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Htrsstl-er KkeiSiilitt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „IllustrirLes NnterhattungsötaLL".__________
Nr. 130. Sonnabend den 3. November 1888.
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„Jllustrirtes Unterhattungsblatt" für die Monate November und December werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 1. November 1888.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 1. October 1880 Nr. 11469 im Kreisblatt Nr. 79, die den Gemeindekassen im Jahre 1888 für verkauftes Obst zugeflossenen Beträge betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 8. d. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
PMMM AachMchten.
(Deutschland.) Die Grundsteinlegung des Reichsgerichtsgebäudes in Leipzig hat am Mittwoch Mittag in Gegenwart des Kaisers, des Königs von Sachsen, Vertreter der BundeS- staaten, des Reichstages u. s. w. stattgelunden. Der bayrische Bundesbevollmächtigte, Graf Lerchen- selb, reichte dem Kaiser die Kelle, um Mörtel auf den Grundstein zu werfen, den Hammer überreichte . der Bicepräsident des Reichsgerichtes, Dr. Buhl. Dann setzten die Meister das Verschlußstück an.
Aas erste Lied.
Von R. A. G u t h m a u n.
(Fortsetzung.)
„Mein Verleger behielt das neue Manuskript einige Tage bet sich," fuhr der Erzähler fort, „dann brächte er selbst es mir zurück und seine Kritik lautete niederschlagend, vernichtend; alternde Schriftsteller, so führte er aus, denen die Ader der Erfindung ausgegangen sei, pflegten stch selbst z» copiren, und bet Veteranen der Kunst könne man da wohl pietätvolle Nachsicht üben; wenn aber diese Erscheinung schon in jungen Jahren auftrete, so sei das ein Beweis, daß die Erzgänge des Talents nicht wett führten; den Abbau so wenig versprechender Adern stelle man am besten ein — zeitweilig wenigstens. Ich warf schweigend mein Manuscript ins Feuer; abermals fühlte ich, daß der Mann Recht habe. Die Nacht aber, welche darauf folgte, meine Gnädige, würden Sie gewiß auch Ihrem ärgsten Feinde nicht gegönnt haben, geschweige denn einem Manne, der es so hart büßen mußte, daß er Sie nicht vergessen konnte. Doch, Sie können sich wohl kaum in seine Lage versetzen
„Doch, ich kann es," sagte die schöne Frau kaum hörbar, und die Thränen, die in ihren bittend auf den Erzähler gerichteten Augen blitzten, waren direct aus dem Herzen aufge- stiegen. „Ich fühle, daß das eine Nacht war, die kaum jemals durch späteres Glück ausgeglichen werden kann."
Den ersten Hammerschlag that der Kaiser, dann folgten der König von Sachsen und die anderen hohen Herrschaften nacheinander. Zum Schluß brächte ReiSsgerichtspräsident v. Simson das Hoch aus. Nach beendeter Feier nahm der Kaiser an dem Frühstück im neuen Gewandhause theil und begab sich alsdann nach dem Bahnhöfe, von wo aus die Rückreise nach Potsdam angetreten wurde.
Im Laute des Donnerstag Vormittags arbeitete Se. Majestät der Kaiser und König zunächst längere Zeit allein, nahm darauf Vorträge entgegen und empfing später den Oberst-Jägermeister, Se. D. den Fürsten von Pleß. Hierauf hatten die Commandeure der Leibregimenter und Leibcompagnien zur Ueberreichung der Militär- Monatsrapporte die Ehre des Empfanges. Nachmittags sprach Se. Maj. der Kaiser und König auch noch den Vier-Ober-Jägermeister Grafen Dohna. Um 1*/4 Uhr fand zu Ehren II. KK. HH. des Herzogs und der Herzogin Carl Theodor in Bayern bei den Kaiserlichen Majestäten im Mar« morpalais bei Potsdam ein größeres Diner statt.
t Die Grundsteinlegung zum Reichsgericht, welche am 31. October in Leipzig statt- fand, rüst unwillkürlich noch einmal den Act der Gesetzgebung in das Gedächtniß zurück, durch welchen der oberste Gerichtshof des Reiches statt in der Reichshauptstadt in Leipzig errichtet wurde. Die Mehrheit des heutigen Reichstags würde voraussichtlich einen solchen Beschluß, der in seinen Motiven ein Mißtrauen in die Unabhängigkeit des Gerichts am Sitze des Reichsregiments bekundete, nicht fassen. Seitdem ist mehr als ein Jahrzehnt über Deutschland dahingegangen. Die neue Institution hat sich in die Aufgaben ihrer Bestimmung wie in die Verhältnisse des ihr zugewiesenen Aufenthalts eingelebt, im Reichsleben wie im Rechtsbewußtsein der Ration nimmt sie den hohen Rang ein, mit welchem die gesitteten Völker ihre oberste unantastbare Rechtsprechung umgeben. Als
„Sie mögen Recht haben", — sagte Sontheim unbewegt, „doch — weiter: Eine Zeit noch setzte ich den hoffnungslosen Kampf fort; aber mehr und mehr kam ich zu der Erkenntniß: Wohl ist es ein Vortheil und für die Entfaltung des Talentes von unberechenbarem Werthe, wenn dieses Talent nicht durch kleinliche Sorgen und Kümmernisse materieller Art von seinem Schaffen abgelenkt wird, aber dieser sorgenlose freie Zu- stand darf doch nicht mit dem innern Gleichgewichte des Gemüthes bezahlt werden. Ich bin der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß die seelischen Kümmernisse bei weitem niederdrückender wirken als die materiellen Sorgen, und sich als schwerere Lasten an die Flügel des Genius hängen als die Magenfrage. Hat doch das Genie meist einen frohen, sorglosen Sinn, der sich über die alltäglichen Dinge des Lebens leicht hinwegsetzt, während es hingegen kraft seines mehr geistigen Lebens und Empfindens für erschütternde Ereignisse, die das Seelenleben berühren, empfänglicher ist als der vernünftige Alltagsmensch. Ich quälte mich, ich versetzte mich künstlich in Stimmung, ich suchte sogar im Weine Inspiration — aber vergebens! Es nutzte mir doch alles nichts, ich gab verzweiflungsvoll das Komponiren auf."
