Unrecht beichten. Dazu benahm ihm der Schmerz jeden vernünftigen Gedanken, er biß die Zähne auf einander, und wandle sich zur Seite. Sie sah schüchtern und thetlnehmend zu ihm herüber, dann vertirftk sie sich in Betrachtung ihrer

I Heizgase nach Angabe der Prospekte ins Freie geleitet werden sollen, erfüllt seinen Zweck keines­wegs. Denn da das zur Aufnahme dieser Gase bestimmte Abzugsrohr in dem unteren Theile des Ofens endigt, so fehlt den stets nach oben strebenden Heizgasen jede Gelegenheit, in das Abzugsrohr selbst und demnächst in den mit der Mündung dieses Rohres verbundenen Gummi­schlauch überzutreten. Die Gase entweichen daher auf dem nächsten Wege, d. h. durch den Spalt neben dem Osendeckel.

Aus diesen Gründen ist die Benutzung der­artiger Carbon-Natron-Oefen, namentlich zur Beheizung von Schlaf- und Wohnräumen, im höchsten Grade gefährlich.

Es wird daher vor dem Ankauf und Gebrauch derartiger Oefen gewarnt.

Cassel am 25. October 1888.

__Der Regierungs-Präsident. Rothe.

Mit Bezugnahme auf die von mir unterm 21sten Januar d. Js. erlassene, in Nr. 5 des Amtsblatts vom 1. Februar b. J8. unter Nr. 75 veröffentlichte Polizei-Verordnung, betreffend thierärztliche Untersuchung der mit der Eisen­bahn nach den Nordseehäfen zu befördernden Wiederkäuer und Schweine, mache ich hiermit bekannt, daß die thierärztliche Untersuchung nur für diejenigen Eisenbahn-Viehtransporte erfordert wird, welche zur Beförderung nach den eigent­lichen Exporthäfen (Hafenstädten) bestimmt sind.

Als Exporthäfen für Vieh kommen zur Zeit in Betracht: Hamburg, Harburg, Altona, Bremen, Bremerhaven, Geestemünde und Tönning, der letztere Ort jedoch nur für die Zeit vom 1. Juni bis 30. November jeden Jahres.

Cassel am 26. October 1888.

Der Regierungs-Präsident. Rothe.

Zugelaufen: ein ungefähr */4 Jahr altes Schaf. Der Eigenthümer kann dasselbe gegen Erstattung

schmalen Stiefelspitzen und schwieg beharrlich. Ihre Schwester kehrte bald zurück und nahm freundlich Abschied, da schlug auch Fräulein Luise die Augen auf und wünschte dem NachbarGute Besserung." Beim Doktor fand Herr von Waltersheim schlechten Trost, dieser legte den Arm in einen festen, unförmlichen Verband, ver­ordnete Stubenarrest, Ruhe und Schonung, und als ihm der Patient erklärte, baß er heut' Abend unter jeder Bedingung einen Frack anziehen und auf einen Ball gehen müsse, lachte ihm der Doktor laut ins Gesicht, und meinte, in acht Tagen solle er einmal wieder nachfragen.

In schwärzester Laune bestieg Max seine Droschke sonderbar! Bis dahin hatte er vor dem ent­scheidenden Schritt ein unüberwindliches, leises Grauen empfunden, jetzt aber, wo es ihm unmög­lich gemacht war, Hedwig heute noch zu sehen, hätte er Alles drum gegeben um den Besuch des Balles durchzusetzen. Nun mußte er suchen, wenigstens persönlich Herrn v. Waltersheim die Sachlage zu erklären, und stch bei Hedwig zu ent­schuldigen. Aber sein Mißgeschick wollte, daß der Letter eben ausgegangen war, und die Damen sich nicht sprechen ließenda ste bereits bet der Toilette seien". Er fuhr zur Blumenhandlung, ließ sich ein Louguet einpacken, und kehrte damit nach Haus zurück. Hier kam ihm der Dächsel entgegen gesprungen, der auf eigene Hand den Heimweg gefunden hatte, aber der unschuldige Urheber des ganzen Unglücks erhielt einen so häßlichen Fußtritt, daß er sich heulend in eine

der Futterkasten bei dem Ortsvorstand in Kathus in Empfang nehmen.

