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Hkrsfeli>er Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Kratis-ZLeitageIllustrirLes AnterhalLungsölatL".__________

Nr. 133. Sonnabend den 10. November 1888.

Amtliches.

Hersfeld, den 5. November 1888.

Der seitherige Bürgermeister Peter Kaufmann zu Friedlos ist als solcher auf weitere 8 Jahre gewählt und heute eidlich verpflichtet worden.

11233. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

# Die Entwicklung des Elsenoahnwesens gehört aew?ß zu den wunderbarsten Erscheinungen des 19. Jahrhunderts. Die Entdeckung Amer-kas, welche d-e neue Zen einlettete, verblaßt hinter der ein neuestes Zeitalter begründenden Erfindung, Schiffe mit kochendem Wasser über das Meer zu treiben und mittelst der Ausdehnungskrait des Dampfers Lasten mit großer Schnelligkeit von einem Ort zum anderen fort zu bewegen. Was dem Gerste Napoleon I. als Narrhett erschien, was unsere Sätet und Großväter nicht glauben wollten oder doch in seiner ganzen wirthschartlich und social umwälzenden Wirkung nicht erlassen konnten, heute ist es eine so selbstverständliche Sache, daß wir bet dem letzten Hinterwäldler Um­frage halten müßten, um ganz das Mißtrauen zu begreifen, welches vor nur 50 Jahren noch weite Volkskreise gegen die ersten Eisenbahnen beseelte. Damals war die Erde in Wahrheit viel größer und die Zeit viel länger und hinderlicher, als heut­zutage. Die bewegten Dampfmaschinen haben den Erdball kleiner gemacht, Raum und Zeit ihrer früheren Macht beraubt und die Kulturkraft des Menschen ungeheuer anwachsen lassen.

Die erste 41 km lange Bahn wurde von Stock- ton nach Darlington in England im Jahre 1825 eröffnet. Bald darauf tauchten in Preußen, und zwar zuerst in rheinischen Städten zum Zwecke namentlich der Kohlenbeförderung, die ersten Eisen-

Das erste Lied.

Von N. A. G u t h m a n n.

(Schluß.)

Gewiß ist es in den Augen der Welt eine große Ehre für die Tochter des Bierstedlers über Nacht eine gnädige Frau zu werden,' fuhr Strom fort,aber verzeihen Sie Frau Hofräthin, meine Tochter soll mehr werden, als nur die Frau des Herrn von Mola ich will, daß sie eine ge­feierte Künstlerin wird, und sich selbst verdankt, was ihr zur Ehre gereicht. Als ich selbst noch jung war, strebte ich nach dem Ruhm, den ich jetzt für sie ersehne, Was habe ich damals für Lustschlösser gebaut! Sie wissen es ja haben Sie selbst mir doch dabei geholfen. Diese Lustschlösser sind alle in Trümmer gefallen. Welche Träume von Ruhm und Ehre habe ich geträumt! Ich habe alle diese Träume begraben müssen Sie haben diesen Träumen das Grab gegraben , . . Von dem Tage an, wo ich die Stimme meiner Tochter entdeckte, begann ich die alten Luitschlösser von neuem zu bauen der arme Musikant träumte abermals seine Träume für sein Kind soll das alles noch einmal zu nichte werden, weil Sie das so wünschen?'

Ja, das war der rechte Sontheim, der Sont- He'm, den die schöne elegante Frau vergebens in dem glänzenden Virtuosen gesucht hatte. Das war er verbittert und grollend und trotz der schroffen Zurückweisung ihrer gütigen Vor­plätze konnte ihm Frau v. Mola nicht zürnen.

bahnpläne auf, nicht ohne daß von anderen Seiten gegen den Bau protestirt wurde. Nicht rühmend genug kann es anerkannt werden, daß die preußische Regierung damals sofort die Bedeutung des neuen, umwälzenden Verkehrsmittels erkannte und seine Einführung möglichst zu fördern suchte; mit welchen Maßnahmen und mit welchem Erfolge, das kann man aus einer Schritt des Geh. Ober. Regierungs-Raths GleimZum 3. November 1888' ersehen, an welchem Taae 50 Jahre seit Erlaß desGesetzes über die Eisenbahnunternehmungen' verflossen waren.

Die erste wichtige zur Entscheidung stehende Frage war, ob der Staat den Bahnbau selbst in die Hand nehmen konnte und sollte. Die Regie­rung lehnte die Anregungen, das Staatsbahn- system anzunehmen, zunächst ab, unterstützte aber den Lau von Eisenbahnen durch Privatunternehmer. Nunmehr handelte es sich um die schwierige Aufgabe, das Eisenbahnwesen in einer den öffent­lichen Interessen entsprechenden Weite rechtlich zu regeln. as geschah durch das erwähnte Gesetz, welches dem Eisenbahnwesen bereits in den ersten Anfängen seiner großartigen Entwicklung eine Ordnung gab, die heute noch die rechtliche Grund­lage bildet.