„Ah —" machte Frau von Mola erleichtert, „Sie hatten bis dahin das eigentliche Feld Ihrer Thätigkeit noch nicht bebaut. Ihnen sollten die Lorbeeren anderswo erblühen!"
Unbeschreiblich war der Ausdruck des Blickes,
Theil der höchsten Reichsgewalt trägt sie dazu bei, die Achtung vor derselben und damit das Ansehen des Reichsgedankens überallhin zu verbreiten und zu festigen. Zum ersten Male baut das deutsche Volk seinem obersten Gericht eine Stätte. Wer einen Vergleich ausstellen wollte zwischen dem Reichsgericht von heute und dem Reichskammergericht des alten Reiches zu Wetzlar, fände darin zugleich die Unterschiede gegeben zwischen dem alten und dem neuen Reich. War dem alten Reiche vom Scheine viel, vom Wesen wenig verblieben, so ersüllt das neue Reich der entschlossene, thatkräftige Geist seiner Begründer, die wenig den äußern Schein, um so mehr aber das Wesen der Dinge in's Auge fassen. Der Palast des Reichsgerichts ist eines jener gleichsam mit eherner Hand geschriebenen Zeichen, daß Deutschland sich in seinen neuen Institutionen für die Dauer einrichtet und auf Fundamenten baut, die nicht in dem Flugsand veränderlicher äußerer Formen, sondern in den Herzen der Nation und auf den tiefinnersten Staatszwecken der neuen Reichsgemeinschaft ruhen. Auf diesen Fundamenten ruht auch das Reichsgericht. Möge die oberste Stätte unseres Rechts dereinst auch in dem jetzt beginnenden Bau blühen und gedeihen, sein Glanz wird mit dem Glanz des Reiches leuchten und verlöschen.
Der „Pol. Corr." wird aus Berlin gemeldet, Kaiser Wilhelm habe dem König Georg während seines letzten Aufenthaltes in Berlin die Absicht kundgegeben, im Laufe des nächsten Jahres Athen zu besuchen.
Der B u n d e s r a t h hat am Donnerstag eine Plenarsitzung abgehalten. Der Gegenstand der Berathung war vor allem der Bericht der Ausschüsse über die Alters- und Jnvaltdenverstche- rungs-Borlage.
Die Verhandlungen über die Erneuerung des deutsch - schweizerischen Handelsvertrages
mit dem Sontheim sie fixirte, als er ironisch erwiderte: „Sie beanspruchen wohl gar das Verdienst, verehrte Frau, mich erst auf den richtigen Weg gebracht zu haben? Jedenfalls eine verzweifelte Kur!"
Frau von Mola schlug die Augen nieder; ihre Zuversicht war gesunken, und Sontheims Art zu erzählen, fing an sie mit einer bestimmten Ahnung zu ängstigen.
Sontheim wartete erst eine Weile auf eine Aeußerung ihrerseits; da aber eine solche aus- blieb, erzählte er weiter: „Um jene Zeit starb meine Mutter, an der ich immer noch einen gewissen sowohl sittlichen als materiellen Halt gehabt hatte; da nach ihrem Tode die Pension, die uns beide der Sorge um das tägliche Brod überhoben, erlosch, so mußte ich ernstlich Anstalt machen, Geld zu verdienen. Ich fing an Stunden zu geben, spielte in Conzerten, und da ich wirklich kein übler Violinspieler war, so machte sich die Sache — so so — wie man sagt; eine noch bessere Zukunft schien mir zu winken, als ich an einem angesehenen Provinztheater Capell» meister wurde. Um diese Zukunft vollkommen sicher zu stellen, brauchte ich nur noch zweierlei zu thun; erstens mußte ich eifrig und energisch meines Amtes walten, und zweitens durfte ich es nicht unterlassen, mich in meinen Freistunden fortzubilden. Nun, gnädige Frau, wissen Sie wohl, daß ich nicht eigentlich ein thatkräftiger Charakter genannt werden konnte; hätte ich in einer meine ganze Seele erfüllenden und be»