Mtitische Hlachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser ist am Donnerstag nach B r e s l a u gereist, um in Schlesien Jagden abzuhalten. Die Ankunft er­folgte um 6 Uhr Abends. Zum Empfange war die Stadt aufs Glänzendste geschmückt. Vor Allem gewährte die Feststraße vom Bahnhose bis zum Schlosse durch Triumphbogen, guirlanden- umwundene Masten, allegorische Figuren und reichen Flaggenschmuck einen sehr glänzenden Anblick. Das Ganze war electrisch beleuchtet. Die überaus glänzende Illumination erstreckte sich auf die ganze Stadt, die Häuser waren mit Fahnen und Grün geschmückt. Der Kaiser fuhr in offenem vierspännigen Wagen unter unaus­gesetzten stürmischen Hoch- und Hurrahrufen der Kopf an Kopf gedrängten Volksmenge, welche alle Straßen und Plätze füllte, nach dem König­lichen Palais. Zu dem Mahle, welches um 7 Uhr im Palais stattfand, waren gegen 60 Ein­ladungen ergangen. An der langen Tafel, an welcher die Geladenen Platz nahmen, hatte der Kaiser den Mittelsitz inne. Rechts vom Kaiser saß der Prinz Albrecht, links der Fürst von Hohenzollern. Unter den Geladenen befand sich auch der Fürst-Bischof Dr. Kopp. Nach dem Mahle wurde dem Kaiser bei herrlichem Wetter von den königstreuen Arbeitern ein Fackelzug dargebracht, an dem sich Tausende betheiligten. Der Kaiser erschien auf der Rampe und dankte wiederholt sich nach allen Seiten verneigend. Am Freitag früh begab sich der Kaiser mittels Sonderzuges bis zur Station Linden, woselbst die Ankunft um 8 Uhr 10 Minuten erfolgte. Der Kaiser wurde von der weit und breit zu- sammengeströmten Bevölkerung sehr herzlich oe-

Ecke flüchtete. Jetzt machte sich Max daran, einen Entschuldigungsbrief an seinen zukünftigen Schwiegervater zu verfaffen: hätte er nur wenig­stens von einem gebrochenen Arm schreiben können, das würde doch einigermaßen großartig und rüh­rend gelautet haben, jetzt klang das Ganze wie ein nicht glaubhafter und abgeschmackter Vorwand, obwohl er sich in Wirklichkeit unwohl genug fühlte. Mühsam couverttrte und adressirte er mit einer Hand Schachtel und Brief, und Frau Sommer­meiers Jüngster, ein intelligenter Knabe von drei- zehn Jahren wurde damit in das Hotel geschickt, welches Waltersheims bewohnten. Mit einem letzten Rest von Fassung überstand der Maler Frau SommermeierS theilnehmende Ergüsse, und die Erzählung aller der durch Glatteis herbetge- sührten Unglücksfälle, welche ihr reichhaltiges Ge­dächtniß aufbewahrte, dann verschloß er seine Thür und genoß nun das Vergnügen ganz allein zu sein mit seinen benetdenswerthen Empfindungen. Gleich einem Tiger im Käfig lief er im Zimmer auf und ab, und baute die verrücktesten Pläne auf, um Hedwig bald und allein zu sprechen. Aber alle zerschellten sie wieder an der Mauer, welche Sitte und Verhältnisse um die junge Dame her aufge- führt hatten. Zornig schlug er sich gegen die Stirn, warum hatte er nicht früher zugegriffen, und fast vierzehn Tage lang spielend und zagend jede günstige Gelegenheit zur Verständigung vor- übergehen lassen. Zwar blieb ihm für den Fall, daß Hedwig morgen ohne Abschied abretste, noch immer eine briefliche Aussprache und ein baldigen