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Htrsstider Kreisbliitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Mustrirtes AnterhaltungsölaLL"
Nr. 132.Donnerstag den 8. November
1888.
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Potitilche Nachrichten.
(Deutschland.) Im Laufe des Dienstag Vormittags arbeitete Se. Majestät der Kaiser zunächst bis gegen 11 Uhr allein, hatte darauf eine Conferenz mit dem Kriegsminister General- Lieutenant Bronsart von Schellendorff, arbeitete später längere Zeit mit dem Chef des Militair- Cahinets General-Lieutenant und General-Adjutant von Hahnke und nahm Mittags die persönlichen Meldungen mehrerer höherer Officiere entgegen.
Der Aufenthalt Kaiser Wilhelms in Schlesien (Breslau-Ohlau) zur Theilnahme an dortigen Jagden ist auf 5 bis 6 Tage bemessen.
Ihre Majestät die Kaiserin Königin Augusta erfreut sich, wie aus Coblenz gemeldet wird, dort des allerbesten Wohlbefindens und gedenkt noch einige Wochen daselbst zu verbleiben. Soweit bis jetzt bekannt, kehrt Allerhöchstdieselbe erst Ende dieses Monats von dort nach Berlin zurück, um während der Wintermonate dortselbst zu verbleiben.
Die Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers in Oldenburg wird auf den 4. und 5. December fallen. Die Vorbereitungen dafür werden schon jetzt in Angriff genommen.
Das erste Lied.
Von R. A. G u t h m a u n.
(Fortsetzung.)
„Er wohnt in hiesiger Stadt." entgegnete Sont- heim, „ist Musiklehrer, Kapellmeister, plagt sich rechtschaffen, leidet aber keine Noth und . . /
„Ja, aber ich habe doch nie seinen Namen gehört, das ist mir doch unbegreiflich! So groß ist doch unsere Stadt nicht!" fiel ihm Frau v. Mola in die Rede, die ihrer Verwirrung nicht mehr tzerr werden konnte.
„Ich sagte Ihnen bereits" — erklärte Sont> Heim langsam und sein Gegenüber scharf fixirend, „daß mein Bruder sich nicht mehr bei seinem Namen nannte. Er wählte den Namen unserer Mutter, Strom!"
„Strom?" rief die Hosräthin und erbleichte.
„Ja, Strom. Ihr früherer Geliebter ist der Väter von . .."
„Doch nicht von Fräulein Lisa Strom?"
„Allerdings; von Lisa, an der sie das am Vater begonnene unrühmliche Werk ebenso unrühmlich fortgesetzt haben würden, wenn ich nicht dazwischen getreten wäre. Lisa hatte bereits Lust und Liebe zur weiteren Ausbildung ihres Talents verloren — sie hatte überhaupt zu gar nichts mehr Trieb, sondern saß und weinte, oder starrte theil- nahmslos ins Leere. Die Hoffnungen, die mein armer Bruder aus ihre Zukunft gesetzt hatte, wären gescheitert, wie die, welche er einst bezüglich seines Talents gehegt, alle die tausend Opfer,
Se. Majestät der König von Sachsen be- giebt sich am nächsten Freitag, 9. d. M., zufolge einer Einladung Sr. Majestät des Kaisers zu den Jagden nach Königs-Wusterhausen und von hier aus direct nach Sibyllenort.
Das gesammte Material, welches an Eingaben, Gutachten und Wünschen betheiligter Kreise bezüglich des Arbeiter-Altersversorg- ungsgesetzes im Bundesrath vorliegt, ist einem besonderen Unterausschuß überwiesen, welcher dem Plenum in der nächsten Sitzung darüber berichten bezw. Anträge zu einzelnen Bestimmungen des Gesetzes unterbreiten wird. Das Plenum soll seine Arbeiten in der Weise fördern, daß die Beschlüsse bis zum Zusammentritt des Reichstages in der dritten Woche dieses Monats festgestellt sind und der Entwurf den Reichstag im Beginn der Session beschäftigen kann.
Bei den handelspolitischen Verhandlungen zwischen deutschem und schweizerischen Com- missaren hat man sich dahin geeinigt, es solle grundsätzlich ein J-a-w+a-tf Hau vereinbart werden. Die Vertreter der Schweiz find von Berlin wieder abgereist.
Das abgerissene Wappenschild des deutschen Consulats in H a v r e ist am Sonnabend in aller Form in Anwesenheit des ad hoc delegir- ten Ministerialdirektors im Ministerium des Innern, Puybarand, und eines höheren Polizeibeamten am Consulatsgebäude wieder angebracht worden, nachdem Herr Puybarand, der in voller Uniform erschienen war, zuvor dem Consul nochmals das Bedauern der Regierung über den Vorfall ausgesprochen hatte. Die Ermittelung der Individuen, welche das Schild abgerissen und besudelt haben, scheint noch nicht erfolgt zu sein. Während die französische Regierung sich in diesem Falle dazu verstehen mußte, den elementarsten Regeln des internationalen Anstandes Rechnung zu tragen, ist es nicht gelungen, für
welche die Familie für die Ausbildung v^n Lisas Stimme gebracht, wären vergeblich gewesen, wenn ich ihr nicht den rechten Ansporn gebracht hätte. „Lisa", sagte ich, „willst Du den Geliebten Dir erringen, dann werde eine berühmte Künstlerin. Einer solchen wird die Frau Hoträthin den einzigen Sohn vielleicht doch nicht verweigern, der Blumenbinderin aus der Böttchergaste ist er verloren. Das brächte der Kleinen die Lust zurück, und sie sang von Stund an wieder wie eine Lerche."