Einige Zahlen werden beweisen, was es heißen wollte, damals vorausschauend die Beziehungen des Staates zu den Eisenbahnen zu ordnen. Im Jahre 1838 besaß der preußische Staat 34 Kilo­meter Eisenbahnen, im Jahre 1885 23 635 Kilo­meter. An Locomotioen zählte PrWßen im Jahre 1844 142 Stück, im Jahre 188^8649 Stück. Die Anzahl der Personen-Kilometer welche im Jahre 1844 auf den preußischen Bahnen gefahren wurden, betrug 126817000, im Jahre 1886 5244170000, die Tonnen-Kilometer 19603000 gegen 12 278764 000. Dem entsprechend haben sich die erzielten Einnahmen in dem abgegebenen Zeit-

Jetzt war die Stunde gekommen, wo ste gut machen konnte und wollte, und ein förmlicher Eifer war dabei über sie gekommen, ein Eiter, der sie ihre Hand aus die seine legen, und in bittendem Tone dem Tone, der ihn einst jederzeit be­zwungen zu ihm sagen ließ:Aliredl Laß doch Vergangenes begraben sein! Ich habe schwer an Dir und auch an Lisa gesündigt, aber ich komme, um das wieder gut zu machen. Wir beide sind fertig mit unserm Leben und unserm Glücke laß doch unsere Kinder glücklich wer­den. Laß mich an Lisa sühnen, was ich an Dir verbrach! Und das Verdienst? Du sagst, daß Du den Wunsch hegest, L-sa möge stch ihren Namen' selbst verdienen hat sie das nicht auch hier gethan? Sind mädchenhafte Lieblich­keit, bestrickende Liebenswürdigkeit, Tugend und Anmuth, Eigenschaften, die das Herz meines Sohnes fesselten, etwa kein Verdienst? Laß Lisa entscheiden! Wenn sie selbst mir versichert, daß der gefeierte Name einer großen Künstlerin ihr lieber sei, als der einer Frau von Mola, dann will ich gehen, aber auch nur dann.'

Und wie einst, wenn sie beschwichtigend ihre Hand auf die seine gelegt, und seinen starren Sinn durch liebreiches, herzliches Zusprechen ge­brochen hatte, schmolz auch heute das Eis in seinen Blicken und er rief Lisa.

In lieblicher Verwirrung stand das reizende Mädchen, als man ihr in Gegenwart der fremden Dame die Frage vorlegte, ob ste lieber eine ge«

| raum von 10604000 Mk. auf 683582000 Mk. gehoben.

Daß der preußische Staat inzwischen auf der Höhe seiner Aufgabe geblieben ist, hat er dadurch bewiesen, daß er zur rechten Zeit mit der Ver­staatlichung eine neue Periode seiner Eisenbahn- politik einleitete.

Wotitische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser arbeitete am Mittwoch Vormittag mit dem Chef des Civilkabinets und ertheilte Audienzen. Mit­tags waren der Erbprinz und Prinz Carl von Hohenzollern Gäste des Kaiserpaares. Im Laufe des Donnerstag Vormittags nahm Se. Majestät der Kaiser zunächst die regelmäßigen Vorträge entgegen und arbeitete hierauf längere Zeit mit dem Chef des Militär-Kabinets Gene­ral-Lieutenant und General-Adjutant v. Hahnke.

DerReichsanzeiger' macht bekannt: Se. Maje­stät der Kaiser hat mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in Finanzangelegenheiten des Reiches den Staatssecretatr des Schatzamtes von Maltzahn beauftragt.

Zum Regierungsjubiläum deS Königs von Dänemark, das am 15. November stattfindet, wird sich dem Vernehmen nach Prinz Heinrich mit großem Gefolge nach Copenhagen begeben.

Der Staatssecretär v. Bötticher war am Mittwoch beim Reichskanzler in Friedrichsruh. Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß es sich dabei um Fragen handelte, welche die Eröffnung des Reichstages betreffen, sowie um die Herbeiführung der Entscheidung über die an den letzteren einzubringenden Vorlagen.

Im Einvernehmen mit den Vorständen der betheiligten Berufsgenossenschaften hat das Reichs - Versicherungsamt festgesetzt, daß, wenn der Unternehmer einer Regie bau-

feierte Künstlerin oder die Frau des Geliebten werden wolle.

Endlich hob sie das dunkle Auge, das Erbe deS Vaters, vom Boden und sah bittend und vorwurfs­voll zu dem Fragenden auf.

Wie kannst Du nur so fragen, lieber Vater' sagte sie mit schwankender Stimme, Du weißt doch wie lieb ich Siegfried habe.'

Da aber wurde die Thür weit aufgeriffen und der Erwählte, der in diesem Augenblicke einen so großen Sieg über die Dame Kunst errungen halte, stürmte herein und schloß ohne jedes Cere- montell die Kleine, die sich so ehrlich zu ihm be­kannte, in seine Arme.

Meine Lisa! Meine kleine Blumenkönigin l Jetzt bist Du mein! Das Geschenk meiner Mutter für" er lachte fröhlich aufdie wackere Censur, die der Junge heimgebracht hat.'

Das Auge des Musikanten ruhte mit einem un­beschreiblichen Ausdrucke aus den beiden prächtigen jungen Menschenkindern, ein Strahl von Glück und Freude huschte über seine vergrämten, ver­witterten Gesichtszüge, und auf den fragenden, in Thränen schwimmendem Blicke der vornehmen Dame, die er einst ganz ebenso in seinen Armen gehalten, wie jetzt ihr stattlicher Sohn sein kleines Mädchen, entgegnete er:Ja, was will ich denn thun ? Ich sehe, ich bin überstimmt! Drei gegen Einen. ES scheint, gnädige Frau, daß Sie eigens geschaffen wurden, die Träume des armes Musikanten zu zerstören.'