Am darauffolgenden Vormittage stand die ©of« räthin etwas verlegen aus der Schwelle zum Zimmer ihres Sohnes. „Ich möchte Dich bitten, mich aus einem Ausgange zu begleiten, lieber Frie— Siegfried! Wie ich sehe, hast Du nicht erst nöthig, Dich umzukleiden — also bitte!"
Siegfried von Mola saß vor seinem Schreibtische und blickte ziemlich unwillig zu der Eintretenden hinüber. „Du sollst mich nicht immer stören, Mama" — entgegnete er verstimmt. „Ich habe Dich schon so oft gebeten, das zu unterlassen — kannst Du den Gang nicht allein thun?'
„Nicht gut —" war die Antwort. „Es handelt sich um ein Geschenk sür Dich, und da ich nicht gern gegen Deinen Geschmack wählen möchte, wäre es mir lieb, wenn Du mir bei der Wahl beiständest."
„Um ein Geschenk für mich?" frug Siegfried verwundert — „schon wieder? Was habe ich denn
die mehrfach erwähnten Mißhandlungen, welche vier Freiburger Studenten in Belfort erfuhren, bei der französischen Justiz Genugthuung zu erlangen. Da es trotz aller Bemühungen nicht zu ermöglichen war, zur Vertretung der Sache der mißhandelten Deutschen einen französischen Rechtsanwalt zu finden, so hat das badische Justizministerium erklärt, daß es seinerseits in der Angelegenheit nichts mehr zu thun vermöge. Von dieser Erklärung ist dem Fürsten Bismarck Kunde gegeben worden.
Der seit langen Jahren in Paris bestehenden deutschen Gesellschaft „Teutonia" ist von der Polizei in letzter Stunde die Veranstaltung eines Bankets mit darauf folgendem Ball untersagt worden. Früher hatte man der Gesellschaft in dieser Hinsicht niemals Schwierigkeiten bereitet.
Nach in London eingegangenen Drahtmeldungen aus S a n s i b a r wurde durch das sechs- kündige Bombardement von Whindi viel Eigen- üum zerstört—. Die Deutschen verbrannten ämmtliche Fahrzeuge aus der s^u I». Sansibar werden die deutschen Kriegsschiffe „Bismarck" und „Stosch", sowie das englische Panzerschiff „Agamemnon" erwartet.
Eine Kaiserliche Verordnung setzt das Gesetz betr. die Unfall- und Krankenversicherung der im land- und forstwirthschaftlichen Betriebe beschäftigten Personen (vom 5. Mai 1886) für das Gebiet des Großherzogthums Hessen, des Großherzogthums Mecklenburg - Schwerin, des Herzogthums Sachsen - Coburg und Gotha, des Fürstenthums Reuß ältere Linie und der freien Hansestadt Bremen in Kraft.
Bei der Reichstags-Stichwahl in Ansbach wurde K r ö b e r (Volkspartei) mit etwa 2000 Stimmen Mehrheit gewählt.
Von den bisher bekannten 243 Wahlresul- taten sind 84 conservativ, 41 sreiconservattv, 47
schon Weber Hervorragendes vollbracht, das einer Belohnung bedürfte?"
„Nun, mein Siegfried ist doch von seiner Kind- heu an gewöhnt, daß jeder tüchtigen Leistung von seiner Seite, jeder guten Censur, die er mir heim- brächte, eine Belohnung aus dem Fuße folgte — das soll auch heute der Fall sein. Du hast mir durch die Komposition jenes Dir bekannten Liedes, das jetzt alle Welt singt, eine namenlose Freude bereitet, das Lied hat zudem von allen Kritikern eine glänzende Censur bekommen — folglich ist die Belohnung fällig."
„Aber was in aller Welt willst Du mir noch kauten? Ich besitze schon übergenug von derlei überflüssigen Tändeleien" — meinte der junge Mann, nicht eben erbaut und mehr ehrlich als artig. — „Mein Zimmer gleicht einem Ausstellungs- bazar — was hast Du denn für mich in petto?"
„DaS wirst Du schon sehen. Es ist diesmal nichts überflüssiges, sondern etwas durchaus noth» wendiges, aber ohne Deine Zustimmung möchte ich es gerade deshalb nicht anschaffen."
„So" — meinte der Sohn einer so gütigen Mutter nachlässig, schrieb dann noch ein paar Noten, überflog noch einmal flüchtig das Geschriebene, und schickte sich dann an, die Mutter zu begleiten.
Er that das ziemlich mißmüthig, schritt gelangweilt neben der Hosräthin her, und hatte keine Augen für die schimmernden Herrlichkeiten in den Auslagen der Schaufenster. Es schien ihm durchaus nicht daran gelegen, schnell an den Ort zu